Penchen Lama oder Panchen Lama (tib.: pan chen bla ma; auch: Taschi Lama oder Penchen Rinpoche, tib.: pan chen rin po che) ist der Titel einer bedeutenden Reinkarnationslinie (Trülku) des Gelug-Ordens im tibetischen Buddhismus. Der Penchen Lama gilt als zweithöchster Trülku der Gelugpa und traditionell als Emanation des „Buddha des Unermesslichen Lichts“ Amitabha.
Ursprung Viele Lamas werden im Vajrayana als Wesen gesehen, die sich für eine Wiedergeburt entschieden haben, um anderen fühlenden Wesen helfen zu können. Solche Lamas werden „Trülku“ genannt.
Die „Penchen Lamas“ wurden im 17. Jahrhundert in Tibet eingeführt. Bei dem Titel „Penchen Lama“ handelt es sich um eine hybride Wortbildung aus Sanskrit paṇḍita (Gelehrter) und Tibetisch chen-po (groß), und er kann mit Großer gelehrter Guru übersetzt werden.
Er steht in Zusammenhang mit dem bedeutenden und angesehenen buddhistischen Lehrer Lobsang Chökyi Gyeltshen, der Abt des Klosters Trashilhünpo war. Lobsang Chökyi Gyeltshen gab dem 4. Dalai Lama Yönten Gyatsho die Mönchsgelübde und war Lehrer des 5. Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatsho. Auch bei der Suche nach diesem hatte er einen großen Beitrag geleistet, indem er Tsangba Khan, zu jener Zeit Erzfeind der Gelugpa, das Versprechen abnahm, diese Suche ohne Einmischung zuzulassen, nachdem er ihn von einer Krankheit geheilt hatte. Nachdem Lobsang Chökyi Gyeltshen im hohen Alter von 92 Jahren gestorben war, ließ der 5. Dalai Lama nach der Reinkarnation seines Lehrers – den er Penchen Lama genannt hatte – suchen, damit dessen spirituelle Arbeit in Tibet fortgesetzt würde. Der jeweilige Penchen Lama ist seit dieser Zeit eine wichtige Autorität bei der Anerkennung des jeweiligen Dalai Lama, wie der jeweilige Dalai Lama eine wichtige Autorität bei der Anerkennung des jeweiligen Penchen Lama ist. Gleiches gilt auch für die Erziehung.
Da rückwirkend die drei vorherigen Äbte Trashilhünpos als frühere Inkarnationen des Penchen Lama anerkannt wurden, wird Lobsang Chökyi Gyeltshen auch als 4. Penchen Lama bezeichnet.
Neuere Entwicklung
Anfang des 20. Jahrhunderts betrachtete ein bedeutender Teil der tibetischen Bevölkerung nicht den Dalai Lama, sondern den Penchen Lama als ihren obersten Herrscher im weltlichen wie im geistlichen Sinne.A. C. McKay: Tibet 1924. A Very British Coup Attempt? In: Journal of the Royal Asiatic Society, 3. Reihe, Bd. 7, Nr. 3 (November 1997), S. 411–424, hier S. 414.
Die Anerkennung des derzeitigen Penchen Lama ist umstritten, da der vom 14. Dalai Lama anerkannte 11. Penchen Lama Gendün Chökyi Nyima entführt und an seiner Stelle Gyeltshen Norbu von der chinesischen Regierung anerkannt wurde.Entschließung zur Lage in Tibet und dem Verschwinden des sechs Jahre alten Panchen Lama Europäisches Parlament (1995)
Liste der Penchen-Lamas
Name (Liste tibetischer Namen und Titel) Lebenszeit Bild Wylie-Transliteration 1. Khedrub Je 1385–1438 100px mkhas grub dge legs dpal bzang po 2. Sönam Choglang 1438–1505 100px bsod nams phyogs kyi glang po, bsod nams phyogs glang 3. Wensapa Lobsang Döndrub 1505–1568Rückwirkend anerkannt. 100px dben sa pa blo bzang don grub 4. Lobsang Chökyi Gyeltshen 1570–1662Ab 1645 anerkannt. 100px blo bzang chos kyi rgyal mtshan 5. Lobsang Yeshe 1663–1737 100px blo bzang ye shes 6. Lobsang Pelden Yeshe 1738–1780 100px dpal ldan ye shes 7. Tenpe Nyima 1782–1853 — bstan pa'i nyi ma 8. Tenpe Wangchug 1854/1855–1882 — bstan pa'i dbang phyug 9. Thubten Chökyi Nyima 1883–1937 100px thub bstan chos kyi nyi ma, chos kyi nyi ma dge legs rnam rgyal 10. Thrinle Lhündrub Chökyi Gyeltshen 1938–1989Lobsang Chinlai Lhünchub Qoigyi Gyaicain wurde 1944 von der Entourage des aufgrund eines innenpolitischen tibetischen Konfliktes in den 1920er Jahren nach China geflüchteten 9. Panchen Lamas proklamiert aber erst unter chinesischem Druck 1950/51 von Lhasa anerkannt. 100px phrin las lhun grub chos kyi rgyal mtshan 11.1. Gendün Chökyi NyimaVon der tibetischen Exilregierung anerkannt 1989– — dge 'dun chos kyi nyi ma 11.2. Gyeltshen NorbuVon der chinesischen Regierung anerkannt 1990– 100px rgyal mtshan nor bu
Literatur Deutsch Isabel Hilton: Die Suche nach dem Panchen Lama. Auf den Spuren eines verlorenen Kindes. 2. Auflage. Piper, München und Zürich 2003, ISBN 3-492-23629-4. Klemens Ludwig / Holm Triesch: Gendün – Die Rückkehr des Panchen Lama. 1. Auflage. Longtai Verlag, Gießen 2013, ISBN 3-938946-22-9. Marcus Braun: Der letzte Buddha. Hanser Berlin Verlag, München 2017
Englisch Melvyn C. Goldstein: A History of Modern Tibet, 1913–1951. University of California Press, 1991, ISBN 0-520-07590-0 Melvyn C. Goldstein: The Snow Lion and the Dragon: China, Tibet, and the Dalai Lama. University of California Press, 1997, ISBN 0-520-21951-1 Ya Hanzhang: Biographies of the Tibetan spiritual leaders Panchen Erdenis. Foreign Languages Press, Beijing 1994, ISBN 7-119-01687-3. Gilles Van Grasdorff, Hostage of Beijing: The Abduction of the Panchen Lama, Thorsons, 1999, ISBN 978-1-86204-561-3
Weblinks
W. G. Surkhang: On the Panchen Lama (Center for Research on Tibet, Case Western Reserve University) himalayanart.org: Incarnation Lineage: Panchen Lama 転生する高僧たち (Ishihama Yumiko 石濱裕美子)
Einzelnachweise
Kategorie:Buddhistischer Titel Kategorie:Inkarnationsreihe (Buddhismus in Tibet)