mini|hochkant|Wappen derer Ab der Gassen in der Fischnaler WappenkarteiWappen derer Ab der Gassen in der Fischnaler Wappenkartei Die Herren an der Gassen von Tirol waren Ministerialen der Grafen von TirolEduard Widmoser: Südtirol A-Z. Bd. 1: A-F. Südtirol, Innsbruck/München 1982, S. 57. und verfügten mit ihrem Wohnturm in Tirol – nahe dem herrschaftlichen Stammsitz Schloss Tirol – über ihren Wohnsitz und späteren Ansitz.Turm in Tirol. In: Südtiroler Burgeninstitut [Hrsg.]: Südtiroler Burgenkarte mit Burgenführer und Detailkarte. Burgeninstitut, Bozen 1995, S. 70.An der Gassen (Dorf Tirol). In: Josef Weingartner: Tiroler Burgen, Schlösser und Ansitze. Mit einer Einf. i.d. Burgenkunde bearb. v. Dr. Oswald Trapp, Landeskonservator i. R. Tyrolia, Innsbruck [u. a.] 1971, S. 117. Sie wurden in lateinischer Sprache Domini de PlateaAb der Gassen. In: Matthias Burglechner: Tiroler Adler. 1610-39. 2. Teil, Bd. 5, Kap. 13: Adelsgeschlechter die vor 1500 am Tiroler Landtag teilnahmen, S. 778 (= fol. 127/126 verso). [Die Worte "Ab" und "Gahsen" beruhen wahrscheinlich auf einem Lesartfehler heutiger Zeit]. Signatur: Handschrift W-231 (Böhm 454). Haus-, Hof, und Staatsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs und de Vico Ville TirolGassguot. In: Josef Tarneller: Die Hofnamen im Burggrafenamt und in den angrenzenden Gemeinden. 1. Teil, Hölder, Wien 1909, S. 155. genannt.
Genealogie mini|hochkant|Turm in Tirol, 1335 Landesfürstliches Lehen an die Herren an der Gassen. Sichtbar ist noch der Eckverband des Turmstumpfs im östlichen Trakt des heutigen Pfarrhofs. Laut einschlägiger Überlieferung stammen die Herren an der Gassen von Tirol von den Herren von Auer ab.Aur. In: Burglehner, Mathias: Tiroler Adler. 1610-39. 2. Teil, Bd. 5, Kap. 13: Adelsgeschlechter die vor 1500 am Tiroler Landtag teilnahmen, p. 620f. Signatur: Handschrift W-231 (Böhm 454). Haus-, Hof, und Staatsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs Diese hatten ihren Stammsitz in Schloss Auer in Tirol:Aur. In: Mayrhofen: Stammtafeln des Tirolischen Adels, Nr. 14. 1. Teil, A.-H., erloschene Geschlechter [o. J.]. Tiroler Matrikel-Stiftung (früher Tiroler Adelsmatrikel) Innsbruck "[…] Schloss Aur liegt am Ende von Dorf Tirol. Die "An der Gassen zu Tirol" haben mit den v. Aur gleiches Wappen u. Stamm. Die Aur sind 1482 erloschen, die An der Gassen haben sich auch manchmal bloß "von Tirol" geschrieben".Aur und An der Gassen. In: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland. Hrsg. von einigen deutschen Edelleuten. Erster Bd. A-F. Manz, Regensburg 1860, S. 52. Die Auer hatten ihre Grabkapelle in der Kirche St. Peter ob Gratsch, die sie durch Wandmalereien ausstatten ließen.Leo Andergassen: Kath. Pfarrei St. Peter - Gratsch. Peda, Passau 2004, S. 26. Ihr weißer Marmorsarkopharg mit der Inschrift "Sepulchrum D. D. Nobb. de Aur" ist erhalten.St. Peter-Gratsch. In: Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols. 4. Teil, 1. Das Burggrafenamt; 2. Vintschgau. Hölzel [u. a.], Wien 1930, S. 213f.
Ungeklärt ist, ob die These Franz Adam von Brandis und des Genealogen Mayrhofen haltbar ist, nämlich, dass es verwandtschaftliche Beziehungen der Familien an der Gassen zu den Familien an der Platten*1361 Ab der Platten a.o.L. † [= "erloschene" Geschlechter]. In: Tiroler Matrikelstiftung [Hrsg.]: Tiroler Matrikelstiftung, früher Tiroler Adels-Matrikel-Genossenschaft. [o. Verl.], Innsbruck 1992, S. 14. und zu den Metzner von Runkelstein gab.123 † Edle Metzner, von Runckelstain, an. 1178. auch von der Gassen, oder Platen von Algund genannt, sollten der erst beschriebenen von Metz [127. † Edle Ritter von Metz de Mezo Coronæ oder Cronmetz […], Anm. d. Verf.] Vettern gewesen seyn, […]. In: Brandis, Franz Adam von: Deß tirolischen Adlers immergrünendes Ehren-Kräntzel […]. Paul Nicolaus Führer, Botzen 1678, S. 76.Edle Ritter von Metzner. In: Mayrhofen: Stammtafeln des Tirolischen Adels, Nr. 109. [o. J.]. Manuskript, Tiroler Matrikel-Stiftung (früher Tiroler Adelsmatrikel) Innsbruck Die an der Platten von Algund erscheinen demnach erstmals 1178 in den Quellen und wurden auch als ob der Platten bzw. an der Platen bezeichnet. Als Anhaltspunkte hierfür könnten, neben der Namensähnlichkeit (de la Platea [lat.] = an der Gassen) – deren unterschiedliche Lesarten durch Übersetzungsfehler späterer Zeit zustande gekommen sein könnte – die Übereinstimmung der beiden Wappen gelten.Platten. ab der Platten. und von der Platten. In: Matthias Burglechner: Tiroler Adler. 1610–1639. 2. Teil, Bd. 5, Kap. 13: Adelsgeschlechter die vor 1500 am Tiroler Landtag teilnahmen, S. 1045. Signatur: Handschrift W-231 (Böhm 454). Haus-, Hof, und Staatsarchiv des Österreichischen StaatsarchivsV. Platten, Wappen. In: Johann Siebmacher: Das Erneuerte und vermehrte Teutsche Wappenbuch: In welchem deß H. Römischen Reiches Hohe Potentaten, Fürsten, Grafen, Herren, Freyherren, Edle Stände und Städte … Wappen, Schilde, Helm, Kleinodien. Fürst, Nürnberg 1656, Tafel 101. Die An der Platten waren Cousins der Herren von Kronmetz (Mezzocorona)Giovanelli, Enrico: Die Herren von Kronmetz. Schlern-Schriften 102. Wagner, Innsbruck 1953. und somit Stammväter der Metzner von Runkelstein.Brandis, Franz Adam von: Deß tirolischen Adlers immergrünendes Ehren-Kräntzel […]. Paul Nicolaus Führer, Botzen 1678, S. 76.123 † Edle Metzner, von Runckelstain, an. 1178. auch von der Gassen, oder Platen von Algund genannt, sollten der erst beschribenen von Metz [127. † Edle Ritter von Metz de Mezo Coronæ oder Cronmetz […], Anm. d. Verf.] Vettern gewesen seyn, […]. In: Brandis, Franz Adam von: Deß tirolischen Adlers immergrünendes Ehren-Kräntzel […]. Paul Nicolaus Führer, Botzen 1678, S. 76. Ein besonders schönes Exemplar eines Metzner von Runkelstein-Wappens, in dem die Radwappen der An der Gassen und An der Platten aufgegangen sind, befindet sich bei den Renaissancefresken des Bozner Schloss Maretsch.
Onomastik Der Name An der Gassen entstand durch Namensannahme einer Person bzw. Familie nach einem Gut an der Gasse (Gassgut). Er lässt sich – in verschiedenen Schreibweisen – in mittelalterlichen Urkunden ganz Südtirols finden, z.Bsp. als Andergaz, von der Gassen, ab der Gahsen, Andergasse. Toldo an der Gasse etwa wird in einer Bozner Urkunde des Jahres 1343 erwähnt, aber auch in SchennaJohannes Ortner: Schenner Flurnamen XIII. In: Dorfzeitung Schenna, Nr. 11. 23. November 2004, S. 11ff. in VerdinsGasser. In: Josef Tarneller: Die Hofnamen im Burggrafenamt und in den angrenzenden Gemeinden. 1. Teil, Hölder, Wien 1909, S. 272., im Unterland, im Überetsch und im Eisacktal lassen sich Einträge finden.
Familie Die historisch bedeutsamsten Namensträger waren in Tirol ansässig. Ein nördlich der Kirche gelegene Dorfteil wird nach wie vor Gassen genannt, das Gassgut ist aber aufgrund von Neubauten nicht mehr vorhandenAn der Gassen. In: Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols. 4. Teil, 1. Das Burggrafenamt; 2. Vintschgau. Wien: Hölzel [u. a.] 1930, S. 193.. Der ursprüngliche Tiroler Hof an der Gassen wurde bereits Ende des 14. Jahrhunderts im Erbschaftsweg in mehrere Höfe aufgeteilt.
Der wichtigste Vertreter dieser Familie war Matthäus an der Gassen, Fürstbischof von Brixen (1335–1363). Weitere Familienmitglieder waren:Cuenrsmann [Cuentsmann, Cuentzmann] weylend Hainrichen Sohn ab der Gassen 1335.Jäckhlin des Hermansen Sohn ab der Gassen von Tramin 1353.Jorl und Jäckl ab der Gassen sein zu Meran bei dem Landtag gewesen 1361.Matrikelbuch der Tiroler Matrikelstiftung früher Tiroler Adelsmatrikel, immatrikuliert 1361 S. 25Vgl.: 1361 Ab der Gassen a.o.L. † [= "erloschene" Geschlechter]. Verzeichnis sämtlicher immatrikulierter Geschlechter. In: Tiroler Matrikelstiftung [Hrsg.]: Tiroler Matrikelstiftung, früher Tiroler Adelsmatrikel. Innsbruck: [Eigenverl.], 2006, S. 6.1361 Ab der Gassen a.o.L. † [= "erloschene" Geschlechter]. Verzeichnis sämtlicher immatrikulierter Geschlechter. In: Tiroler Matrikelstiftung [Hrsg.]: Tiroler Matrikelstiftung, früher Tiroler Adels-Matrikel-Genossenschaft. Innsbruck: [o.Verl.], 1992, S. 14.Peter von der Gassen 1394.Stephan von der Gassen 1394.In Monasterio Regularis ordinis Sti. Augustini Tridenti wird dieses Epitaph gelesen als "Anno Domini 1373 Mensis May obiit Domina Vrsula Vxor Domini Christi de La Plata"
Laut dieser Quelle nahm Jakob an der Gassen von Tramin, des Bischofs Bruder, 1361 am ersten Tiroler Landtag zu Meran teil.Laut Franz-Heinz Hye E. v. Kerkdal wurde dieses "Verzaichnus oder Landtafl aller derjenigen, so zu dem … grossen Landtag zu Meran (1361) erschinen sein" erstmals in Jakob Andrä Freiherr von Brandis Manuskript erwähnt, das erst 1850 publiziert werden konnte (siehe Quellen). Vgl.: Tiroler Matrikelstiftung [Hrsg.]: Tiroler Matrikelstiftung, früher Tiroler Adels-Matrikel-Genossenschaft. Innsbruck: [o.Verl.], 1992, S. 5. Es nahm später kein Familienmitglied mehr an einem Tiroler Landtag teil. Ob der Wappengrabstein An der Gassen aus der Traminer Pfarrkirche dieser des Jakob an der Gassen von Tramin, oder eines Mitgliedes seiner Familie ist, kann bei der derzeitigen Quellenlage nicht geklärt werden. (Vgl. Bilddatei) Ein weiterer, vielleicht für das Fortbestehen der Familie sehr wichtiger Aspekt der Burglechner’schen Aufzeichnungen ist, dass ein Peter an der Gassen 1394 erwähnt wird. Sollte es sich dabei um denselben Petrus [Peter] an der Gassen handeln, der 1419 in einer Urkunde des Kalterer Pfarrarchivs in Oberplanitzing auftauchtePfarrarchiv Kaltern/Caldaro. Urkunde von 1419 Juli 28: "In villa Caldare. Zeugen: Rudolfus Cristian, officialis in castro Laymburg, […] der an den Besitz des Michaelis Jost und des Petrus an der Gassen de superiori Planiez stößt, ein Weinland gelegen in pert. Caldare in loco dicto in Ackerlein […]", wäre dies ein Beleg für eine verwandtschaftliche Beziehung der Tiroler Bischofsfamilie zu der in Kaltern erstmals in einer Urkunde erwähnten Andergassen-Familie.
Wappen mini|Wappen An der Gassen. In: Siebmacher, Johann: Das Erneuerte und vermehrte Teutsche Wappenbuch […]. Nürnberg: Fürst, 1656, Tfl. 103 mini|Wappengrabstein einer Frau oder eines Herren an der Gassen. 1. Hälfte 14. Jhdt., urspr. in der Pfarrkirche Tramin, heute im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Inv. Nr. P 544Die Herren an der Gassen von Tirol führten folgendes Wappen: geteilter Schild oben rot, unten schwarz – darauf ein silbernes Speichenrad (acht Speichen), Helm: silbern, Helmdecke: innen silbern, außen rot, Helmzier: flaches Federgesteck, in den Farben und Zeichnung (Rad) gleich dem Wappenschild.
Vor der Verwendung des eigenen Familienwappens siegelten sie mit dem von Auer-Siegel und verwendeten auch deren Wappen (aufsteigende Zinnen in Silber auf rotem Schild). Deshalb ist dieses Wappen nicht nur in Verbindung mit den Herren von Auer, sondern auch mit den Herren an der Gassen zu finden.
Bewertung Nach dem Tod des Fürstbischofs und der Übergabe Tirols an die Habsburger im Jahr 1363Tyrol goes Austria. 650 Jahre Tirol bei Österreich. Ausstellungskatalog Museum im Zeughaus. Innsbruck: Tiroler Landesmuseen, 2013 erscheint für lange Zeit kein Mitglied der Familie mehr in nennenswerter Art und Weise in den Urkunden.
Dies mag ungewöhnlich erscheinen, kann aber – auf Basis von Quellen – als politische Konsequenz der ausbalancierten, und damals sicherlich streitbaren Rolle des Bischofs im Konflikt um die Gefürsteten Grafschaft Tyrol gelten. Sie hat umso mehr Gültigkeit, als Matthäus, zeitlebens, auf Seite der – aus heutiger Sicht – emanzipierten Margarete von Tirol stand, und ihr in politisch hochbrisanter Zeit, den Rücken stärkte, sogar bei vatikanischer Exkommunikation des fürstlichen Paares und päpstlichem Interdikt gegen Tirol.