mini|hochkant=1.1|Die Stadtumwallungen von Köln (linksrheinisch) und Deutz (rechtsrheinisch) in ihrem Ausbaustand des frühen 19. Jahrhunderts sind blau dargestellt. Ihrem Verlauf folgend wurden linksrheinisch als durchgehender Boulevard die Kölner Ringe angelegt, die die Altstadt gegenüber der außerhalb entstehenden Neustadt abgrenzen. (Rot umrandet die Umrisse der ursprünglichen Römerstadt; mittelalterliche Stadterweiterungen in Orange und Grün)

Die Kölner Ringe sind eine Folge von zusammenhängenden Straßen mit Boulevardcharakter, die halbkreisförmig rund um die Altstadt im linksrheinischen Köln liegen. Sie orientieren sich am Verlauf der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer und sind 7½ Kilometer lang. Als Vorbild für ihre Anlage dienten, der Größe der Stadt entsprechend in kleinerem Maßstab, die im 19. Jahrhundert anstelle alter Umwallungen angelegten Pariser Grands Boulevards und die ebenfalls nach diesem Vorbild ausgeführte Wiener Ringstraße.

Die Gesamtstraße ist (wie die Kölner Bäche) ein Pluraletantum. Die Ringe sind – abgesehen von den schmalen Wallstraßen innerhalb und außerhalb des inneren Festungsrings – der innerste Straßenring um das alte linksrheinische Köln.

Weitere linksrheinische Ringstraßen auf städtischem Gebiet, die jedoch im Sprachgebrauch der Stadtbevölkerung – im Gegensatz zu den in diesem Eintrag erläuterten Kölner Ringen – nie vereinfachend als der Ring oder die Ringe bezeichnet werden, sind von der Innenstadt stadtauswärts: die Innere Kanalstraße/Universitätsstraße/Weißhausstraße/Pohligstraße/Am Vorgebirgstor; der Gürtel; die Äußere Kanalstraße/Maarweg/Kitschburger Straße; der Militärring; der Kölner Autobahnring. Außerdem ist die Kölner Innenstadt zwischen der Neustadt und der Inneren Kanalstraße von einem Eisenbahnring umgeben.

Im rechtsrheinischen Köln liegen von West nach Ost: der Gotenring, der, einer alten Umwallung folgend, die Altstadt von Deutz nach Osten hin abschließt; der Deutzer Ring, eine Schnellstraße, die etwas weiter östlich den südlichen Teil von Deutz umfährt; die Frankfurter Straße zwischen den Stadtteilen Mülheim im Norden und Porz im Süden; der östliche Teil des Kölner Autobahnrings; der Mauspfad zwischen den Stadtteilen Dünnwald im Norden und Wahnheide im Süden.

mini|rechts|Die Kölner Ringe, veranschaulicht in einem Kugelpanorama aus der Vogelperspektive

mini|Plan Köln 1888 A. C. Greven mit Pferdebahn (Ausschnitt) mini|Rathenauplatz und Hohenstaufenring um 1910 (Königsplatz)

Geschichte mini|Josef Stübben – Plan zur Stadterweiterung vom Dezember 1883 (Nordteil) mini|Anlage des Kaiser-Wilhelm-Rings (um 1886) mini|Anlage des Hohenzollernrings (um 1886) mini|Rudolfplatz, Hahnentorburg mini|Museum für angewandte Kunst (1900) mini|Opernhaus Habsburgerring (1902–1944) Planungsphase Nach langwierigen 1860 begonnenen Verhandlungen mit dem preußischen Fiskus diskutierte die Stadt am 22. November 1864 erstmals Vorschläge zu „Umbau und Ausdehnung der Festungswerke“, deren Wall 142 bis 170 Meter breit war. Der Rat der Stadt Köln beschloss am 26. Februar 1881, das Areal der Stadtmauer und das zugehörige Militärgelände zu erwerben. Am 5. Mai 1881 wurde der Kaufvertrag zwischen der Stadt Köln und dem Kriegsministerium (Militärfiskus) durch Bestätigung des Reichskanzlers Otto von Bismarck rechtswirksam, durch den die Stadt das Areal von 122½ Hektar für 11,74 Millionen Mark erwarb. Die Stadt Köln hatte damit den inneren Befestigungsring erworben und nachfolgend abgerissen, so dass die 104 Hektar große Freifläche in Anlehnung an die Pariser Stadtplanung und die Wiener Ringstraße als Prachtboulevard angelegt werden konnte.Hans-Joachim Völse: Köln, 2008, S. 18. Die Befestigungen behinderten die vorgesehene Stadterweiterunginnerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer war die Stadt auf 405,45 ha begrenzt, so dass ein Abriss Freiraum für eine neue Bebauung schuf.

Bereits zuvor waren bis Oktober 1880 im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbes 27 Entwürfe für die Bebauung dieser Freifläche eingegangen, von denen 22 als unbrauchbar abgelehnt wurden. Die verbleibenden fünf Entwürfe hatten die gestellten Bedingungen zwar ebenfalls nicht ausreichend erfüllt, wurden aber dennoch mit Preisen ausgezeichnet. Der erste Preis entfiel auf den „König Rhein“ der Aachener Architekten Karl Henrici und Josef Stübben. Zwar lieferte dieser Entwurf keinen zur unmittelbaren Ausführung geeigneten Bebauungsplan, dennoch sollte er in den folgenden Jahren als Grundlage zur Veränderung der Kölner Neustadt dienen. Für eine Stadterweiterung des geplanten Ausmaßes (523 ha) gab es damals in Deutschland keine Vorbilder. Noch im Februar 1881 wurde eine „Stadterweiterungs-Deputation“ gegründet, deren Mitglieder künftig für die Aufstellung eines Bebauungsplanes und seine Ausführung verantwortlich zeichneten. Stübben wurde am 15. Juni 1881 als Kölner Stadtbaumeister eingesetzt. Kernstück des in mehreren Planabschnitten vorgelegten und ausgeführten Bebauungsplanes war die Anlage der Ringstraße.

Baukonzept Die Gestaltung der Ringe war ein Großprojekt innerhalb der Stadtentwicklung in Köln. Das Baukonzept wurde in zehn Bauabschnitte untergliedert, wobei die einzelnen Straßenabschnitte jeweils an Plätzen mit ehemaligen Torburgen (Severinstorburg, Hahnentorburg, Eigelsteintorburg) endeten, von denen wichtige Ausfallstraßen (Bonner Straße, Luxemburger Straße, Aachener Straße und Neusser Straße) nach Süden, Westen und Norden ausgingen. Die zehn Abschnitte („Kette festlicher Räume“) wurden ursprünglich in unterschiedlicher Breite zwischen 32 Metern und 114 Metern ausgeführtPeter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 158, teilweise als Allee gestaltet und sollten von repräsentativen Gebäuden gesäumt werden, um den Charakter eines Prachtboulevards zu verleihen.

Diese Ringstraße sollte die Kölner Altstadt mit der Neustadt verbinden, für die Stübben ein regelmäßiges Straßennetz mit Plätzen für mehrere Kirchen festlegte. Ein weiteres Charakteristikum des Bebauungsplanes war das Diagonalsystem der Ausfallstraßen. Von der Ringstraße als Radiale ausgehend, plante man breit angelegte Diagonalen, die wiederum durch Querstraßen miteinander verbunden waren. Es entstanden hierdurch die typischen Sternplätze. Die zur Bebauung vorgesehenen Flächen zwischen den Straßen wurden in Bauparzellen aufgeteilt. Als Vorbild dienten auch hierbei die Stadterweiterungen anderer europäischer Metropolen, insbesondere die von Paris und Wien.

Bauphase Am 9. und 10. Juni 1881 fand die Übergabe des ersten Teiles der Befestigungsanlagen statt, bereits am 11. Juni 1881 wurde mit großer Feierlichkeit das erste Stück der 700 Jahre alten Stadtmauer am Gereonstor abgebrochen. Im März 1882 fand die erste Versteigerung städtischer Grundstücke statt. Im Angebot waren Grundstücke im mittleren Teilstück der Ringstraße zwischen Gereonshof und Ehrenstraße. Auf dem Hohenzollernring wurde dann am 22. April 1882 der Grundstein zum ersten Gebäude nach Entwürfen von De Voss & Müller gelegt, ein herrschaftliches Mietshaus vom Steuerinspektor Wilhelm Willmeroth (Hohenzollernring 58). Das Grundstück für das Nachbarhaus Hohenzollernring 56 erwarb Stadtbaumeister Stübben selbst. Am 25. Mai 1882 wurde der Ringabschnitt vom Hahnentor bis zum damaligen Weyertor „Hohenstaufenring“ benannt. In der Sitzung der Stadtverordneten vom 10. Mai 1883 wurde die Umbenennung eines Teils des Hohenstaufenrings in „Habsburgerring“ beschlossen. Die eigentliche Stadterweiterung begann am 12. November 1883, wodurch sich die Stadtfläche um 236 ha auf 1006 ha vergrößerte.Marko Gebert: Festung und Stadt Köln, 2013, S. 31. Die Kanalisation zwischen dem Bayenturm und der Neusser Straße am Sicherheitshafen konnte bis zum 11. November 1885 vollendet werden.Eberhard Gothein, Georg Neuhaus: Die Stadt Cöln im ersten Jahrhundert unter Preussischer Herrschaft, 1815 bis 1915, 1916, S. 230.

Am 11. Juni 1886 wurde die 7½ Kilometer lange Ringstraße feierlich eingeweiht und dem Verkehr übergeben, auch wenn zahlreiche Grundstücksareale noch unbebaut waren. Die Ringe waren zwar größtenteils baumbestanden, haben jedoch heute ihren bepflanzten Mittelstreifen (wie er auf dem Kaiser-Wilhelm-Ring noch vorhanden ist) teilweise verloren. Die gesamte Ringstraße war mit zwei oder drei Baumreihen besetzt, je nach Breite der Abschnitte auf einem erhöhten Mittelstreifen oder auf den Bürgersteigen. Zusätzliche Grünanlagen entstanden an den besonders breiten Abschnitten des Sachsenringes und des Kaiser-Wilhelm-Ringes sowie des deutschen Ringes (heute Theodor-Heuss-Ring). Die Häuser am Salierring hatten Vorgärten, den Barbarossaplatz zierte ein großes rundes Wasserbassin mit Springbrunnen.

Wichtige Gebäude An der Ringstraße entstanden vor allem – vergleichbar mit den Pariser Grands Boulevards – in der Zeit nach ihrer Eröffnung öffentliche Bauten, deren prachtvolle Architektur den Ringstraßen großstädtisches Flair verlieh. Zu erwähnen sind die Baugewerbeschule am Salierring (eröffnet am 25. März 1885), der Prunkbau des Hohenstaufenbads am Hohenstaufenring (1. Juli 1886) Hiltrud Kier: Die Kölner Neustadt Planung, Entstehung, Nutzung, Alphabetisches Verzeichnis der Straßen, Plätze und Parkanlagen, S. 123 ff., die Gewerbliche Fachschule am Salierring (30. Oktober 1886), das Museum für Angewandte Kunst am Hansaplatz (2. Mai 1900), die zweite deutsche Handelshochschule am Hansaring (1. Mai 1901), das Opernhaus am Habsburgerring (6. September 1902), die Gewerbeförderungsanstalt für die Rheinprovinz am Ubierring (5. Oktober 1903), die Maschinenbauschule am Ubierring (1. Oktober 1904) und das Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring (12. November 1906).

Viele der Bauten wurden erst nach Einweihung der Ringstraße fertiggestellt. Die Bautätigkeit in der Gründerzeit nach dem Deutschen Krieg 1866 war äußerst lebhaft. Bis zum Ende des Jahres 1889, dem Ende der Bauplanung, standen 1871 Häuser in der Neustadt, davon 1363 auf ehemaligem Festungsgelände und 508 auf Privatgelände des Rayons, mit dessen Verkauf sich die Kölner Kohlbauern „eine goldene Nase verdienten“ und sich deshalb häufig auch Villen an den Ringen bauen konnten.Arnold Stelzmann, Robert Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln, 1990, S. 292 f. Bereits am 1. April 1888 kam es zu einer erneuten Stadterweiterung, die weit über die Ringe hinausreichte. Bereits 1898 wurde die Kölner Ringstraße als „eine der schönsten der Welt“ bezeichnet, „da sie, obwohl als einheitlicher Straßenzug gehalten, doch nicht in gleicher Breite und Profilierung durchgeführt ist. Ihre 10 alle in sich verschiedenen Strecken haben in wechselnder Breite (zwischen 32 und 130 m) eine Gesamtlänge von 5.930 m.“

Die Kirchen der christlichen Konfessionen und eine neue Synagoge wurden zwar meist nicht unmittelbar an den Ringen gebaut (Ausnahme die im Krieg zerstörte altlutherische Kirche am Sachsenring und die Herz-Jesu-Kirche am Zülpicher Platz), sondern an den dahinterliegenden kleinen Plätzen der Neustadt (zum Beispiel St. Michael am Brüsseler Platz, St. Paul in der Vorgebirgstraße in Höhe des Sachsenrings, die evangelische Christuskirche in der Herwarthstraße am Stadtgarten und der damals größte Kirchenneubau der Altkatholiken, die Pfarrkirche Christi Auferstehung am Stern der Roon-/Moltke-/Jülicher Straße), sie waren aber immer auf die Ringe ausgerichtet und nicht traditionell nach Osten. Sie waren mit ihren imposanten Türmen Merkpunkte in den Sichtachsen der Neustadtstraßen. Ein besonders gut und einheitlich erhaltenes beziehungsweise wieder aufgebautes Viertel der Neustadt liegt um den Rathenauplatz. Bedeutendere Vergnügungs- und Einkaufszentren entwickelten sich besonders am Hohenzollernring um den Friesenplatz.