Die 3. Gebirgs-Division war ein Großverband der Gebirgstruppe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Die Division wurde im April 1938 nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich aus Einheiten des Österreichischen Bundesheeres aufgestellt. Nach einem Kurzeinsatz beim Überfall auf Polen erfolgte 1940 die Teilnahme am Unternehmen Weserübung, wobei ein Regiment der Division an der Schlacht um Narvik beteiligt war.

Während des Unternehmens Barbarossa war die Division am Vorstoß auf Murmansk beteiligt. Dabei waren die erlittenen Verluste jedoch so groß, dass die verbliebenen Reste 1941 von der Front abgezogen werden mussten. Nach späterer Neuaufstellung verlegte man die 3. Gebirgs-Division zur Heeresgruppe Nord, danach im Zuge der Schlacht von Stalingrad zur Heeresgruppe Süd mit anschließendem Rückzug nach Rumänien bis Mitte 1944. In den letzten Kriegsmonaten kämpfte die Division in Ungarn und der Tschechoslowakei, wo sie am 8. Mai bei Deutsch Brod vor der Roten Armee kapitulierte.

Geschichte Aufstellung mini|Rekrutenangelobung beim Gebirgsjäger-Regiment 138 in der Turba-Kaserne in Pinkafeld am 31. Mai 1939. Die 3. Gebirgs-Division war eine von fünf Divisionen, welche kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 aus Einheiten des Bundesheeres gebildet wurden. Aus ehemaligen Bundesheereinheiten wurden außerdem noch die 2. Gebirgs-Division, die 44. und 45. Infanterie-Division und die 4. leichte Division aufgestellt.

Die 3. Gebirgs-Division ging aus der 5. und der 7. Division des österreichischen Bundesheeres hervor und wurde am 1. April 1938 in Graz vom Wehrkreis XVIII aufgestellt.Liste der in die deutsche Wehrmacht übergeführten Bundesheereinheiten, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 18. Juli 2016.

Gliederung der Division am 1. April 1938:

Gebirgs-Jäger-Regiment 138, Regimentsstab, I. Batl. und 16. (Pz. Abw.) Kp. Leoben, II. Batl. Graz, III. Batl. Admont, restliche Regimentseinheiten in Pinkafeld und Bad Radkersburg Gebirgs-Jäger-Regiment 139, Regimentsstab, I. Batl. und 16. (Pz. Abw.) Kp. Klagenfurt, II. Batl. Villach, III. Batl. Wolfsberg Gebirgs-Artillerie-Regiment 112 in Graz, Leoben und Villach Gebirgs-Panzerjäger-Abteilung 48 in Graz Gebirgs-Pionier-Bataillon 83 in Graz Gebirgs-Nachrichten-Abteilung 68 in Graz Gebirgs-Aufklärungsabteilung 112 Divisionsnachschubtruppen 68

Die Division setzte sich landsmannschaftlich größtenteils aus Steirern und Kärntnern zusammen, die zur gleichen Zeit aufgestellte 2. Gebirgs-Division wurde wiederum hauptsächlich aus Tirolern, Vorarlbergern und Salzburgern gebildet. Während bei den anderen „österreichischen“ Divisionen im Laufe des Krieges der Anteil der Österreicher aufgrund der hohen Verluste im Krieg gegen die Sowjetunion immer mehr sank, blieb dieser bei den Gebirgs-Divisionen aufgrund ihres speziellen Charakters bis Kriegsende auf einem hohen Niveau bestehen.

Da von den österreichischen Offizieren nur rund 75 Prozent in die Wehrmacht übernommen wurden und viele von diesen aus Altersgründen nur als sogenannte Ergänzungsoffiziere eingesetzt werden konnten, kam es zu einer massenhaften Versetzung von Offizieren der Wehrmacht (hauptsächlich aus Bayern, Württemberg und Schlesien) zu den neuen auf österreichischem Boden aufgestellten Wehrmachteinheiten. In manchen Einheiten umfasste der Anteil der Offiziere aus dem Altreich bis zu 50 Prozent. Auch wurde in vielen leitenden Funktionen einem deutschen Kommandeur ein österreichischer Stabschef zur Seite gestellt oder umgekehrt. Dies galt auch für 3. Gebirgs-Division, wo dem neuen Kommandeur, dem Bayern Eduard Dietl, als Stabschef der Kärntner Julius Ringel zugeordnet wurde.

Das Truppenkennzeichen der Division, welche diese ab 1940 trug, erinnerte an die Kämpfe um Narvik, die von den Gebirgsjägern sowie Angehörigen der Kriegsmarine und der Luftwaffe geführt wurden. Es ähnelt sehr stark dem für diese Kampfhandlungen gestifteten Narvikschild.

Einsätze Sudetenkrise 1938 Anfang September 1938 erfolgte die Mobilmachung der Division. Wie auch bei den anderen auf dem Gebiet der nunmehrigen Ostmark aufgestellten Wehrmacht-Divisionen wurde dafür das Mobilmachungskonzept des Bundesheeres verwendet. Auch war bei den meisten dieser Divisionen ein großer Teil der benutzten Ausrüstung noch österreichischer Herkunft.

Die Einheiten der 3. Gebirgs-Division verlegten daraufhin in den Raum Wiener Neustadt – Semmering, wo im Bataillons- bzw. Regimentsrahmen Übungen durchgeführt wurden. Im Zuge der Sudetenkrise erfolgte die Unterstellung der 2. und 3. Gebirgs-Division unter das XVIII. Gebirgs-Korps.James Lucas: Hitler's Commanders: German Action in the Field 1939–1945, Pen & Sword Books, ISBN 978-1-84832-736-8, S. 35. Am 1. Oktober 1938 marschierten die deutschen Truppen in die Tschechoslowakei ein, wobei die 3. Gebirgs-Division den Großraum Znaim als Ziel zugewiesen bekam. Zu Kämpfen kam es bei dieser Besetzung nicht. Im Laufe des Oktobers kehrten die Einheiten der Division wieder in ihre Standorte zurück, wohin ab Anfang November die ersten Rekruten eingezogen wurden.

Bei der ab 15. März durchgeführten Zerschlagung der Tschechoslowakei kam die 3. Gebirgs-Division nicht zum Einsatz.

Überfall auf Polen Einsatz von 1. bis 13. September Die Division wurde am 26. August mobilisiert und ab 28. August im Eisenbahntransport in den Raum Rosenberg in Schlesien verlegt, wo sie sich für die Teilnahme am Überfall auf Polen bereitstellte. Die 3. Gebirgs-Division gehörte zusammen mit der 2. Panzer-Division und der 4. leichten Division zum XVIII. Gebirgs-Korps, das Teil der 14. Armee war. Sie bildete für kurze Zeit den äußerst rechten Flügel der Heeresgruppe Süd, zu der die 14. Armee gehörte, bevor in den nächsten Tagen östlich von ihr die 2. und die 1. Gebirgs-Division bereitgestellt wurden.

Während die Einheiten der 3. Gebirgs-Division am 1. September die Tatra über den Huty-Pass überquerten und in Polen einmarschierten, war das Geb.Jg.Rgt. 139 der 4. leichten Division zugeteilt worden. Es sollte diese Division bei deren Vormarsch auf Krakau unterstützen. Da die zu Fuß marschierenden Gebirgs-Jäger aber das Tempo der schnelleren motorisierten Einheiten nicht lange mithalten konnten, wurde das Regiment am 5. September im Raum von Myślenice wieder der Division zugeführt.

Nach einem kurzen Feuergefecht mit Grenztruppen marschierte die Division in den nächsten Tagen, ohne das Geb.Jg.Rgt. 139, von der polnischen Armee weitgehend unbehelligt über Habovka, Chocholow bis nach Rabka. Bei Nowy Targ und bei Mszana Dolna waren die Aufklärungs-Abteilung 112 und das Geb.Jg.Rgt. 138 in Kämpfe verwickelt, bei denen es am 3. September Verluste gab. Weitere Gefechte fanden einen Tag später bei Kasina Wielka statt. Danach zogen sich die polnischen Verbände vor den Gebirgsjägern meist zurück, so dass größere Kampfhandlungen ausblieben. Am 6. September wurde der Dunajec überschritten. Weitere Flussläufe auf dem weiteren Weg waren die Biala, Wisloka und die Wislok. Schließlich wurde am 12. September bei Sanok der San überquert und der Raum um Olszanica erreicht. Dort wurden Teile der Division auf LKW verladen, um zur 2. Gebirgs-Division abtransportiert zu werden, um diese bei ihrem Vorstoß auf Przemysl zu unterstützen. Einen Tag später wurde die Division angehalten und in den Raum Prešov zurückbeordert.

Für die 3. Gebirgs-Division war somit der Überfall auf Polen beendet, nach dem Eintreffen im Versammlungsraum von Prešov erfolgte beginnend mit 18. September der Abtransport in den Westen.

Eigenbeschuss, Freischärlerwahn und Plünderungen Während in der Divisionsgeschichte (Paul Klatt: Die 3. Gebirgs-Division, 1939–1945) die Zeit der ersten Tage des Feldzuges als „ruhig, abgesehen von Plänkeleien und schwächerem feindlichen Widerstand“ beschrieben wurde, zeichnete die Auswertung von Feldpostbriefen und Erlebnisberichten von Divisionsangehörigen und Angehörigen der Korpstruppen des vorgesetzten XVIII. Gebirgs-Korps ein differenziertes Bild.

So herrschte in den ersten Tagen des Krieges unter den kriegsunerfahrenen deutschen Soldaten extreme Nervosität, die sich in Schießereien entlud, ohne dass es dafür einen konkreten Anlass gab.

Verschärft wurde diese Stimmung dadurch, dass sich die polnische Armee im Bereich des XVIII. Gebirgs-Korps keiner offenen Feldschlacht stellte, sondern sich rasch nach Osten zurückzog. Nur gelegentlich feuerten Nachhuten oder einzelne polnische Soldatengruppen auf die vorrückenden deutschen Verbände. Für die deutschen Soldaten war diese Form der Kriegsführung nervenaufreibend und oft wurden ihre Ängste auf die polnischen Zivilisten projiziert, denen man unterstellte, dass sie als Freischärler aus dem Hinterhalt die deutschen Truppen bekämpften. Die deutschen Soldaten reagierten dann oft spontan und liquidierten die vermeintlichen Schützen unter der Zivilbevölkerung, ohne vorher den Fall genau untersucht bzw. ihn an die vorgesetzten Dienststellen zur Untersuchung weitergeleitet zu haben. Die Anzahl der dabei getöteten Zivilisten ging, wie polnische Untersuchungen nach dem Krieg ergaben, in die Tausende.

Ein Offizier der Korps-Nachrichten-Abteilung 70, die zu den Korpstruppen des XVIII. Gebirgs-Korps gehörte, machte am 2. September die nachfolgenden Beobachtungen, als der Korpsstab einen Stellungswechsel von Jabłonka nach Rabka machte und dabei in der Vormarschraum der 3. Gebirgs-Division gelangte:

Polnische Untersuchungen nach dem Krieg ergaben, dass in den Ortschaften Klikuszowa und Niedźzwiedź, die beide südlich von Rabka liegen, nach dem Beschuss von deutschen Einheiten durch zurückgehende polnische Streitkräfte, jeweils mehrere Zivilisten von den deutschen Truppen getötet und Häuser angezündet wurden.

Eine weitere Begleiterscheinung des deutschen Einmarsches war, dass deutsche Soldaten vermehrt begannen, Plünderungen in den besetzten Gebieten vorzunehmen. Auch vom Kriegsgericht der 3. Gebirgs-Division wurden mehrere Angehörige der Division zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Diebstahl verurteilt.Deutsche Digitale Bibliothek, Webseite www.deutsche-digitale-bibliothek.de, abgerufen am 23. Juli 2016.

Sicherungsdienst im Westen 1939/40 Die Division wurde zuerst in den Raum Bad Dürkheim verlegt und anschließend vom 1. bis zum 10. Oktober 1939 an der Lauter im Pfälzerwald in der Hauptkampflinie eingesetzt. Mitte Oktober 1939 verlegten die Einheiten in den Hunsrück und die Umgebung von Bernkastel. Ende Oktober 1939 erfolgte eine neuerliche Verlegung in die Voreifel und nach wenigen Tagen weiter in die Gegend von Cochem.

Im Januar 1940 wurde dann in die Gegend von Karden – Moselkern – Hatzenport verlegt. Anfang März 1940 wurde die Division im Raum Döberitz zusammengezogen und für die Besetzung von Norwegen bereitgehalten.

Unternehmen Weserübung und Besatzungszeit in Norwegen 1940/41

mini|Gefechtsstand von General Dietl während der Kämpfe um Narvik mini|hochkant|Narvikschild in Silber (Ausführung Wehrmacht/Luftwaffe) Der 3. Gebirgs-Division wurde für die Besetzung Norwegens im Rahmen des Unternehmens Weserübung in mehrere Kampfgruppen aufgeteilt. Ein Teil des Geb.Jg.Rgt. 139 (ca. 2000 Mann der sogenannten S-Staffel) wurde von zehn Zerstörern nach Narvik transportiert und besetzte die Stadt in den Morgenstunden des 9. Aprils 1940. Nachdem britische Kriegsschiffe am 10. und am 13. April alle zehn deutschen Kriegsschiffe vernichtet hatten, wurden die überlebenden Matrosen infanteristisch gegen mehr als 20.000 alliierte Soldaten aus Großbritannien, Frankreich, Polen und Norwegen eingesetzt. Narvik wurde von der Wehrmacht am 24. April geräumt und die Kämpfe verlagerten sich daraufhin ins Hinterland der Stadt. Die strategische Wende trat mit der deutschen Offensive gegen Frankreich am 10. Mai ein, in deren Folge die Alliierten ab 24. Mai begannen, ihre in Nordnorwegen befindlichen Landungstruppen wieder einzuschiffen, um sie auf den Hauptkriegsschauplatz in Frankreich zu verlegen. Die deutschen Gebirgsjäger besetzten am 8. Juni erneut Narvik.