miniatur|Statue von Antonio Mairena Antonio Cruz García, bekannt als Antonio Mairena (* 7. September 1909 in Mairena del Alcor, Sevilla, Spanien; † 5. September 1983, Sevilla, Spanien), war ein berühmter Flamencosänger. Er wurde durch den nach ihm benannten Mairenismo seit den 1950ern zu einer stilprägenden Figur des traditionell ausgerichteten Flamencos.

Leben und Werk Antonio Mairena entstammt einer Gitano-Familie von Schmieden und lernte den Gesang zunächst in der familiären Umgebung.

Als Künstler bevorzugte Mairena die ernsten Flamenco-Stile des sogenannten Cante jondo, wie Tonás, Martinetes, Soleares und Siguiriyas, die seit den 1960ern auch einen großen Teil seiner Einspielungen ausmachten. Er sah sich selbst als Erbe von Manuel Torre, dem klassischen Flamenco-Sänger von Jerez de la Frontera, erkannte aber auch den Einfluss anderer Künstler wie Tomás Pavón oder Joaquín el de la Paula an.

Antonio Mairena wurde häufig von dem Gitarristen Melchor de Marchena, eigentlich Melchor Jiménez Torres (1907–1980), begleitet. Er sang in den Kompanien von Pilar López, Carmen Amaya und des Tänzers Antonio Ruiz Soler und arbeitete zwischen 1937 und 1940 in Sevilla mit Tänzerinnen wie Juana la Macarrona, Magdalena la Malena und Rita Ortega zusammen.Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45824-8, S. 160 und 170–174.

Mairena wurde zur zentralen Figur einer Bewegung von Flamenco-Künstlern und Intellektuellen, die versuchten, einen Typ von Flamenco zu retten, den sie als „rein“ oder „ursprünglich“ und daher als „authentisch“ betrachteten. Er war Mitautor einiger Bücher und Artikel, die seine Sicht auf den Flamenco und dessen Geschichte verbreiteten. Mit dem Journalisten und Schriftsteller Ricardo Molina verfasste er mit Mundo y formas del cante flamencco ein bis in die 1980er Jahre ebenso hoch angesehenes, wie kontrovers diskutiertes Werk über den Flamenco.Kersten Knipp: Flamenco. 2006, S. 170 f.

Er gewann verschiedene Preise; als wichtigsten 1962 den Llave de Oro del Cante („Goldener Schlüssel des Flamencogesangs“) beim dritten Concurso de Córdoba. Es wird allgemein angenommen, dass dieser Wettstreit speziell organisiert wurde, um ihn mit dem Preis zu ehren, obgleich einige seiner Anhänger diesen Wettbewerb mit der Begründung rechtfertigten, dass Antonio Mairena den Preis wegen seiner Verdienste um den Flamenco ohnehin verdient habe.

Rezeption

Der Wert seines künstlerischen Erbes ist umstritten. Auf der einen Seite wird er von Kritikern als Vorbild gesehen, als eine Verkörperung des traditionellen Flamencos und Erneuerer der traditionellen Formen. Anderen Kritiker tadeln ihn als übertrieben orthodox, akademisch und kalt und seine Sicht auf den Flamenco als paralysierend und hemmend für die zukünftige Entwicklung des Flamenco. Da er zur starken Betonung der Qualität des Cante gitano und des Cante jondo neigte, bei gleichzeitiger Ablehnung insbesondere der moderneren und populären Flamencostile, die bevorzugt von Künstlern interpretiert wurden, die nicht aus der Ethnie der Gitanos stammten, wurde ihm oft Ethnozentrismus unterstellt.

Mairena hatte sein Repertoire durch Lieder erweitert, die in Vergessenheit geraten waren, wobei allerdings vermutet wird, dass einige dieser Lieder in Wahrheit Eigenschöpfungen Mairenas waren. Er hat solche Behauptungen immer zurückgewiesen, da er glaubte, dass es im Flamenco keinen Platz für neue Schöpfungen gibt und dass junge Sänger ihre Arbeit auf die traditionellen Lieder beschränken sollten. Einige der Formen, die er wieder belebt hat, wurden zum festen Bestandteil im Repertoire späterer Flamenco-Künstler.

Veröffentlichungen Las confesiones de Antonio Mairena. Sevilla 1976. mit Ricardo Molina: Mundo y Formas del Cante Flamenco. Sevilla 1963; Neuausgabe ebenda 1997.

Diskografie (Auswahl) 78rpm Die geringe Zahl der zwischen 1941 (Fiesta por bulerías y fandangos) und 1952 (Con Antonio y Carmen Rojas al baile) auf Schellackplatten veröffentlichten Aufnahmen von Antonio Mairena lassen darauf schließen, dass das Interesse des Publikums und der Schallplattenfirmen an seinen Interpretationen zunächst gering war.

LPs 1958 Cantes de Antonio Mairena 1964 La llave de oro del cante flamenco 1965 Cien años de cante gitano 1966 La gran historia del cante gitano-andaluz (3LP) 1969 Honores a la Niña de los Peines 1970 Mis recuerdos de Manuel Torre 1972 Antonio Mairena y el cante de Jerez 1973 Cantes de Cádiz y los Puertos 1973 Triana, raíz del Cante 1976 Esquema histórico del cante por siguiriyas y soleares 1983 El calor de mis recuerdos

Aufnahmen mit anderen Künstlern 1960 Antología del cante flamenco y cante gitano dirigida por Antonio Mairena 1968 Misa flamenca en Sevilla 1970 La fragua de los Mairenas (mit Curro Mairena) 1973 Festival de Cante Jondo / Antonio Mairena (aufgenommen 1967)

Posthume Veröffentlichungen (Auswahl) 1984 Cantes En Londres y La Unión (aufgenommen 1954 in London mit Manuel Moreno Morao de Jerez und 1974 in La Unión mit Paco de Lucía) 1992 Antonio Mairena: Discografia Completa (16 CDs)Die Gesamtaufnahme enthält auch bis dato unveröffentlichtes Material aus privaten Mitschnitten, wie die Disco de Tánger (1944).

Literatur

Weblinks

Biografie

Einzelnachweise

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