Die Demokratische Volksrepublik Korea (koreanisch , [], Chosŏn Minjujuŭi Inmin Konghwaguk, kurz DVRK, seltener Koreanische Demokratische Volksrepublik oder KDVR), bekannt als Nordkorea, ist ein Staat in Ostasien, der den nördlichen Teil der Koreanischen Halbinsel umfasst, im Süden entlang der Demilitarisierten Zone an Südkorea und im Norden entlang den Flüssen Amnok und Duman an China und Russland grenzt. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Pjöngjang. Weitere Großstädte sind Nampo, Kaesong und Rason. In der Vergangenheit beanspruchte Nordkorea wie auch Südkorea die Forderung als alleinige legitime Regierung Koreas. Seit den 2020ern rückt es vom Ziel der Wiedervereinigung ab.
Nordkorea ist verfassungsgemäß ein sozialistischer Einparteienstaat, der von der Demokratischen Front für die Wiedervereinigung des Vaterlandes unter der Führung der Partei der Arbeit Koreas regiert wird. Das Regierungssystem wird von Menschenrechtsorganisationen und Regierungen anderer Länder als totalitär bezeichnet.
Das erste Staatsoberhaupt des Landes, Kim Il-sung, nutzte den Koreakrieg und den August-Vorfall, um seine politischen Gegner zu beseitigen und seine Macht zu konsolidieren. Nach seinem Tod setzten seine Nachkommen Kim Jong-il und Kim Jong-un die Gewaltherrschaft fort und übernahmen ebenso seinen Personenkult. Nordkorea gilt als einer der restriktivsten international anerkannten Staaten der Gegenwart. In verschiedenen Demokratieskalen belegt das Land seit Beginn der Messungen bis heute durchgehend einen der letzten Plätze. Die Staatsführung steht wegen schwerer Verletzungen der Menschenrechte weltweit in der Kritik und das Land ist international weitgehend isoliert.
Die koreanische Halbinsel ist seit dem Altpaläolithikum von Menschen bewohnt und die ersten Siedlungen stammen aus der Jungsteinzeit. Die ersten Aufzeichnungen von Staatentümern tauchen im 7. Jhd. v. Chr. auf. Nach der Vereinigung der Drei Reiche Koreas durch Silla und Balhae wurde Korea von der Goryeo-Dynastie (918–1392) und der Joseon-Dynastie (1392–1897) regiert. Das darauffolgende Kaiserreich Korea wurde 1910 von Japan annektiert. Nach dem Ende der japanischen Besatzung und der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg wurde Korea von der Sowjetunion und den USA in zwei Besatzungszonen geteilt. Versuche auf eine Einigung schlugen fehl und die Teilung verhärtete sich auf politischen Linien. Der Koreakrieg (1950 bis 1953) besiegelte die Spaltung der koreanischen Halbinsel (siehe dazu Korea-Konflikt).
Nordkorea steht wegen der Entwicklung und Weitergabe von militärischer Raketentechnik etwa seit dem Jahr 2000 im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. 2005 wurde bekannt gegeben, dass ein nordkoreanisches Kernwaffenprogramm existiert. 2011 war jeder zwanzigste Nordkoreaner Angehöriger des Militärs.Kim Jong-il Son Cleared as Top Military Commander. In: nytimes.com, New York Times, 24. Dezember 2011 (1.1 million troops on active duty in a country with a population of 23 million.).
Nordkorea lag beim BIP pro Kopf und dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) bis in die 1970er-Jahre vor dem Süden, wurde jedoch im Zuge von Südkoreas rasantem Wirtschaftswachstum schnell überholt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre – Nordkoreas wichtigstem Handelspartner und Unterstützer – brach ein Großteil des Außenhandels ein. Infolge fehlender Energieimporte und mangelnder technischer Unterstützung kam es zu einer schweren Energiekrise. Diese verschärfte die Probleme bei der landwirtschaftlichen Produktion drastisch und führte Mitte der 1990er-Jahre zu einer verheerenden Hungersnot, der Schätzungen zufolge zwischen 240.000 und 3 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Nordkorea zählt heute zu den ärmsten und unterentwickeltsten Ländern der Welt, ist aber aufgrund intransparenter Statistiken nicht im HDI (Human Development Index) vertreten. Es mehren sich insbesondere seit den vollständigen Grenzschließungen im Rahmen der Covid-19-Pandemie wieder die Anzeichen einer neuerlichen Hungersnot im Land. Aufgrund der starken Abschottung sowie der geringen Zahl an Ausländern im Land, welche durch die Pandemie noch einmal stark gesunken ist, gibt es jedoch so gut wie keine Augenzeugenberichte von der humanitären Lage vor Ort.
Landesname Der Name Korea leitet sich vom Namen Goryeo (auch Koryŏ geschrieben) ab. Der Name Goryeo selbst wurde zuerst von dem alten Königreich Goguryeo (Koguryŏ) verwendet.
In Nordkorea ist die Kurzform Chosŏn (kor. , Korea) üblich. In Südkorea, wo Gesamtkorea Hanguk statt Chosŏn genannt wird, heißt der Nachbarstaat Bukhan (, , „Nordkorea“).
In Deutschland,Korea (Demokratische Volksrepublik, Nordkorea): Reise- und Sicherheitshinweise. Auswärtiges Amt (Deutschland); Stand (und abgerufen am): 16. April 2014. Österreich, der Schweiz und Nordkorea wird offiziell die Bezeichnung „Demokratische Volksrepublik Korea“ (DVRK / koreanisch: 조선민주주의인민공화국, Chosŏn Minjujuŭi Inmin Konghwaguk) verwendet. Nordkorea selbst bevorzugte bis Mitte Dezember 2007 die in der DDR etablierte Übersetzung „Koreanische Demokratische Volksrepublik“ (KDVR). Bis 1977 wurde in der DDR die 1949 vom Ministerrat der DDR verfügte Bezeichnung „Koreanische Volksdemokratische Republik“ (KVDR) angewandt. Auf Bitte der nordkoreanischen Regierung war nach dem Staatsbesuch Erich Honeckers in Nordkorea 1977 die Bezeichnung in „Koreanische Demokratische Volksrepublik“ geändert worden.Report on the official friendship visit to the DPRK by the Party and state delegation of the GDR, led by Comrade Erich Honecker. In: wilsoncenter.org. Woodrow Wilson International Center for Scholars – Virtual Archive, 13. Dezember 1977 (Übersetzung aus dem Deutschen). Im Englischen wird der Landesname Democratic People's Republic of Korea mit DPRK abgekürzt.
Geographie
mini|Satellitenbild der koreanischen Halbinsel (ESA, 2019) Im Norden grenzt das Land an die Volksrepublik China. Im äußersten Nordosten kommt ein etwa 19 Kilometer kurzer Grenzstreifen zu Russland hinzu – entlang des Flusses Tumen bis zur Mündung in den Pazifik. Nordkoreas Westküste liegt an der Koreabucht, einem Teil des Gelben Meeres. Im Süden bildet die Militärische Demarkationslinie in der Mitte der demilitarisierten Zone die faktische Grenze zu Südkorea (Republik Korea). Im Osten befindet sich das Japanische Meer, das von den Nordkoreanern als Koreanisches Ostmeer bezeichnet wird.Japanisches Außenministerium: Efforts of the Government of Japan in Response to the Issue of the Name of the Sea of Japan (1) The 8th UNCSGN, Stand 2003. In den Namensstreit um das Japanische Meer ist auch Südkorea verwickelt.
Grenze zwischen der Volksrepublik China und Nordkorea Grenze zwischen Nordkorea und Russland Grenze zwischen Nordkorea und Südkorea
Das Landesinnere ist wegen seines gebirgigen Charakters nur dünn besiedelt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf die Küstenregionen im Westen und Osten des Landes. Dementsprechend befinden sich dort auch die größten Städte Nordkoreas; neben der Hauptstadt Pjöngjang sind dies Hamhŭng, Kaesŏng, Sinŭiju sowie Ch’ŏngjin. Nordkorea ist in neun Provinzen unterteilt.
Der höchste Berg ist der Paektusan (2744 Meter) im Changbai-Gebirge an der Grenze zu China. Die wichtigsten Flüsse sind der Tumen (im Norden) und der Amrok (bekannter unter seiner chinesischen Bezeichnung Yalu).
Klima mini|Klimadiagramm Pjöngjang Nordkorea besitzt im Wesentlichen ein gemäßigtes Kontinentalklima mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Der Jahresniederschlag fällt hauptsächlich während des Monsuns (jangma) im Zeitraum von Juni bis August. Die Wintermonate sind durch Kälte und Trockenheit gekennzeichnet. Im Herbst ist das Land gelegentlich von Taifunen betroffen. Ein solcher Taifun traf besonders den Nordosten des Landes im August 2015 schwer.
Größte Städte
mini|Blick über die Altstadt der früheren Goryeo-Königsstadt Kaesŏng Im Jahr 2023 lebten 63 Prozent der Einwohner Nordkoreas in Städten. Der mit Abstand größte Ballungsraum in Nordkorea ist Pjöngjang mit einer Einwohnerzahl von 3.702.757 (Stand 1. Januar 2005). Damit leben 16 Prozent der Menschen des Landes in der Hauptstadtregion.
Die Einwohnerzahlen gelten für den Tag der Volkszählung von 2008 und beziehen sich auf die eigentliche Stadt ohne Vorortgürtel. + Die zehn größten Städte Nordkoreas Rang Name Einwohner20082008 Census of Population of DPR Korea (PDF; 1,4 MB), Central Bureau of Statistics (englisch).Verwaltungseinheit Transkription Hangeul Hanja1.Pjöngjang평양平壤3.255.288Pjöngjang2.Hamhŭng함흥咸興768.551Hamgyŏng-namdo3.Ch’ŏngjin청진淸津667.929Hamgyŏng-pukto4.Namp’o남포南浦366.341P’yŏngan-namdo5.Wŏnsan원산元山363.127Kangwŏn-do6.Sinŭiju신의주新義州359.341P’yŏngan-pukto7.Tanch’ŏn단천端川345.876Hamgyŏng-namdo8.Kaech’ŏn개천价川319.554P’yŏngan-namdo9.Kaesŏng개성開城308.440Hwanghae-pukto10.Sariwŏn사리원沙里院307.764Hwanghae-pukto
Kalender und Zeitzone 1997, drei Jahre nach dem Tod Kim Il-sungs, wurde in Nordkorea offiziell der nach der Staatsideologie benannte Chuch’e-Kalender eingeführt. Er unterscheidet sich vom Gregorianischen Kalender durch die Jahreszählung, die mit dem Geburtsjahr des Staatsgründers 1912 beginnt. Das Jahr ist somit das Jahr Chuch’e , wobei in der Regel beide Jahreszahlen angegeben werden, also etwa „Juche 109 (2020)“.
Im August 2015 (zum 70. Jahrestag der Unabhängigkeit von Japan) stellte Nordkorea auf die neu geschaffene Zeitzone UTC+8:30 um („Pjöngjang-Zeit“).Nordkorea stellt die Zeit um: Chaos befürchtet, ORF.at vom 7. August 2015, Abruf am 24. Januar 2025. Zuvor hatten Japan, Süd- und Nordkorea dieselbe Zeit UTC+9 („Korea-Standardzeit“), die während der japanischen Kolonialherrschaft in Korea (1910–1945) eingeführt worden war. Zum 5. Mai 2018 wurde diese Änderung jedoch wieder rückgängig gemacht, sodass das gesamte Korea wieder in derselben Zeitzone liegt.Gleiche Zeit in ganz Korea, 30. April 2018, Quelle: Zeit Online, ap, Reuters, jr; Abruf am 24. Januar 2025.
Bevölkerung mini|271x271px|Bevölkerungsentwicklung, Fertilitäts- und Nettoreproduktionsraten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungsentwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022 mini|Bevölkerungspyramide Nordkorea 2016
Demografie
Nordkorea ist ethnisch homogen – abgesehen von einer kleinen chinesischen Minderheit im Norden des Landes – und weist den prozentual niedrigsten Ausländeranteil weltweit auf. Es gilt als praktisch unmöglich, sich als Ausländer in Nordkorea niederzulassen. Im Jahre 2017 waren 0,2 % der Bevölkerung im Ausland geboren.
Die Bevölkerung Nordkoreas wuchs im Zeitraum von 1960 bis 2016 von 12,3 auf mehr als 25 Millionen Menschen. Nordkoreanischen Statistiken zufolge ist die Lebenserwartung seit 1986 im Mittel gesunken. Der offizielle Zensus Nordkoreas vom Jahr 2008 gibt die Lebenserwartung von Männern mit 65,6 Jahren an, die von Frauen mit 72,7 Jahren.Zusammenfassung der Ergebnisse des Zensus von Nordkorea in Zusammenarbeit mit dem UN Population Fund aus dem Jahr 2008 (PDF; 1,0 MB) Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) betrug die durchschnittliche Lebenserwartung im Zeitraum von 2010 bis 2015 für Männer 67,2 Jahre, für Frauen 74,1 Jahre. Die Lebenserwartung der Einwohner Nordkoreas ab der Geburt lag 2022 lt. Schätzung der Weltbank bei 73,6 Jahren (Frauen: 76,1, Männer: 71). Laut Angaben des Zensus Nordkoreas von 2008 lag die Säuglingssterblichkeit bei 1,9 %. Trotz der zahlreichen Probleme und der schlechten Ausstattung des nordkoreanischen Gesundheitswesens ist es gelungen, die Lebenserwartung seit dem Ende des Korea-Kriegs um knapp 30 Jahre zu steigern und die Kindersterblichkeit zu senken. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 lt. Weltbank statistisch bei 1,8, die der Region Ostasien und Ozeanien betrug 1,5. Mit einem Medianalter von 34,2 Jahren und einer Bevölkerungswachstumsrate von jährlich 0,5 % hat Nordkorea eher die demographische Struktur von deutlich höher entwickelten Ländern.