mini|Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung Die römisch-katholische Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung liegt im Ortsteil Heiligenbrunn der Gemeinde Hohenthann im niederbayerischen Landkreis Landshut. Die barocke Wallfahrtskirche, eine Kuratie der Pfarrei Hohenthann, ist die bedeutendste Wallfahrtsstätte im nördlichen Landkreis Landshut. Viele der umliegenden Gemeinden führen mehrmals jährlich Bittgänge und Prozessionen nach Heiligenbrunn durch. Das Gotteshaus ist als Baudenkmal mit der Nummer D-2-74-141-18 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eingetragen.
Geschichte Die Legende berichtet Folgendes über die Entstehung der Wallfahrt nach Heiligenbrunn: Anno 1662, den 1. September, ist Melchior Paur von einer Leiter gefallen, dass ihm durch solchen Fall die Red verfallen ist. Nach 11 Wochen, nachdem alle menschliche Hilf und Mittel vergebens war, hat er nach verrichtetem Gebet von dem Wasser der Quelle neben dem Bildstock unserer lieben Frau trunken. Ihm ist dabei im Traum die allerseligste Jungfrau erschienen und ist geheilt worden.
Die Nachricht von dieser wundersamen Heilung verbreitete sich schnell. Wenig später wurde die Quelle durch die Bauersfamilie Paur ausgemauert, sodass neben der hölzernen Mariensäule ein Ziehbrunnen entstand. Dieser wurde in den Folgejahren zu einem beliebten Pilgerziel. Durch einen vom zuständigen Hohenthanner Pfarrer aufgestellten Opferstock konnten innerhalb weniger Jahre ausreichend Geldmittel für den Bau einer kleinen Kirche beschafft werden. Diese wurde von 1670 bis 1674 erbaut und stand an der Stelle des heutigen Josefsheimes, also südlich an der heutigen Wallfahrtskirche.Arlan – Verein für Archäologie Stadt und Landkreis Landshut e. V.: ; abgerufen am 4. Dezember 2020 (PDF; 342 kB).
Aufgrund des großen Andrangs von Pilgern überlegte man bereits 1695, ob das bestehende Wallfahrtskirchlein erweitert werden könnte. Stattdessen entschied man sich Anfang des 18. Jahrhunderts für einen Neubau wenige Meter nördlich davon. Diese heute noch bestehende barocke Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung wurde von 1712 bis 1714 von dem Maurermeister Hans Widtmann aus Pfeffenhausen und dem Zimmerermeister Bartholomäus Gaißritter aus Niedereulenbach errichtet. Für den Bau wurden unter anderem Steine der ehemaligen Dorfkapelle von Türkenfeld verwendet, die gegen 1713 abgebrochen wurde.Anton Eckardt (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler von Niederbayern – Bezirksamt Rottenburg. Oldenbourg, München 1930, S. 263. Zum Patroziniumsfest am 2. Juli 1714 wurde das Gotteshaus geweiht. Das Innere dürfte damals nur spärlich ausgestattet gewesen sein. Erst 1719 wurden die beiden Seitenaltäre errichtet, 1723 die Kanzel, 1736 wurde der erste Hochaltar der Kirche vollendet. Bis 1737 waren die wesentlichen Arbeiten im Innenraum abgeschlossen. In diesem Jahr wurde außerdem das Kirchendach erneuert und das Gotteshaus außen verputzt. Bereits 1726 hatte Hans Widtmann ein neues, überdachtes Brunnenhaus erbaut, welches mit einer Wassertechnik das Glockengießers Josef Mayr aus Landshut ausgestattet wurde. Der Bildhauer Johann Dominicus Miller aus Geisenfeld errichtete über der Quelle einen Brunnen aus Stein und Marmor.Forster et al., S. 2–5.
Da 1750 und 1752 schwere Unwetter dem Kirchenbau zugesetzt haben, ab 1774 die Zahl der Wallfahrer nachweislich sank und große Schulden bestanden, gab die Regierung in Landshut 1803 im Zuge der Säkularisation den Befehl zum Abbruch des Gotteshauses, was aber durch den energischen Einsatz der Bevölkerung verhindert werden konnte. Innerhalb weniger Jahre wurden die Schäden an der Kirche ausgebessert und Heiligenbrunn wurde wieder zu einer gut besuchten Wallfahrtsstätte. So wurde die baufällige Laternenkuppel des Turmes 1803 abgerissen, im folgenden Jahr wurde der heutige Spitzhelm mit Doppelkreuz aufgesetzt.
1854 wurden der Giebel und die Grundmauern einer durchgreifenden Sanierung unterzogen. 1867 baute Ludwig Edenhofer aus Regen eine neue Orgel ein, die 1940 durch das heutige Instrument von Michael Weise ersetzt wurde. In den Jahren 1868/69 musste die Statik des Kirchengebäudes deutlich verbessert werden, da zuvor Risse im Gewölbe des Langhauses festgestellt worden waren. Um 1881/83 fand eine Innenrenovierung statt, genauso 1959. Die letzte Gesamtrenovierung wurde in den Jahren 1985/86 durchgeführt; dabei wurde eine neue Heizung eingebaut.
Architektur mini|Wallfahrtskirche und Josefsheim in der Abendsonne mini|Innenansicht der Wallfahrtskirche
Maße Länge innen (inkl. Turm): 36,60 Meter davon Langhaus: 21,40 Meter davon Chor: 7,80 Meter Breite Langhaus innen: 11,25 Meter Breite Chor innen: 8,25 Meter Höhe Langhaus innen: 14,20 Meter
Außenbau Die Wallfahrtskirche Heiligenbrunn ist eine nach Osten ausgerichtete Saalkirche mit eingezogenem Chor und ausspringendem Westturm. Der Außenbau ist durch Lisenen gegliedert, deren hellroter Farbton sich auch an den Fensterlaibungen und den Gesimsen unterhalb des Satteldaches wiederfindet. Der eingezogene Chor umfasst ein Joch und einen Schluss in drei Achteckseiten, das Langhaus vier Joche. Südlich an den Chor und das östliche Langhausjoch ist eine geräumige, zweigeschossige Sakristei mit Flachdecke und Treppenaufgang zur Kanzel angebaut. Das Erdgeschoss ist heute in zwei Räume unterteilt. Das Obergeschoss besitzt querovale Fenster mit Profilrahmen.Arlan – Verein für Archäologie Stadt und Landkreis Landshut e. V.: ; abgerufen am 4. Dezember 2020.Forster et al., S. 5–7.Eckardt (Hrsg.), S. 50–55.
Der Turm besteht aus zwei überhohen quadratischen Geschossen, die durch einen Gesims getrennt werden. Darüber erhebt sich der oktogonale Oberbau, der den Glockenstuhl enthält. Den oberen Abschluss bildet ein hoher Spitzhelm mit Kugel und Doppelkreuz. Die Kirche besitzt zwei Portale: Das Westportal wird einem Dreiecksgiebel auf verkröpften Pilastern bekrönt; es führt durch das Turmerdgeschoss, das eine Vorhalle bildet, in das Kircheninnere. Ein weiteres Portal auf der Südseite, welches sich im dritten Langhausjoch von Osten befindet, ist durch einen gebrochenen Giebel über verkröpften Pilastern und Gesims ausgezeichnet.
Innenraum Im Innenraum besticht die einheitliche Gestaltung von Kirchenschiff und Chor im Stile des Spätbarock. Der Chor wird von einem leicht gedrückten Tonnengewölbe mit Stichkappen überspannt. Gleiches gilt für das Langhaus; jedoch sind hier zusätzlich Gurtbögen erkennbar, welche das Gewölbe gliedern. Auf hohen Sockeln stehen verkröpte korithisierende Pilaster. Am Gewölbeansatz umspannen zwei Gesimsbänder den gesamten Innenraum mit Ausnahme der Westwand. Oberhalb dieser Bänder gehen die Pilaster in Gurtbögen über, welche das Gewölbe in Joche gliedern. Jedes Joch in Chor und Langhaus besitzt ein hohes, rundbogig abschließendes Fenster, welches in eine flach profilierte Blendarkade mit seitlichen Kämpferstücken und Archivolten eingesetzt ist, die sich jeweils bis zum Boden zieht. Oberhalb der Gesimsbänder schneiden die Stichkappen ein, die sich zu querovalen Fenstern öffnen. Diese Oberlichter sind wie die von den Gurtbögen abgetrennten Gewölbefelder weiß gerahmt und in Pastelltönen gefasst. Das östliche Langhausjoch ist auf der Südseite wegen der dort angebauten Sakristei fensterlos. Stattdessen befinden sich dort ein Oratorium und die Kanzel, welche über das Obergeschoss der Sakristei zugänglich ist. Das westliche Langhausjoch wird von einer Orgelempore mit geschweifter Brüstung auf zwei verzierten Säulen überdeckt.
Ausstattung
Stuckierung und Deckengemälde Die aufwändigen spätbarocken Stuckierungen im Kircheninneren wurden während der Erbauungszeit der Kirche geschaffen. Gewölbe und Wände im Chor sind von dezentem, stuckiertem Laub- und Rankwerk überzogen. Am Chorgewölbe sind diese Stuckaturen in weißer Farbe auf türkisfarbenem Grund ausgeführt. An den Ansätzen der Stichkappen sind Cherubim bzw. Engel platziert, von denen das sich über das gesamte Tonnengewölbe erstreckende Rankwerk ausgeht. Durch apricotfarbene Bänder werden die hellrot unterlegten Gewölbefelder der Stichkappen abgetrennt. Darin sind je zwei zusammengebundene Zweige dargestellt, in jeder Stichkappe eine andere Pflanzenart mit ihren charakteristischen Blättern. Auf der Oberseite der Oberlichter ist je ein kleiner vollplastischer Engel zu sehen, dessen Füße nach unten baumeln. Jede dieser Engelsfiguren hält zwei apricotfarbene Früchtegirlanden, welche die querovalen Fenster rahmen. An deren Unterseite ist wiederum die Pflanzenart der jeweiligen Stichkappe dargestellt, hier jedoch in Türkisfarben auf weißem Grund. Die Zwickel oberhalb der Fenster sind mit helltürkis gefassten Ranken dekoriert. Das Langhaus ist wesentlich spärlicher stuckiert. Lediglich oberhalb des Chorbogens sind graue Pflanzenranken zu sehen, die aus ebenfalls grauen Vasen auf dem Gesims zu entspringen scheinen. Am Langhausgewölbe befinden sich genau wie an der Sakristeidecke lediglich Stuckrahmenfelder.Forster et al., S. 7–10.
Die geschwungene Brüstung sowie die Unterseite der Orgelempore werden von Blumen- und Bandwerkstuck im Stile des frühen Rokoko geziert. Dieser dürfte um 1730 angebracht worden sein.
Während das Langhausgewölbe bis heute ohne Ausmalung verblieb, ist am Chorgewölbe zentral ein kleines Fresko der Himmelfahrt Mariens zu sehen. Es wurde im 19. Jahrhundert von dem Kirchenmaler Balthasar Kraft aus Pfaffenhofen an der Ilm gefertigt. Auf der rechten Seite ist Maria auf einer Wolke dargestellt, die von Engeln gen Himmel emporgehoben wird. Dort wird die Gottesmutter von Gott Vater und Gott Sohn, die ebenfalls auf eine Wolke sitzen, empfangen. Über der Szenerie schwebt eine Heilig-Geist-Taube, die Heilige Dreifaltigkeit komplettierend. Es ist überliefert, dass sich an der Außenseite des Chorraums früher ein weiteres Gemälde befand. Es soll den Begründer der Wallfahrt, Melchior Paur, vor einem Bildstock kniend und die über ihm schwebende Altöttinger Madonna gezeigt haben. Es wurde 1822 restauriert und 1862 sogar neu gemalt, bevor es Anfang des 20. Jahrhunderts entfernt wurde.
Hochaltar mini|Altarraum der Wallfahrtskirche mini|Hochaltar mit der Schwarzen Madonna Zentraler und dominanter Bestandteil der Kirchenausstattung ist der kunstvoll gestaltete Hochaltar im Rokoko-Stil. Er wurde in der Zeit von 1760 bis 1770 durch einen unbekannten Meister geschaffen und nimmt die gesamte Breite, aber nur rund die halbe Höhe des Chorraumes ein. Der in den Altarraum vorgerückte Aufbau trennt gewissermaßen den Chorschluss vom übrigen Altarraum ab. Die zentrale Darstellung des Hochaltares greift die der Wallfahrt nach Heiligenbrunn zugrundeliegende Erscheinung der Schwarzen Madonna von Altötting auf. Außergewöhnlich ist der fast vollständige Verzicht auf Architekturelemente. Nur bei genauerem Hinsehen sind hinter vielen Verzierungen zwei Pfeiler erkennbar, die den oberen Teil des dekorativen Aufbaus tragen.Forster et al., S. 10–14.
Auf der Mensa befinden sich drei vergoldete Nischen. Während die beiden äußeren über einen rein ornamentalen Hintergrund verfügen, ist die mittlere Nische durch ein Flachrelief eines auf dem Buch mit den sieben Siegeln stehenden Kelches ausgezeichnet. Diese Darstellung verweist auf die Funktion der Nische als Tabernakel. Die Mensa wird flankiert von beidseitigen Durchgängen, die aufgebrochen sind und von Rocaille-Kartuschen geschmückt werden. Über diesen stehen vollplastische Engelsfiguren, die in der einen Hand jeweils eine weitere Rocaille-Kartusche halten und mit der anderen Hand gen Himmel zeigen. Diese Engel werden von zwei c-förmigen, nach innen gewandten Bögen begleitet, die den Altar zu beiden Seiten hin abschließen.