Abdellah Taïa (; geboren am 8. August 1973 in Salé) ist ein offen schwuler marokkanischer Schriftsteller, Journalist und Filmemacher, der seit 1999 im selbst gewählten Exil in Paris lebt.
Leben und Werk Taïa wuchs als eines von neun Kindern in seiner Geburtsstadt auf.. Interviewed by Brian Whitaker in Paris, January 2009. Durch seinen Vater, Hausmeister an der Stadtbibliothek von Rabat, wurde er mit der Literatur bekannt. Als Teenager hatte Taïa seine ersten schwulen Erfahrungen, die ihn auch mit dem Machismo in der marokkanischen Gesellschaft konfrontierten. Durch ein Studiensemester in Genf erhielt er 1998 die Gelegenheit, Marokko zu verlassen.
2006 bekannte er sich in einem Interview mit Tel Quel, einem marokkanischen Politmagazin, als erster marokkanischer Schriftsteller zu seiner Homosexualität, was zu massiven Anfeindungen in seinem Heimatland führte.Qantara.de: „Der marokkanische Schriftsteller Abdellah Taïa – Melancholie und Einspruch“, 30. Juni 2008Deutschlandfunk: „Protest gegen Homosexuellen-Hatz“, 25. März 2008
Taïas Bücher berichten nicht nur von seinem Leben als schwuler Mann in einer schwulenfeindlichen Umgebung, sondern reflektieren auf autobiografischem Hintergrund auch die gesellschaftlichen Erfahrungen der in den 1980er- und 1990er-Jahren in Marokko aufgewachsenen Generation.
Taïa arbeitet auch als Journalist, unter anderem für Le Monde und The Guardian, und hat sich publizistisch stark für den Arabischen Frühling engagiert.
Mit seinem Debütfilm „L’armée du salut“, einer freien Adaption seines gleichnamigen Romans, hat sich Taïa im Herbst 2013 auf dem Filmfestival von Venedig auch als Filmemacher vorgestellt.„Interview with Abdellah Taïa, director of L’Armée du salut (Salvation Army)“, 2013.
Auszeichnungen 2010: Prix de Flore für Le jour du Roi 2014: Festival d’Angers: Grand Prix du Jury für L’armée du salut 2014: Outfest Los Angeles: Special Programming Award for Artistic Achievement für L’armée du salut 2014: Durban International Film Festival: Award for Best First Feature Film für L’armée du salut 2019: Besondere Erwähnung („Mention spéciale“) der Jury beim Prix du roman gay für La vie lente
Werke (Auswahl) Mon Maroc, Erzählung. Séguier, 2000 Le rouge du Tarbouche, Roman. Séguier, 2005 L’armée du salut, Roman. Seuil, 2006 Maroc 1900–1960, un certain regard. Actes Sud, 2007 (mit Frédéric Mitterrand) Une mélancolie arabe, Roman. Seuil, 2008 Lettres à un jeune Marocain. Seuil, 2009 dt.: Briefe an einen jungen Marokkaner. Aus dem Französischen von einem Autorenkollektiv der Universität Wien unter der Leitung von Margret Millischer. Passagen Verlag, Wien 2013 Le jour du Roi, Roman. Seuil, 2010 dt.: Der Tag des Königs, Roman. Aus dem Französischen von Andreas Riehle. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42295-3;„Der Tag des Königs“ auf perlentaucher.de (mit Leseprobe) als Broschur: Suhrkamp, Berlin 2020, ISBN 978-3-518-24251-3 Infidèles, Roman. Seuil, 2012 Un pays pour mourir, Roman. Seuil, 2015 Arabs Are No Longer Afraid – Texts On A Revolution Underway, politische Essays. Ins Englische übersetzt von Noura Wedell. Semiotext(e), 2015 Celui qui est digne d'être aimé, Roman. Seuil, 2017, ISBN 978-2-02-134307-6 Un jour je partirai. Theaterstück, aufgeführt beim Festival d’Avignon 2018 La vie lente, Roman. Seuil, 2019 Vivre à ta lumière, Roman. Seuil, 2022 Le Bastion des larmes, Roman. Julliard, 2024
Filme L’armée du salut (engl. Salvation Army), 2013.
Weblinks
http://abdellahtaia.free.fr/
Marokkanisches Liebesdrama: Dem Herrscher an die Wäsche gehen, Spiegel Online, 10. Mai 2012, über Der Tag des Königs Warum wollten Sie nicht mehr abwarten?, Stuttgarter Zeitung, 22. März 2014 Über Taïas ersten Film L’armée du salut (en), New York Times, 11. April 2014
Einzelnachweise
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