Für ein paar Dollar mehr (Originaltitel Per qualche dollaro in più, englischer Titel For a Few Dollars More) ist ein Italo-Western von Sergio Leone aus dem Jahr 1965. Er ist der zweite Teil von Leones Dollar-Trilogie und folgt auf Für eine Handvoll Dollar. In der Hauptrolle ist wiederum Clint Eastwood zu sehen, der sich in der Rolle eines Kopfgeldjägers mit dem von Lee Van Cleef gespielten Colonel Mortimer zu einem unschlagbaren Team zusammenrauft.
Auch Gian Maria Volonté ist wieder mit dabei; er verkörpert den skrupellosen El Indio. Weitere tragende Rollen sind mit Luigi Pistilli, Klaus Kinski, Mario Brega und Josef Egger besetzt. Wie Volonté wirkten Brega und Egger bereits in Für eine Handvoll Dollar mit, ebenfalls in anderen Rollen.
Handlung Colonel Douglas Mortimer ist mit der Eisenbahn unterwegs nach Tucumcari, das an der Grenze zu New Mexico liegt. Seine Kleidung weist ihn als Geistlichen aus. Da der Zug dort nicht hält, zieht er kurzerhand die Notbremse. Eine Drohung des Schaffners quittiert er lediglich mit einem müden Lächeln. Für einen Augenblick lässt der Colonel dabei zur Warnung unter dem schwarzen Mantel seinen Colt blitzen. Schnell wird klar, dass er ein Kopfgeldjäger ist, der den gesuchten Ganoven Guy Callaway in einer Bar aufstöbert und zur Strecke bringt. Als Nächstes will er sich die Prämie für Baby Red Cavanagh holen. Vom Sheriff erfährt er, dass noch jemand hinter Cavanagh her sei: Ein Mann, dessen rechter Arm herunterhänge, woran er ihn erkennen könne. Diesmal hat Mortimer das Nachsehen, denn Monco, sein Konkurrent, ist schneller, tötet den Banditen und kassiert die Prämie.
Zur selben Zeit wird der eiskalte Bandit El Indio von seiner Bande aus dem Staatsgefängnis befreit. El Indio nimmt Rache an dem Mann, der ihn ausgeliefert hat. Er lässt dessen Familie erschießen und tötet ihn daraufhin in einem Duell. In einer alten Kirchenruine stellt El Indio seinen Plan vor, die Bank von El Paso auszurauben – er hatte die Zelle mit dem bei der Befreiung getöteten Konstrukteur des dortigen Hochsicherheitssafes geteilt und ihn ausgehorcht –, die als die sicherste der ganzen Gegend gilt, bewacht wie eine Festung. Dort deponiert Mortimer gerade sein Geld, lässt sich aber zuvor über die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz des Banktresors informieren. Er provoziert eines der Mitglieder von El Indios Bande, die in der Stadt möglichst unauffällig die Bank und deren Bewachung ausspähen sollen, den jähzornigen „Buckligen“ Wild. Dass dieser von seinen Kumpanen zurückgehalten wird, gibt Mortimer die Gewissheit, dass diese Männer inkognito eine Mission ausführen. Auch Monco hat von El Indios Ausbruch erfahren und trifft in El Paso ein. Ein Zusammentreffen der beiden Kopfgeldjäger ist somit unvermeidlich. Ein Schießduell der Extraklasse, das beiden vor Augen führt, dass sie einander ebenbürtig sind, bringt sie dazu, gemeinsame Sache zu machen und einen Pakt zu schließen; immerhin sind auf El Indios Kopf 10.000 Dollar ausgesetzt.
Zu diesem Zweck beschließen sie, El Indios Bande zu infiltrieren. Monco befreit Sancho, einen von El Indios Leuten, aus dem Gefängnis und schleicht sich als Lockvogel in die Bande ein. El Indio bleibt ihm gegenüber jedoch misstrauisch und schickt ihn zu einem fingierten Überfall nach Santa Cruz, um so freie Hand beim Überfall auf die Bank in El Paso zu haben. Zum einen sollen so der Sheriff und seine Männer anderswo beschäftigt sein, zum anderen ist der Mann weit weg, dem er nicht traut. Der eiskalte Verbrecher trägt eine Spieluhr bei sich, die ein Gegenstück von Mortimers Uhr ist und das Foto einer Frau zeigt. Während er deren Antlitz betrachtet, ist erstmals so etwas wie eine menschliche Regung bei ihm zu beobachten. In Rückblenden wird klar, was es mit dieser Frau auf sich hat. El Indio, der die schöne Frau nicht für sich hatte gewinnen können, ermordete daraufhin ihren Mann und nahm sich die Frau mit Gewalt. Noch während der Vergewaltigung beging sie Selbstmord, unfähig, mit dieser Schmach weiterzuleben. Das hat auch Spuren bei ihm hinterlassen. Er verwendet diese Spieluhr gern bei Duellen mit zuvor unter Kontrolle gebrachten Gegnern, um diese Entscheidungskämpfe nach seinen Bedingungen zu gestalten – wenn die Melodie endet, soll gezogen und geschossen werden.
Monco ahnt, was El Indio vorhat. Er entledigt sich seiner Begleiter, reitet allein nach Santa Cruz und zwingt den Beamten des Telegrafenamtes, eine falsche Nachricht nach El Paso zu senden. El Indio glaubt sich in Sicherheit, das Bankgebäude wird gesprengt, der Tresor verladen und weggeschafft. Was die Banditen nicht wissen können: Sie werden von Mortimer und Monco beobachtet und verfolgt. Zum Schein meldet sich Monco aus Santa Cruz zurück, wo es ein Gemetzel gegeben haben soll, und nach Entdeckung einer (harmlosen) Wunde, die Mortimer ihm vorher zwecks besserer Glaubwürdigkeit beigebracht hat, wird ihm seine Geschichte fürs Erste geglaubt. Beim Einritt in den Ort Agua Caliente, in dem man Fremden gegenüber bekanntermaßen sehr feindselig eingestellt ist, wird Monco aufgefordert, voranzureiten und seine Schießkünste unter Beweis zu stellen. Er beeindruckt die ihm entgegentretenden Männer, indem er gezielt Äpfel vom Baum schießt, die dann von Kindern aufgesammelt werden. Mortimer stellt sich nach Erschießung Wilds, der ihn nach Wiedererkennung zu einem Duell aufgefordert hatte, El Indio als Geldschrankspezialist vor. Zum ersten Mal steht er dem Mann gegenüber, der seine Schwester in den Tod getrieben hat, eine Tragödie, die er nie verwunden hat.
Monco und Mortimer stehlen und verstecken das Geld aus dem Safe, wobei Mortimer zur Tarnung das Schloss wieder anbringt. Da El Indio ihnen gegenüber aber immer misstrauisch geblieben ist, werden sie gleich darauf entdeckt und zusammengeschlagen, werden aber von Niño, einem Vertrauten El Indios – und in dessen Auftrag –, befreit. Das Messer, das Niño zur Tötung ihrer Bewachung verwendet, hatte er einem anderen schlafenden Bandenmitglied abgenommen, das von El Indio als vermeintlicher Verräter erschossen wird. El Indio schickt nun seine Männer aus, um die Entflohenen wieder zurückzuholen. Sein Plan läuft darauf hinaus, dass alle sich dabei gegenseitig umbringen, was seinen Anteil an der Beute beträchtlich erhöht. Ein Bandenmitglied, Groggy, durchschaut jedoch dieses Spiel, tötet Niño, entwaffnet El Indio und zwingt ihn, den Geldschrank zu öffnen. Dabei stellen sie fest, dass das Geld fehlt.
In einem letzten Showdown in der abgelegenen Kleinstadt Agua Caliente töten die beiden Kopfgeldjäger die Banditen. Nachdem Groggy, veranlasst durch das Herannahen der beiden, El Indio dessen Waffe zum Laden zurückgegeben hat, wird er beim Aufsuchen von Deckung von Mortimer niedergeschossen. Dieser wird jedoch von El Indio bedroht und soll beim Enden der Spieluhrmelodie seine Waffe, die er zuvor niederlegen musste, aufheben und feuern, wenn er es noch schafft. Da ertönt dieselbe Melodie – Monco, der sich unbemerkt in den Besitz von Mortimers gleichartiger Spieluhr gebracht hat, erscheint und zwingt El Indio zu einem fairen Duell mit Mortimer. Zum Ende der Melodie ziehen beide und El Indio wird von Mortimer getötet. Diesem ging es in diesem Fall nicht um die Kopfgeldprämie, sondern einzig darum, die Ermordung seines Schwagers und die Vergewaltigung und den Tod seiner Schwester zu rächen. Die Spieluhr war das Hochzeitsgeschenk des Colonels für seine Schwester und ihre Melodie ist nun zu El Indios Todeslied geworden. So verzichtet Mortimer auch auf einen Großteil des Geldes aus der Beute aus dem Bankraub. Mortimer und Monco trennen sich in Freundschaft und Monco fährt – nachdem er den zuvor nur angeschossenen Groggy, der seine Waffe gezogen hat, endgültig erledigt hat – mit einem Wagen voll steckbrieflich gesuchter und getöteter Verbrecher und mit dem Großteil der Beute aus dem Bankraub von El Paso zur nächsten Stadt, um die Kopfgelder für jene einzufordern.
Produktion Produktionsnotizen Bei dem Western-Farbfilm in Techniscope handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion der PEA-Film, Rom, der Gonzales-Film, Madrid und der Constantin Film, München.Illustrierter Film-Kurier Nr. 105: Für ein paar Dollar mehr. Vereinigte Verlagsgesellschaften Franke & Co. KG, München 2, S. 1. Der Film wurde in Almería, Andalusien und in den römischen Cinecittà Studios gedreht.Howard Hughes: Aim for the Heart. I.B. Tauris, London 2009, ISBN 978-1-84511-902-7, S. 8. Der Produktionsdesigner Carlo Simi baute die Stadt „El Paso“ in der Wüste bei Almería nach:Michael Munn: Clint Eastwood: Hollywood’s Loner. Robson Books, London 1992, ISBN 0-86051-790-X, S. 56. Diese existiert immer noch und ist eine Sehenswürdigkeit geworden. Die Stadt Agua Caliente (heißes Wasser) ist in Wirklichkeit Albaricoques, eine kleine Geisterstadt in der Gegend Níjar. Diesmal wollte man es gar nicht erst zu Copyright-Problemen wie in dem Vorgängerfilm Für eine Handvoll Dollar kommen lassen. Das Originaldrehbuch für den Film schrieb Leone zusammen mit Luciano Vincenzoni, das Duo brauchte dafür neun Tage. Der Kopfgeldjäger Monco, die zentrale Figur der Geschichte, ist offenkundig ein Wiedergänger des namenlosen Fremden aus Für eine Handvoll Dollar, eine nahezu getreue Replik des Mannes ohne Namen. Einzig, dass er nun den Beruf eines Kopfgeldjägers ausübt, unterscheidet ihn. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ebenso anarchisch, skrupellos und brutal wie im Film zuvor, wenn nicht sogar noch ein wenig schlimmer. Seine Unabhängigkeit ist nicht so bedingungslos, da er eine Allianz dubioser Art mit einem Berufskollegen eingeht. Eastwood trägt denselben Poncho wie im ersten Film, auch sein sechsschüssiger Colt begleitet ihn wiederum. Die spanische Landschaft, die schon im ersten Teil zur Atmosphäre des Films beitrug, wird auch hier wieder ausgiebig gezeigt. Nicht ganz so aufwendig wie im ersten Teil ist die Eröffnung des Films. Zu den Höhepunkten von Für ein paar Dollar mehr zählt auch Klaus Kinski in seinem Part als Buckliger. „Er knurrt, faucht und schaut dabei so finster drein, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft.“ Kinski machte die Wut sichtbar, die seine Figur in sich trug, vergleichbar einem Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch steht. Seine Leistung in diesem Film sorgte in der Folgezeit dafür, dass er zur Stammbesetzung in vielen Spaghettiwestern zählte.
Um für Eastwoods Gegenspieler Colonel Mortimer den geeigneten Darsteller zu finden, begab sich Leone extra in die USA. Seine erneute Anfrage bei Henry Fonda wurde wiederum abschlägig beschieden. Auf Leones Liste standen außerdem Lee Marvin und Jack Palance, den Zuschlag erhielt sozusagen in letzter Minute Lee Van Cleef. Diesem blieb daher nur wenig Zeit, sich mit der Rolle auseinanderzusetzen, da die Dreharbeiten kurz bevorstanden und im April 1965 in den Cinecittà-Studios in Rom begannen, von wo aus es dann weiter in die spanische Provinz Almería und die Wüste von Tabernas ging.
Ebenso wie Eastwood erhielt auch Van Cleef für seine Rolle 50.000 Dollar Gage. Eastwood wurden außerdem noch einige Vergünstigungen eingeräumt, zu denen auch ein neuer Ferrari gehörte. Van Cleef kam das Geld sehr gelegen, da er nach zehn Jahren Vollbeschäftigung eine längere Durststrecke zu überwinden hatte, auch wegen Problemen mit seiner Gesundheit. Mit diesem Film gelang ihm ein Comeback „als Ikone des Italo-Westerns“. Eastwood hatte mit Van Cleef bereits in der siebten Staffel der Westernserie Tausend Meilen Staub zusammengearbeitet.Gerald Cole, Peter Williams: Clint Eastwood Seine Filme – Sein Leben, Heyne Filmbibliothek Nr. 32/92, Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München, 1986, S. 61, 62, 64, 70.
Soundtrack Kompositionen von Ennio Morricone For a Few Dollars More, For a Few Dollars More (Sequence 3) Aces High, Prison Break Chapel Shootout, The Watchers Are Being Watched The Wild One, Indios Flashback To El Paso, The Showdown The Vice of Killing, Mortimer & the Chest Discovered, Slim Murdered Indio & Nino, Carillon