Die Mondkalender im Alten Ägypten, also jene unter den gleichzeitig gebräuchlichen ägyptischen Kalendern, deren Monatsanfang stets durch die jeweils selbe Mondphase definiert war, waren in allen dokumentierten Fällen gebundene Lunarkalender. Den Beginn eines Kalenderjahres sollte dabei vorzugsweise der Beginn der Nilschwemme darstellen. Sie wurde sehr früh mit dem Auftauchen des Sothis am Nachthimmel in Verbindung gebracht. Daher wählen die ältesten belegten Kalender Ägyptens auch dieses Ereignis zur Bestimmung des Jahresbeginns. So ist auch vom Sothis-Mondkalender die Rede.

Als Monatsanfang galt in Ägypten stets der Beginn der Nichtsichtbarkeit des Mondes vor Sonnenaufgang, ein Monat endete nach dem Altlicht. Damit unterschieden sich die ägyptischen Mondkalender von denen vieler anderer Kulturen, in denen ein neuer Monat zumeist mit dem Neulicht begann., Seite 9, § 25. Der Mond als GottAa1:N35:O34-M23-G43ChonsḪnsw Band 8, S. 456.Sothis als GöttinS29-M44-Q3:D46-X1:N14SopdetSpd.tDie Altaegyptischen Pyramidentexte nach den Papierabdrucken und Photographien des Berliner Museums, 1908, in Kopien der University of Chicago Library, online ressource: (Spruch 216. Schluss) 151b.Das Jahr (auch eine Göttin) Seite 164, Lemma: Renpet.rnp:tRenpetrnp:t

Grundlagen der Zeitrechnung Allgemeiner Konsens besteht darin, dass die Konzepte von Tag und (lunarem) Monat vor dem des Jahres entwickelt wurden., Seite 10, §33. Ein Tag begann im alten Ägypten stets mit Sonnenaufgang., Seite 115. Damit lagen die Ereignisse, die der Tages- und Monatszählung zugrunde lagen, stets vor dem Tag bzw. Monat, der dadurch definiert wurde: Die Nacht, in der der Mond vor Sonnenaufgang zum Neumond wurde, war die letzte im Monat. Der heliakische Aufgang des Sirius fand stets am Ende des Jahres statt. Das neue Jahr begann danach mit Monatsbeginn. Die Ereignisse fielen dabei in der Regel in die 12. Nachtstunde, wobei jede Nacht, genau wie der lichte Tag, stets genau 12 Stunden hatte. Die Länge der Stunden änderte sich dementsprechend mit den Jahreszeiten.

Stündlich bemühte man sich in allen Sonnenheiligtümern mit rituellen Lobpreisungen den Sonnenlauf in Gang zu halten, zumindest aber einen bestimmten, prozesshaft gedachten Sinnzusammenhang nicht abreißen zu lassen., Seite 116. Dieser Sinnzusammenhang liegt wohl in der Regelmäßigkeit. In heißt es dann auch: So verwundert es nicht, dass beispielsweise der 15. Tag unabhängig von der astronomischen Exaktheit stets als der Vollmondtag gezählt wurde., Seite 9, §27

Varianten des Mondkalenders Seit Beginn der ägyptischen Zeitrechnung wurde auch der Mondkalender weiterentwickelt.

Der ursprüngliche Mondkalender Die ältesten belegten Erwähnungen von Mondkalenderdaten finden sich ab etwa 2350 v. Chr. in den Pyramidentexten. Die Verwendung von astronomischen Aufzeichnungen ist jedoch bereits unter König Wadji um 2880 v. Chr. dokumentiert.

Öffner des JahresF14 auch F15 |Wepet-renpetWpt-rnp.tNeujahrT8-rnp-t:Z1-X4 tpy rnp:tSothis und Wepet-renpetR8-M44-N14:X1*H8-Z9*X1*H8:V30-F13-M4"Sothis die Große,Herrin von Wepet renpet.": The Calendars of Ancient Egypt, Seite 33, § 168. Sirius, der Signalgeber für das neue Mondjahr im Sothis-Mondkalender

Der ursprüngliche Mondkalender muss allein auf Beobachtungen beruht haben., S. 113. Zu diesen Beobachtungen gehörte in jedem Fall die des heliakischen Aufgangs des Sothis. Dieses Ereignis wurde „Öffner des Jahres“ genannt. Dieser Name wurde dann auch für den 12. Monat im Sothisjahr verwendet, selbst wenn das Ereignis erst danach stattfand. Der erste Monat des neuen Jahres begann dann nach diesem Ereignis mit dem Sonnenaufgang, vor dem der Mond erstmals wieder nicht sichtbar war. Hieraus resultiert eine auf Beobachtungen basierte Schaltjahresregelung, bei der jeweils ein 13. Monat eingeschaltet wurde. In wurde dazu die Vermutung geäußert, dass dies genau dann geschah, wenn der Folgemonat weniger als 12 Tage nach dem Wepet-renpet-Ereignis begann. In diesem Fall wäre der Monat, der nach Wepet-renpet begann, ein interkalarer 13. Monat., Seite 31, § 151. Er hätte mit einer solchen Festlegung sichergestellt, dass das Ereignis eben doch stets in den gleichnamigen Monat fiel.

Belege dafür, dass der Beginn eines Monats berechnet wurde, konnten jedoch bislang nicht gefunden werden. Infolgedessen wurde dann aber von etlichen Wissenschaftlern der Versuch unternommen, auf Basis astronomischer Berechnungen auf exakte Kalenderdaten im proleptischen julianischen Kalender zu schließen. Tatsächlich ist dies aber nicht möglich. Stattdessen muss von Fehlern in der Mondbeobachtung ausgegangen werden: Algorithmen zur Berechnung der Sichtbarkeit des Altlichtes folgten Daumenregeln und erwiesen sich in der Mehrzahl der Fälle als inkorrekt. Selbst bessere, neuere Vorhersagen liegen in etwa 20 %, also in 2–3 von 12–13 Fällen, falsch. Wolken konnten die Erkennbarkeit des Neumondes verhindern. Weitere Fehlerquellen können einer Abschätzung der historischen Sichtung im Wege stehen., Seite 153.Siehe auch Thomas Schneider: Das Ende der kurzen Chronologie: Eine kritische Bilanz der Debatte zur absoluten Datierung des Mittleren Reiches und der Zweiten Zwischenzeit. In: Ägypten und Levante. Nr. 18, 2008, S. 288f. Wenn auch Bradley E. Schaefer ausführt, dass „die gegenwärtig großen Unsicherheiten in der Vorhersage der Mondsichtbarkeit keine mögliche astronomische Lösung absoluter ägyptischer Chronologie mit Monddaten erlauben“,, Seite 154. hindert das andere Wissenschaftler nicht daran, in der Richtung weiter zu forschen. So werden inzwischen bei der Abschätzung der Sichtbarkeit vom Aufgang des Sirius die optische Dichte und vermutete historische Staubbelastung der Luft berücksichtigt.

Allgemeinen eng eingegrenzten Angaben über die Lage der Monate des Mondkalenders relativ zu unserem gregorianischen Kalender steht zusätzlich im Weg, dass die Lage der Mondmonate im siderischen Jahr bedingt durch die Monatslänge und die wiederholte Einschaltung eines interkalaren, dreizehnten Monats schwankt. Dennoch lässt sich eine grobe Abschätzung angeben:

Jahreszeitliche Lage der ägyptischen Monate im Vergleich zu MitteleuropaMonatsname (Mondkalender)Jahreszeit(Mitteleuropa)jahreszeitlichneues Reich, Seite 45 Tabelle 7. Jahreszeit: Achet (Überschwemmung)N11:Z1 SA:x*t N51-nu-achet 1-nw-3ḫtX1:Aa1-Z4:W3TechiTḫjSommerbeginn (Juni / Juli)N11:Z1*Z1 SA:x*t2-nu-achet2-nw-aḫtY5:N35 Aa1:X1-S27MenchetMnḫtSommer (Juli / August)N11:Z1*Z1*Z1 SA:x*t3-nu-achet3-nw-aḫtO6:X1-D2:D21Hut-heruḥwt-ḥrwSpätsommer (August / September)N11:Z1*Z1*Z1*Z1 SA:x*t4-nu-achet4-nw-aḫtD28:Z1 D2:Z1-D28:Z1-W3:N5Ka-her-kaKˁ-ḥr-kˁ,Hb-kˁ-kˁ-n-Ḥr.(w)Herbst (September / Oktober) Jahreszeit: Peret (Aussaat / Winter)N11:Z1 pr-D21:X11-nu-peret1-nw-prtS*:I9 M34-t-Z1Schef-bedetšf-bdtHerbst (Oktober / November)N11:Z1*Z1 pr-D21:X12-nu-peret2-nw-prtr:k-V28 G36:rRekeh-werRkḥ-wrSpätherbst (November / Dezember)N11:Z1*Z1*Z1 pr-D21:X13-nu-peret3-nw-prtO6:X1-D2:D21Rekeh-nedjesRkḥ-ndsWinter (Dezember / Januar)N11:Z1*Z1*Z1*Z1 pr-D21:X14-nu-peret4-nw-prtr:n-Z7-t:tRenutetRnwttHochwinter (Januar / Februar) Jahreszeit: Schemu (Ernte / Sommer)N11:Z1 S-N35B1-nu-schemu1-nw-šmwAa1:N35-M23-Z7ChonsuḫnswWinter (Februar / März)N11:Z1*Z1 S-N35B2-nu-schemu2-nw-šmwW18-F32:X1 N5Chenti-chetḪntj-ẖtFrühling (März / April)N11:Z1*Z1*Z1 S-N35B3-nu-schemu3-nw-šmwO6:X1-D2:D21Ipet-hemetjpt-ḥmtFrühling (April / Mai)N11:Z1*Z1*Z1*Z1 S-N35B4-nu-schemu4-nw-šmwF15Wepet-renpetWpt-rnp.tFrühling (Mai / Juni) Interkalar (nicht zum Jahr gehörend)G26-X1*X1:W3ThotḎḥwtyt, Seite 45, §230 / Tabelle 7.ḏḥwtt, Seite 1288, Lemma: Thot, (3). ungefähr im Juni

Belegt ist der Sothis-Mondkalender derweil bereits im Mittleren Reich. Die Kenntnis der konstanten Festtage des Alten Reichs, die unverändert auch in späterer Zeit fortbestanden und an den Sothis-Mondkalender gekoppelt waren, lassen eine Existenz vor der frühdynastischen Zeit möglich erscheinen, obwohl archäologische Beweise dafür fehlen.Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten: Studien zur astronomischen und technischen Chronologie Altägyptens. Hildesheim 1985, S. 16.

Der spätere Mondkalender Ein zweiter lunarer Kalender ist durch den demotischen Papyrus Carlsberg 9 belegt. Dieses Dokument beschreibt 25-Jahres-Zyklen in der Zeit von 9 bis 144 n. Chr. (griechisch-römische Zeit). Dabei setzt es als Konkordanz den Mond- und den Verwaltungskalender miteinander in Beziehung., Seite 114.

Lunisolarkalender haben naturgemäß nicht immer 12, sondern oft auch 13 Monate im Jahr. Jahre mit 13 Monaten waren dem Papyrus zufolge das 1., 3., 6., 9., 12., 14., 17., 20. und 23. Jahr in jedem Zyklus. Diese Jahre wurden als „große“ Jahre bezeichnet., § 50. Daraus ergab sich dann eine Gesamtzahl von 309 Monaten pro Zyklus. Das entspricht einer durchschnittlichen Monatslänge von 29,5307443 Tagen. Der heute gemessene Wert liegt bei 29,530589 Tagen. Über lange Zeiträume hinweg musste hier jedoch mit nicht ganz konstanten Werten gearbeitet werden. In nachfolgender Tabelle werden durchschnittliche Werte auf den jeweiligen Zeitraum bezogen angegeben:

25-Jahreszyklus im Mondkalender (Zeitraum 3000 bis 1 v. Chr.)Zeitraumdurchschnittliche Monatslängeastronomische ZyklusdauerAbweichung pro ZyklusVerschiebung um 1 Tag erst nach3000–1500 v. Chr.29,530603 Tage9.124,9563 TageJean Meeus: Astronomical algorithms. Willmann-Bell, Richmond 2002, ISBN 0-943396-61-1, S. 194. 0,0437 Tage(1 h 3 min)572,44 ägyptischen Jahren1500–1 v. Chr.29,530597 Tage9.124,9545 Tage0,0455 Tage(1 h 5 min)549,45 ägyptischen Jahren3000–1 v. Chr.29,5306 Tage9.124,9554 Tage 0,0446 Tage(1 h 4 min)560,54 ägyptischen Jahren

mini|Astronomische Einträge im Grab von Ramses IX. in einer Abschrift von Karl Richard Lepsius

Im Ergebnis fielen die Mondmonatstage im 26. Verwaltungsjahr wieder genau wie im ersten. Die Abweichung war so gering, dass eine Änderung von einem Tag erst im 23. Zyklus auftrat. Die Astronomen mussten damit nur einmalig für die ersten 25 Jahre die Beobachtungen aufzeichnen, um mindestens für die nächsten 21 Zyklen ein Berechnungsschema zu besitzen.Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten: Studien zur astronomischen und technischen Chronologie Altägyptens. Hildesheim 1985, S. 27. Im Ergebnis war jedoch damit dieser neue Mondkalender nicht mehr an den Jahreszyklus gebunden, sondern an den Verwaltungskalender. Dieser Wechsel fand unabhängig von einer möglicherweise erst später vorgenommenen Formalisierung vermutlich bereits im 14. Jahrhundert vor Christus statt.

Feste im Jahreslauf

Die Nährender:n-Z7-t:tRenutetRnwtt In Ägypten wurden die Monate mit Göttern in Verbindung gebracht, die zumindest ursprünglich an entsprechenden Festtagen gewürdigt wurden.

Im Laufe der Geschichte wurden Annahmen aus zufolge einige Feste nachträglich im Verwaltungskalender fixiert. So war beispielsweise Renutet ursprünglich ein Vollmondfest im gleichnamigen (neunten) Monat und wurde demzufolge am 15. dieses Monats gefeiert. Für spätere Zeiten wurde eine Feier dieses Festes im achten Monat nachgewiesen. Aber auch Wepet-renpet wurde zum Namen des Neujahrstages im Verwaltungskalender und verschob sich dort durch die Jahreszeiten., Seite 9, §289. Generell fielen die Feste, die nur ein Mal im Jahr gefeiert wurden, auf Dauer in das Wandeljahr des Verwaltungskalenders. Das galt auch für solche, deren Datum „der Neumond bringt“., Seite (46), Das astronomische Jahr.

Der Monat