Nieder-Ohmen ist nach Einwohnern der größte Ortsteil der Gemeinde Mücke im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographische Lage Der Ortskern von Nieder-Ohmen liegt in einer Flussschleife mit Straßenübergängen am rechten östlichen Ufer der Ohm, deren Tal den Vorderen Vogelsberg nach Osten abschließt. Die Gemarkung umfasst 1651 Hektar, von denen 703 Hektar bewaldet sind (Stand: 1961). Landwirtschaftlich genutzt sind die Fluren rings um die Ortslage, während die Waldgebiete vornehmlich am westlichen, nördlichen und östlichen Rand der Gemarkung zu finden sind. Ein Waldstück von rund 65 Hektar Fläche im Norden der Gemarkung nennt sich Windhain und hat einer Gehöftgruppe westlich davon und einem südwestlich vorgelagerten Wohn- und Wochenendgebiet den Namen gegeben. Ein Waldgebiet im Westen der Gemarkung trägt den Namen Eisenkaute und ist gekennzeichnet durch inzwischen bewaldete Abraumhalden der früheren Eisengrube Albert.

Der niedrigste Punkt der Gemarkung liegt an der Nordgrenze bei etwa in der Ohmniederung. Die höchste Erhebung liegt bewaldet an der Südostgrenze auf im Walddistrikt Alter Zwilling.Flurbezeichnungen laut Liegenschaftskataster bei Geodaten online, auf gds.hessen.de

Geschichte Historische Namensformen Historische Formen des Ortsnamens: ca. 750 bis 779: Amana, super ripam fluminisKopiar um 1160 Codex Eberhardi 1, S. 264, Nr. 12, 153v 9. Jahrhundert: Amana"Kopialbuch Mitte 12. Jh. Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld. 1,1, S. 73, Nr. 38 (2), Breviarium sancti Lulli, S. 16. 1008: in loco AmenaMGH Diplomata Könige 3, Heinrich II. : Bresslau, S. 213, Nr. 178. 1308: inferiori AmenaLudwig Baur: Hessische Urkunden. 1 (Starkenburg und Oberhessen), S. 317, Nr. 450. 1334: inferioris AmeneLudwig Baur: Hessische Urkunden. 1 (Starkenburg und Oberhessen), Nr. 476. 1336: Nedern AmeneLudwig Baur: Hessische Urkunden. 1 (Starkenburg und Oberhessen), Nr. 1011. 1457: Kirchhomen:Staatsarchiv Darmstadt (StAD), Urkunden Provinz Oberhessen, Ober-Ofleiden.

Ortsgeschichte Die älteste schriftliche Erwähnung erfolgte in den Jahren zwischen 750 und 779 als Amana im Codex Eberhardi.Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda I. Marburg 1995. Hrsg. von Heinrich Meyer zu Ermgassen. Nr. 12, S. 264.: „super ripam fluminis Amana in pago Logenecgewe“ (oberhald des Ufers des Flusses Amena im Lahngau). Damit lässt sich der spätere Ortsname auf einen Gewässernamen zurückführen, den kleinen Fluss Amana, der heute Ohm genannt wird. Im 9. Jahrhundert heißt es im Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld: „In pago Laganinse: ... in Lundorf et in Amana“ (Im Lahngau in Londorf und in Ohmen.).Hans Weirich, Karl Hörgers: Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld. Marburg 1936, Nr. 38, S. 73.

Die Erwähnung im Jahre 1008 weist den Ort als Reichsgut des späteren Kaisers (seit 1014) Heinrichs II. aus: „omne predium, quod quod habuimus in loco Amena“Harry Bresslau (Hrsg.): Die Urkunden Heinrichs II. und Arduins. ND 2001 = Monumenta Germaniae Historica. Diplomatica 4. 3 Nr. 178, S. 213. (allen Besitz, den wir haben im Ort, den man Ohmen nennt).

Erst 1241 bzw. 1308 findet eine Differenzierung zwischen Ober- und Nieder-Ohmen statt. Die erste Erwähnung des Dorfes Ober-Ohmen erfolgte 1241 als sita in superiori Amene (gelegen in Ober-Ohmen) im Urkundenbuch des Klosters Arnsburg.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt. Nr. 31, S. 20. 1308 lautet es in einer Urkunde: „sita in inferiori Amena“ (gelegen in Nieder-Ohmen).Ludwig Baur: Heesische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. 1860-73. Bd. 1: Darmstadt 1851. Nr. 450, S. 318. 1457 wird bezüglich des Kirchsatzes zu „Obernhohmen“ und „Kirchhomen“ (Nieder-Ohmen) unterschieden. Bei der ersten Erwähnung handelt es sich mit Sicherheit um ein Gewässer, während bei den späteren Erwähnungen nicht gesagt werden kann, ob es sich um Ober- oder Nieder-Ohmen handelt.

In einem Salbuch findet sich 1589 der Ortsname Windhausen, der wird in der Namensforschung als „dem Wind ausgesetzte Siedlung“ erklärt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 402. Er besitzt das gleiche Bestimmungswort wie der Hof Windheim, welcher nordwestlich von Nieder-Ohmen „auf einem waldfreien Rücken“ liegt: „von Deckenbach hinter dem Windhain hinauf an die Landstraß, die nach Grunbergk geht.“Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 302.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Nieder-Ohmen:

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 31. Dezember 1971 fusionierten Nieder-Ohmen und Ober-Ohmen mit der Gemeinde Mücke zur neuen Großgemeinde Mücke. Für Nieder-Ohmen wurde, wie für die übrigen Ortsteile von Mücke, ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Nieder-Ohmen angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Nieder-Ohmen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Grünberg, Gericht Nieder-OhmenDie Zugehörigkeit des Amtes Grünberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Gericht Nieder-Ohmen ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Grünberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Oberhessen, Amt Grünberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung von Justiz (Landgericht Grünberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied., Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Gemeinde MückeAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Mücke. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Gemeinde Mücke

Recht Materielles Recht In Nieder-Ohmen galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.

Gerichtsverfassung seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Nieder-Ohmen das „Amt Grünberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Nieder-Ohmen zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Nieder-Ohmen wurde dem Amtsgericht Alsfeld zugelegt. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung • 1791: 742 Einwohner • 1800: 773 Einwohner • 1806: 828 Einwohner, 145 Häuser • 1829: 1052 Einwohner, 171 Häuser • 1867: 1029 Einwohner, 180 bewohnte Gebäude • 1875: 1114 Einwohner, 181 bewohnte Gebäude

Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Nieder-Ohmen 2367 Einwohner. Darunter waren 36 (1,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 411 Einwohner unter 18 Jahren, 930 zwischen 18 und 49, 279 zwischen 50 und 64 und 237 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 990 Haushalten. Davon waren 234 Singlehaushalte, 330 Paare ohne Kinder und 306 Paare mit Kindern, sowie 102 Alleinerziehende und 18 Wohngemeinschaften. In 195 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 666 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Religion mini|Rathausgasse mit der evangelischen Kirche, rechts hinten Rathaus

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 998 evangelische (= 94,87 %), 52 jüdische (= 4,94 %), zwei katholische (= 0,19 %) Einwohner • 1961: 1545 evangelische (= 86,22 %), 220 (= 12,28 %) römisch-katholische Einwohner

Evangelische Kirche Eine Ortskirche in Kirche in Nieder-Ohmen ist für das Jahr 1314 belegbar.Baur, Ludwig (Hrsg.): Hessische Urkunden aus dem großherzoglichen Hessischen Haus- und Staatsarchive zum erstenmale herausgegeben, Band 1: Die Provinzen Starkenburg und Oberhessen von 1016-1399, 1860, Nr. 476 1866 musste die Kirche wegen Einsturzgefahr geschlossen und kurz darauf abgerissen werden. Am 9. Juli 1886 kam es zur Grundsteinlegung der neuen Kirche. Der Einweihungsgottesdienst fand am 18. Oktober 1887 statt.

Jüdische Gemeinde Siehe auch: Jüdischer Friedhof (Nieder-Ohmen)