Die Burschenschaft Germania zu Würzburg ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung. Die verbandsfreie Burschenschaft vereint Studenten und Alumni der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Sie werden als Würzburger Germanen (kurz: Germanen) bezeichnet.

Farben und Wahlspruch links|mini|Germanenband Die Farben der Burschenschaft Germania sind schwarz-gold-hellblau; sie werden von Burschen und Füchsen der Verbindung gleichermaßen getragen. Die Farbwahl geht auf das noch vor Beginn der Märzrevolution 1848 eingereichte Gesuch um Anerkennung zurück.Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 13/14 – insbesondere S. 14 Fn. 1 – u. S. 21 Die Germanenmützen sind aus schwarzem SamtErnst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 114.; seit 1848 zeigen auch sie die Germanenfarben.Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 12 u. S. 21

Neben dem allgemeinen burschenschaftlichen Wahlspruch Ehre, Freiheit, Vaterland führt die Burschenschaft den Wahlspruch Honor praemium virtutis!Cicero, De claris oratoribus, 281 (dort: Honos est praemium virtutis.). Dieser ersetzte 1887 den auf die Germania von 1842 zurückgehenden Wahlspruch: Virtute decet, non sanguine niti.Claudian, De quarto consulatu Honorii Augusti, 220Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 14 Fn. 2; Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 20 Fn. 107

Geschichte Die Burschenschaft Germania zu Würzburg betrachtet sich seit 1953 als Nachfolgerin der 1833 unterdrückten Würzburger Burschenschaft von 1818.zur Problematik siehe Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 5, Fn. 5

Germania von 1818 Nach der förmlichen Auflösung der Landsmannschaft Bavaria am Vortag erfolgte am 27. Juni 1818 die Gründung einer „neuen“ Burschenschaft oder „Germania“ durch deren Mitglieder und burschenschaftlich gesinnte Mitglieder der beiden anderen Landsmannschaften (Franconia, Moenania).Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 3–5

Diese stand einerseits im Gegensatz zu den weiterbestehenden Landsmannschaften Franconia und Moenania, andererseits aber auch zu einer kleineren Gruppe ehemaliger Nichtkorporierter, welche ab Dezember 1817 als Burschenschaft „Teutonia“ auftrat. Erst aufgrund Eingreifens des Burschentags kam es im März 1819 zur Auflösung der Teutonia und zur Übernahme ihrer Mitglieder als Renoncen der Germania.

Die Verfassung der Burschenschaft Germania trug demokratischen Charakter, insofern als die endgültige Entscheidung jeder Angelegenheit der allgemeinen Versammlung anheimgestellt war. Ein siebengliedriger Vorstand unter dem Vorsitz eines allmonatlich wechselnden, nach einem Monat Unterbrechung wieder wählbaren Sprechers leitete die Versammlung. Ferner bestand als vermittelnde Instanz zwischen Vorstand und Plenum ein "Ausschuss", der alle Anträge vorberiet und eventuell modifizierte, außerdem aus seiner Mitte weitere Amtsträger stellte, wie den Fechtwart, den Festwart und den Turnwart. Die Mitglieder durften sich im Allgemeinen nicht untereinander duellieren. Streitigkeiten schlichtete ein Ehrengericht, das jedoch bei besonders schwerer Beleidigung das Duell gestatten konnte.

Im Dezember 1819 musste die Burschenschaft nach dem erfolgreichen Attentat Karl Ludwig Sands gegen August von Kotzebue aufgelöst werden. Es entstanden mehrere lose Vereinigungen, die den Zusammenhalt jedoch aufrechterhalten konnten. Die Auflösung der Burschenschaft führte daneben aber auch zum Austritt eines Teils ehemaliger Angehöriger der Bavaria, welche ihre Verbindung mit Hilfe der anderen Landsmannschaften ebenfalls im Dezember 1819 wieder errichteten.Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 6

Im Sommersemester 1820 konnte die Burschenschaft wieder erneuert werden und umfasste zeitweise zwei Drittel der rund 600 Studenten Würzburgs.Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 5 Robert von Mohl hat seine Eindrücke über die damalige Germania wie folgt verfasst: "In Würzburg fanden wir die Burschenschaft sehr in Blüte; sie war die wesentlich vornehmere Verbindung und der ganze bayerische Adel bei ihr beteiligt."Mohl, Robert, in: Lebenserinnerungen, Stuttgart/Leipzig 1902, S. 116 f. Es lässt sich die Zugehörigkeit von 26 fränkischen und bayerischen Adelsgeschlechtern innerhalb der Germania nachweisen.Haupt, Hermann, in: Festschrift zur 50 jährigen Jubelfeier der Würzburger Burschenschaft Arminia, Gießen 1898, S. 36 Im Sommer 1824 musste die Burschenschaft abermals aufgelöst werden. Am 13. März 1825 konnte sie wieder aufgemacht werden, wobei sie zunächst den Decknamen Concordia, später (Sommersemester 1826) den Decknamen Amicitia annahm.Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 7–8

Nachdem die Würzburger Burschenschaft beim Bamberger Burschentag im Jahr 1827 mit dem Antrag zunächst noch gescheitert war, gelang es ihr auf dem Burschentag 1831 in Dresden die Formulierung "christlich-deutsch" innerhalb der Konstitutionen der Burschenschaften in "deutsch" abzuändern, um auch formal die Aufnahme von Juden zu ermöglichen.Schneider, Gustav Heinrich, in: Die Burschenschaft Germania zu Jena - Eine Festschrift, Jena 1897, S. 143, 166

Während der Vormärzzeit traten die „Germanen“ am lebhaftesten innerhalb der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft für die Unterstützung des Preßvereins ein, der sich die Erlangung der Pressefreiheit sowie die Vereinigung aller Staaten des deutschen Sprachraums zum Ziele gesetzt hatte. Sie waren es auch, die besonders auf die Abhaltung eines Burschentages 1832 in Stuttgart drängten, auf welchem beschlossen wurde, dass das Ziel der Burschenschaften die Erregung einer Revolution sei und dass sich die Allgemeine Deutsche Burschenschaft dem Preßverein anschließen solle.Schneider, Gustav Heinrich, in: Die Burschenschaft Germania zu Jena - Eine Festschrift, Jena 1897, S. 186. Folglich waren einige Mitglieder der Burschenschaft Germania im Jahr 1833 maßgeblich am Frankfurter Wachensturm beteiligt, um durch einen Überfall auf die Hauptwache und die Konstablerwache in Frankfurt am Main eine allgemeine Revolution in Deutschland auszulösen.Schneider, Gustav Heinrich, in: Die Burschenschaft Germania zu Jena - Eine Festschrift, Jena 1897, S. 190; Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 8

Infolge des Frankfurter Wachensturms kam es ab April 1833 deutschlandweit zu einer neuen Verfolgungswelle, welche auch die Würzburger Burschenschaft nicht überdauerte. Nach der Auflösung der Würzburger Burschenschaft im Mai 1833 fehlen Hinweise, die auf ein weiteres Fortbestehen hindeuten würden.Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 8

Germania von 1842 Am 2. Juli 1842Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 52/53; Stickler (Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 10) nennt den 1. Juli 1842. gründeten Studenten eine neue Verbindung mit dem Namen Germania;Das in burschenschaftlicher Literatur auftauchende Datum 21. November 1842 bezieht sich auf den Verein „Kränzchen“; vgl. Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 10, dort insbesondere Fn. 52 diese stand ganz im Zeichen des Progress.Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 8–11 Germania war zu dieser Zeit in Würzburg die einzige Verbindung neben den Corps.Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 24 u. 79 Weitere Gründungen von Nichtcorpsverbindungen erfolgten erst ab März 1848.Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 13 Zur körperlichen Ertüchtigung ihrer Mitglieder betrieb die Verbindung zeitweise (1845–1852) einen eigenen Turnplatz, der auch anderen Studenten offenstand.Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 2 u. 85/86 An den Ereignissen der Jahre 1848/1849 hatte die Verbindung regen Anteil;Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 17–38 insbesondere nahmen sämtliche in Würzburg befindlichen Mitglieder am Auszug der Würzburger Studentenschaft nach Wertheim (20.–26. Mai 1849)vgl. zum Auszug der Würzburger Studenten auch die Darstellung hier: Würzburger Senioren-Convent teil.Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 35 Im Mai 1848 erhielt die 'Studentengesellschaft Germania' die Genehmigung durch das Bayerische Innenministerium und am 9. August 1848 wurden erstmals die nun genehmigten Farben schwarz-gold-hellblau angelegt.

Nachdem 1853 durch erheblichen Rückgang der Mitgliederzahlen die ersten Schwierigkeiten im Verbindungsleben aufkamen, musste die Germania im Mai 1856 wegen innerer Zwistigkeiten und Mangels an Mitgliedern suspendieren.Karl Pöhlmann: Geschichte der Würzburger Burschenschaft Germania, Würzburg 1898, S. 88–95; Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 13

1865 fand eine im Vorjahr (25. Mai 1864) gegründete Verbindung namens „Union“ Anschluss an das Philisterium der Germania und übernahm zunächst deren Namen, 1866 auch deren Farben.Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 14/15 1874/1875 musste auch sie aufgrund fehlenden Nachwuchses aufgelöst werden.Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 16

Anfang der 1880er Jahre entstand eine lose Tischgesellschaft, welche sich den Namen „Corona“ gab. Deren Mitglieder rekonstituierten am 30. November 1886 die Studentenverbindung Germania. Die Mitglieder aus den Zeiträumen 1842 bis 1857 und 1865 bis 1875 schlossen sich der rekonstituierten Verbindung großenteils an; im Januar 1887 wurde von diesen die Verschmelzung beschlossen. Ein offizieller Rekonstitutionskommers wurde am 13. Juni 1887 gefeiert.Matthias Stickler: Von der studentischen Allgemeinheit zum örtlichen Deputierten-Convent. Die Entwicklung der Würzburger Burschenschaft im 19. Jahrhundert, in: GDS-Archiv 6 (2002), S. 19/20