mini|hochkant=1.25|Titelverteidiger Lewis Hamilton gewinnt das Nachtrennen in Singapur 2009 mini|hochkant=1.25|Rennszene des GP Japan 2009 (vorne der spätere Sieger Sebastian Vettel) Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2009 war die 60. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie wurde über 17 Rennen in der Zeit vom 29. März bis zum 1. November ausgetragen.
Bereits beim vorletzten Lauf konnte sich Jenson Button die Fahrer-Weltmeisterschaft sichern sowie Brawn GP den Konstrukteurstitel.
Änderungen 2009 Rennstrecken
In der Saison 2009 fanden statt der ursprünglich geplanten 19 nur 17 Große Preise statt. Der Große Preis von Deutschland wurde in der vereinbarten Rotation nun auf dem Nürburgring ausgetragen. Ebenso war beabsichtigt, ab 2009 den Austragungsort des Großen Preises von Japan zu rotieren, der daher erstmals seit 2006 wieder in Suzuka statt in Fuji veranstaltet wurde. Die Formel 1 kehrte auch in den nächsten Jahren nicht wieder nach Fuji zurück. Als Debüt gab es am 1. November im zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehörenden Emirat Abu Dhabi auf einem 5,5 km langen Kurs den Großen Preis von Abu Dhabi.
Der Große Preis von Frankreich in Magny-Cours war zunächst im Rennkalender vorgesehen, wurde jedoch eine Woche später gestrichen. Gründe waren die mangelnde Infrastruktur und sinkendes Zuschauerinteresse. Der seit 1978 ausgetragene Große Preis von Kanada auf dem Circuit Gilles-Villeneuve entfiel ebenfalls. Die Regierung Kanadas hatte sich zwar nach der überraschenden Streichung darum bemüht, den Grand Prix noch zu retten, allerdings ohne Erfolg.„Kanada-Grand-Prix: Das endgültige Aus!“ (Motorsport-Total.com am 16. November 2008)
Reglement
Seit 1997 wurde erstmals wieder mit den profillosen Reifen (Slicks) gefahren. Von den vier verschiedenen Härtegraden „super soft“, „soft“, „medium“ und „hard“ standen pro Rennen zwei Mischungen zur Auswahl. In einem Rennen mussten beide zur Verfügung stehenden Reifentypen genutzt werden, wobei die weichere Mischung durch grüne Linien an den Reifenflanken gekennzeichnet war. Ab dieser Saison gab es zwischen den verwendeten Mischungen größere Unterschiede, da ein Härtegrad zwischen den beiden Reifentypen liegen musste. Darüber hinaus wurde das Energierückführungssystem KERS eingeführt und die Aerodynamik der Boliden musste weitgehend beschnitten werden. Im Einzelnen wurden seitliche Anbauteile wie Luftleitbleche, Luftkamine und sonstige Zusatzflügel verboten. Der Heckflügel wurde wesentlich höher über dem Auto montiert und deutlich schmaler, der Frontflügel wurde dagegen verbreitert.„Spektakel pur: Das neue Zeitalter der 'Königsklasse'“ (Sport.rtl.de) Die FIA erhoffte sich dadurch deutlich mehr Überholvorgänge, die bisher aufgrund der komplexen Aerodynamik der Fahrzeuge zumindest erschwert worden waren. Die Luftverwirbelungen eines vorausfahrenden Rennwagens hatten sich bislang negativ auf die aerodynamische Stabilität des eigenen Autos ausgewirkt und damit ein risikofreies Heransaugen an den Gegner verhindert. Viele Experten, wie beispielsweise der damalige BMW-Teamchef Mario Theissen, gingen jedoch davon aus, dass der durch die Reduzierung des Anpressdrucks über die Aerodynamik verursachte Nachteil in der Rundenzeit (man ging von einem Rückgang des Abtriebsniveaus von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus) durch die Wiedereinführung der Slicks kompensiert werden würde.
Eine Reglement-Änderung betraf den Unterboden der Rennwagen. Die Turbulenzen im Windschatten der Fahrzeuge sollten minimiert werden, um das Windschattenfahren zu erleichtern und somit auch das Überholen. Durch geschickte Regelauslegung entwickelten die Teams Brawn GP, Toyota Racing und Williams F1 den Doppel-Diffusor. Dieser Vorteil wurde von den übrigen Teams stark kritisiert und war Gegenstand mehrerer Verhandlungen vor dem FIA-Berufungsgericht, das ihn schließlich für legal erklärte.
Außerdem wurde die Zahl der pro Fahrer und Saison verfügbaren Motoren auf acht limitiert. Das bedeutete, dass die Pflichtlaufzeit der Motoren de facto von zwei auf drei Rennen erhöht wurde. Das Wechselprozedere innerhalb dieser acht Motoren war den Teams freigestellt.„KERS, Slicks und Mähdrescher: Die neue Formel 1“ (Motorsport-Total.com am 26. März 2009)
Weiterhin beschloss die FIA die Rückkehr zu den zuletzt 2006 gültigen Safety-Car-Regeln – die Schließung der Boxengasse zu Beginn einer Safety-Car-Phase wurde rückgängig gemacht. Piloten durften bei einem Einsatz des Safety-Cars also wieder jederzeit an die Box fahren, ohne eine Strafe zu riskieren. Grund dafür war die neue Standardelektronik, über die den Fahrern im Cockpit eine minimale Rundenzeit angezeigt wurde. Diese durften sie auf dem Weg in die Box nicht unterschreiten. Die Schließung der Box wurde 2007 eingeführt, weil viele Fahrer in der Safety-Car-Phase in die Box fuhren, da dann aufgrund des Geschwindigkeitslimits am wenigsten Zeit verloren ging. Dadurch war die Boxengasse regelmäßig überfüllt, wodurch das Unfallrisiko groß war.„Neue Safety-Car-Regeln: Boxengasse bleibt offen“ (Motorsport-Total.com am 27. Januar 2009)
Einer Regeländerung der FIA zufolge sollte nicht wie bisher der Fahrer mit den meisten Punkten, sondern derjenige mit den meisten Grand-Prix-Siegen am Saisonende Weltmeister werden. Nach viel Kritik – insbesondere seitens der Teamvereinigung FOTA – verschob die FIA die Einführung der neuen Regelung auf 2010; während der Saison wurde diese Änderung endgültig verworfen.„FIA lenkt ein: Neues Wertungssystem erst 2010!“ (Motorsport-Total.com am 19. März 2009)
Teams
Mercedes-Benz war neuer Motorenlieferant bei Force India und ersetzte somit die bisherigen Ferrari-Antriebseinheiten. Zusätzlich wurde das Team mit Getrieben und Hydraulikanlagen der McLaren-Gruppe ausgestattet.„Force India bestätigt McLaren-Mercedes-Deal“ (Motorsport-Total.com am 10. November 2008)
Als Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise gab der Honda-Konzern am 5. Dezember 2008 den sofortigen Rückzug seines Formel-1-Teams aus der höchsten Motorsportklasse bekannt. (Presseerklärung Honda vom 5. Dezember 2008, englisch) Der bisherige Honda-Teamchef Ross Brawn übernahm im März 2009 das Team durch einen sogenannten Management-Buy-out, welches als Brawn GP Formula One Team an der Saison 2009 teilnahm.
Betroffen waren von der Krise auch andere Teams, unter anderem durch den Rückzug wichtiger Sponsoren. So stand offenbar das Williams-Team kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Diese wendete man jedoch mit Unterstützung von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone ab.„Ecclestone hilft Williams mit Millionenspritze“ (Spiegel Online am 25. Januar 2009)
Fahrer
David Coulthard erklärte am 3. Juli 2008 im Rahmen des Grand Prix von Großbritannien seinen Rücktritt aus der Formel 1.“Coulthard announces retirement from F1” (Autosport.com am 3. Juli 2008, englisch) Seinen Platz bei Red Bull nahm der Deutsche Sebastian Vettel ein, der 2008 für das Schwesterteam Toro Rosso fuhr. Vettel wiederum wurde bei Toro Rosso durch den Schweizer Formel-1-Debütanten Sébastien Buemi ersetzt. Bei den vier Top-Teams McLaren, Ferrari, BMW-Sauber und Renault blieben die Fahrerpaarungen unverändert – ebenso wie bei Toyota, Williams und Force India. Auch beim ehemaligen Honda-Team saßen nach der Übernahme weiterhin Jenson Button und Formel-1-Rekordstarter Rubens Barrichello im Cockpit.
Vor dem Großen Preis von Ungarn wurde der französische Toro-Rosso-Pilot Sébastien Bourdais durch den Spanier Jaime Alguersuari ersetzt, der mit 19 Jahren zu diesem Zeitpunkt jüngster Fahrer in der Formel-1-Geschichte war.„Offiziell: Alguersuari jüngster Fahrer aller Zeiten“ (Motorsport-Total.com am 20. Juli 2009)
Nachdem Felipe Massa beim Qualifikationstraining zum Großen Preis von Ungarn verunglückt war und sich dabei Verletzungen zugezogen hatte, erklärte sich Ex-Weltmeister Michael Schumacher bereit, für Massa einzuspringen. Er musste sein Comeback auf Zeit jedoch wegen starker Nackenschmerzen, die von einer Verletzung bei einem Motorradunfall herrühren, absagen.„Schumis Comeback geplatzt“ (Kicker.de vom 11. August 2009) Deshalb wurde Massa vorerst durch den Test- und Ersatzfahrer von Ferrari, Luca Badoer, ersetzt. Da dieser jedoch nicht überzeugen konnte, wurde Giancarlo Fisichella für die verbleibenden fünf Rennen als Fahrer für Massas Auto verpflichtet. Fisichella gab gleichzeitig bekannt, seine aktive Karriere nach 2009 zu beenden und 2010 als Ersatzfahrer für Ferrari zu arbeiten.„Fisichella_ Erst Ferrari, dann Rücktritt“ (Motorsport-Total.com am 3. September 2009) Das Cockpit des Italieners bei Force India übernahm Fisichellas Landsmann Vitantonio Liuzzi, der zuletzt 2007 bei der Scuderia Toro Rosso als Stammfahrer im Einsatz war.„Offiziell: Liuzzi ersetzt Fisichella“ (Motorsport-Total.com am 7. September 2009)
Teams und Fahrer