mini|Unbemanntes Luftschiff als Plattform für die luftgestützte Aufklärung und Überwachung in großen Höhen (Stratosphäre). In dieser Höhe wäre es für eine Vielzahl von Raketenwaffen nicht angreifbar. Ein Projekt der United States Air Force (USAF) aus dem Jahr 2012. Das Budget war auf 400 Mio. US-Dollar geplant, doch die Ausgaben beliefen sich bis zum Ende des Projekts auf 471 Millionen US-Dollar. Zur Verteidigungsforschung (alternativ auch als Rüstungsforschung oder Militärforschung bezeichnet) gehören alle Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die der militärischen Verteidigung bzw. die den Streitkräften eines Landes oder eines Militärbündnisses dienen. Die technische Forschung findet entlang der Wehrtechnik, Luft- und Raumfahrttechnik, Raketentechnik, Waffentechnik und weiterer Fachgebieten statt.

Aktivitäten Zum allgemeinen Verständnis ist es zunächst hilfreich, zwischen Forschung und Entwicklung zu unterscheiden. Beispielsweise wurde das Raketenabwehrsystem Strategic Defense Initiative (SDI) nur erforscht, nicht entwickelt und nie hergestellt. Der Produktlebenszyklus oder die Produktion sind hier noch kein Thema, können aber Gegenstand der Forschungsarbeit sein.

Grundlage der Aktivitäten sind die Natur- und Ingenieurwissenschaften, speziell einige der Fakultäten aus der rechnergestützten Entwicklung, sowie militärnahe Fachgebiete. Zu den üblichen Methoden zählen unter anderem Analysen und Studien (Vorstudien) sowie der Bau und die Erprobung von Prototypen oder Modelle.

In der Regel findet die Forschung als Teil von militärischen Organisationen oder Institutionen statt, z. B. dem Picatinny Arsenal oder als Teil der Militäruniversitäten oder Militärakademien.

Häufig geht die Rüstungsforschung mit Rüstungsprogrammen einher, wie z. B. dem Joint-Strike-Fighter-Programm oder dem Future Combat Air System (FCAS). An diesen Aktivitäten ist auch die Rüstungsindustrie und im Falle von Fluggeräten die Luftfahrtindustrie in Teilen beteiligt. Anderenfalls sind es militärische Institutionen oder Organisationen, die über Expertise in den Bereichen Land, See, Luft, Weltraum und Cyberspace (Informationstechnik) verfügen und an Programmen oder Projekten beteiligt sind.

Forschungsgebiete Teilgebiete der Verteidigungsforschung sind beispielsweise:

Technologien Waffenforschung/Waffentechnik, also die unmittelbare Erforschung von Wehrmaterial, wie Schusswaffen, Munition, Minen, Raketen, Raketenwaffen, und Waffenplattformen oder Waffensystemen, wie Kriegsschiffen, U-Boote, Panzern/Kampfpanzer, Kampfflugzeugen/Mehrzweckkampfflugzeuge und Kampfhubschraubern Auf das Militärwesen angewandte Ingenieurwissenschaften wie Ballistik, Materialien und Werkstoffe, z. B. energetischen Materialien (Explosivstoffe, Sprengstoffe) Im Falle der Entwicklung spielt das Systemen Engineering eine übergeordnete Rolle. Eine weitere Fakultät wäre das Digital Engineering. Die technisches Forschung baut jedoch stets auf dem Wissen der Ingenieurwissenschaften wie dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und vielen anderen auf. Erforschung von Schutztechnologien gegen Waffenwirkung (z. B. Verbundpanzerung, Reaktivpanzerung, abstandsaktive Schutzmaßnahmen, Täuschkörper) Forschung und Entwicklung zur atomare Rüstung, betrieben durch die Atommächte – wenn auch stark eingeschränkt („Laborbetrieb“) – seit den 1940er Jahren, begrenzt durch verschiedene Rüstungskontrollabkommen Forschung zu ABC-Waffen sowie Gegenmaßnahmen als Teil des CBRN-Schutz Erforschung von Aufklärungs- und Kommunikationssystemen, Radaranlagen, Sonarsystemen, Aufklärungssatelliten mittels der Hochfrequenz- und Funktechnik, Kommunikationstechnik etc. Spezielle Bereiche wie die Neurotechnik, Künstliche Intelligenz zu militärischen Zwecken, u. a. Moderne Technologien wie unbemannte Systeme (Drohnen aller Art), autonome Waffen, Kampfroboter, Software-definierte Verteidigung, Cyberabwehr, Cyberwaffen, Hyperschallwaffen u. a.

Wissenschaften Militärdoktrin, strategische Forschung, strategische Studien und Operations Research; auch: Sicherheitspolitik, Verteidigungspolitik, Recht u. a. Erforschung von Einsatzkonzepten für Streitkräfte, also Kampf- oder Kriegsführung, etwa der Kampf mit verbundenen Waffen etc. im Gefecht Siehe hierzu auch Kriegswissenschaft und weitere Fachgebiete wie Militärökonomie, Militärlogistik, Wehrmedizin, Rüstungskontrolle uvm.

Länder und Organisationen Weltweit führend in der Militärforschung sind seit einigen Jahrzehnten die USA, VR China, Russland, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Israel. Auch die NATO oder die Europäische Union forscht zu dem Thema. Abseits der großen Militärblöcke sind Nordkorea, Brasilien und Südafrika besonders aktiv.

Deutschland In Deutschland wird Verteidigungsforschung durch die Ressortforschung des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) ebenso wie durch die Eigenforschung von Rüstungsherstellern wie Krauss-Maffei Wegmann oder Airbus Defence and Space betrieben.

Die Ressortforschungseinrichtungen im Geschäftsbereich des BMVg sind:

Organisationsbereich Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung: Wehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologien – ABC-Schutz (WIS) in Munster Wehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) in Erding

Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr: Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr (InstPrävMedBw) in Andernach Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (InstMikroBioBw) in München Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr (InstPharmToxBw) in München Institut für Radiobiologie der Bundeswehr (InstRadBioBw) in München

Marine: Schifffahrtmedizinisches Institut der Marine (SchiffMedInstM) in Kronshagen

keinem Organisationsbereich zugehörig: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam

Die ehemals eigenständige Forschungsanstalt der Bundeswehr für Wasserschall und Geophysik (FWG) in Kiel wurde zum 1. Februar 2009 in die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen (WTD 71) mit Sitz in Eckernförde integriert. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) in Potsdam und das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr (SOWI bzw. SWInstBw) in Strausberg wurden zum 1. Januar 2013 zum Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam zusammengelegt. Das Institut für medizinischen Arbeits- und Umweltschutz der Bundeswehr in Berlin wurde zum 31. Dezember 2013 aufgelöst.

Kennzahlen Das BMVg erteilte von 2010 bis 2014 mehr als 700 öffentliche Forschungsaufträge mit einem Volumen von über 390 Millionen Euro. Verglichen mit dem Zeitraum 2000 bis 2010, für den zuletzt vertrauliche Zahlen vorlagen, damit hat sich das jährliche Auftragsvolumen für Rüstungsforschung mehr als verdoppelt. In den Jahren 2010–2014 gingen 120 Aufträge im Wert von mehr als 28 Millionen Euro an insgesamt 41 deutsche Hochschulen. Darunter befinden sich auch die Hochschulen Tübingen, Konstanz, Frankfurt am Main, Rostock und Göttingen – Hochschulen, die sich mit einer Zivilklausel dazu bereit erklärt hatten, auf militärische Forschung zu verzichten. Spitzenreiter war die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, die seit 2010 mehr als 5,8 Millionen Euro aus dem Verteidigungsetat erhielt, gefolgt von der Kieler Christian-Albrechts-Universität (mehr als 3 Millionen Euro) und der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg (mehr als 2,2 Millionen Euro). Die Forschungsaufträge gelten unter anderem Drohnen-Schwärmen, die Feinde verfolgen sollen; aber auch intelligenter Munition, Handfeuerwaffen, Funktechnologien, Robotern sowie nichttödlichen Schuss- und Wurfgeräten. Weitere Projekte beschäftigten sich mit Satellitentechnik sowie mit dem Erkennen chemischer Kampfstoffe. Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen erhielten 588 Aufträge im Wert von über 360 Millionen Euro. Hier profitierte insbesondere die Fraunhofer-Gesellschaft.

Indien Die indische Defence Research and Development Organisation (DRDO) hat ihren Sitz in Avadi und ist landesweit die bekannteste Organisation.

Kanada In Kanada ist das Defence Research and Development Canada (DRDC) die größte staatliche Forschungsbehörde, die in diversen Bereichen Forschungen betreibt. Sie ist dem kanadischen Verteidigungsministerium, dem Department of National Defence (DND), unterstellt. Entwickelt wurden u. a. ein variables Tauchtiefen-Sonarsystem, die Black Brant Höhenforschungsrakete und die CRV7 Luft-Boden Rakete.

Südafrika In Südafrika wird Rüstungsforschung vor allem am Council for Scientific and Industrial Research (CSIR) in Pretoria und durch Armscor betrieben.

Russland Das Land ist spätestens seit dem 20. Jahrhundert in allen Bereichen der Rüstungsforschung aktiv, insbesondere als zweite Supermacht seit dem Kalten Krieg. Es unterhält zahlreiche Organisationen und verfügt über eine umfangreiche Rüstungsindustrie. Zu den frühen Laboren zählen beispielsweise das Gasdynamische Laboratorium und das Moskauer Institut für Wärmetechnik, eines der Hauptbüros für Raketenentwicklung.

USA In den USA ist die Rüstungsforschung seit den 1940er Jahren im Zuge einer Aufrüstung während und nach dem Zweiten Weltkrieg besonders innovativ und hat zahlreiche Entwicklungen hervorgebracht, die teilweise auch zivil genutzt werden. Damals war das Office of Scientific Research and Development (OSRD) aktiviert worden und der Manhattan Engineer District wurde nach 1945 bekannt. Die US-Raketentechnik wurde am Redstone Arsenal entwickelt. Zu den Systemen mit Doppelnutzung zählen das Global Positioning System (GPS) oder das frühe Internet, das aus dem ARPANET, einer militärischen Auftragsentwicklung der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), hervorgegangen ist. Zu den bekannten Laboren und Einrichtungen zählen u. a.

Naval Reactors (NR) Naval Sea Systems Command (NAVSEA) United States Army Combat Capabilities Development Command (DEVCOM) United States Naval Research Laboratory (NRL) USAF Research Laboratory (AFRL) Sowie einzelne Institute der National Laboratories.

Siehe auch Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) Europäische Verteidigungsagentur (EDA) Nationale Sicherheitsstrategie

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Militärtechnik Kategorie:Militärtheorie Kategorie:Forschung