mini|Luftbild von Kap Arkona, links der Peilturm, mittig die zwei Leuchttürme Als Leuchtturm Kap Arkona bezeichnet man zwei Seefeuer an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern. Sie befinden sich am Kap Arkona auf der Halbinsel Wittow an der Nordspitze der Insel Rügen. In Sichtweite befindet sich der Peilturm Kap Arkona.

Beide Leuchttürme wurden Anfang der 1990er Jahre saniert und sind für Besucher zur Besichtigung geöffnet. Im alten Leuchtturm befindet sich heute das Museum mit einer Ausstellung zu Leuchtfeuern und Seenotrettung und eine Außenstelle des Standesamtes. Hier geschlossene Ehen werden durch eine kleine Tafel im Boden vor dem Turm verewigt. Auf jedem Turm befindet sich eine Aussichtsplattform, von denen man einen ungehinderten Blick über Rügen und insbesondere die Halbinsel Wittow hat. Bei klarem Wetter kann man bis zur dänischen Insel Møn blicken.

Geschichte Erst nach der endgültigen Befreiung Europas und dem Sturz Napoleons kam es in Preußen mit dem Deutschen Bund zur Bildung eines lockeren Bündnisses von Staaten. Unter der Leitung von Peter Beuth auf der „Stelle eines vortragenden Raths bei der General Verwaltung für Gewerbe und Handel“GStA PK I. HA Rep. 120 A I 3 Nr. 2, fol. 3 r wurde eine umfangreiche Befeuerung der preußischen Küste begonnen. Nach der Turmerhöhung Memel (1819) wurden neu erbaut Rixhöft (1822), Arcona (1824), Hela (1826) und Jershöft (1830).Leuchtfeuer und Leuchtapparate. Historisch und konstruktiv dargelegt von L. A. Veitmeyer. M. Geitel [Hrsg.]. Oldenbourg-Verlag, München und Leipzig 1900. - Nachdruck: Reprint-Verlag, Leipzig 2005. ISBN 978-3-8262-2202-3, S. 45–47. In der nachfolgenden Zeit bis zur Jahrhundertwende sind weit mehr als 20 Seefeuer an der deutschen Küste in Dienst gestellt worden.Die See-Feuer (Leuchtthürme und Leuchtschiffe) der deutschen Küsten und diejenigen Binnen- und Einsegelungsfeuer, welche mit Fresnel’schen Apparaten oder Fresnel’schen Laternen ausgerüstet sind (Karte von 1889), auf dibiki.ub.uni-kiel.de, abgerufen am 27. August 2026.

Schinkelturm Der kleinere der beiden Leuchttürme wurde 1826/27 nach Plänen der preußischen Oberbaudeputation in Backsteinbauweise erbaut. Der Entwurf wird meist Karl Friedrich Schinkel zugeschrieben, was im Wesentlichen auf ein 1863 durch Schinkels Schwiegersohn Alfred von Wolzogen herausgegebenes Werkverzeichnis zurückgeht.

Schinkel wurde jedoch in einem 1828 erschienenen Druckwerk über die „Bauausführungen des Preußischen Staates“ nicht erwähnt, in dem der Oberbaurat August Adolph Günther den Leuchtturm einen nannte. Signaturen auf zwei Zeichnungen des Leuchtturms werden einerseits als Beleg für Schinkels Urheberschaft, andererseits als einfacher verwaltungsinterner Prüfvermerk gedeutet. Von Schinkel selbst, der den Turm erstmals 1835 besichtigte, sind keine Aussagen über eine eigene Beteiligung am Bau des Turms bekannt. Andererseits nennt ein Zeitgenosse, der Berliner Kupferstecher Johann Friedrich Rosmäsler, in seinem 1834 erschienenen Buch Preußen in landschaftlichen Darstellungen Schinkel als den Urheber des Entwurfs. Von Rosmäsler stammt auch ein Stahlstich des Leuchtturms (1835).Helmut Hannes: Der Swinemünder Leuchtturm – ein Schinkel-Bau? In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 2/2011, S. 2–7 (dort auch eine Abbildung des Stahlstichs).

Der Grundstein wurde am 5. Mai 1826 gelegt. Am 10. Dezember 1827 wurde das Feuer gezündet. Der Turm ist 22,45 m hoch und hat eine Feuerhöhe von . Sein Leuchtfeuer war acht Seemeilen weit sichtbar. Über 86 Stufen gelangt man zur Aussichtsplattform in 15,55 Meter Höhe.

Der Beleuchtungsapparat wurde durch Goldschmiedemeister Hossauaer aus Berlin hergestellt. Er bestand aus 17 versilberten, kupfernen Parabolspiegeln, in deren Brennpunkt sich je ein Brenner mit eigenem Ölgefäß mit Rüböl befand. Die zugehörigen Spiegel waren an Metallringen in zwei versetzten Reihen angeordnet. Im Jahr 1872 wurden sechs zusätzliche Lampen installiert, die mit Petroleum betrieben wurden. Ein Jahr später erfolgte die komplette Umstellung der Brenner auf Petroleum.

Eine historische Beschreibung des Leuchtturms und der Aussicht findet man im Rügen-Reiseführer von 1889.L. Paul: Führer durch Sassnitz, Crampas u. d. Stubnitz. (...) Praktisches Handbuch für Badegäste und Touristen. Verlag F. Bärwolff, Greifswald 1889, S. 55 f. (Digitalisat auf digitale-bibliothek-mv.de, abgerufen am 27. August 2026) Die Räume des dreigeschossigen viereckigen Turms nutzte man als Dienst- und Lagerräume. Er wird auch Schinkelturm genannt. Am 1. April 1905 wurde er außer Dienst gestellt. Er ist nach dem Travemünder Leuchtturm der zweitälteste Leuchtturm an der Ostseeküste.Kap Arkona Schinkelturm, auf deutsche-leuchtfeuer.de, abgerufen am 27. August 2026.

Im Schinkelturm am Kap Arkona befindet sich das nördlichste Trauzimmer Mecklenburg-Vorpommerns.

Der größere Turm wurde 1901–1902, von der Königlich-Preußischen Bauverwaltung in Auftrag gegeben nach demselben Entwurf wie der Leuchtturm Helgoland und direkt neben dem alten Turm erbaut sowie am 1. April 1905 in Betrieb genommen. Er ist 35 m hoch und hat eine Feuerhöhe von . Er ist aus Ziegelsteinen errichtet und steht auf einem achteckigen Granitsockel.

Neuer Turm Am 27. Juni 1894 entstanden die Pläne für ein elektrisch gespeistes Leuchtfeuer als Ersatz für den Alten Turm durch die Firma Helios Aktiengesellschaft. Diese Firma baute und montierte im Jahr 1902 den Beleuchtungsapparat. Dieser bestand aus zwei auf einem Drehtisch montierten Kohlebogenlampen. Jede war auf drei Seiten von Scheinwerferlinsen umgeben, in der vierten Richtung dunkelte eine Blende das Licht ab. Diese Leuchteinrichtung bestand, bis 1921 zwei Glühlampen als Lichtquellen eingebaut wurden. 1995 tauschte man dieses System gegen eine Halogenmetalldampflampe mit einer Betriebslichtstärke von 2,325 Mio. Candela. Ihr elektrisches Blitzfeuer sendet alle 17,1 Sekunden drei Blitze aus und ist 24 Seemeilen weit sichtbar. Gleichzeitig wurde eines der beiden Linsentripel abgebaut und für die Öffentlichkeit ausgestellt. Der Turm hat eine Gesamthöhe von etwa 35 Metern und eine Feuerhöhe von 75 Metern. 175 Stufen führen zu einer für die Öffentlichkeit freigegebenen Aussichtsplattform in etwa 28 Metern Höhe. Seit Anfang September 2025 ist die Aussichtsplattform für den Besucherverkehr wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten gesperrt. Für rund 700.000 € erfolgte eine umfangreiche Sanierung des Leuchtturms, der am 23. Juni 2026 wieder für die Öffentlichkeit freigegeben wurde.Nach 700.000-Euro-Sanierung: Berühmter Ostsee-Leuchtturm ist endlich wieder geöffnet, auf nordkurier.de, 25. Juni 2026, abgerufen am 27. August 2026.

Die Verantwortlichkeit für den Leuchtturm (Wartung und Unterhaltung) liegt seit 2020 beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee.

Besonderheit Die Leuchtturmanlage, Alter und Neuer Leuchtturm mit ehemaligem Leuchtturmwärterhaus, Werkstatt- und Maschinenhaus der ehemaligen Nebelsignalstation sowie dem ehemaligen Marine-Peilturm, steht unter Denkmalschutz und wurde als Baudenkmal in die Kreisdenkmalliste des Landkreises Vorpommern-Rügen aufgenommen.

Der Bereich um die Leuchttürme vom Kap Arkona ist als Flächendenkmal eingestuft. In seinem Bereich befindet sich seit September 2025 durch den Einsatz der Tourismusgesellschaft und des Fördervereins Kap Arkona ein musealer Leuchtturm-Nachbau im Stil der Türme von Ranzow und Kollicker Ort.Mathias Otto: Neuer Leuchtturm an Kap Arkona In: Ostsee-Zeitung vom 24. September 2025

Seit 2026 ist der Leuchtturm Kap Arkona als Mitglied in der Initiative Europäische Route der Leuchttürme aktiv.

Philatelistische Würdigung Die erste Briefmarke, die die Leuchttürme Kap Arkona zeigt, erschien am 7. Mai 1974 von der Deutschen Post der DDR.Sammelgebiet Deutsche Demokratische Republik 1974, auf briefmarken-sammlung.com, abgerufen am 14. Februar 2023 Die Marke gehört zur Serie Leuchttürme, Leit-, Leucht- und MolenfeuerIn: Briefmarken DDR-1974 (Mi.Nr. 1956) mit dem Wert von 35 Pfennig. Der Entwurf stammt vom Grafiker Jochen Bertholdt aus Rostock. Die Auflage betrug 5 Millionen Stück.

Eine weitere Marke erschien am 10. Juni 1980 mit dem Abbild von Bauwerken im Bezirk Rostock u. a. die Leuchttürme am Kap Arkona. Die Marke gehört zur Serie 18. Arbeiterfestspiele der DDR (Mi.Nr. 2514) mit dem Wert von 10 Pfennig. Der Entwurf stammt ebenfalls von Jochen Bertholdt. Die Auflage betrug 16 Millionen Stück.

Die erste Briefmarke mit dem Abbild von Kap Arkona und seinen Leuchttürmen erschien nach der Wiedervereinigung am 15. Juli 1993 von der Deutschen Bundespost in der Serie Bilder aus Deutschland (Mi.Nr. 1684) mit dem Wert von 100 Pfennig. Der Entwurf stammt vom Grafiker Heinz Schillinger aus Nürnberg. Die Auflage betrug 25.750.000 Stück.

In philatelistischer Würdigung des Turms gab die Deutsche Post AG mit Ausgabetag 12. Juli 2012 ein Postwertzeichen (DBP LT Arkona 55 ct 2012) im Wert von 55 Eurocent heraus.Finanzstaatssekretär Koschyk stellte auf Borkum die Sonderbriefmarken Leuchttürme 2012 vor, auf koschyk.de, abgerufen am 2. Februar 2023 Die deutsche Sonderpostwertzeichenserie Leuchttürme (Mi.-Nr. 2943) erscheint seit 2004. Der Entwurf dieser Marke der Briefmarkenserie Leuchttürme stammt, wie alle bisherigen Briefmarken der Serie, vom Grafiker Johannes Graf aus Dortmund nach fotografischer Vorlage vom Wissenschaftsfotograf Reinhard Scheiblich aus Norderstedt. Die Ausgabe erfolgte in einer Auflage von 5,7 Millionen Stück.

Siehe auch Liste von Leuchttürmen in Europa Liste von Leuchttürmen in Deutschland Leuchtfeuerverzeichnis Leuchtfeuertypen

Literatur Die Seefeuer [Leuchtthürme und Leuchtschiffe] der Deutschen Küsten und diejenigen Binnen- und Einsegelungsfeuer, welche mit Fresnel’schen Apparaten oder Fresnel’schen Laternen ausgerüstet sind von Ludwig Alexander Veitmeyer. Mit einer Karte. Als Manuscript gedruckt. Ernst & Korn, Berlin 1889. Seefeuer der Deutschen Küsten, Leuchtturm Hela - Seite 12 u. 41 Leuchtfeuer und Leuchtapparate. Historisch und konstruktiv dargelegt von Ludwig Alexander Veitmeyer. M. Geitel [Hrsg.], Oldenbourg-Verlag, München und Leipzig 1900. - Nachdruck: Reprint-Verlag AG Leipzig 2005, ISBN 978-3-8262-2202-3. Horst Auerbach: Die Leuchttürme am Kap Arkona. Kai Homilius Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-931121-43-7. Horst Auerbach, Hans-Joachim Luttermann: Kap Arkona und seine Leuchttürme. Busse + Seewald, 1998, ISBN 3-88412-249-5. Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt: Leuchttürme der deutschen Küsten auf Briefmarken. Infoschrift mit Stand Juni 2021 (Druckschrift, PDF 6,32 MB) Stefan Pochanke: Schinkels Dienstreise auf die Insel Rügen im Jahr 1835. Aus dem bislang unveröffentlichten Reisetagebuch seiner Tochter Susanne. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 2/2022, 60. Jahrgang, S. 4–8.

Weblinks

Website der Tourismusgesellschaft Kap Arkona mit Informationen zu den Türmen auf Kap Arkona Rundumblick von der Aussichtsplattform des Neuen Leuchtturms Wissenswertes: Leuchttürme Kap Arkona auf Treffpunkt-Ostsee

Einzelnachweise Registrierungen: UKHO: United Kingdom Hydrographic Office Publikation Admiralty List of Lights and Fog Signals NGA: ARLHS:

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