Rosen (Rosa) sind die namensgebenden Pflanzen der taxonomischen Gattung und Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Gattung umfasst je nach Auffassung des Autors 100 bis 250 Arten auf der Nordhalbkugel, weltweite Gesamtzahlen sind derzeit noch schwierig zu benennen.
Rosensträucher bilden durch ihre typischen Merkmale Stacheln, Hagebutten und unpaarig gefiederte Blätter eine sehr gut abgegrenzte Gattung. Sie bilden auffällige fünfzählige Blüten. Die meisten Arten sind nur in der Holarktis verbreitet. Der Wissenschaftsbereich wird als Rhodologie bezeichnet.
Gärtnerisch wird zwischen Wildrosen und Kulturrosen unterschieden. Die Rose wird seit der griechischen Antike als „Königin der Blumen“ bezeichnet. Rosen werden schon sehr lange (nach einigen Quellen schon seit mehr als 10.000 Jahren) als Zierpflanzen gezüchtet. Das aus den Kronblättern, genannt Rosenblätter,Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 451 (rosenplatt: Rosenblatt, Kronblatt von Rosa spec.) gewonnene Rosenöl ist ein wichtiger Grundstoff der Parfumindustrie.
Beschreibung mini|Illustration von Rosa bracteata
Erscheinungsbild Die Rosen-Arten sind sommergrüne, selten immergrüne Sträucher. Ihre selbständig aufrechten oder kletternden Sprossachsen sind bis zu 4 Meter hoch. Am Boden aufliegende Sprossachsen werden länger, manche sind niederliegend oder kriechend. Viele Arten entwickeln verholzte Bodenausläufer und bilden dann Kolonien durch Selbst- und Tierausbreitung. Die Sprossachsen können mit Drüsen oder Haaren bestanden oder auch völlig kahl sein, oft treten gefärbte Wachsbeläge dazu. Das Vorhandensein von Drüsen ist mit mehr oder weniger starkem Duft gekoppelt. Die Behaarung (Indument) kann alle oberirdischen Organe (mit Ausnahme der Hagebutten und Staubblätter) betreffen, die Form, Zahl und Verteilung der Haare ist charakteristisch für bestimmte Sippen, wobei die Behaarung ein ontogenetisch konstantes Merkmal ist (Verkahlen im Alter ist sehr selten).
Stacheln mini|hochkant|links|Stacheln einer Rose, der vordere Stachel wurde zur Demonstration abgestreift
Stamm, Äste und Zweige sind mit Stacheln besetzt, die im Volksmund häufig als Dornen bezeichnet werden. Die Stacheln dienen zum einen als Schutz gegen Tierfraß, zum anderen bei Spreizklimmern zum Festhalten an den Stützen. Die Stacheln können bei einer Pflanze gleichartig (homoeacanth) oder verschiedenartig (heteracanth) sein. Dabei ist häufig die Form an Kurztrieben anders als an Langtrieben. Die bodennahen Bereiche sind oft besonders reich an Stacheln. Die Grundtypen werden als hakig, sichelig, leicht gekrümmt, gerade, Nadelstachel und Stachelborste bezeichnet; es kommen Zwischenformen vor.
Die genetische Grundlage für die Bildung von Stacheln bei Rosen und anderen Pflanzen liegt in einem uralten Gen, das als PRICKLESSNESS (PL) bezeichnet wird. Dieses Gen gehört zur LOG-Genfamilie, die für die Produktion des Hormons Cytokinin verantwortlich ist. Cytokinin reguliert die Zellteilung und -vergrößerung, was zur Ausbildung von Stacheln führt. Mutationen im PL-Gen können die Cytokinin-Bildung beeinflussen, wodurch die Stachelbildung unterdrückt wird. Dieser Mechanismus ist bei vielen Pflanzenarten, einschließlich Rosen, verbreitet und ermöglicht die Entwicklung stachelfreier Varianten durch gezielte genetische Modifikation.
Blätter mini|Fünfzählig gefiedertes Laubblatt
Die wechselständig und in 2/5-Stellung stehenden Laubblätter sind mehr oder weniger lang gestielt. Die unpaarig gefiederte Blattspreite besteht aus meist fünf bis neun Fiederblättchen, es können drei bis neunzehn sein. Lediglich bei Rosa persica sind die Laubblätter einfach und die Nebenblätter fehlen. Bei den Blättern können (nach morphologischen Details verteilt, z. B. Adern, Zwischenflächen, Nebenblätter oder Blättchenrand) Drüsen und Haare vorkommen oder auch fehlen. An der Blattspindel (Rhachis) sitzen manchmal weitere kleine Stacheln oder Stachelborsten. Die Fiederblättchen sind sehr unterschiedlich gestaltet, meist sind sie elliptisch bis eiförmig, verkehrt-eiförmig oder rundlich. Der Blättchenrand ist – regelmäßig oder unregelmäßig – einfach oder mehrfach gesägt, seltener gekerbt oder annähernd ganzrandig. Nebenblätter sind meist vorhanden und sind oft mehr oder weniger lang mit dem Blattstiel verwachsen.
Blütenstände und Blüten Die Blüten stehen end- oder seitenständig in traubigen, rispigen, manchmal doldig verkürzten Blütenständen. Der Blütenstand kann auch auf eine einzelne Blüte reduziert sein. Hochblätter werden gebildet, selten sind sie hinfällig oder fehlen. Ein Außenkelch wird nicht gebildet.
mini|links|hochkant|Blütendiagramm von Rosa tomentosa Die gestielten bis sitzenden Blüten sind meist ansehnlich und häufig duftend. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle.
Es gibt fünf Kelchblätter, nur bei Rosa sericea vier. Die Kelchblätter sind meist lanzettlich, laubblattartig, ungeteilt oder es sind die beiden äußeren auf beiden Seiten und das mittlere auf einer Seite geteilt: fiederteilig, -schnittig oder -spaltig. Schon der Fruchtansatz kann behaart oder mit Drüsen besetzt sein, es sind aber noch Saisonaleffekte (wie Abrasion, Klimadynamik oder Austrocknung) zu berücksichtigen. Der Kelchblattanhang ist nach der Blüte zurückgeschlagen, abstehend oder aufgerichtet, intermediaere Ausbildungen möglich. Zur Fruchtreife ist er oft bereits abgefallen, abfallend (nicht mehr vollzählig erhalten), oder krönt die Frucht noch bis ins folgende Frühjahr.
Der Durchmesser der Blütenkrone beträgt meist 3 bis 7 Zentimeter, kann aber auch zwischen 1 und 10 Zentimeter liegen. Die fünf (bei einer Art oder Taxon vier) Kronblätter sind hinfällig, ihre Farbe ist meist rosa bis rot, oder weiß, seltener gelb, etwa bei nicht-mitteleuropäischen Arten und Kulturrosen. Bei weiteren Kulturformen ist die Blüte durch Umwandlung von Staubblättern in Kronblätter gefüllt.
mini|Längsschnitt durch den Blütenbecher; im oberen Bereich der Griffelkanal, durch den die Griffel nach außen ragen Der je nach Art unterschiedlich geformte Blütenbecher ist mehr oder weniger tönnchenförmig, drüsig oder drüsenlos, manchmal stachelborstig. Sein oberer Bereich ist schon zur Blütezeit verengt und als Diskus ausgebildet; er ist dem nektarbildenden Drüsenring anderer Gattungen homolog, bildet jedoch nur bei wenigen Rosenarten Nektar. In der Mitte des Diskus öffnet sich der Griffelkanal, durch ihn treten die Griffelbündel ins Freie, die Narbenköpfe stehen hier halbkugelig bis straußförmig. Sie können dem Diskus aufliegen oder deutlich über ihn hinausragen.
Die Anzahl der Staubblätter ist bei den Rosen wie bei vielen Rosengewächsen durch sekundäre Polyandrie erhöht, es sind meist 50 bis 200, selten 20 bis 265 vorhanden. Sie stehen vor den Kronblättern (epipetal) und setzen am Rande des Blütenbechers an. Die Staubbeutel (fachsprachlich auch Anthere, griechisch-lateinisch Anthera; mittellateinisch, bezogen auf die Staubbeutel von Rosen, auch AnteraOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 157 („Antera – das geel semlyn in den rosen – Anthera – blume der rosen, ... ding das wirt gevunden in dem mittele […]. Anthera dicitur quidam flos rosarum“).) sind nach innen gerichtet, von gelber bis oranger oder brauner Farbe. Die Staubfäden haben meist eine davon abweichende Färbung und sind oft weiß oder strohgelb. Der Pollen ähnelt im Aufbau stark dem Pollen von Rubus: Das Pollenkorn hat drei Furchen (tricolpat), seine Oberfläche ist rugulat-striat (hat kürzere bis längere, mehr oder weniger parallel laufende Rippen), im Gegensatz zu Rubus jedoch ein Operculum. Der Rosenpollen ist bei vielen Arten größer als 25 Mikrometer. Nur ein Teil des Pollen ist fertil, besonders in der Sektion Caninae sind verformte, geschrumpfte Pollenkörner häufig.
Es gibt zahlreiche, nicht verwachsene Fruchtblätter. Ihre Zahl liegt meist zwischen 10 und 50, kann aber auch 4 bis 140 betragen. Sie sitzen am Grund oder an der Wand des Blütenbechers, oder sind kurz gestielt. Jedes Fruchtblatt trägt ein bis zwei Samenanlagen. Der Griffel setzt seitlich oder selten endständig an. Die Griffel sind frei, bei wenigen Arten sind sie miteinander verwachsen. Die Narbe ist kopfig, behaart oder kahl.
Früchte mini|Zweig und Hagebutten der Wein-Rose (Rosa rubiginosa)
Die Frucht der Rosen ist die Hagebutte, sie ist eine Sammelnussfrucht. Einzelfrüchte sind dabei einsamige Nüsschen von weißgelber bis brauner Farbe. Sie sind vom mehr oder weniger fleischigen, vergrößerten Blütenbecher umgeben, der innen oft behaart ist. In reifem Zustand ist die Hagebutte von einiger Bestimmungwichtigkeit, aber durchaus noch stark veränderlich (z. B. durch Frosteinfluss). Sie kann sich fleischig bis ledrig, weich oder hart anfühlen. Dabei sind mehrere Merkmale oft nicht gleichzeitig untersuchbar. Die Früchte können sich ungewöhnlich lange an der Pflanze halten oder zu früh abfallen. Deshalb ist die Fruchtreife durch ausgereifte oder wenigstens angefärbte, häufig rote bis orange, in seltenen Fällen braune bis schwarze Hagebutten erkennbar.
Die Einzelfrucht – das Nüsschen, oft als „Kern“ bezeichnet – ist meist 3 bis 6 (2,5 und 8) Millimeter lang, zwischen 2,5 bis 3,5 (2 bis 6) Millimeter breit, stark behaart bis annähernd kahl. Die Anzahl der Nüsschen liegt bei mitteleuropäischen Arten meist zwischen 10 und 30 pro Hagebutte, selten zwischen 1 und 45. Bei Rosa rugosa sind es über 100, bei Rosa clinophylla bis 150. Die Anzahl hängt auch von der Art der Samenbildung ab: Die Zahl sinkt von echter Fremdbefruchtung, Nachbarbefruchtung über Selbstbefruchtung bis zur Apomixis, bei der die wenigsten Samen gebildet werden. Die Nüsschen werden durch Zerfall der Hagebutte im Winter bis Sommer des Folgejahres frei oder durch die Zerstörung oder Aufnahme der Hagebutte durch Fructivoren verbreitet.
Zellbiologie Die Chromosomengrundzahl der Rosen beträgt x = 7. Davon ausgehend gibt es eine Ploidiereihe mit 2n = 14, (21), 28, 35, 42 und 56. In Mitteleuropa sind diploide Arten selten: Von den etwa 33 Arten sind z. B. vier diploid, fünf tetraploid, acht pentaploid, elf haben mehr als eine Ploidiestufe und von drei Arten ist die Ploidiestufe noch nicht bekannt. Die einzige sicher oktoploide Art in Europa ist Rosa acicularis, die aber abweichend in Teilen n-, di-, tetra- oder hexa|(poly-)|ploid sein kann. Die oktoploiden Formen sind auf den hohen Norden beschränkt (Jakutien). Mehrere Ploidiestufen sind besonders in der Sektion Caninae verbreitet. Triploid sind nur Hybride.
Abweichungen von den artüblichen Chromosomenzahlen (Aneuploidie) sind bei den Wildformen selten, werden aber bei kultivierten Pflanzen regelmäßig beobachtet. In der Sektion Caninae kommt eine spezielle Form der Meiose vor, die Canina-Meiose.
Ökologie mini|Soldatenfliege (Hermetia illucens) in einer Rosenblüte
Blütenökologie Die Rosen sind trotz ihrer großen, farblich wie geruchlich auffallenden Blüten nur eingeschränkt insektenblütig (entomogam): Es wird nur in Einzelfällen Nektar produziert. Blütenbesucher sind vorwiegend pollensammelnde Insekten. Zu ihnen zählen Vertreter aus verschiedenen Insektengruppen: Käfer aus den Familien Weichkäfer (Cantharidae), Glanzkäfer (Nitidulidae), Stachelkäfer (Mordellidae), Speckkäfer (Dermestidae), Blattkäfer (Chrysomelidae), Bockkäfer (Cerambycidae), Prachtkäfer (Buprestidae) und der Unterfamilie Rosenkäfer (Cetoniinae) Zweiflügler aus den Familien Echte Fliegen (Muscidae) und Schwebfliegen (Syrphidae)