Bei der 9. Gebirgs-Division handelt es sich um zwei Großverbände der Gebirgstruppe der Wehrmacht, die unabhängig voneinander gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gegründet wurden.

Namensgebung Nach dem Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes sollen im März 1945 nicht nur eine, sondern gleich zwei 9. Gebirgs-Divisionen gebildet worden sein, und zwar die 9. Gebirgs-Division (Nord) aus der Divisionsgruppe Kräutler in Norwegen im Bereich der 20. Gebirgs-Armee und die 9. Gebirgs-Division (Ost) aus der Kampfgruppe Semmering.

Die Feldpost-Übersicht verzeichnet beide Umbenennungen nicht mehr.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 3. Die Landstreitkräfte 6–14. 2. Auflage. Biblio-Verlag, Bissendorf 1974, ISBN 3-7648-0942-6; S. 134.

Gebirgs-Division Steiermark

Aufstellung Die Gebirgs-Division Steiermark war ein Großverband der deutschen Gebirgstruppe im Zweiten Weltkrieg und wurde als sogenannte Schattendivision aufgestellt. Die Division wurde am 25. April 1945 in der Steiermark hastig aus dem örtlichen Reichsarbeitsdienst (RAD) aufgestellt. Sie bestand aus den kurz vorher, hauptsächlich aus Angehörigen des RAD, aufgestellten Gebirgs-Brigaden „Steiermark“ (Aufstellungsort Murtal) und „Enns“ (Aufstellungsort Ennstal). Beide wurden aus je zwei Jäger-Regimentern mit jeweils zwei Bataillonen, einer Artillerie-Abteilung und einer Pionier-Abteilung gebildet.

Auflösung durch Verwendung zur Aufstellung der 9. Gebirgs-Division Die Gebirgs-Division Steiermark wurde noch am Tag der Aufstellung in die 9. Gebirgs-Division (Ost) eingegliedert.Ray Merriam, Gebirgsjäger: Germany's mountain troops, Bennington, Vermont, 1999, ISBN 978-1-57638-163-2, S. 29

Gliederung Gebirgs-Jäger-Regiment 154 Gebirgs-Jäger-Regiment 155 Gebirgs-Artillerie-Regiment 56 SS-Gebirgs-Infanterie-Schulungs- und Ersatz-Bataillon 13 Landesschützen-Bataillon 851

9. Gebirgs-Division (Ost)

Aufstellung Die schematische Kriegsgliederung nennt die 9. Gebirgs-Division (Ost) sowohl am 12. April 1945 als auch am 7. Mai 1945 nur als Kampfgruppe Raithel, geführt von Oberst Heribert Raithel (1910–1976), beim III. Panzerkorps der 6. Armee. Die Bildung der 9. Gebirgs-Division aus der Kampfgruppe Raithel wurde jedoch auf Antrag der 6. Armee am 25. April 1945 genehmigt – und zwar unter Verwendung der Gebirgs-Division Steiermark.Roland Kaltenegger: Kampf der Gebirgsjäger um die Westalpen und den Semmering, Chronik der 8. und 9. Gebirgs-Division ('Kampfgruppe Semmering'), Leopold Stocker Verlag 1987, ISBN 3-7020-0521-8, Seite 140

Die Division nahm im Rahmen des III. Panzerkorps an den Abwehrkämpfen der 6. Armee gegen die Rote Armee teil.

Besonderheit dieser Division Die Entstehungsgeschichte dieser Division ist wohl einmalig für die einer deutschen Einheit im Zweiten Weltkrieg, weil sie aus der Not heraus durch Improvisation entstanden war, indem alle nur greifbaren Verbände des Wehrkreises XVIII in das bedrohte Gebiet rund um den Semmering geschickt wurden, um das Eindringen der Roten Armee in die Steiermark und somit in den Rücken der 6. Armee zu verhindern. Dieses bunte Konglomerat an Verbänden bildete in den letzten Kriegstagen die 9. Gebirgs-Division, sodass schlussendlich Gebirgsjäger, SS-Männer, Panzerjäger, Artilleristen, Piloten, Bodenpersonal der Luftwaffe, Marineangehörige, ungarische Staatsbürger sowie Polizisten aus Estland und Litauen, insgesamt ca. 10.400 Mann, in ihren Reihen kämpften.Roland Kaltenegger: Kampf der Gebirgsjäger um die Westalpen und den Semmering, Chronik der 8. und 9. Gebirgs-Division ('Kampfgruppe Semmering'), Leopold Stocker Verlag 1987, ISBN 3-7020-0521-8, Seite 145

Erläuterungen zur Darstellung Aufgrund der Verschiedenheit der Einheiten sowie der kurzen Lebensdauer des Verbandes müssen die Gefechtsabläufe ungewöhnlich detailliert für eine Divisionsgeschichte dargestellt werden. Außerdem war das Kampfgeschehen im Wesentlichen von Stoßtruppunternehmen bis maximal Kompanierahmen geprägt, bei denen es darum ging einzelne gefechtswichtige Punkte, wie Gehöfte oder Bergkuppen, zu erobern bzw. zu halten. Trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen konnte dieser Mischverband die in ihm gesetzten Erwartungen erfüllen, und die zugewiesenen Verteidigungsstellungen bis zum Ende des Krieges halten. Dies geschah vor allem dadurch, dass die Rote Armee ab Mitte April ihre Kriegsziele in diesem Gebiet als erreicht betrachtete und den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten in Richtung Nordwesten in den Donauraum bzw. in die Tschechoslowakei verlegte.

Gliederung Am 1. Mai 1945 besuchte der Oberbefehlshaber der 6. Armee, General der Panzertruppe Hermann Balck, den Gefechtsstand der Kampfgruppe Semmering, der sich in der am Semmering gelegenen HAKOA-Hütte befand. Er überbrachte dem Kampfgruppenkommandeur Oberst Heribert Raithel die Nachricht, dass seine Kampfgruppe nunmehr als 9. Gebirgs-Division bezeichnet werde.Friedrich Brettner: Die letzten Kämpfe des II. Weltkrieges im Grenzgebiet Niederösterreich - Steiermark - Burgenland, KRAL-Verlag 2013, ISBN 978-3-99024-171-4, Seite 118

Die Gliederung für diese neue Division sah für die wenigen Tage, die der Zweite Weltkrieg noch dauern sollte, folgendermaßen aus.Friedrich Brettner: Die letzten Kämpfe des II. Weltkrieges im Grenzgebiet Niederösterreich - Steiermark - Burgenland, KRAL-Verlag 2013, ISBN 978-3-99024-171-4, Seite 129 bis 131

Divisionsstab: bestand hauptsächlich aus Offizieren der Gebirgs-Artillerieschule Dachstein–Obertraun Divisionskommandeur: Oberst Heribert Raithel Ia: Hauptmann Hartmut Wallrapp Ib: Hauptmann Heinz Ungethüm Ic: Hauptmann Wolf Gebirgs-Artillerie-Regiment 56 (Kommandeur Oberstleutnant Bergmann): gebildet aus Einheiten der Gebirgs-Artillerieschule Dachstein–Obertraun I. Abteilung aus 4 Batterien mit zusammen 16 Gebirgshaubitzen 40 (je 4 pro Batterie), 2 Gebirgsgeschützen 36 (3. Batterie zugeteilt) sowie 3 LFH 18/40 (je 1 in 2., 3. und 4. Batterie) II. Abteilung bestand aus der 5. Batterie (2 Gebirgsgeschütze 36) und der 6. Batterie (4 LFH 18/40) Gebirgs-Jäger-Regiment 154 (Kommandeur Oberstleutnant Swoboda): entstanden aus verschiedenen Alarmverbänden I. Bataillon Kommandeur Major Petzold: 1. bis 4. Kompanie aus Angehörigen des SS-Gebirgs-Jäger-Ausbildungs- und Ersatz-Bataillons 13, Luftwaffen-Bau-Ersatz-Bataillon 17, Landesschützen-Bataillons 851, Genesenden-Kompanie der 44. Infanterie-Division Hoch- und Deutschmeister II. Bataillon (Kommandeur Major Walter Leifheit): 1. bis 3. Kompanie aus Angehörigen des Fliegenden Personals des Kampfgeschwaders 27 Boelcke III. Bataillon (Kommandeur Hauptmann Hans Schlierf): 1. bis 4. Kompanie aus Angehörigen der Gebirgs-Jäger-Schule Admont sowie des Kampfgeschwaders 27 Gebirgs-Jäger-Regiment 155 (Kommandeur Major Erwin Starkl): entstand aus verschiedenen Alarmverbänden I. Bataillon Kommandeur Oberleutnant Grögor: 1. bis 4. Kompanie aus Angehörigen der Fliegerhorst-Kompanie 218/VII, Flugzeugführerschule A/B 14 Klagenfurt, Gebirgs-Jäger-Ersatz-Regiment 136 Wolfsberg II. Bataillon (Kommandeur Hauptmann Rudolf Dickermann): 1. bis 3. Kompanie aus Angehörigen des Gebirgs-Jäger-Ersatz-Regiment 136 III. Bataillon (Kommandeur Hauptmann Heinz Becker): 1. bis 3. Kompanie aus Angehörigen des Kampfgeschwaders 27, Luftwaffen-Schule ABK „Z“ (deutsche Fluglehrer, ungarische Flugschüler sowie Wartungs- und Bodenpersonal), SS-Gebirgs-Jäger-Ausbildungs- und Ersatz-Bataillons 13 (ehemalige 2. Kompanien), Auffangkompanie der SS-Division „Nordland“ IV. Bataillon (Kommandeur Oberleutnant Rudolf Ihssen, ab 2. Mai Oberleutnant Theodor Seesitsch): 1. bis 3. Kompanie aus Angehörigen des MG-Festungs-Bataillons Klagenfurt, Genesenden-Kompanie der 44. Infanterie-Division Hoch- und Deutschmeister, Polizeieinheiten aus dem Baltikum (Esten und Litauer) sowie einer Marineeinheit Gebirgs-Aufklärungs-Abteilung 56 (Kommandeur SS-Hauptsturmführer Horst Grunwald): 1., 3., 4. und 5. Kompanie aus Angehörigen des SS-Gebirgs-Jäger-Ausbildungs- und Ersatz-Bataillons 13 Panzer-Jäger-Ersatz- und Ausbildungs-Kompanie 48 (Kommandeur Oberstleutnant Ludwig Lang) Gebirgs-Pionier-Kompanie

Einsatz

Ausgangslage Die von der Roten Armee nach dem Scheitern der Operation „Frühlingserwachen“ am 16. März 1945 gestartete Gegenoffensive hatte zur Folge, dass sich die 6. Panzerarmee nördlich des Semmerings und die 6. Armee südlich des Semmerings auf deutsches Hoheitsgebiet zurückziehen mussten. Diese Offensive, die in der „Wiener Operation“ mündete, und der dadurch hervorgerufene chaotische Rückzug der Wehrmacht führte dazu, dass manche sowjetische Verbände noch vor den deutschen die Grenze überschritten. So war es nicht weiter verwunderlich, dass die ersten sowjetischen Soldaten am 29. März um die Mittagszeit bei Klostermarienberg (Bezirk Oberpullendorf) österreichischen Boden betraten, noch bevor viele Wehrmachteinheiten (vor allem südlich davon) diese Linie erreicht hatten. Diese Spitzen gehörten vermutlich zum IX. Garde-Mechanisierten Korps der 6. Gardepanzerarmee, welche die Speerspitze der 3. Ukrainischen Front beim Angriff auf Wien stellte.Hugo Portisch, 'Österreich II', Band 1

Bereits drei Tage später, am 1. April, erreichte die 103. Garde-Schützen-Division des XXXVII. Garde-Schützen-Korps der 9. Gardearmee Gloggnitz und sperrte die Bahnverbindung über den Semmering, um eine Verschiebung von deutschen Truppen über die Südbahnstrecke unmöglich zu machen. Die beiden anderen Divisionen des Korps, die 98. und 99. Garde-Schützen-Division, drangen in das Schwarzatal ein und sicherten so die linke Flanke des sowjetischen Vorstoßes nach Wien.Manfried Rauchensteiner: Der Krieg in Österreich 1945, Österr. Bundesverlag, Wien 1984, ISBN 3-215-01672-9, Seite 219 bis 221 Während im Bereich nördlich von Gloggnitz bis Neunkirchen das I. SS-Panzerkorps die regimentsstarke Kampfgruppe Keitel der 37. SS-Freiwilligen-Kavallerie-Division einsetzte, wurden westlich und südlich von Gloggnitz Alarmeinheiten aus der Steiermark an die Front geworfen, die zunächst als Kampfgruppe Semmering oder Kampfgruppe Raithel bezeichnet und dann kurz vor Ende des Krieges in der 9. Gebirgs-Division zusammengefasst wurden. Weitere Bezeichnungen der Einheiten auf Lagekarten oder in Tagesmeldungen der Heeresgruppe Süd waren Korpsgruppe Semmering (8. April), Gruppe Semmering (9. bis 13. April), K.Gr. Oberst Raithel (14. April) und K.Gr. Semmering (15. bis 19. April).Roland Kaltenegger: Kampf der Gebirgsjäger um die Westalpen und den Semmering, Chronik der 8. und 9. Gebirgs-Division ('Kampfgruppe Semmering'), Leopold Stocker Verlag 1987, ISBN 3-7020-0521-8, Seite 244

Aufmarsch der deutschen Alarmeinheiten Von den Einheiten, die später die Kampfgruppe Semmering bilden sollten, befanden sich einige kleinere Verbände bereits im Umkreis des späteren Kampfgebietes. So war das Landesschützen-Bataillon 851 schon längere Zeit damit beauftragt worden, die Tunnels und Bauwerke der Südbahnstrecke zu sichern. In Reichenau an der Rax befand sich das Luftwaffen-Bau-Ersatz-Bataillon 17, und in Payerbach war eine Genesenden-Kompanie des Infanterie-Regimentes 132 der 44. Infanterie-Division stationiert. Außerdem waren entlang der Bahnstrecke Flakgeschütze der 16. Flakbrigade aufgestellt, die jedoch nicht der Kampfgruppe unterstellt wurden.Friedrich Brettner: Die letzten Kämpfe des II. Weltkrieges im Grenzgebiet Niederösterreich – Steiermark – Burgenland, KRAL-Verlag 2013, ISBN 978-3-99024-171-4, Seite 75

Der Motor hinter den Bestrebungen, die Lücke zwischen der 6. Panzerarmee und der 6. Armee am Semmering zu schließen, war der Befehlshaber des Wehrkreises XVIII, General der Gebirgstruppen Julius Ringel.Roland Kaltenegger: Kampf der Gebirgsjäger um die Westalpen und den Semmering, Chronik der 8. und 9. Gebirgs-Division ('Kampfgruppe Semmering'), Leopold Stocker Verlag 1987, ISBN 3-7020-0521-8, Seite 175