mini|Logo der Loveparade mini|hochkant|Berliner Loveparade 2006 an der Siegessäule mini|Bühne auf dem Berliner Platz bei der Loveparade 2007 in Essen
Die Loveparade (auch: Love Parade oder Love-Parade) war eine von 1989 bis 2010 veranstaltete Technoparade.
Hintergrund Die Parade fand von 1989 bis 2006 in Berlin und ab 2007 bis 2010 an wechselnden Orten im Ruhrgebiet statt. In den Jahren 2004, 2005 und 2009 wurde sie nicht durchgeführt. Nach dem Unglück bei der Loveparade 2010 in Duisburg fand die Loveparade nicht mehr statt.
Die Veranstaltung entwickelte sich im Laufe der Jahre von einem kleinen Straßenumzug der West-Berliner Technomusikszene zunächst zu einer international bekannten Veranstaltung der Technokultur und später zum Massenspektakel und Marketingevent mit bis zu 1,5 Millionen Teilnehmern.Dr. Motte: Wir donnerten unseren Sound in die Stadt. In: einestages, 1. Juli 2009; abgerufen am 4. August 2010.
Geschichte mini|hochkant|Dr. Motte, auf der Loveparade 2005 in Acapulco, Mexiko
Die erste Loveparade wurde in Berlin am 1. Juli 1989 von dem Techno-Discjockey Matthias Roeingh (Künstlername Dr. Motte) und der Multimediakünstlerin Danielle de Picciotto initiiert. Die Idee, die Parade als Demonstration anzumelden, hatte Miriam Schefflerhttps://www.zeit.de/online/2009/27/loveparade-interview. Die Parade wurde als angemeldete politische Demonstration durchgeführt, für „Friede, Freude, Eierkuchen“ (für Frieden: Abrüstungen auf allen Ebenen, besonders zwischenmenschlich; für Freude: Durch Tanz und Musik als Mittel der Verständigung; Eierkuchen: Für eine gerechte Nahrungsmittelverteilung auf der Welt).
Die Parade führte – vom Vorplatz des Bahnhofs Zoo aus – auf der gesperrten rechten Seite des Kudamms Richtung Olivaer Platz. Vorneweg fuhr ein blauer VW-Bus mit riesigen Frontlautsprechern. Hervor stach ein halbnackter Einradfahrer mit Federboa um die Schultern. 1990 organisierten Dr. Motte, Helge Birkelbach, Kati Schwind, Sandra Molzahn und Ralph Günther die Parade. Ab 1991 Dr. Motte, Jürgen Laarmann, Ralf Regitz, Sandra Molzahn und Kati Schwind. 1996 wurde die Loveparade GmbH gegründet. Gesellschafter bis zur Übernahme durch Rainer Schaller von Mc Fit im Jahr 2006 waren Dr. Motte, William Röttger, Sandra Molzahn, Ralf Regitz und Andreas Scheuermann.
Von ursprünglich 150 Beteiligten wuchs die Loveparade – nach Angaben der Veranstalter – auf etwa 1,5 Millionen Besucher im Jahr 1999 an. Seit Mitte der 1990er Jahre hatte sich die Technomusikszene von der Veranstaltung zunehmend zurückgezogen und Gegenveranstaltungen wie die Fuckparade initiiert. Ab dem Jahr 2000 waren die Besucherzahlen in Berlin rückläufig. Im Jahr 2001 wurde der Veranstaltung durch das Bundesverfassungsgericht der Demonstrationsstatus aberkannt und sie als kommerzielle Veranstaltung eingestuft. Nach einer Pause in den Jahren 2004 und 2005 fand sie 2006 mit einem neuen Veranstalter, der Lopavent GmbH des Unternehmers Rainer Schaller, und einem modifizierten Konzept wieder in Berlin statt. Dr. Motte, der als der Gründer bezeichnet werden kann, distanzierte sich klar von diesem Konzept, weil der Veranstalter nur monetäre Ziele verfolge und materielle Interessen vertrete. Die Parade erreichte nach Angaben der Berliner Polizei ein Besucheraufkommen von etwa 500.000 Menschen. Die für den 7. Juli 2007 geplante Loveparade wurde im Februar vom Veranstalter abgesagt.
Der Veranstalter suchte europaweit eine neue Partnerstadt und wurde am 15. Juni 2007 fündig. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft metropoleruhr GmbH teilte mit, dass die Loveparade für fünf Jahre ins Ruhrgebiet umziehen würde. Am 25. August 2007 fand das Ereignis laut ursprünglicher Aussage des Veranstalters mit etwa 1,2 Millionen Besuchern in Essen, am 19. Juli 2008 mit etwa 1,6 Millionen Besuchern in Dortmund – die für 2009 geplante Parade in Bochum wurde abgesagt – und am 24. Juli 2010 in Duisburg mit 1,4 Millionen Besuchern statt. Medienberichten zufolge belegen interne Papiere des Veranstalters, dass die offiziellen Besucherzahlen der Loveparade seit Jahren massiv falsch verlautbart wurden und keinen Bezug zur wirklichen Besucherzahl hatten. Die Zahl der erwarteten Besucher sei manipulativ verdreifacht worden.
Bei der 19. Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg kam es durch Rückstau auf der Tunnelrampe zu einem Unglück, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen, von denen 16 direkt am Unglücksort verstarben. Während der gesamten Veranstaltung wurden mehr als 500 Besucher verletzt. Polizei Duisburg. Gemeinsame Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei zur Loveparade in Duisburg, 25. Juli 2010, 15:51 Uhr; abgerufen am 30. Juli 2010. Polizei Duisburg. Gemeinsame Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei zur Loveparade in Duisburg, 26. Juli 2010, 14:52 Uhr; abgerufen am 30. Juli 2010. Der Organisator der Loveparade 2010, Rainer Schaller, teilte am Tag nach dem Unglück mit, dass künftig keine Loveparade mehr stattfinden werde.rtl.de gefunden bei RTL.de, abgerufen am 26. November 2019.
1989–1995: Die Anfänge auf dem Kurfürstendamm mini|hochkant|Der Franconia Love Truck am Wittenbergplatz, 1995
Die Idee zur ersten Loveparade hatte Dr. Motte sechs Wochen vorher, vor einer Partylocation in Berlin-Kreuzberg. Unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ wurde diese als politische Demonstration angemeldet und fand am 1. Juli 1989 statt. Die Idee, die Parade als Demonstration anzumelden, hatte Miriam Scheffler. Bei der Organisation halfen Stammgäste des Ufo-Clubs. Daran sollen etwa 150 Personen teilgenommen haben. Mithilfe eines Generators sowie einer Anlage auf drei Autos zogen sie über den Kurfürstendamm.Als die Liebe tanzen lernte. In: Die Zeit, Nr. 27/2009 Die Afterparty der ersten Loveparade fand im Ufo, dem ersten Acid-House-Club Berlins, statt. Dr. Motte spielte an diesem Abend allerdings in seinem Stammclub, der Turbine Rosenheim.
Im folgenden Jahr stieg die Größe auf etwa 2000 Menschen an, was, neben der Mundpropaganda durch die Teilnehmer des Vorjahres, an dem Interesse der Jugendlichen aus dem ehemaligen Ost-Berlin lag, die wegen des Mauerfalls erstmals die Möglichkeit hatten, an der Veranstaltung teilzunehmen. Dr. Motte, Helge Birkelbach, Kati Schwind, Sandra Molzahn und Ralph Günther organisierten die Parade.
Im Mai 1991 wurde der Publizist Jürgen Laarmann Teil des Veranstaltungsteams und arbeitete daran, die Loveparade zu einem nationalen Event aufzubauen. Auf einem von Laarman entworfenen Poster war das von dem Grafiker Alexander Branczyk entworfene offizielle Logo mit einem Herz abgebildet. Die Loveparade stand 1991 unter dem Motto „My House Is Your House And Your House Is Mine“ und wurde von etwa 6000 Menschen besucht. Sie gilt als erstes überregionales Zusammentreffen der verschiedenen bundesweiten Technoszenen. Es reisten Szeneaktivisten aus mehreren Städten nach Berlin, um ihre regionale Technokultur zu präsentieren, wodurch erste Netzwerke und ein bundesweiter Austausch der jungen Technokultur zustande kamen.We call it Techno, Dokumentation 2008 Gruppen aus Frankfurt am Main und aus Köln beteiligten sich mit einem eigenen Wagen. Mit dem Wagen, auf dem WestBam und Marusha auftraten, nahm erstmals ein größerer Truck mit einem leistungsstärkeren Soundsystem an der Loveparade teil, sowie ein Filmteam, das Aufnahmen für Westbams Musikvideo zu dem Track I Can’t Stop anfertigte. Mit dem Wachstum der Parade und der Professionalisierung einiger Gruppen begann ein szeneinterner Diskurs über eine startende Kommerzialisierung und die Abkehr von ursprünglichen Idealen. Von dem Musiksender MTV wurde die Veranstaltung als „German Summer of Love“ betitelt. 1992 charterte die „Frankfurt Posse“ einen Sonderzug von Frankfurt nach Berlin, den sogenannten „Love Train“. 15 Musikwagen traten in diesem Jahr an. Es wurde auch in der Tagesschau und bundesweit über die Veranstaltung berichtet. 1993 reisten zunehmend Menschen aus dem Ausland an. Das Musiklabel Low Spirit beteiligte sich an der Organisation der Parade.
Als prägend für die Loveparade 1994, an der 40 Wagen gestartet waren, gilt der von DJ Tanith organisierte Sowjetpanzer, den er von dem Kunsthaus Tacheles ausgeliehen hatte und auf dem er mit einem Zepter mit Totenkopf auftrat.
Im Jahr 1995 wurde die Love Parade GmbH von den Gesellschaftern Jürgen Laarmann, William Röttger, Dr. Motte, Sandra Molzahn, Andreas Scheuermann und Ralf Regitz gegründet. Die Gesellschaft verwertete die Markenrechte an der Veranstaltung und war für die Durchführung und die Akquise finanzieller Mittel durch Sponsoring, Medienpartnerschaften und den Verkauf eigener Merchandising-Produkte zuständig. Die Parade wurde zunächst für den 1. Juli angemeldet. In der Anmeldung hieß es: „Mit dieser Demonstration wollen wir für einen ungeteilten Frieden auf der ganzen Welt demonstrieren. Insbesondere fordern wir einen sofortigen Waffenstillstand in Bosnien, Tschetschenien und Mexiko.“ Allerdings war für diesen Tag in Berlin bereits der Christopher Street Day angemeldet und die Stadt erwartete wegen der Verhüllung des Reichstags durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude deutlich höhere Touristenzahlen. Das Veranstaltungs-Team schlug daraufhin den 8. Juli vor und führte Gespräche mit der Stadt, die ein vorgelegtes Sicherheitskonzept und ein Konzept zur Müllvermeidung verlangte. Da die Loveparade bisher als Demonstration angemeldet war, trug die Stadt bisher die Kosten für die Müllbeseitigung. Mit dem Wachstum der Veranstaltung und den damit einhergehenden steigenden Müllentsorgungskosten wollte der damalige Innensenator Dieter Heckelmann (CDU) der Veranstaltung den Demonstrationsstatus aberkennen. Die Forderung wurde jedoch von weiteren Senatsmitgliedern nicht unterstützt. Der Polizeipräsident gab am 24. Mai bekannt, dass der Loveparade die Genehmigung verweigert werde. Die Veranstalter legten dagegen Widerspruch und eine Verwaltungsbeschwerde ein. Der Mitorganisator William Röttger kündigte auf einer Pressekonferenz an, notfalls „für die Freiheit des Demonstrationsrechts vor Gericht“ zu gehen und „eine einstweilige Verfügung zu erwirken“. Das Verfahren entwickelte sich zum Politikum der anstehenden Abgeordnetenhauswahl. Am 6. Juni trafen sich die Veranstalter mit Vertretern der Senatsverwaltung für Inneres, der Polizei und des Straßenverkehrsamts. Dabei wurde eine Genehmigung in Aussicht gestellt. Die Veranstalter legten ein mehrseitiges Müllentsorgungskonzept vor und verlegten den Beginn der Parade von 14 auf 16 Uhr, um der Händlergemeinschaft „AG City“ entgegenzukommen. Diese hatte nach der Loveparade im Vorjahr Befürchtungen um Umsatzeinbußen vorgebracht.
Es beteiligten sich immer mehr Clubs und Labels mit eigenen Lovemobiles („Floats“). Die Zigarettenmarke Camel war Sponsor der Veranstaltung. Mehrere Teilnehmende bestiegen die Verkehrsschilder und Straßenlaternen, was die Stadt in den folgenden Jahren bei den historischen Laternen durch das Anbringen von Abwehrgittern und dem Auftragen von Rutschmittel zu verhindern versuchte. Zunehmend als Problem wahrgenommen wurde in diesem Jahr der illegale Getränkeverkauf durch fliegende Händler und der damit einhergehende zusätzliche Müllanstieg. Neben der eigentlichen Parade wurde ein Rahmenprogramm mit Raves angeboten. Der SFB sendete am Veranstaltungstag mehrere Stunden lang live von der Loveparade. Die Moderatorin Anne Will berichtete live vor Ort für den SFB.
1996–2000: Entwicklung zur Großveranstaltung an der Siegessäule mini|hochkant|Liveact N-SON-X auf dem Franconia Love Truck, 1996 mini|hochkant|Liebespaar auf der Berliner Loveparade 1999