Thomas Reinhold (* 1953 in Wien) ist ein österreichischer Maler. Leben Reinhold studierte von 1974 bis 1978 an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Herbert Tasquil. Während der Studienzeit trat er mit poetisch-magischen Bildfindungen und Installationen hervor, wobei er die Medien Malerei, Fotografie, Dichtung und Objektkunst reflexiv und in Hinblick auf deren Wirkung im Raum untersuchte.Wilfried Skreiner: Behauptungen zur Neuen Malerei in Österreich. In: Sinnpause. Kunstforum Köln, Bd. 80, 3/1985. Ende der 1970er Jahre initiierte er dann gemeinsam mit Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Alfred Klinkan und Hubert Schmalix die Neue Wilde in ÖsterreichRobert Fleck: Katalog Malermacht. Expression und Pathos in der neuen Österreichischen Malerei. Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz, 1988, wandte sich aber Mitte der 1980er Jahre medienreflexiven Aspekten der Malerei und Fotografie zu,Carl Aigner, Thomas Reinhold: Zur Ikonographie von Zeit und Raum. Gespräch in EIKON - Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Heft 60/2007 die sein Werk bis heute prägen.

Reinhold lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich.

Werk mini|Fotoserie „Transport und Kommunikation“, 1977 mini|Ausstellung Malerei: Prozess und Expansion, MUMOK, Wien 2010 mini|Aus der Serie „Rod“, Studio Thomas Reinhold, 2020 mini|Ausstellung Malweise, Secession, Wien, 1997 Die Erforschung von Wahrnehmung charakterisiert das Werk von Thomas Reinhold. Seine Vorgehensweise prägen Prozesse, Abfolgen nacheinander eintretender Handlungen, deren Spuren anschließend im Werk erfahrbar werden. Vorwiegend Maler bedient sich Reinhold auch anderer Medien, um seine Arbeit voranzutreiben, so etwa der Fotografie und des bewegten Bildes. Hier treten mitunter Belichtungszeit und Bewegung an Stelle des stofflichen Farbmediums. „Was mich am meisten interessiert hat, war, wie man spezifisch mit den einzelnen Medien normative Raum- und Zeitbegriffe hinterfragen kann“, bemerkt der Künstler in einem Gespräch mit Kunsthistoriker Carl Aigner. Carl Aigner, Thomas Reinhold: Zur Ikonographie von Zeit und Raum, Gespräch in EIKON - Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Heft 60/2007. Edelbert Köb, Künstler und ehemaliger Direktor des MUMOK, hebt Reinhold als Beispiel für einen in jungen Jahren noch der „wilden“ Malerei in Österreich zugehörigen Künstler hervor, in dessen Kunst anschließend „das Prozessuale zum neuen Ausgangs- und Angelpunkt“ geworden sei. Edelbert Köb: Katalog Malerei: Prozess und Expansion, MUMOK Stiftung Ludwig Wien, Köln, 2010.

Medientheoretikerin Nora Höglinger beschreibt sein Vorgehen als „prozessual angelegt: mit Terpentin abgemischte Farbe wird am Boden über das Anheben der Leinwandränder in bestimmte Bahnen gelenkt. Die Fließfähigkeit der Farbe kommt bei der Bewegung voll zum Tragen. Darauf folgt eine Trockenpause, nachdem er die nächste Farbschicht nach gleichem Schema, aber unterschiedlicher Farbverlaufsrichtung aufsetzt. Dieses Prozedere wiederholt der Künstler so lange, bis zig Schichten übereinander liegen und - je nach Werkgruppe - eine netzartige, über mehrere Farbebenen bestimmte Struktur entstanden ist. Dem Arbeitsprozess selbst gehen Bleistiftzeichnungen voraus, die den Farbverlauf vorskizzieren und eine Art Ablauf festlegen.“ Nora Höglinger: Thomas Reinhold. Zur Geometrie des Amorphen. Ein synästhetisches Erlebnis bei Artemons Contemporary, abgerufen am 16. März 2022. Perspektivische und schematische Raumdarstellungen, wie u. a. die Zentralperspektive bilden für den Künstler lediglich einen von vielen Zugängen zum malerischen Raum. Gerade in der Überwindung überlieferter Konventionen zur Raumdarstellung erkennt er das Potential, neuartige räumliche Qualitäten zu erforschen, Erkenntnisse zu gewinnen und herauszuarbeiten.

Wenn Maurice Maeterlinck in „La Vie de l’Espace“ Maurice Maeterlinck: La Vie de l’Espace, Bibliothèque Charpentier, Paris, 1928. schreibt, dass man sich die vierte Dimension ähnlich vorstellen könne, wie übereinander geschichtete fotografische Filme, wo das Vorher, Nachher, das Jetzt überlagert sind und von jeher gleichzeitig bestehen, sieht Reinhold eine Entsprechung zu seiner malerischen Vorgangsweise. Er vergleicht diese Struktur auch mit einer musikalischen Partitur, in welcher als Abfolge Konzipiertes nebeneinander auf einen Blick gelesen werden kann und spricht von einer sich verdichtenden Struktur des Malprozesses, die dafür sorgt, etwas „Bild“ werden zu lassen. Thomas Reinhold: Gespräch über Malerei, Publikation anlässlich der Personale Thomas Reinhold: Farbe schieben im Museum für Gegenwartskunst Stift Admont (Juli–November 2005). Laut Künstler Ingo Nussbaumer werde dieser Vorgang im Betrachten des Bildes fortgesetzt, denn „in der ständigen Begegnung des Auges, im beständigen Schritt des nächsten Erschauten von Farbe und Form, bildender Struktur, sich öffnendem Raum, zurückgenommener Fläche, formendem Blick, ist der Vorgang als solcher kennzeichnender Teil des sich gestaltenden Bildes.“ Ingo Nussbaumer: Thomas Reinhold: Matrix Bild - Abstrakte Malerei gegenständlich formuliert, in Thomas Reinhold: Matrix Bild, Publikation anlässlich der Ausstellung Thomas Reinhold: Matrix Bild, Galerie Leonhard, Graz, 2019.

Anerkennungen mini|„Stäbchen und Zapfen“, Öl auf Leinwand, 2006, 150 × 140 cm mini|Ausstellungsansicht La Vie de l'Espace in der Galerie Christine König, 2022

2011 Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst 2022 Niederösterreichischer Kulturpreis für Bildende Kunst

Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl) 2022: Thomas Reinhold, Würdigungspreisträger 2022, Landesgalerie Niederösterreich, Krems 2022: La Vie de l’Espace, Christine König Galerie, Wien 2020: Thomas Reinhold - Maruša Sagadin, Christine König Galerie, Wien 2019: Matrix Bild, Galerie Leonhard, Graz 2018: Zur Geometrie des Amorphen, Galerie Artemons Contemporary, Wien 2016: Liquid:Morph, gemeinsam mit Georgia Creimer, Art Room Würth, Böheimkirchen 2016: Transport und Kommunikation, Sammlung Friedrichshof, Stadtraum, Wien 2015: Galerie Exner, Wien 2012: Tektonik der Schwebe, kunsthaus muerz, Mürzzuschlag 2012: Von der Natur zur Architektur der Malerei, Galerie Kunst und Handel, Graz 2011: Galerie Gölles Fürstenfeld 2009: Wesentlich, Galerie Michitsch, Wien 2008: repro-spektiv:re-produktiv, aus dem vollen geschöpft, Galerie Kunst & Handel, Graz 2005: synergie:paradox, gemeinsame Installation mit Julie Hayward, Museum für Gegenwartskunst Stift Admont 1999: Wirklichkeitssinn - Möglichkeitssinn, Galerie Hofstätter, Wien 1997: Malweise, Secession, Wien 1995: Polyptychon, Kunsthaus Galerie, Mürzzuschlag 1990: Ölbilder, 1988 - 1990, Galerie Steinek, Wien 1988: Valente, arte contemporanea, Finale Ligure 1987: Ölbilder, 1986 - 87, Galerie Springer, Berlin 1987: Stand und Gegenstand, Skulpturen, Secession Wien 1984: Galerie Heike Curtze, Wien und Düsseldorf 1983: Galerie Ariadne, Wien 1980: Forum Stadtpark, Graz

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) 2022: Rendezvous mit der Sammlung. Kunst von 1960 bis heute, Landesgalerie Niederösterreich, Krems 2021: Tour de Force - Punkt und Linie und Farbe auf dem Weg durch die österreichische Kunst nach 1945, Museum Liaunig, Neuhaus 2019: Der Zukunft herzlichst gewidmet, Museum Liaunig, Neuhaus 2018: Kunst nach 1945, Galerie Zetter bei der Albertina 2017: Poesie des Wenigen, Artmark Galerie, Wien 2015: Nahe Ferne, Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten 2015: Sammlung Sigrid und Franz Wojda - ein Leben mit moderner Kunst, MMKK, Klagenfurt - Expressionismen, Museum der Moderne Salzburg 2011: Realität und Abstraktion, Museum Liaunig, Neuhaus 2010: Malerei: Prozess und Expansion, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien 2007: Konzeptuelle Fotografie aus Sammlungsbesitz, Museum der Moderne Rupertinum Salzburg 2006: Crossover, Koroska Galerija, Slovenj Gradec 2004: Vision einer Sammlung, Museum der Moderne Salzburg 1998: KUNST mit durch über SCHRIFT, Internationale Kunst der letzten fünfzig Jahre aus der Sammlung Kübler, Atterseehalle Attersee 1998: Contemporary Austrian Painters, The Rotunda, One Exchange Square, Hong Kong 1997: Positionen österreichischer Malerei heute, Centre Cultural Sala Parpallo Valencia 1994: Wilde und neuwilde österreichische Bildkunst aus dem Besitz der Salzburger Landessammlung, Rupertinum Salzburg 1993: Konfrontationen, Neuerwerbungen, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien 1992: Surface radicale, Grand Palais Paris, Los Angeles Convention Center, Universität für angewandte Kunst Wien 1991: Kunst, Europa 1991, Kunstverein in Hamburg, Deichtorhallen, sowie Galerie Rähnitzgasse, Dresden 1990: Querdurch, Dom umenia, Bratislava 1988: MALERMACHT, Expression und Pathos in der neuen Österreichischen Malerei, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz 1985: Austria ferix, Palazzo Costanzi, Galleria Torbandena Triest, Galerie Goethe, Bozen 1984: artisti austriaci, due generazioni, studio cavalieri, Bologna 1984: 6th International Small Sculpture Exhibition, Kunsthalle Budapest 1983: Neue Malerei in Österreich, Galerie Jurka, Amsterdam 1983: Joves Salvatges Austriacs, Galerie Dau al Set, Barcelona 1983: Neue Malerei in Österreich ’83, Neue Galerie der Stadt Linz 1981: Neue Malerei in Österreich, Neue Galerie Graz 1981: Erweiterte Fotografie, 5. Internationale Biennale, Secession Wien 1980: Künstlerfotografie in Österreich 1954 bis 1980, Kunstmessen Basel und New York, Galerien nächst St. Stephan, Wien und Krinzinger, Innsbruck 1980: Das Sofortbild, Entdeckung eines Mediums, Rheinisches Landesmuseum Bonn 1980: XV. Internationale Malerwochen, Künstlerhaus Graz

Werke in Sammlungen Albertina (Wien) Österreichische Galerie Belvedere Sammlung FOTOGRAFIS, Wien, derzeit als Dauerleihgabe im Museum der Moderne, Rupertinum, Salzburg MUMOK, Wien Landessammlungen Niederösterreich Lentos Kunstmuseum, Linz Museum für Gegenwartskunst Stift Admont, Steiermark MMKK, Klagenfurt Museum der Moderne Salzburg Museum Sztuki, Łódź, Polen Tiroler Landesmuseum, Innsbruck Museum Liaunig, Neuhaus Sammlung SpallArt, Salzburg

Veröffentlichungen Thomas Reinhold: Matrix Bild, Katalog Galerie Leonhard, Graz 2019 Thomas Reinhold: Gespräch über Malerei, Publikation anlässlich der Personale Thomas Reinhold: Farbe schieben im Museum für Gegenwartskunst Stift Admont, 2005 Thomas Reinhold: Malweise, Katalog anlässlich der Personale in der Wiener Secession, Wien 1997, ISBN 3-205-98752-7. Thomas Reinhold: Ölbilder, 1988 - 90 Galerie Steinek, Wien 1990 Thomas Reinhold: Ölbilder, 1986 - 87 Galerie Rudolf Springer, Berlin 1987 Thomas Reinhold: Katalog Galerie Heike Curtze Düsseldorf und Wien 1984 Thomas Reinhold: Galerie l’Elefante, komparative Ästhetik - die Galerie als Kunstform Galerie Die Brücke, Wien 1979

Literatur Carl Aigner, Thomas Reinhold: Zur Ikonographie von Zeit und Raum. Gespräch in EIKON – Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst, Heft 60/2007 Matthias Boeckl: Zeitlose Sinnlichkeit. Kunstzeitschrift Parnass Wien, Heft 3/2009 Anne Katrin Feßler: Thomas Reinhold: Farbgewitter zwischen Freiheit und Strenge. In: Der Standard, Wien, 22. Mai 2018 Robert Fleck: Katalog Malermacht. Expression und Pathos in der neuen Österreichischen Malerei. Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz, 1988 Robert Fleck: Katalog Thomas Reinhold, Ölbilder, 1988 - 90. Galerie Steinek Wien, 1990 Lóránd Hegyi: Katalog Positionen österreichischer Malerei heute. Centre Cultural Sala Parpallo Valencia, 1997 Lóránd Hegyi: Neue Malerei und Neue Plastik seit den 70er Jahren. In: Wieland Schmied (Hrsg.): Geschichte der bildenden Kunst in Österreich. 20. Jahrhundert. Prestel Verlag München, 2002 Barbara Herzog: Katalog Vom Tafelbild zum Wandobjekt. Museum der Moderne Salzburg, 2005 Karl A. Irsigler: Topographie – eine Reise. Katalog Thomas Reinhold, Malweise, Secession Wien, 1997