Die Jagst ist ein Mittelgebirgsfluss im Norden Baden-Württembergs. Neben dem Kocher und der Enz ist sie der dritte größere Zufluss des Neckars. Nach der Länge nimmt sie unter ihnen mit 189,9 Kilometern auf dem namentlichen Lauf sogar den ersten Rang ein. Das Tal der Jagst, das insbesondere am Mittellauf immer noch einen ländlichen Charakter hat, gilt als landschaftlich reizvoll. Nivellierende Maßnahmen wie Gewässerausbau, Begradigungen oder Flurbereinigungen haben das Landschaftsbild an der mittleren und unteren Jagst weniger stark verändert als es oft in Flusslandschaften von Flüssen vergleichbarer Größe zu beobachten ist. Diese Eigenschaften erhöhen aus landschaftspflegerischer Sicht ihren Reiz. Die Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Biotoptypen sowie der relativ geringe Anteil von Siedlungs- und Verkehrsflächen und das damit verbundene hohe Entwicklungspotential verleihen der Jagst und ihrem Tal aus naturschutzfachlicher Sicht erhöhte Bedeutung. Kleinstädte, die ein weitgehend mittelalterliches bis frühneuzeitliches Stadtbild bewahrt haben, prägen das Jagsttal ebenso wie zahlreiche einzeln stehende Burgen und Schlösser auf den Bergspornen über dem Tal sowie die Mühlen, die den Fluss säumen.

Name Der Name Jagst ist erstmals 768 als Teil des Gaunamens Jagesgouwe (Jagstgau) nachgewiesen. 1024 folgen Erwähnungen als Jagas, 1371 als Jagst. Der Name ist vorgermanischen, vermutlich keltischen Ursprungs; das auslautende -t wurde erst in spätmittelhochdeutscher Zeit angefügt. Er wird zur Indogermanischen Wortwurzel *ieg- gestellt, die Eis bedeutet. Die Jagst wäre damit der kalte, eisige Fluss. Der Name wurde teilweise auch Jaxt und Iaxt geschrieben.

Geographie Die Jagst entsteht im Vorland der Schwäbischen Alb, passiert die Frankenhöhe, gräbt sich in die Hohenloher Ebene ein und durchströmt das württembergische Unterland um Heilbronn, wo sie schließlich nach 190,2 km Fließstrecke in den Neckar mündet.

Der Verlauf der Jagst Die Ursprünge der Jagst mini|links|Jagstquelle bei Walxheim

Die Jagst beginnt ihren Lauf zwischen dem Naturraum Vorland der östlichen Schwäbischen Alb im Süden und der Frankenhöhe im Norden im Unterraum der recht flachen Pfahlheim-Rattstädter Liasplatten, nicht allzu weit diesseits der Ostgrenze des Landes Baden-Württemberg. Die ausgewiesene Quelle des Flusses liegt auf etwa Höhe in offener Agrarlandschaft, etwa 600 m südwestlich von Walxheim, einem Ortsteil von Unterschneidheim im Ostalbkreis. Dort steht ein von wenigen Bäumen umsäumtes, in Stein gefasstes, schlichtes Becken, aus dem nur sehr wenig Wasser rinnt. Es kann nach längerer Trockenheit in der Region völlig versiegen. Wenige Meter unterhalb der Quelle liegt ein Teich, aus dem ebenfalls zeitweise Wasser austritt. Unmittelbar unterhalb mündet von rechts der Stockholzgraben, der hier bereits eine Länge von etwa zwei Kilometern aufweist und die mündungsfernste Ader des Jagst-Systems darstellt. Er besitzt allerdings keine ausgeprägte Quelle und führt ebenfalls nur temporär Wasser, oft allerdings deutlich mehr als aus der offiziellen Quelle des Bachs. So beginnt die Jagst als dünnes Rinnsal ihren Weg in Richtung Südwesten. Eine andere erwähnenswerte Quelle in diesem Bereich ist der Moosbrunnen am Rande des Nonnenholzes. Der hiervon abgehende Graben mündet einige hundert Meter unterhalb der Quelle von rechts in die Jagst.

Die über den Neckar zum Rhein hin entwässernde Jagst entspringt sehr dicht an der Europäischen Hauptwasserscheide zum danubischen System. Wasser, das nur wenige hundert Meter östlich der Quelle abfließt, gelangt über die Schneidheimer Sechta, die Eger und die Wörnitz in die Donau und ins Schwarze Meer.

Der Oberlauf mini|An Teilen des Oberlaufs hinterließ der Zeitgeist deutliche Spuren: Kanalisierte junge Jagst vor Ellwangen Wenige Kilometer unterhalb ihrer Quelle wird die junge Jagst bei der Stockmühle zu einem See aufgestaut, der als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Nachdem sie etwa zehn Kilometer nach Südwesten geflossen ist, erreicht sie Lauchheim zu Füßen der Schwäbischen Alb. Dort schwillt sie durch den Abfluss aus dem Fuchsmühlenweiher deutlich an und dreht langsam gegen Nordwest, eine Richtung, die sie auf der weiteren ersten Hälfte ihres Laufes grob beibehält. Auf einem Bergsporn des Albtraufs steht über dem Jagsttal Schloss Kapfenburg. Unterhalb Westhausens wird sie im Hochwasserrückhaltebecken Buch aufgestaut, der mit Vorsee etwa 30 ha Wasserfläche hat. In diesem Bereich kommt sie auf ihrem Oberlauf dem Zwillingsfluss Kocher am nächsten (4,3 km Entfernung). Spätestens nach Aufnahme der kräftigen Röhlinger Sechta, die ihr bisheriges Einzugsgebiet etwa verdoppelt, kann man sie einen kleinen Fluss nennen. Kurz darauf erreicht sie, nun in den zu den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen zählenden Ellwanger Bergen, die Stadt Ellwangen, die zweitgrößte an ihren Ufern, wonach sie die nadelholzreichen Virngrund-Wälder durchläuft. Die Rechenberger Rot, die Orrot und der Reiglersbach bei Stimpfach gehören zu den zahlreichen kleinen Zuflüssen, die die Jagst hier stetig anwachsen lassen.

Das Tal der Jagst ist am Oberlauf meist geräumiger und weniger steil als am mittleren und unteren und hat hier wenig Gefälle. Unter diesen Bedingungen hat die Jagst auffällige Auenmäander ausgebildet. Große Abschnitte des Laufs in diesem Bereich wurden allerdings begradigt. Vor Crailsheim, der größten Stadt am Fluss, weitet sich das Tal zu einer großen Stufenrandbucht am Übergang zur Hohenloher und Haller Ebene.

Der Mittellauf mini|Tief eingeschnittene Jagst unterhalb der Kernmühle, wo die Prallhänge fast unmittelbar an beide Ufer reichen mini|Die Jagst bei der Brücke an der ehemaligen Heinzenmühle zwischen Crailsheim und Kirchberg mini|Jagst unterhalb der Stadt Langenburg in Bächlingen mini|Stelle unterhalb des Bärensteins bei Bölgental, wo sich der Fluss in zwei Arme gabelt

Unterhalb Crailsheims erreicht die Jagst an der Heldenmühle den Muschelkalk der Hohenloher Ebene. Ab hier ändert sich der Charakter des Tales grundlegend. Der Fluss gräbt sich tief in die Hohenloher Ebene ein und bildet bizarre Talmäander. Ein Abschnitt, der in Luftlinie nur etwas über 8 km misst, wird von ihr auf einer mehr als doppelt so langen Fließstrecke durchlaufen. Auenmäander kann der Fluss hier wegen des höheren Gefälles und der Enge des Talbodens kaum noch ausbilden, die Aue ist ausgesprochen schmal. Eine Talstraße gibt es nicht, für Dörfer oder Städte ist das Tal zu eng. Allein Mühlen finden hier Platz, die von der Hochebene nur über steile Steigen erreicht werden können. Die meisten sind heute stillgelegt, von manchen künden nur noch Mauerreste, übriggebliebene Mühlkanäle und -wehre oder alte Namen. Mühlen waren in diesem Abschnitt ausgesprochen häufig, da das Gefälle mit etwa dreieinhalb Promille hier relativ groß ist. Während der Jagstlauf zu großen Teilen von einem Wechsel von ruhigen und schnell fließenden Abschnitten geprägt ist, findet man hier zum Teil kilometerlange schnellfließende Abschnitte. Die Jagst wirft sich in engen Kurven abwechselnd an die rechts- und linksseitigen Prallhänge, die hier besonders steil, schwer zugänglich und teilweise felsig sind und zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergen. An einigen Stellen stehen hier auch größere Felswände, etwa unterhalb der Barenhalder Mühle, bei der Kernmühle oder am Baierlesstein und am Bärenstein zwischen der Heinzenmühle und Lobenhausen. Im Bereich der Kernmühle hat die Jagst fast keine Aue; die steilen Prallhänge entsteigen ihr fast unmittelbar. Weiter talabwärts bis etwa nach Lobenhausen bietet die Aue nur Platz für sehr schmale Wald- oder Wiesenstreifen; oft reicht der Wald von beiden Seiten bis an den Fluss herunter. Der in diesem Bereich meist sehr geringe Höhenunterschied zwischen Aue und Fluss kommt dem natürlichen Zustand sehr viel näher als die teilweise recht hohen Uferböschungen am Unterlauf. Oberhalb der Heinzenmühle mündet die Gronach, die unterhalb der Gröninger Hammerschmiede durch ein schluchtartiges Tal im Muschelkalk fließt. Bei Wollmershausen überquert die Bundesautobahn 6 mit der 347 m langen und 62 Meter hohen Jagsttalbrücke den Fluss. In der Nähe des Bärensteins gabelt sich die Jagst in zwei große Arme auf und bildet eine größere und mehrere kleine Inseln.

Ab Lobenhausen mehren sich wieder Abschnitte, an denen der Talboden so breit ist, dass wieder Raum für stärkere landwirtschaftliche Nutzung und teilweise auch für kleine Dörfer vorhanden ist. Die Talmäander bleiben aber weiterhin recht bizarr. Bei Lobenhausen, Mistlau und Kirchberg an der Jagst hat die Jagst nach dem Durchbruch von Flussschlingen markante Umlaufberge und Hochterrassen zurückgelassen. Nachdem sie Kirchberg passiert hat, dessen Altstadt auf einem Bergsporn das Tal überragt, werden die Talmäander etwas breiter, doch das Tal bietet auch weiterhin nur kleinen Dörfern Platz. Eine durchgehende Talstraße begleitet den Fluss erst ab Hessenau, unterhalb der Burg Leofels. Bei Elpershofen mündet die Brettach, der zweitlängste Zufluss. Hier, 102 Flusskilometer vor der Mündung, führt die Jagst im Jahresmittel 8,8 Kubikmeter Wasser in der Sekunde.

mini|Die Jagst in Dörzbach-Hohebach

Im folgenden Abschnitt ist das Gefälle des Flusses deutlich niedriger, Wiesen und Weiden prägen das Tal, an den Hängen finden sich kleinstrukturierte Äcker, Hecken und in den oberen Hangbereichen Wälder. Die Jagst erreicht schließlich Langenburg, das mit seinem Residenzschloss auf einem Bergsporn über dem Tal thront, das sich mittlerweile mehr als 150 Meter tief eingegraben hat. Auch danach behält das Jagsttal seinen ländlichen Charakter und die Landschaft bleibt auch im Folgenden relativ reich strukturiert. Etwa ab Eberbach werden Steinriegel, Zeugen des ehemaligen Weinbaus, merklich häufiger. Unterhalb von Mulfingen mündet die Ette. Unterhalb von Hohebach, wo der gleichnamige Bach sowie der Forellenbach münden und eine vierbogige Steinbrücke den Fluss überspannt, passiert die Jagst die Kapelle St. Wendel zum Stein. Am Pegel Dörzbach, der nur wenige Meter flussabwärts steht, führt die Jagst, 73 Kilometer vor der Mündung, im Jahresmittel 11,3 Kubikmeter Wasser in der Sekunde. In diesem Bereich setzt die Jagst zu ihrem großen Bogen nach Westen und später Westsüdwesten an und erreicht zunächst Dörzbach.

Der Unterlauf mini|Jagst unterhalb von Widdern bei Sonnenaufgang an einem Septembermorgen mini|Die untere Jagst an der Schefflenzmündung mini|Kurz vor Untergriesheim eilt die Jagst mehrere ihrer wohl breitesten Stromschnellen hinab. Ergänzende Bilder vom Flusslauf und von der Mündung finden sich am Ende des Artikels.