Für eine Handvoll Dollar (Originaltitel: Per un pugno di dollari) ist ein Italowestern von Sergio Leone aus dem Jahr 1964. Er ist der erste Teil der sogenannten Dollar-Trilogie Leones und führt Clint Eastwood in der Rolle eines mysteriösen Fremden in den mexikanischen Wüstenort San Miguel. Dort wird er nicht nur mit mitleidloser Brutalität, sondern auch mit dem Tod konfrontiert. Tragende Rollen sind mit Marianne Koch, Gian Maria Volonté, José Calvo, Wolfgang Lukschy und Sieghardt Rupp besetzt.
Der Film ist ein Remake des Samuraifilms Yojimbo – Der Leibwächter von Akira Kurosawa 1961. Nach einer Copyright-Klage bekam Kurosawa eine weltweite Gewinnbeteiligung zugesprochen. Der Plot wird im Wesentlichen aus dem japanischen Original übernommen, aber in die mexikanische Grenzregion nahe den USA verlagert.
Handlung Ein einsamer Reiter nähert sich dem abgelegenen Wüstenort San Miguel, einem heruntergekommenen Flecken in Mexiko. San Miguel wird von zwei rivalisierenden Schmuggler-Familienclans beherrscht, den angloamerikanischen Baxters, angeführt von Sheriff Baxter, und den mexikanischen Rojos, die von dem ebenso eitlen wie brutalen Ramón angeführt werden. Der Fremde wird Zeuge der Misshandlung eines kleinen Jungen und seines Vaters durch eine Bande von Schurken; eine Frau wird offenbar gefangen gehalten. Niemand mischt sich ein. Die Einheimischen schauen höchstens verstohlen und aus sicherer Entfernung hinter ihren Gardinen hervor. Eine Schlinge baumelt an einem Baum, was nichts Gutes vermuten lässt. Nur der Glöckner versucht, den Fremden anzusprechen, der jedoch einsilbig bleibt, was sich auch nicht ändert, als ihn einige Männer zu verhöhnen suchen. Sie schießen dem Maultier des Fremden zwischen die Beine, woraufhin das verschreckte Tier panisch flüchtet. Der Fremde findet jedoch Halt an einem Schild über einer Bar. Deren Wirt Silvanito bewirtet den unverhofften Gast, legt ihm aber gleichzeitig nahe, San Miguel lieber wieder zu verlassen. Nur wenn es ihm nichts ausmache, zu töten, finde er schnell einen Job, fügt er resignierend hinzu. Der Fremde meint zu Silvanito, wenn auf der einen Seite die Baxters ständen und auf der anderen die Rojos, sei sein Platz wohl in der Mitte.
Zunächst heuert er als Killer bei Don Miguel Benito Rojo an und tötet die vier Handlanger der Baxters, die ihn verspottet haben. Am nächsten Morgen folgt er zusammen mit Silvanito einer von Soldaten der mexikanischen Armee streng bewachten Postkutsche. Sie werden Zeuge, wie die Rojos, die Uniformen von US-Offizieren tragen, bei einer Rast der Kutsche am Rio Bravo zusammen mit ihrer Bande eine Schießerei anzetteln, nachdem sie zuvor bereits einen Trupp amerikanischer Soldaten getötet haben, und die Kisten mit Gold erbeuten. Alle die Kutsche begleitenden Soldaten finden den Tod. Die Leichen der getöteten amerikanischen und mexikanischen Soldaten lassen sie liegen, um so vorzutäuschen, dass diese sich gegenseitig umgebracht hätten.
Der Fremde beginnt nun damit, die verfeindeten Familien gegeneinander auszuspielen und mit ihnen ein perfides Spiel zu treiben, indem er ihnen abwechselnd anbietet, für sie zu arbeiten, und ihnen Fallen stellt. Für jeden Verrat kassiert er „eine Handvoll Dollar“. Im Beisein von Silvanito platziert der Fremde die Leichen zweier Offiziere auf dem Friedhof, um die Clans glauben zu lassen, diese hätten das Massaker am Rio Bravo überlebt. Die Folge ist, dass es zwischen den verfeindeten Clans zu einer wilden Schießerei auf dem Friedhof kommt. Währenddessen durchsucht der Fremde das Lager der Rojos nach dem Gold, welches er auch findet, jedoch nicht mitnimmt, da er auf die gefangene Marisol trifft. Diese wurde von Ramon entführt, nachdem er ihren Mann beschuldigt hatte, bei einem Kartenspiel betrogen zu haben. Wegen der Drohung, sie würden seinen Sohn töten, bleibt ihm nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren. Der Fremde übergibt Marisol den Baxters als Geisel. Da die Rojos aber inzwischen Antonio, den Sohn der Baxters, in ihrer Gewalt haben, findet ein Austausch statt. Der Fremde muss mit ansehen, dass Marisol gegen ihren Willen zu Ramón Rojo zurückkehren muss. Mittels einer List gelingt es ihm erneut, nicht nur Marisol, sondern auch ihren Mann und den kleinen Sohn, der als Geisel dient, zu befreien und den Verdacht auf die Baxters zu lenken. Die Familie flieht auf den Rat des Fremden hin in die nahen Wälder.
Als Ramón Rojo klar wird, dass der Fremde Marisol zur Flucht verholfen hat, lässt er ihn foltern, da er die schöne Frau um jeden Preis zurückhaben will. Der Fremde kann jedoch in der folgenden Nacht fliehen und steckt dabei das Anwesen der Rojos in Brand. Die Rojos vermuten den Fremden bei den Baxters und ermorden die gesamte Familie. Der Fremde wird aber derweil vom örtlichen Sargtischler und Bestatter heimlich in einem Sarg versteckt aus dem Ort in ein Versteck gebracht, wo er sich von seinen Verletzungen erholen kann. Danach kehrt er nach San Miguel zurück, wo er mit den Rojos und speziell mit Ramón abrechnet.
Genre, Entstehung, Hintergrund Bereits im von Luigi Lardani „kunstvoll umgesetzten und energiegeladenen“ Vorspann wird klar, dass es im Film „kräftig zur Sache“ geht. Silhouetten in Rot, Schwarz und Weiß tauchen auf, dazu erklingt ein peitschender Sound von Schüssen, es wird in extremer Weise geritten, geschossen und gestorben. Auch der einsame Revolverheld taucht im rasenden Galopp reitend auf, stoppt vor einer Horde von Banditen und reitet sodann gemächlich weiter. Ennio Morricones Musik stimmt von Beginn an darauf ein, dass uns ein „heldenhafter, düsterer, gewaltsamer“, aber auch „emotionaler“ Film erwartet. Morricones Musik war zur damaligen Zeit völlig neuartig, sie war perfekt an die Filmbilder angepasst und unterstrich nicht nur die packende Spannung vieler Szenen, sondern verlieh dem Film auch reichlich Pathos, was nicht unerheblich für seinen Erfolg war. Morricone unterstrich seine Kompositionen mit Elementen wie trappelnden Hufen, Pferdegewieher, Schüssen, Glockengeläut und dem Knallen von Peitschen, E-Gitarren-Klänge wurden mit Chören untermalt, ein Spektrum menschlicher und tierischer Schreie, Pfeif-, Grunz- und Stöhnlaute wurden vermischt. Eine banal gepfiffene Melodie ging auch schon mal in einen sich opernhaft steigernden rauschenden Strudel von Tönen über. Morricones Musik hatte in ihrer Intensität und Wirkung etwas Opernhaftes. Mit ihren Dissonanzen und unerwarteten Akkorden unterstrich und definierte sie die Emotionen der Charaktere.Die große Clint Eastwood DVD-Collection Nr. 4 Für eine Handvoll Dollar von DeAgostini, Verlag DeAgostini Deutschland GmbH, Hamburg, Redaktionsleitung: Ariane Ossowski, Redaktion: Joachim Seidel, Projektleitung: Niklas Fürer, 2014, S. 1–7, 10–12.A Fistful of Dollars Articles bei TCM – Turner Classic Movies (englisch)
Dieser Film unter der Regie von Sergio Leone (in einigen Kopien benutzt er das Pseudonym Bob Robertson) begründete das Genre des Italo-Westerns und machte Clint Eastwood, der durch seine Rolle des sympathischen Cowboys Rowdy Yates in der US-Langzeitserie Tausend Meilen Staub bereits einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht hatte, zum Star. Eastwood sah das Rollenangebot als Chance an, einen Wandel zu vollziehen, der jenseits des Images des „glorifizierenden Wildwest-Mythos“ lag. In diese Rolle konnte er das einbringen, was er bisher vermisst hatte, eine mysteriöse Ebene. „Der Fremde“ mit seinem von der Sonne gegerbten Gesicht, den Bartstoppeln und der schmuddeligen braunen Kleidung wird zu einem Teil der Landschaft, durch die er reitet. Der Schriftsteller David Nichols gab seinen ersten Eindruck über den Film rückblickend im Winter 1980/1981 in Sight and Sound wieder: „Der Anblick von Eastwood – unrasiert, einen Zigarillo-Stumpen im Mundwinkel, in einen Poncho gewandet und auf einem Maultier daherreitend – löste einen Schock aus. Sollte das wirklich der Held des Films sein?“ Eastwood hingegen sah die Chance, die ihm die Rolle eines geheimnisvollen und gefährlichen Charakters bot, als probates Mittel an, die Spannung eines Films zu erhöhen. Darauf griff er auch in einigen seiner späteren Filme zurück, so beispielsweise in Ein Fremder ohne Namen (1973) und Pale Rider – Der namenlose Reiter (1985), wo die Figuren ebenfalls aus dem Nichts auftauchen.
Aus der Zusammenarbeit mit Leone gingen noch die Nachfolgefilme Für ein paar Dollar mehr (1965) und Zwei glorreiche Halunken (1966) hervor, die zusammen heute auch als die Dollar-Trilogie bekannt sind. Dem Produzenten Iain Johnstone verriet Sergio Leone, dass sein Interesse im Bereich Western bis in die Antike zurückgehe: „Ich war schon immer der Ansicht, dass der größte Western-Autor aller Zeiten Homer ist. Achilles, Agamemnon und Ajax sind die Archetypen des heutigen Cowboys. Das hat mich letztlich zum Dreh eines Western veranlasst.“ Der Historiker Christopher Frayling dokumentierte in seiner Biografie „Sergio Leone: Something to do with Death“ den Einfluss anderer Western auf Leones Schaffen, darunter My Darling Clementine – Faustrecht der Prärie (1946), Rio Bravo (1959) und Der Mann, der Liberty Valance erschoß (1962).
Für eine Handvoll Dollar orientiert sich stark an Akira Kurosawas 1961 inszeniertem Samuraifilm Yojimbo. Das Setup mit den beiden verfeindeten Familien und dem einsamen Helden, der beide gegeneinander ausspielt, ist aus dem japanischen Film übernommen. Alle zentralen Figuren haben ihr japanisches Pendant und viele Szenen kommen eins zu eins aus dem japanischen Original. Dem japanischen Film soll wiederum der Roman Rote Ernte von Hammett aus dem Jahr 1927 als Vorlage gedient haben, was der Regisseur jedoch stets bestritt. Da sich niemand aus Leones Stab vorab um die Urheberrechte gekümmert hatte, kam es zu einem Rechtsstreit, der schließlich außergerichtlich beigelegt wurde: Kurosawa erhielt die Verwertungsrechte für den Fernen Osten und eine weltweite Gewinnbeteiligung. In Kurosawas Film tauchen Elemente des Western Mein großer Freund Shane (1953) von George Stevens auf, eines Films, durch den später auch Eastwoods Western Pale Rider – Der namenlose Reiter (1985) inspiriert wurde. Im Film sind weitere Querverweise zu anderen Werken zu finden, wie Stellen aus der Bibel, einiges von Shakespeare und auch Merkmale der Commedia dell’arte, so auch aus Carlo Goldonis Bühnenstück Der Diener zweier Herren aus dem Jahr 1745.
Die Geldgeber stellten die Bedingung, dass ein US-Schauspieler die Hauptrolle spielen müsse. Leones Bemühungen, Henry Fonda oder Charles Bronson für den Film zu gewinnen, schlugen fehl, beide lehnten ab. Auch Rory Calhoun konnte sich nicht für die Geschichte erwärmen; James Coburn zeigte zwar Interesse, obwohl er später verlauten ließ, das Drehbuch sei das schlechteste, das ihm je angeboten worden sei, verlangte aber 25.000 Dollar Gage, zu viel für Leones mageres Budget. Richard Harrison war es, der Eastwood empfahl, da er selbst wegen anderweitiger Verpflichtungen ebenfalls nicht konnte. So kam Clint Eastwood nur ersatzweise ins Spiel. Als er in Italien ankam, trug er eine ärmellose Schaffelljacke, eine gebleichte schwarze Levis, einen Cowboyhut sowie einen Poncho und hatte dünne schwarze Zigarillos dabei, alles Utensilien, die er sich angeschafft hatte, um seiner Figur ein äußeres Erscheinungsbild zu geben. Später verkündete Leone, dass das Erscheinungsbild „des Fremden“ von ihm geschaffen worden sei. Eigentlich schien Leone Eastwood für die Rolle zu intellektuell, er habe „etwas Virileres, Härteres aus ihm machen“ wollen, „etwas Älteres – deshalb der Bart, die Zigarillos und der Poncho, der ihn irgendwie massiver erscheinen ließ“. In der gesamten Crew war Eastwood der einzige mit der Muttersprache Englisch. Die Drehbücher lagen vorsichtshalber in vier verschiedenen Sprachen vor. Da am Set die Sprachen Italienisch, Spanisch, Englisch und Deutsch gesprochen wurden, verzichtete man von vornherein auf Tonaufnahmen. Die Stimmen aller Mitwirkenden wurden nachträglich synchronisiert.