Die Geschichte der Stadt Norden lässt sich bis ins Hochmittelalter zurückverfolgen, erste Besiedlungsspuren finden sich jedoch schon aus der Steinzeit.
Frühzeit bis Mittelalter Früheste Belege für die Anwesenheit von Menschen auf dem Norder Stadtgebiet sind archäologische Funde aus der jüngeren Steinzeit (etwa 2000 v. Chr.). Ab dem 6. Jahrhundert nach Christus wanderten Friesen in das zuvor von Chauken und Sachsen besiedelte Ostfriesland. In der Folgezeit entwickelten sich regionale Marktorte, darunter auch Norden. Der Ort konnte dabei von seiner Lage am Schnitt- und Endpunkt alter Handelsstraßen (Emsweg von Münster und Küstenweg von Bremen) profitieren und gewann schon sehr früh an Bedeutung. Vieh, Muschelkalk und Salz waren die Haupthandelsgüter. Aus der Frühzeit der Stadt liegen wenige Belege vor, deren Deutung unsicher ist. So wurde ein Ort namens Nordhunwig 884 von den Wikingern zerstört.O. von Heinemann: Das Königreich Hannover und das Herzogthum Braunschweig: dargestellt in malerischen Originalansichten ihrer interessantesten Gegenden, merkwürdigsten Städte, Badeorte, Kirchen, Burgen und sonstigen Baudenkmäler alter und neuer Zeit. Nach der Natur aufgenommen und in Stahl gestochen von verschieden Künstlern. Bd. 2. Darmstadt 1858, S. 718 f. Im selben Jahr wurden die Wikinger in der Schlacht bei Norditi von den Friesen vernichtend geschlagen. In beiden Fällen ist eine Gleichsetzung des Namens mit der Stadt unsicher. Bis 1150 war Norden ein Vorort des neben dem Norder- auch das Auricher- und Harlingerland umfassenden Gaues Nordendi, der nach der Eingliederung Ostfrieslands in das Fränkische Reich angelegt und einem auswärtigen Grafen übertragen wurde. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde die fränkische Grafschaftsverfassung von den Friesen weitgehend ausgehöhlt und der Großgau Nordendi brach auseinander. Norden wurde nach dessen Auflösung Hauptort des Norderlandes.Herbert Obenaus (Hrsg.): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5, S. 1122. Von der zentralen Bedeutung des Ortes zeugt, dass sich hier neben zwei Kirchen auch zwei Klöster und eine Burg in enger Nachbarschaft befanden – eine Konzentration, die es im Norderland sonst an keinem anderen Ort gab. Die Beziehungen zwischen Norden und seinem Umland sind allerdings umstritten.So schreibt der Buchautor und Norder Heimatforscher Johann Haddinga: „In der Beurteilung der Alltagspraxis, konkret: der Beziehungen und Verflechtungen zwischen dem aufstrebenden landesgemeindlichen Zentrum Norden und dem ganzen Norderland, stimmen die Meinungen und Thesen der Historiker jedoch nicht klar überein.“ In: Johann Haddinga, Martin Stromann: Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor. Verlag SKN, Norden 2001, ISBN 3-928327-43-7, S. 37. Spätestens für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts kann von städtischen oder stadtähnlichen Strukturen gesprochen werden.
Im Jahr 1255 wurde Norden in einem Vertrag erstmals gesichert urkundlich erwähnt, Originaltext mit Übersetzung von Gerd Dickers, Norden (PDF; 73 kB), abgerufen am 9. August 2024 was vielfach irrtümlich mit der Verleihung des Stadtrechts verwechselt wird.Johann Haddinga, Martin Stromann: Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor. Verlag SKN, Norden 2001, ISBN 3-928327-43-7, S. 30. Aus diesem Irrtum heraus erklärt sich auch, dass Norden sich bis in die jüngste Zeit als „älteste Stadt Ostfrieslands“ bezeichnet. Emden wurde allerdings 1224, also 31 Jahre früher, erstmals urkundlich erwähnt, als ein Emder Handelsschiff in London anlegte. Gleichwohl hatte auch Norden schon damals einen städtischen Charakter. Die älteste Burg in Norden – die Olde Borg – wurde 1285 noch durch die Landesgemeinde zur Friedenssicherung errichtet. Es folgten mehrere Burgen der vorherrschenden Häuptlingsfamilien des Ortes, so etwa die Ennenburg der Attena am damaligen Hafen und die Idzingaburg der gleichnamigen Familie Idzinga, aus deren Wappen die Stadt Norden später die Sporenräder übernahm. Diese Burgen gehörten dem Typus der ostfriesischen Häuptlingsburgen an, wie er noch heute am Steinhaus Bunderhee zu erkennen ist. Zu den frühesten bekannten Häuptlingsburgen zählt die schon 1353 zerstörte Burg der Aldersna im Stadtteil Lintel.
Das Wappen zeigt zudem den Apostel Andreas mit dem bekannten Andreaskreuz, ein Hinweis auf die nicht mehr existierende Stadtkirche, die dem Heiligen Andreas geweiht war. Die Ludgeri-Kirche war im Gegensatz zur Andreaskirche die Kirche des Norder Umlandes, dessen Dörfer in der Stadt neben der Kirche Verwaltungsämter unterhielten.
Auch Klostergründungen verzeichnet die Stadtgeschichte: Im 11. Jahrhundert entstand am Zingel das Kloster Marienthal, die spätere Grablege der ostfriesischen Adelsfamilie Cirksena; die Dominikaner siedelten sich 1264 am Fräuleinshof an.
In der Zeit der Ostfriesischen Häuptlinge von 1350 bis 1464 gehörte Norden mit seinem Umland zum Herrschaftsgebiet verschiedener Häuptlingsfamilien und gelangte dann in die Hände der tom Brok aus dem Brookmerland, nach ihrem Ende an die Grafen und späteren Fürsten von Ostfriesland aus dem Hause Cirksena. Das bedeutete für den Ort eine geringere politische Bedeutung, da sich die Machtzentren Ostfrieslands in Aurich (zunächst Sitz der tom Brok, später der Cirksena) und Emden (Cirksena, bis zu ihrer Vertreibung 1595) entwickelten, weshalb der Ort wohl auch nie mit einer Stadtmauer oder Ähnlichem befestigt wurde. Norden war in der Folgezeit hauptsächlich Handelsort, was im 14. Jahrhundert nach Sturmfluten durch eine Ausweitung der Leybucht begünstigt wurde. Der Ort hatte nun direkten Zugang zum Meer. So entstand im Südbereich der Stadt ein Seehafen, der bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Bedeutung hatte und der Stadt über einen langen Zeitraum eine wirtschaftliche Blüte bescherte, auch wenn sein Handel dem der Stadt Emden stets nachstand. Norden besaß eine eigene Handelsflagge, unter der Norder Schiffe Nord- und Ostsee befuhren.
Norden unter den Cirksenas miniatur|Norden um 1590. Ausschnitt aus einer zeitgenössischen Darstellung Im Jahr 1531 verwüstete ein Heerhaufen des Häuptlings Balthasar von Esens die unbefestigte Stadt, unter anderem wurden der Vorgängerbau des heutigen Alten Rathauses, mehrere Klöster und die Andreaskirche zerstört. Sie stand nördlich der Ludgerikirche auf dem Marktplatz. Versuche, die Andreaskirche wieder aufzubauen, schlugen fehl, und das Gebäude stürzte im 17. und 18. Jahrhundert allmählich ein. Die letzten Reste der Andreaskirche verschwanden 1756. Es ist unbekannt, ob es in Norden jemals eine Stadtrechtsverleihung gab. Nach dem Wiederaufbau Nordens gab Graf Enno II. dem Ort mit den Instituta Nordana eine Stadtordnung (1535). Als „Stadt“ hatte jedoch bereits Graf Edzard I. Norden bezeichnet (1491 und 1498).
Im 16. Jahrhundert ließen sich erstmals Juden in der Stadt nieder. Der jüdische Friedhof ist der älteste in Ostfriesland.
Im 16. Jahrhundert wurden auch weitere Polder eingedeicht, darunter 1551 das Westermarscher Altes Neuland (578 ha), 1556 Süderneuland (633 ha), 1583 das Westermarscher Neuland (585 ha) und 1589/1593 das Addinggaster Neuland (229 ha). Bis 1678 gab es forthin keine neuen Einpolderungen mehr.
Die Reformation erbrachte in Norden einen teilweise erbittert geführten Streit zwischen calvinistischen Protestanten und Lutheranern. Das Grafenhaus förderte die Reformation. Die Söhne Edzards des Großen, Enno II. und Johann I., regierten 1528–1540 großenteils gemeinschaftlich, wobei Enno der lutherischen Lehre anhing, Johann jedoch katholisch blieb. Die kurze Zeit später erlassene Regelung Cuius regio, eius religio wurde in Ostfriesland nie in dem Sinne umgesetzt, dass die Bürger zur Annahme des Bekenntnisses des Landesherrn verpflichtet waren. In dieser Gemengelage stritten in Norden lutherisch Gesinnte und Calvinisten (Reformierte) erbittert über die Kirchenordnung. Letztlich setzten sich die lutherischen Geistlichen durch. Die Gründung einer reformierten Gemeinde Lütetsburg/Norden erbrachte zunächst eine Befriedung der geistlichen Verhältnisse. Die Familie zu Inn- und Knyphausen auf der Lütetsburg war calvinistisch orientiert und ließ auf der Lütetsburg Gottesdienste zu. Doch 1680 brach der Konflikt erneut aus, als die Reformierten in Bargebur, damals kurz vor den Toren der Stadt, eine reformierte Kirche bauen wollten. Aufgebrachte Norder Bürger rissen den Bau wieder ein, erst unter der Aufsicht militärischer Truppen wurde der Bau 1684 vollendet.
Ein weiterer Konfliktpunkt war die Steuerpolitik der Grafen. Der Streit eskalierte im Jahre 1602, als Graf Enno III. die Stadt eroberte, nachdem diese ihm die Huldigung verweigert hatte. Enno erkannte der Stadt sämtliche Privilegien ab und erteilte diese erst nach erfolgter Huldigung wieder. In den Jahren 1597/98 und noch einmal 1611 brach in der Stadt die Pest aus. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Norden von Mansfelder (1622 bis 1624), kaiserlichen (1627 bis 1631) und hessischen Truppen (1637 bis 1650) bedrängt.
Im 18. Jahrhundert besaß Norden eine bedeutende Seeflotte an der ostfriesischen Küste. Bei der Weihnachtsflut 1717 wurde das Norder Stadtgebiet wie das gesamte Ostfriesland schwer getroffen. Die Ortschaft Itzendorf musste aufgegeben werden, an sie erinnert die Itzendorfplate, eine Untiefe vor der Norder Küste in Höhe des Ortsteils Westermarsch.
Neue Eindeichungen erfolgten 1678 (Charlotten-Polder, 602 ha) und 1715 (Kleiner Addinggaster Polder, 76 ha).
Unter preußischer und hannoverscher Herrschaft miniatur|Norden um 1845 Im Jahr 1744 fiel Ostfriesland, und damit auch Norden, durch eine Exspektanz an das Königreich Preußen. Der preußische Staat förderte in den folgenden Jahrzehnten den Landesausbau Ostfrieslands – besonders durch Moorkolonisierung, aber auch durch Eindeichungen. Auch auf dem heutigen Norder Stadtgebiet wurden drei Polder eingedeicht: 1769 der Leysander Polder (145 ha), 1774 der Zuckerpolder (15 ha), 1775 der Buscherpolder (48 ha), 1781 der Schulenburger Polder (241 ha), 1789 der Lorenz- und Friederikenpolder (60 ha) und schließlich 1804 der Teltingspolder (28 ha). Alle befinden sich südlich des Stadtkerns und wurden aus der Leybucht gewonnen.
Im Jahr 1794 gründeten sieben Norder Kaufleute und Bürger aus Hage die Fehnsiedlung Norderfehn, die später in Berumerfehn umbenannt wurde. Sie bauten dort Torf ab. Dazu gruben sie den heutigen Berumerfehnkanal, der den Norder Hafen mit der neuen Fehnkolonie verband. Er ist etwa 14 Kilometer lang. Auf rund 1500 Hektar Fläche wurde der Torf gestochen und – erstmals 1797 – mit kleinen Schiffen auf dem Kanal nach Norden transportiert. Die Stadt wurde damit unabhängig von den zuvor nötigen Importen des Brennmaterials, das vor allem aus dem Groningerland und dem Saterland beschafft wurde.
Nach der napoleonischen Besatzungszeit 1806 bis 1813, als Norden dem Département Ems-Oriental angehörte, fiel die Stadt 1815 an das Königreich Hannover.
In den 1840er Jahren wurden in Ostfriesland mehrere Chausseen angelegt, die die Städte verbanden. Dazu zählte die 1844 fertiggestellte Chaussee von Norden nach Emden, die zudem ab Georgsheil auch einen Anschluss nach Aurich sicherte. Von 1844 bis 1846 wurde im Süden des heutigen Stadtgebiets der Ernst-August-Polder (benannt nach dem Hannoverschen König) eingedeicht.