Der englische Begriff Hanlon’s Razor [] (deutsch: Hanlons Rasiermesser) bezeichnet ein Sprichwort, das etwas über den wahrscheinlichsten Grund menschlichen Fehlverhaltens aussagt. Es lautet: „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend zu erklären ist“ (englisch: ). Oder kürzer: Geh nicht von Böswilligkeit aus, wenn Dummheit genügt (englisch: ).

Bei Hanlons Rasiermesser geht es also um eine fehlerhafte Ursachenzuschreibung (Kausalattribuierung). Es ähnelt Ockhams Rasiermesser, nach dem man von mehreren hinreichenden Erklärungen die einfachste vorziehen sollte.

Entstehung und Benennung Eine von zwei Erklärungen zur Entstehung besagt, dass Robert J. Hanlon eine reale Person war und ihm dieses Sprichwort zugeschrieben werden kann.Joseph Bigler: . In: statusq.org, 26. November 2001. Entsprechend der TheorieJoseph Bigler: Zweite E-Mail an Quentin Stafford-Fraser. In: statusq.org, 4. Dezember 2001, abgerufen am 14. November 2022. kam das Sprichwort als Zuschrift von Hanlon in das 1980 erschienene Buch Murphy’s Law Book Two. More Reasons Why Things Go Wrong.Arthur Bloch: Murphy’s Law Book Two. More Reasons Why Things Go Wrong. Price Stern Sloan, Los Angeles 1980, ISBN 0-417-06450-0, S. 52.

Die andere gängige Erklärung zur Entstehung schreibt das Sprichwort dem Science-Fiction-Autor Robert A. Heinlein zu; die Schreibweise „Robert Hanlon“ sei eine Fehlschreibweise oder Verballhornung von „Robert Heinlein“.Hanlon’s Razor. In: Eric S. Raymond: The New Hacker's Dictionary. 3. Auflage. The MIT Press, Cambridge, Massachusetts / London 1996, ISBN 0-262-68092-0, S. 240–241 (). In der Kurzgeschichte Logic of EmpireRobert A. Heinlein: Logic of Empire. In: Astounding Science-Fiction. März 1941, S. 39 (). In Buchform veröffentlicht unter anderem in The Past Through Tomorrow. Putnam, New York 1967, ISBN 0-441-65304-9 (Neuauflage in Paperback). bzw. deutsch Auktion auf der VenusRobert A. Heinlein: Auktion auf der Venus. In: Die grünen Hügel der Erde. Utopisch-technische Erzählungen (= Goldmanns Weltraum-Taschenbücher. Band 034; Goldmanns Zukunftsromane) S. 55. Aus dem Amerikanischen ins Dt. übertragen von Tony Westermayr. Goldmann, München 1964, bzw. . von 1941 schreibt Heinlein:

Verwendung Hanlon’s Razor dient häufig dazu, Verschwörungstheorien zurückzuweisen.Steve Clarke: Conspiracy Theories and Conspiracy Theorizing. In: Philosophy of the Social Sciences. Band 32, Nr. 2, 2002, , S. 131–150, hier S. 144–147, doi:10.1177/00493103200200. In diesem Sinne sagte beispielsweise Bernard Ingham, Pressesprecher von Margaret Thatcher:

Ingham prägte mit dieser Aussage das englische Motto , das als lakonische Variante von Hanlons Rasiermesser gelten kann.

Vergleichbare Weisheiten Goethe schrieb 1774 im Werther: „[…] daß Mißverständnisse und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen, als List und Bosheit nicht thun. Wenigstens sind die beyden letztern gewiß seltener.“Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werthers. Erster Theil. Leipzig 1774, Seite 7 (www.deutschestextarchiv.de)

Von Mark Twain stammt der Ausspruch: „Wenn wir bedenken, daß wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.“

Weblinks Hanlon’s Razor im The Jargon File. Version 4.4.7 (englisch)

Einzelnachweise

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