mini|Wolfram Kastner, 2019 mini|Wolfram Kastner erzeugt die „Brandspur“ auf dem Münchner Königsplatz, 2019 Wolfram P. Kastner (* 23. April 1947 in München) ist ein deutscher Künstler, insbesondere Aktionskünstler, dessen Arbeiten und Aktionen meist politische und historische Themen aufgreifen, insbesondere die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und Österreich. Gleichrangig stehen Malerei und Zeichnung, Fotoserien, Installationen und Objekte im Mittelpunkt seiner Arbeit.
Leben Kastner studierte von 1966 bis 1972 an der Akademie der Bildenden Künste bei Franz Nagel, Thomas Zacharias und Robert Jacobsen sowie Germanistik, Psychologie, Pädagogik, Kunstgeschichte, Soziologie und politische Wissenschaften an der Universität München. Anschließend arbeitete er als Referent für Politische Bildung beim Deutschen Gewerkschaftsbund, bevor er 1978 einen Verlag gründete und seit 1979 freischaffender Künstler ist. Er begann mit Malerei, Zeichnung und Fotografie, seit 1982 wird sein Werk zunehmend durch Aktionen, Konzepte, Installationen und interdisziplinäre Projekte geprägt. Seit 1994 wird er für Vorträge und als Dozent an Bildungseinrichtungen berufen, 2001 leitete er eine Klasse an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg.Wolfram Kastner − Biografie. In: Nerdinger 2018, S. 176
Die Spur der Bücher, eine seiner bekanntesten Aktionen, erinnert an die Bücherverbrennung 1933 in Deutschland. Seine Aktionen rufen regelmäßig sowohl Bewunderung und Anerkennung als auch Konflikte mit der Verwaltung, der Polizei und Justiz hervor.Florian Klenk: Wolfram P. Kastner – Ein bayerischer Künstler wird bestraft, weil er einen Kranz der SS beschädigte. In: Die Zeit, Nr. 11/2006.
Wolfram Kastner ist Mitbegründer und Vorsitzender des Kuratoriums der Kurt Eisner KulturstiftungKurt-Eisner-Kulturstiftung: Kuratorium, die 1989 von Künstlern in Münchner gegründet wurde. Kastner gehört dem wissenschaftlichen Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung an. Wolfram Kastner ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund.Mitglieder „K“ / Wolfram Kastner. kuenstlerbund.de; abgerufen am 7. September 2015 Er lebt und arbeitet in München.
Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl) 1980: Galerie Klaus Lea, München 1981: Sisyphos streikt, Galerie van de Loo, München 1982: Politische Grafik, Kunstverein Erlangen 1985: Galerie Wolfgang Gmyrek, Düsseldorf (Abgerufen am 30. Juni 2008) 1991: Flags und A Shadow of Beauty, Verein für Original-Radierung, München 1994: realitäten, Galerie 5020, Salzburg 1994: Container Ordnung, Kunstverein München 1995: Vergessen – eine Straße, mit Franz Kochseder, München und Dachau 1996: wie Gras über die Geschichte wächst, gezeigt im Haus der Kunst, München, sowie in Wuppertal 1998: Brandspur Heidelberg, Kunstverein Heidelberg 1998: Brandspur Mannheim, Mannheimer Kunstverein 1999–2000: SSehStörung, gezeigt in der Galerie 5020, Salzburg sowie im Europäischen Parlament, Strassburg 2000: Positionen zeitgenössischer Kunst zur Erinnerung, Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz 2000: SäulenOrdnung, Artothek München 2000: Schicksal (un)bekannt (mit Christian Lehsten), Christuskirche München und KZ-Gedenkstätte Dachau 2001: Rückgabe, Galerie 5020, öffentlicher Raum in Salzburg mit Martin Krenn 2003: BunkerOrdnung Kunstbunker Tumulka, München 2003: (Un)freiwillig komisch, Karl-Valentin-Musäum (heute Valentin-Karlstadt-Musäum), München 2005: Galerie 1Blick. Kunst im Vorhaus, Hallein 2013: Galerie 1Blick. Kunst im Vorhaus, Hallein 2014: StadtTon in der Galerie Heufelder, München
Teilnahme an Gruppenausstellungen (Auswahl) 1982: Neuerwerbungen, Lenbachgalerie 1988: Die Freiheit erhebt ihr Haupt, Kunstverein München 1991: Fahne, Kunstverein Landau, Kaiserslautern, Frankfurt (Oder), Wrocław u. a. 1996–98: An der Grenze des Erlaubten (Kunst und Zensur), Universitätskulturzentrum Klagenfurt, Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg u. a. 1998: Zeitgenössische Kunst, Erwin-von-Kreibig-Museum, München 2000: vor mehr als einem halben Jahrhundert – Positionen zeitgenössischer Kunst zur Erinnerung, Landesgalerie im Oberösterreichischen Landesmuseum, Linz…vor mehr als einem halben Jahrhundert. Landesgalerie Oberösterreich im Oberösterreichischen Landesmuseum. 20. Januar – 5. März 2000. Katalog erschienen bei Verlag Publication P No 1, Weitra 2000. ISBN 3-85474-046-8. 2001: unmögliche Kunst Maximilianeum München (kuratiert zusammen mit Günther Gerstenberg) 2017: After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert. Kunstbau, Lenbachhaus, München, mit der Arbeit Schöner Wohnen (2004)Lenbachhaus: After the fact – Propaganda im 21. Jahrhundert 20.05.2017 – 17.09.2017
Aktionen (Auswahl)
1982: Abrüstungs-Rüstungskonversion, Gestaltung einer Werbewand an der Bundeswehrhochschule, Neubiberg. 1986: Denk-Loch, Kunstaktion Kurt Eisner, mit E. Zylla. 1987: Künstler gegen Volkszählung, Gestaltung einer Plakatwand in München-Schwabing. 1988: Stein des Anstoßes, Kunstaktion mit Errichtung eines Denksteins, Polizeiaktion, Beschlagnahme und Ermittlung durch den Staatsanwalt. 1993: Nur der Wachmann schaut zu, Kunstaktion im Justizgebäude in München (die Todesurteile gegen Mitglieder der „weißen Rose“ wurden dort gefällt) mit Unterbrechung durch 6 Justizbeamte, seitdem eine bronzene Gedenktafel, am Hauptportal. 1993: Wir erinnern, Performance zur Erinnerung an die Pogrome vom 9. November 1938 in der F, mit Beendigung durch die Polizei und Ermittlung durch den Staatsanwalt. 1994: schwarzes blut, Erinnerungsperformance für Gustav Landauer 1995: Weiße Fahne, Tag der Befreiung, Marienplatz, München. 1995: Brandspur, Erinnerung an die Bücherverbrennung auf dem Münchner Königsplatz vom 10. Mai 1933.Helga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Band 1. Literareron, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 27–30, (PDF; 1,1 MB) (PDF; 73 kB) Die Aktion wird seit 2013 jährlich wiederholt, nachdem frühere Forderungen des Künstlers nach einer Erneuerung des Brandflecks abgelehnt worden waren. 1999: ElserSpuren, Hinzufügung des Namens von Georg Elser auf einem 1969 von Leo Kornbrust geschaffenen und 1996 im Münchener Hofgarten aufgestellten Granitwürfel zum Gedenken der Widerstandsgegner des NS-RegimesKunstaktion „ElserSpuren“ von Wolfram P. Kastner auf georg-elser-arbeitskreis.de; abgerufen am 12. Juni 2014. 2004: Kunstaktion als Protest gegen die Judensau am Regensburger Dom am 16. MaiWolfram P. Kastner, Günter Wangerin: Künstler fordern Distanzierung von der sog. "Judensau": Die antisemitische Schweinerei am Regensburger Dom, hagalil.com, 21. Mai 2004Schild am Regensburger Dom: Streit um "Judensau" hält an, n-tv.de, 29. März 2022 2006: Scherenschnitt, Aktion am 1. November am Salzburger Kommunalfriedhof mit Scherenschnitt der SS-Kranzschleife. 2006: Weg mit dem Konkordat, eine Aktion von W. P. Kastner mit Georg Ledig, Abbruch durch Staatsschutz und Ermittlung durch den Staatsanwalt, Freispruch am Verwaltungsgericht München. 2013: Projekt Weiße Koffer zur Erinnerung an jüdisches Leben in SendlingSüddeutsche Zeitung: Wider das Verdrängen, 2. Februar 2016 2013: Würdigung und Rehabilitation der in Eichstätt unschuldig wegen „Hexerey“ Ermordeten, Schreiben vom 25. März 2013 an Bischof Gregor Maria Hanke Eichstätt 2013: Projekt Weiße Koffer zur Erinnerung an jüdisches Leben in Neuhausenweissekoffer.de seit 2014: Proteste gegen die Ehrung von Paul von Hindenburg in Dietramszell.Münchner Merkur: Nach Aufregung um Büste: Symposium in Dietramszell widmet sich Hindenburg, 28. Oktober 2019 2016: Farbaktion am Kenotaph von Alfred Jodl auf der Fraueninsel im ChiemseeNiemand sollte einen Kriegsverbrecher ehren, Humanistischer Pressedienst (hpd), abgerufen am 17. März 2019Entscheidung im „Jodl-Prozess“ vertagtBVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 30. März 2021 2016: Projekt Weiße Koffer zur Erinnerung an jüdisches Leben in der Maxvorstadt 2016: Projekt Widerstandsdenkmal am Platz der Freiheit (München)
Auszeichnungen 2005: Obermayer German Jewish History Award 2011: Hans-Frankenthal-Preis der Stiftung Auschwitz-Komitee 2022: Aufrechter Gang der Humanistischen UnionTom Soyer: Auszeichnung: Verdrängtes sichtbar machen. Süddeutsche Zeitung, 12. Juni 2022.
Literatur Winfried Nerdinger (Hrsg.): Wolfram Kastner: »Nicht ich provoziere, sondern die Zustände provozieren mich.« Metropol Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-86331-400-2.
Weblinks
www.ikufo.de
Wolfram P. Kastner bei der Galerie Pich, München
Einzelnachweise
Kategorie:Bildender Künstler (München) Kategorie:Konzeptkünstler (Deutschland) Kategorie:Aktionskünstler (Deutschland) Kategorie:Mitglied im Deutschen Künstlerbund Kategorie:Person (Giordano-Bruno-Stiftung) Kategorie:Träger des Obermayer German Jewish History Award Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1947 Kategorie:Mann