mini|Pkw-Sommerreifen mini|hochkant=1.7|Vollgummireifen 'Trublpruf Tires' (dt. Sorgenfrei Reifen) um 1920 mit Lochung, um die Federung zu verbessern
Der Autoreifen (auch Pneu, insbesondere in der Schweiz; über „Reifen“ von „Luft, Wind, Atem“) ist ein Luftreifen und bildet mit der Radschüssel und der Felge das komplette Rad eines Autos. Autoreifen werden hauptsächlich aus Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) und anderen synthetischen Kautschuken hergestellt, seltener aus Naturkautschuk.
In der EU müssen Hersteller mittels eines Reifenlabels auf allen seit dem 1. November 2012 hergestellten (und verkauften) Autoreifen über deren Kraftstoffverbrauch, Nasshaftung und Geräuschklassifizierung informieren.
Zu anderen Bauarten von Reifen und Rädern siehe: Reifen#Bauarten
Reifenarten nach Einsatzzweck mini|Niederquerschnittsreifen auf einer Leichtmetallfelge
Autoreifen sind das Bindeglied zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Von wenigen Ausnahmen in den Anfängen des Automobilbaus abgesehen, handelt es sich um Luftreifen. Sie beeinflussen maßgeblich das Fahrverhalten eines Fahrzeugs. Reifen werden insbesondere auf die Beschaffenheit des Untergrundes, die Temperatur und die Belastung ausgelegt. In Mitteleuropa fahren Automobile meist auf asphaltierten Straßen mit einer Oberflächentemperatur zwischen −15 °C und +60 °C. Die Straßen können verschiedene Feuchtigkeitsgrade aufweisen, im Winter können sie von Neuschnee, festgefahrenem Schnee und/oder Eis bedeckt sein. Theoretisch gäbe es für jede Fahrsituation einen am besten geeigneten Reifen. So werden im Rennsport mehrere Reifensätze mit unterschiedlich hartem Gummi und Regenreifen (mit Profil) oder Slicks (ohne Profil, für trockene Fahrbahn) vorgehalten und gewechselt. Um unter den Randbedingungen Produktionskosten und Lebensdauer ein möglichst breites Spektrum abzudecken, werden für den Straßenverkehr die folgenden Reifenarten angeboten:
Sommerreifen mini|Profil eines Sommerreifens Sommerreifen sind für Straßenverhältnisse ohne Schnee und Eisglätte ausgelegt. Ihre Gummimischung wird auch bei hohen Temperaturen nicht zu weich; auch bei hoher Geschwindigkeit ist die Abnutzung relativ gering. Hersteller wählen im Zielkonflikt zwischen zueinander in Widerspruch stehenden Anforderungen – z. B. einem möglichst geringen Rollwiderstand bei gleichzeitig guter Haftreibung (Bodenhaftung bei Nässe) – einen Kompromiss.
Mit abnehmender Profiltiefe verschlechtert sich das Verhalten bei Regen, Aquaplaning tritt früher auf. Gesetzlich sind daher 1,6 mm Profiltiefe gefordert. Der ADAC empfiehlt für Sommerreifen mindestens 3 mm Profiltiefe.
Winterreifen
mini|Profil eines Winterreifens Viele Länder haben zu bestimmten Zeiten oder bei bestimmten Straßenverhältnissen eine Winterreifenpflicht erlassen.
In Deutschland besteht seit dem 4. Dezember 2010 eine Winterreifenpflicht bei winterlichen Straßenverhältnissen, das heißt, wenn Eis, Schnee, Glätte und Schneematsch vorkommen ( Abs. 3a StVO).
mini|hochkant|Schneeflockensymbol für Winterreifen, (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, Alpine-Symbol)
Seit dem 1. Januar 2018 müssen neu produzierte Winterreifen auf der Flanke das Alpine-Symbol tragen, um die Winterreifenpflicht mit ihnen zu erfüllen. M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol gelten seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr als Winterreifen.Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 36 Bereifung und Laufflächen, Absatz 4 In: gesetze-im-Internet.de.
Winterreifen (in der Schweiz Winterpneu) sind für niedrige Temperaturen und winterliche Straßenverhältnisse ausgelegt. Sie verfügen über eine Gummimischung, die auch bei niedrigen Temperaturen ausreichend elastisch ist, um eine hinreichende Kraftübertragung (mittels Verzahnung mit dem Untergrund) zu erreichen. Winterreifen waren mit dem M+S-Symbol ( Mud and Snow, deutsch Matsch und Schnee) gekennzeichnet.
Die EU-Verordnung Nr. 661/2009 vom 13. Juli 2009 bezeichnete als „M+S-Reifen“ einen Reifen, dessen Laufflächenprofil, Laufflächenmischung oder Aufbau in erster Linie darauf ausgelegt ist, gegenüber einem Normalreifen bessere Fahr- und Traktionseigenschaften auf Schnee zu erzielen, und kündigt als Durchführungsmaßnahme die „genauere Festlegung der physischen Merkmale und Leistungsanforderungen“ bis zum 31. Dezember 2010 an.
Die deutsche StVO bezog sich bis 2017 noch auf die Richtlinie 92/23/EWG, nach der „M+S-Reifen“ Reifen sind, „bei denen das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert sind, dass sie vor allem in Matsch und frischem oder schmelzendem Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen. Das Profil der Lauffläche von M+S-Reifen ist im Allgemeinen durch größere Profilrillen und Stollen gekennzeichnet, die voneinander durch größere Zwischenräume als bei normalen Reifen getrennt sind.“ (siehe auch Reifenprofil)
Trotz dieser Definitionen ist „M+S“ (Stand 2013) keine geschützte Kennzeichnung und kann daher auch auf nicht wintertauglichen Reifen angebracht werden. Insbesondere chinesische und amerikanische Reifenhersteller verwenden dieses Symbol auch auf Sommerreifen. In: test 12/2010, S. 76.Vorsicht vor Billigmarken mit M+S-Symbol. In: focus.de, 2. Dezember 2010.
Die Kennzeichnung „Berg mit Schneekristall“ (Alpine-Symbol), englisch „3 Peak Mountain Snow Flake“ (3PMSF oder 3-PMSF) wird von der amerikanischen Straßenbehörde NHTSA vergeben und kennzeichnet Reifen, welche in einem Test eine gegenüber einem Referenzreifen um mindestens 7 Prozent bessere Traktion auf Schnee und Eis erreichen.
Bei niedrigen Temperaturen, aber trockenem Wetter sollen Reifen mit 0,2 bis 0,3 bar mehr Reifendruck als vom Fahrzeughersteller angegeben gefahren werden, da die – vom Reifenhersteller einkalkulierte – Druckerhöhung im Reifen geringer ist als bei sommerlichen Temperaturen. Herrschen dagegen Schneematsch und Glätte, sind die unten erwähnten Eigenschaften eines niedrigen Reifendrucks erwünscht.
Geländewagen können mit einer Reifendruckregelanlage ausgerüstet sein, um während der Fahrt den Reifendruck verringern zu können und so eine größere Reifenaufstandsfläche zu bewirken. Wenn ein Fahrzeug in weichem Sand oder dergleichen festgefahren ist, kann es helfen, Luft aus den Reifen der Antriebsachse(n) abzulassen.
Anders als bei Sommerreifen ist es bei Winterreifen auch erlaubt, Reifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex einzusetzen – abweichend von den Angaben des Fahrzeugscheins. Auch dabei ist die M+S-Kennzeichnung ausschlaggebend, die übrigens auch Ganzjahresreifen aufweisen können. In Deutschland ist in diesem Fall ein Aufkleber mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit der Reifen gemäß Geschwindigkeitsindex im Blickfeld des Fahrzeugführers anzubringen. Diese Kennzeichnung ist auch in manchen Ländern vorgeschrieben, in denen ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen gilt.
Neben den weit verbreiteten Winterreifen der Geschwindigkeitskategorie T (bis 190 km/h) werden auch Winterreifen der höheren Geschwindigkeitskategorien U, H und V (vereinzelt auch W = bis 270 km/h) in diversen Reifendimensionen angeboten. Winterreifen können ganzjährig gefahren werden. Auf schneefreiem und trockenem Asphalt, vor allem bei höheren Temperaturen, haben sie einen stärkeren Abrieb. Bei frühlingshaften und sommerlichen Temperaturen haben sie verglichen mit Sommerreifen auf trockener Fahrbahn deutlich schlechtere Fahreigenschaften, z. B. einen längeren Bremsweg.
Im Laufe der Zeit verhärtet die Gummimischung und die Hafteigenschaften der Reifen lassen nach, selbst wenn die Profiltiefe noch ausreichend ist. Der ADAC empfiehlt, Winterreifen, die älter als sechs Jahre sind, zu ersetzen. Der ÖAMTC empfiehlt, Reifen nur 4 Jahre zu verwenden.
Mit abnehmender Profiltiefe verschlechtern sich die Hafteigenschaften auf Schnee deutlich. In Österreich muss deshalb ein Winterreifen mindestens 4 mm Profiltiefe aufweisen (und eine M+S-Kennzeichnung). Bei einer Profiltiefe unter 4 mm gilt der Reifen als Sommerreifen. Der ADAC empfiehlt für Deutschland ebenfalls 4 mm Profiltiefe; gesetzlich werden in Deutschland nur 1,6 mm gefordert.
7-Grad-Empfehlung Jahrzehntelang wurde in den Medien die These vertreten, Winterreifen hätten bei Temperaturen unter 7 °C bessere Eigenschaften als Sommerreifen (sogenannte „Sieben-Grad-Empfehlung“). Diese Aussage wurde jedoch durch Tests widerlegt.
Auch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt können mit Sommerreifen sowohl auf nasser als auch auf trockener Fahrbahn kürzere Bremswege erzielt werden als mit vergleichbaren Winterreifen. Der Bremsweg von Winterreifen auf Schnee und Eis ist dagegen deutlich kürzer als der von Sommerreifen. Die Griffigkeit des Straßenbelags hat also einen größeren Einfluss auf die Traktionseigenschaften der Reifen als die reine Umgebungstemperatur. Besonders in Kombination mit einer verschmutzten oder staubigen Straßenoberfläche können Niederschläge die Straßenhaftung zu allen Jahreszeiten deutlich herabsetzen.
Spike-Reifen mini|Spikes mini|hochkant|Spike-Aufkleber (Österreich) Eine besonders auf Eis wirksame Technik ist die Verwendung von Spikes. Das sind Stahl- oder Hartmetallstifte, die in dafür ausgelegten Reifen angebracht werden können. Da Spikes die Fahrbahn erheblich abnutzen, sind sie in vielen Teilen Europas nur eingeschränkt oder gar nicht zulässig.
In Westdeutschland und der DDR waren Spike-Reifen Anfang der 1970er Jahre noch uneingeschränkt zulässig, gerieten zu dieser Zeit jedoch wegen verursachter Fahrbahnschäden in die Diskussion.Spikes-Reifen verbieten?. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1971, S. 296. Heute sind in Deutschland Spikes nur noch im kleinen deutschen Eck, einem Gebiet rund um Bad Reichenhall, sowie für bestimmte Einsatzfahrzeuge erlaubt.
In Österreich dürfen Spikes ausschließlich mit eingeschränkter Geschwindigkeit (Ortsgebiet: 50 km/h, Freilandgebiet: 80 km/h, Autobahnen: 100 km/h) und nicht in den Monaten Juni bis September verwendet werden. Weiterhin muss das Fahrzeug auf der Rückseite mit einem speziellen Aufkleber gekennzeichnet sein.
In der Schweiz sind die Vorschriften ähnlich wie in Österreich; die Verwendung von Spikes auf Autobahnen ist nicht erlaubt.
Ganzjahresreifen mini|Profil eines Ganzjahresreifens Ganzjahresreifen (auch Allwetterreifen) können sowohl im Sommer als auch im Winter eingesetzt werden. Das Profil von Allwetterreifen kombiniert die zwei unterschiedlichen Rillen-Anordnungen der Sommer- und Winterreifen, sodass die für höhere Temperaturen und bei Nässe benötigten Längsrillen ebenso zu finden sind wie die Profilblock-Verzahnungen, die bei Schneeglätte und Eis für Halt sorgen.marktjagd.de:
Der Aufwand für den zweimaligen jährlichen Reifenwechsel und die Investition in einen zweiten Radsatz entfallen. Ganzjahresreifen werden oft bei geringen Fahrleistungen verwendet.
Die Eigenschaften von Ganzjahresreifen waren lange Zeit ein Kompromiss: Auf Schnee blieben sie hinter den Eigenschaften von guten Winterreifen zurück; im Sommer hatten sie – wegen ihrer systembedingt weicheren Gummimischung – einen höheren Abrieb (Reifenverschleiß) und etwas erhöhten Kraftstoffverbrauch.Stiftung Warentest: Ganzjahresreifen – Keine Kompromisse. In: test.de, 19. Oktober 2012. Seit den 2020er-Jahren sind gute Ganzjahresreifen reinen Sommer- und Winterreifen ebenbürtig.Auto Bild: Ganzjahresreifen-Test 2022/2023: 195/55 R 16 In: autobild.de, 29. September 2022.Ganzjahresreifen-Test 2023: 235/55 R 17 In: autobild.de, 16. März 2023. Voraussetzung für eine Anerkennung von Ganzjahresreifen als Winterreifen im rechtlichen Sinne ist das Vorhandensein des Schneeflocken-Symbols auf der Reifenflanke.
In Österreich besteht seit Winter 2006/07 eine generelle Winterreifenpflicht auf der Antriebsachse für Lkw über 3,5 t und für Omnibusse.
In Deutschland besteht seit dem 4. Dezember 2010 eine situative Winterreifenpflicht. Sie löste eine seit 2006 bestehende, oft als schwammig kritisierte Regelung ab.
Geländereifen mini|Typisches MT (Mud Terrain)-Reifenprofil