Westönnen ist ein Ortsteil von Werl und liegt im Kreis Soest im Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen. Der Ort hat 2.505 Einwohner und ist damit der zweitgrößte Ortsteil von Werl. Der momentane Ortsvorsteher ist Martin Beudel (Stand 2010).
Ortsbild Im 8,95 Quadratkilometer großen Ort lebten 2008 2656 Einwohner. Von der Fläche werden etwa 79 % landwirtschaftlich oder als Gärten und Grünland genutzt. Die niedrigste Stelle, bei Lohmühle im Norden der Gemarkung liegt 79 Meter über NN, die höchste, in Richtung Haar bei etwa 174 Metern über NN.
Das Ortsbild ist stark durch die Verwendung von Grünsandstein bei Bauten und Mauern geprägt. Der Ort besaß einige eigene Steinbrüche, in denen der Stein abgebaut wurde. Die Sandsteinlager entstanden in der Kreidezeit aus Ablagerungen von Muscheln und Sand. Die Steine verwittern wegen des hohen Gehaltes an wasserlöslichem Kalk relativ schnell, deshalb wurde der Abbau eingestellt. Erwähnenswert sind die Grundstücksmauern, die sich durch den Ort ziehen.
Geschichte mini|hochkant|Cäcilia Kirche in Westönnen miniatur|hochkant|St. Cäcilia, Seitenansicht Der fruchtbare Boden der Soester Börde, die Lage am Hellweg und Quellen in der Nähe begünstigten die Ansiedlung seit jeher. In einem Neubaugebiet in Westönnen liegt eine bedeutende archäologische Fundstätte, bei der während zweijähriger Ausgrabungen seit 2024 eine germanische Hofstelle aus der Zeit um Christi Geburt freigelegt und eine ca. 2500 Jahre alte eisenzeitliche Salzsiederei sowie ein bronze- oder eisenzeitlicher Grabhügel nachgewiesen wurden.
Westönnen wurde zum ersten Mal im Jahre 973 im Verzeichnis des St. Cäcilia-Ordens in Köln erwähnt und ist somit über 1000 Jahre alt. Früher hieß Westönnen Westuenen oder Westunen. Ein Ministerialengeschlecht de Tuinen wurde in einer Urkunde des Patroklistiftes von 1169 erwähnt.
Der Ausbruch der Soester Fehde führte in der Gegend zu Plünderungen und Brandstiftungen, nach 1448 war die Fehde beendet und Westönnen blieb beim Erzstift Köln.
Während des Dreißigjährigen Krieges musste der Ort viele Soldaten aufnehmen und verpflegen. Dies brachte die Menschen an den Rand ihrer Belastbarkeit, 1636 brach die Pest aus und forderte viele Opfer.
Für 1707 sind 68 Haushaltungen mit etwa 480 Einwohnern belegt. Die rote Ruhr brach 1740 aus, es starben 82 Menschen.
Im Jahr 1761, während des Siebenjährigen Krieges, lagerten in der Umgebung um 260.000 Soldaten.
Während einer Brandkatastrophe im Jahr 1829 brannten im Ortszentrum sechs Bauernhöfe bis auf die Grundmauern nieder, seither wird jährlich eine Brandprozession abgehalten.
Zugehörigkeit Von Anfang an bis zum Jahr 1803 gehörte Westönnen zum Erzbistum Köln. Auch während der Soester Fehde (1444) schlugen sich die Westönner auf die Seite der kölnischen Kurfürsten und Bischöfe. Von 1803 bis 1816 war Westönnen dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt zugeschlagen, danach kam es endgültig zu Preußen. Am 1. Juli 1969 wurde Westönnen nach Werl eingemeindet. Eine Sehenswürdigkeit ist das Haus Lohe.
Geschichte bedeutender Höfe und Hausinschriften Früher war es üblich in den Tür- oder Torbalken der Fachwerkhäuser Inschriften anzubringen, einige sind überliefert. Hof Brandes an der Bachstraße: IM JAHRE 1829, DEN 20. MAI, NACHMITTAGS, WURDE UNSER DORF VON EINER GROSSEN FEUERSBRUNST HEIMGESUCHT, BEI DER MEINE VORFAHREN UND VIELE ANDERE ZU GRUNDE GERICHTET WURDEN. AM 6. JULI DESSELBEN JAHRES WURDE ICH DURCH GOTTES HILFE UND DER MENSCHEN HÄNDE ERBAUT VON DEN EHELEUTEN THEODOR BRAND UND MARIA CATHARINA GUTHOFF.Rudolf Preising: Westönnen. Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im kurkölnischen Amte Werl. Schriften der Stadt Werl (Reihe A, Historisch-wissenschaftliche Beiträge, Heft 17). Aschendorff, Münster 1977, 308 S., ISBN 3-402-05688-7, Seite 248 Hof Luig-Plattfaut: Der 1966 abgebrochene Hof lag an Weststraße zwischen der Firma Dreimeister und dem Hof Schriek, Die Inschrift über der alten Deelentür ist durch ein Fotodokument überliefert. ERBAUET IM JULII 1864 VIER TEN JULII DURCH DIE EHLEIK FRANZ LUIG UND ANA MARIA WATERHOFFhttps://archive.today/2014.04.17-192337/http://www.xn--westnnen-q4a.de/51.0.html?&tx_ttnews%5BbackPid%5D=395&tx_ttnews%5Btt_news%5D=2437&cHash=4f2764b4652f19bc7e3ced05f0de9761 Hof Schleep-Büscher: Der Hof stand auf dem Gelände des heutigen Cäcilia-Kindergartens, er wurde früher auch als Schleebusch-Hof bezeichnet. Durch einen Brand im Jahre 1829 wurde er zerstört und noch im selben Jahr als Fachwerkhof wieder aufgebaut. Über dem Balken des Deelentores war zu lesen Am 20. Mai 1829 suchte Gott uns heim durch Flammen, und unser Haus stürzte rettungslos zusammen. und Am 25. Juli desselben Jahres erstand uns dieses Haus durch eigenen Fleiß, durch Menschen Hilfe, am meisten doch durch Gotteshilfe. Bernhard Büscher und Theresia Westerhoff, Eheleute. Hof Holthoff: Der Hof war bis etwa 1800 im Besitz der Familie Plattfaut und gehörte zur Grundherrschaft des Klosters Himmelpforten. Die Familie Holthoff, die aus Holtum stammte, übernahm das Anwesen 1811. Die Balkeninschrift dieses Hofes in der Breiten Straße lautet JOSEPH HOLTHOFF 18 UND FRAU 81 JOS. SCHULTE-BILME.Rudolf Preising Westönnen, Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im Kurkölnischen Amte Werl 1977, Seite 207 Hof Stratmann-Müller: Dieser Hof befindet sich an der Mummelstraße, er gehörte einst zur Grundherrschaft des Klosters Welver. Die Inschrift lautet PHILLIPP STRATMANN gnt. MÜLLER UND FRAU LINA geb. HOLTHOFF 1881.Rudolf Preising Westönnen, Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im Kurkölnischen Amte Werl 1977, Seite 228 Hof Linzbach: Der Hof an der breiten Straße wurde abgerissen um Platz für eine neue Maschinen- und Lagerhalle zu schaffen. Der Inschriftbalken von 1810 ist erhalten und eingelagert. Die Inschrift lautet DAS DIE EHELEUTE NAMENS FRANS HENNEMAN VON HIER UND DIE FRAU ELISABETH TOP AUS MAUWIKE HABEN DIESEN BAU DURCH GOTTES HULF UND MEISTER BREMEKE ZU DEM NOTIGEN GEBRAUCH AUF RICHTEN LASEN GESCHEHEN DEN 13 JUNNY ANNO 1810. Dieser Hof gehörte früher zur Grundherrschaft des Soester Walburgisstiftes. Hof Sasse: Der bedeutende westfälische Fachwerkhof stand an der Breiten Straße, der erhaltene Deelenbalken stammt von 1829. In diesem Jahr brannten mehrere Höfe im Dorf nieder. Der Hof wurde nach dem Brand in Fachwerk neu errichtet und mit dem erhaltenen Balken versehen. Der Hof brannte 1963 noch einmal ab, der alte Deelenbalken konnte erhalten werden. Er trägt die Inschrift Witwe Catharina Margaretha Menze auß Gerlingsen Eine Feuersbrunst hat mich in Asche gemacht d. 20. Mai durch Gottes Hilfe und der Menschen Arbeit wieder aufgebracht d. 12. September Haben die Eheleute Henrich Stewen und Anna Margarethe Rüsse auß Wibringsen haben dieses Haus auf bauen lassen Im Jahr Anno 1829 Der alte Balken hängt heute an der Südseite des neu erbauten Hauses.Rudolf Preising Westönnen, Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im kurkölnischen Amte Werl Münster 1977 S. 211. Hof Kenter: Der Hof von 1784 ist einer der ältesten noch erhaltenen Fachwerkgebäude im Dorf Die Inschrift im Balken besagt ANNO 1784 DEN 24 MEY IST DER ERSTE BAU DIESES HAUSES MIT GOTTES HÜLFF VON PHILIP KENTER UND M. THERESIA SCHNAP ANGEFANGEN. ANNO 1786 DEN 23 MEY VON PHILIP KENTER VOLLENFÜRT GOTT BEWAHRE ES FÜR UNGLCK UND BRAND UND SEGNE ES MIT VOLLER HAND. JOHANNES THEODOR KENTER UND ELISABETH RIENHOFF EHE- LEUTE UND BESITZER DIESES HAUSES. SI DEUS PRO NOBIS QUIT CONTRA NOS (Wenn Gott für uns ist, wer ist dann gegen uns). Die Deelentür ist, wie sonst nicht üblich, seitlich in das Haus eingebaut, dies war wegen der Lage des Grundstückes, die einzige Möglichkeit zur Erschließung. Der Name Kenter ist erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts überliefert. Die vorherigen Eigentümer wurden Schriewer oder auch Schreiber genannt.
Kirchliche Verhältnisse Vermutlich hat das Caecilienstift in Köln die Errichtung einer Pfarrei und den Bau einer Kirche angeregt, diese Schlussfolgerung wird aus dem Patrozinium der Cäcilia gezogen. Eine genaue Zeit dieser Abläufe ist nicht überliefert, allerdings ist dies sicherlich noch im 13. Jahrhundert geschehen. Ostönnen gehörte noch im 16. Jahrhundert unter de Moder to Westönnen (unter die Mutter in Westönnen) und für den 15. Februar 1296 ist ein Pleban Johannes in Ostönnen urkundlich erwähnt. In einem Heberegister, das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts abgeschlossen wurde, übernahm der Propst des Klosters Rumbeck J. v. Falckenberg Eintragungen, die auf das Vorhandensein einer Pfarrei zum Ende des 13. Jahrhunderts hindeuten.Rudolf Preising: Westönnen. Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im kurkölnischen Amte Werl. Schriften der Stadt Werl (Reihe A, Historisch-wissenschaftliche Beiträge, Heft 17). Aschendorff, Münster 1977, 308 S., ISBN 3-402-05688-7, Seiten 255 und 256 Die Pfarrer wurden von der Äbtissin des Cäcilienstiftes ernannt, ohne jemals den Ort besucht zu haben. Vor dem Konzil in Trient war es möglich und durchaus üblich, sich nach dem Empfang der niederen Weihen (oder schon vorher) eine oder auch mehrere Pfarreien übertragen zu lassen, um aus dem Ertrag der Pfründe seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der erste in Westönnen urkundlich erwähnte Pfarrer war ein gewisser Johannes, der 1288 urkundlich genannt wurde. Danach kamen 1315 Godefridus, 1363 Reckewyn und vor 1475 Johannes Brunstein.Rudolf Preising: Westönnen. Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im kurkölnischen Amte Werl. Schriften der Stadt Werl (Reihe A, Historisch-wissenschaftliche Beiträge, Heft 17). Aschendorff, Münster 1977, 308 S., ISBN 3-402-05688-7, Seiten 256 und 257 Die seelsorgerischen Aufgaben wurden zum großen Teil von Leutepriestern wahrgenommen, die von den Pfarren eingesetzt wurden. Die Pfarrstelle war im Mittelalter gut dotiert, seit 1400 gehörte der ertragreiche Hof Risse in Mawicke zu ihr. Der Pfarrer Johannes Ketteler vermachte 1665 in seinem Testament 200 Reichstaler, als Grundlage für die Errichtung einer Vikarie zum heiligen Johannes. Der Vikar hatte an den Sonn- und Feiertagen und jeden Dienstag und Freitag eine Messe zu lesen. Die Stiftung sollte der Mehrung der Ehre Gottes sowie der beständigen Erziehung der Jugend dienen. Die Zinsen aus dem Kapital sollte der Lehrer bekommen, was ein Vorhandensein einer Schule im Ort belegt.Rudolf Preising: Westönnen. Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im kurkölnischen Amte Werl. Schriften der Stadt Werl (Reihe A, Historisch-wissenschaftliche Beiträge, Heft 17). Aschendorff, Münster 1977, 308 S., ISBN 3-402-05688-7, Seiten 267 bis 270 Zur Kirche gehörte ein Pfarrhaus mit einem Garten, das früher umgräftet war und so wie ein Gräftenhof wirkte. Die Gräfte wurde Ende des 19. Jahrhunderts zugeschüttet.Rudolf Preising: Westönnen. Geschichte eines Kirchspiels und seiner Höfe im kurkölnischen Amte Werl. Schriften der Stadt Werl (Reihe A, Historisch-wissenschaftliche Beiträge, Heft 17). Aschendorff, Münster 1977, 308 S., ISBN 3-402-05688-7, Seite 256 Knapp 90 % aller Westönner sind Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde. Seit dem Frühjahr 2005 ist Westönnen in einem Gemeindeverbund mit der St.-Walburga-Kirche in Werl, da der Pastor in den Ruhestand ging und kein Nachfolger gefunden werden konnte.
St. Cäcilia Das Gebäude der Kirche besteht aus Grünsandstein aus dem nahe gelegenen Steinbruch. Die Kirche wurde im 19. Jahrhundert zerstört und wieder errichtet.
St. Josef-Schule Pastor Johannes Ketteler stiftete 1665 testamentarisch die Johannes-Vikarie. Der Inhaber war verpflichtet, die Jugend des Kirchspiels im Schreiben, Lesen und im Christentum zu unterweisen. Die Vikarieschule war um 1800 die einzige Schule im Kirchspiel Westönnen. Nach dem Kulturkampf erlosch die Schulvikarie 1876.