Das Personal im KZ Auschwitz, meist Lager-SS oder Totenkopf-SS genannt, wurde zwischen Mai 1940 und Januar 1945 in den verschiedenen nationalsozialistischen Auschwitz-Konzentrationslagern zur Bewachung und Organisation des Lagerbetriebs von der Inspektion der Konzentrationslager (IKL) eingesetzt. Das Lagerpersonal beging dort Morde, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, zum Teil Kriegsverbrechen und andere kriminelle Handlungen. Dazu gehörten in kleiner Zahl auch Personen, die nicht den SS-Totenkopfverbänden angehörten. Die personellen Strukturen waren einheitlich für alle Konzentrationslager durch die IKL vorgegeben.
Das Lagerpersonal Insgesamt waren im Zeitraum der Einrichtung des KZ Auschwitz im Mai 1940 bis zu dessen Auflösung im Januar 1945 fast 10.000 Angehörige der Lager-SS bei den Wachmannschaften außerhalb des Lagers oder als Aufseher direkt im Lagerbereich eingesetzt. Das Instytut Pamięci Narodowej (IPN), das staatliche polnische Institut für Nationales Gedenken, erarbeitete aus den erhaltenen schriftlichen Quellen eine Datenbank, die 9686 SS-Männer im KZ Auschwitz verzeichnet.Editorische Vorbemerkung, abgerufen am 2. Februar 2017. Im Januar 2017 wurde der Zugang zur Datenbank im Internet freigeschaltet.IPN publikuje nazwiska esesmanów z Auschwitz. In: Dziennik, 30. Januar 2017, abgerufen am 2. Februar 2017 (polnisch). Die Einträge lassen sich u. a. nach Namen durchsuchen. (polnisch, deutsch, englisch).
Aufgrund stetiger Versetzungen kam es zu einer hohen Personalfluktuation, durchschnittlich verrichteten 3000 bis 4000 SS-Angehörige im Lagerkomplex Auschwitz ihren „Dienst“. Die höchste Anzahl von Angehörigen der Lager-SS wurde im Zuge der Evakuierung des Lagers im Januar 1945 mit 4481 Personen erreicht, als die Todesmärsche von KZ-Häftlingen begannen.Norbert Frei u. a.: Darstellungen und Quellen zur Geschichte von Auschwitz, Band 1: Standort- und Kommandanturbefehle des Konzentrationslagers Auschwitz 1940–1945, München 2000, Einleitung
Angehörige der Lager-SS erhielten u. a. durch Umzugsbeihilfen erhebliche Vergünstigungen. Das Lagerpersonal war u. a. mit Familien teils in Unterkünften im Stammlager des KZ Auschwitz untergebracht, aber auch in Wohnhäusern nahe dem Lagerareal, die zuvor von der örtlichen polnischen Bevölkerung konfisziert worden waren. Im Zuge des Ausbaus des Lagerkomplexes war 1941 auch eine eigene SS-Siedlung geplant. Zur „Ablenkung“ vom Lageralltag wurden den Angehörigen der Lager-SS u. a. kulturelle Veranstaltungen, wie z. B. Kameradschaftsabende angeboten.
Organisatorische Gliederung des KZ-Komplexes Auschwitz Der KZ-Komplex Auschwitz umfasste zeitweise drei eigenständige Konzentrationslager und 47 Außenlager. Die unterschiedlich benannten Neben- oder Außenlager waren dabei entweder dem KZ Auschwitz I oder dem KZ Monowitz (Auschwitz III) zugeordnet.
Das KZ Auschwitz I (Stammlager) war ab Mai 1940 das erste Konzentrationslager am Ort und diente dann als Verwaltungszentrum für den gesamten Lagerkomplex. Das KZ Auschwitz II (Birkenau) wurde im Jahr 1941 errichtet und war von November 1943 bis November 1944 eine relativ eigenständige Einheit, wurde aber danach wieder mit dem Stammlager in einer Verwaltungseinheit zusammengefasst. Das KZ Auschwitz III (Monowitz) war von November 1943 bis Januar 1945 ein eigenständiges Stammlager.
In zeitlicher Hinsicht kann die Organisation des KZ-Komplexes Auschwitz in drei Phasen unterteilt werden: Mai 1940 bis Oktober 1943 (Phase der schnellen Ausweitung) November 1943 bis November 1944 (verwaltungsmäßige Differenzierung) Ende November 1944 bis Januar 1945 (Endphase)
Standortälteste Als Standortälteste der SS (siehe auch Interessengebiet des KZ Auschwitz) fungierten: Name und primäre Funktion Funktionszeitraum als Standortältester in AuschwitzRudolf Höß, Kommandant des KZ AuschwitzMai 1940 bis November 1943Arthur Liebehenschel, Kommandant des KZ Auschwitz I (Stammlager) November 1943 bis Mai 1944Rudolf Höß, Chef des Amtes D I im WVHA Mai bis Juli 1944Richard Baer, Kommandant des KZ Auschwitz I (Stammlager), zusätzlich ab Ende November 1944 des KZ Auschwitz II (Birkenau) Juli 1944 bis Januar 1945 Die beiden ersten Standortältesten bekleideten diese Funktion jeweils zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als Kommandanten des Stammlagers. Im Mai 1944 ordnete Oswald Pohl als Leiter des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA) einen Wechsel der im KZ-Komplex Auschwitz eingesetzten Lagerkommandanten an und ernannte gleichzeitig den inzwischen zum Abteilungsleiter im WVHA aufgestiegenen Rudolf Höß zum Standortältesten. In dieser Funktion organisierte er die sogenannte "Ungarn-Aktion", den Massenmord an den ungarischen Juden,Karin Orth: Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Hamburg 2002, S. 256f. daneben war er mit der Einarbeitung der damals gerade neu eingesetzten Lagerkommandanten Richard Baer (für das Stammlager) und Josef Kramer (für das KZ Auschwitz-Birkenau) befasst.Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS, München 2004, S. 247. Nachdem Höß den KZ-Komplex Auschwitz im Juli 1944 verlassen hatte, übernahm Baer auch die Funktion des Standortältesten.
Abteilungsstruktur Wie in den übrigen deutschen Konzentrationslagern gab es auch in den Lagern von Auschwitz im Wesentlichen fünf Abteilungen, die unterschiedliche lagerbezogene Aufgaben wahrnahmen. Die strikte Hierarchie ermöglichte Ausbildung, Aufstieg der Tätergruppe innerhalb des Systems und teilweise in Konkurrenz zueinander. Die Einteilung der jeweiligen Abteilungen richtete sich nach der Größe der KZ.
Abteilung I: Kommandanturen Der jeweilige Leiter der Abteilung I war innerhalb des Konzentrationslagers die oberste Instanz. Als jeweiliger Lagerkommandant war er Befehlshaber der Wachmannschaften und des anderen von der SS eingesetzten Personals.
Neben seiner Befehlsgewalt gab es aber immer auch Befehlsstrukturen der Inspektion der Konzentrationslager, die für eine Einbindung des Lagerbetriebs und -personals in das Gesamtsystem der Ausbeutung der KZ-Häftlinge und deren Ermordung sorgten. Der Kommandantur war u. a. auch die Postzensurstelle zugeordnet. In den KZ-Außenlagern gab es keinen Kommandanten, sondern einen dem Kommandanten des Stammlagers (also KZ Auschwitz I bzw. KZ Auschwitz III) untergeordneten „Lagerführer“.
Mai 1940 bis November 1943 NameFunktionEinsatzortZeitraumRudolf HößLagerkommandantKZ Auschwitz4. Mai 1940Martin Broszat (Hrsg.): Kommandant in Auschwitz, München 1963, S. 91. Fußnote: Eintrag in Personalakte von Rudolf Höß. bis 11. November 1943Josef KramerAdjutantKZ Auschwitz14. Mai bis 30. Oktober 1940Erich FrommhagenAdjutantKZ Auschwitz1. November 1940 bis 1. November 1941Edmund BräuningAdjutantKZ Auschwitz1. November 1941 bis 20. Juni 1942Hanns LanziusAdjutantKZ Auschwitz20. Juni bis 31. August 1942Robert MulkaAdjutantKZ Auschwitz31. August 1942 bis 30. März 1943Ludwig BaumgartnerAdjutantKZ Auschwitz2. April bis 22. November 1943
Im November 1943 teilte das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) die zentrale Kommandantur der Konzentrationslager von Auschwitz auf. In diesem Zuge wurde Höß im November 1943 ins WVHA nach Berlin versetzt.
November 1943 bis Januar 1945 – KZ Auschwitz I (Stammlager) NameFunktionEinsatzortZeitraumArthur LiebehenschelLagerkommandantKZ Auschwitz I (Stammlager)11. November 1943 bis 15. Mai 1944Richard BaerLagerkommandantKZ Auschwitz I (Stammlager), zusätzlich ab Ende November 1944 KZ Auschwitz II (Birkenau)Mai 1944 bis Januar 1945Viktor ZollerAdjutantKZ Auschwitz I (Stammlager)22. November 1943 bis 25. Mai 1944Karl HöckerAdjutantKZ Auschwitz I (Stammlager) – „Generalbevollmächtigter für die Umsiedlung der ungarischen Juden“25. Mai 1944 bis 18. Januar 1945Franz Xaver KrausVerbindungsbüroKZ Auschwitz I (Stammlager)Dezember 1944 bis Januar 1945
November 1943 bis November 1944 – KZ Auschwitz II (Birkenau) NameFunktionEinsatzortZeitraumFriedrich HartjensteinLagerkommandantKZ Auschwitz II (Birkenau)November 1943 bis Mai 1944Josef KramerLagerkommandantKZ Auschwitz II (Birkenau)Mai bis November 1944Johannes SchindlerAdjutantKZ Auschwitz II (Birkenau)22. November 1943 bis 25. November 1944
November 1943 bis Januar 1945 – KZ Auschwitz III (Monowitz) NameFunktionEinsatzortZeitraumHeinrich SchwarzLagerkommandantKZ Auschwitz III (Monowitz)November 1943 bis Januar 1945Rudolf OrlichAdjutantKZ Auschwitz III (Monowitz)1. Juni 1944 bis 18. Januar 1945
Abteilung II: Politische Abteilung (Lager-Gestapo) Diese berüchtigte Abteilung II (Politische Abteilung) konnte ziemlich eigenständig arbeiten. Sie entschied über Einweisung, Verlegung, Entlassung, Bestrafungen und Exekutionen der Gefangenen. Leiter war immer ein Angehöriger des SS-Sicherheitsdienstes oder ein Beamter der Gestapo oder Kriminalpolizei. Seine Stellung in der Lagerhierarchie war ambivalent, da er einerseits den disziplinarischen und administrativen Anordnungen des Lagerkommandanten Folge zu leisten hatte, andererseits aber in der Ausübung seiner Dienstpflichten nur seinen übergeordneten Dienststellen der Gestapo unterstellt war. Seine wesentlichen Aufgaben umfassten die Bekämpfung der Lagerwiderstandsbewegung, die Verhinderung von Fluchten und Kontakten zur Außenwelt, das Anfertigen und Verwalten von Häftlingskarteien sowie die Korrespondenz mit der Gestapo, Kriminalpolizei und dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA).
NameFunktionEinsatzortZeitraumMaximilian GrabnerLeiter Politische AbteilungKZ AuschwitzJuni 1940 bis 1. Dezember 1943Hans SchurzLeiter Politische AbteilungKZ Auschwitz1. Dezember 1943 bis 18. Januar 1945
Weiteres Personal der Politischen Abteilung im KZ Auschwitz: Wilhelm Boger, Pery Broad, Klaus Dylewski, Hans Stark, Johann Schoberth, Rudolf Mildner, Josef Erber, Bernhard Kristan, Wilhelm Claussen, Anton Brose, Helmut Lange, Helmut Westphal, Otto Clauss, Johann Taute, Bernhard Walter, Ernst Hofmann, Gerhard Lachmann, Ludwig Pach, Wilhelm Witowski,
Abteilung III: Schutzhaftlagerführung Der Leiter der Schutzhaftlagerführung war gleichzeitig Stellvertreter des Kommandanten. Er führte in der Regel den amtlichen Schriftverkehr mit über- und untergeordneten Dienststellen. Ihm unterstanden Rapportführer, Blockführer und Kommandoführer. Sie bewachten innerhalb des Lagers und in den Außenkommandos und Nebenlager die Zwangsarbeiten. Sie hatten Befehlsgewalt über Funktionshäftlinge und Häftlinge. Bei den Funktionshäftlingen wurde das System von Aufstieg, gestaffelter Macht und Konkurrenz konsequent weitergeführt.
Ab Juni 1940 bis Januar 1945 – KZ Auschwitz