mini|Anhydrit-Abbau am Kohnstein Niedersachswerfen (Mundart Sachswerfe) ist ein Ortsteil der Gemeinde Harztor im Landkreis Nordhausen im Freistaat Thüringen.

Geographische Lage Niedersachswerfen liegt im Süden des Harztorer Gemeindegebietes zwischen Nordhausen im Süden und Ilfeld im Norden sowie nordwestlich der Rüdigsdorfer Schweiz, eines Teils der Gipskarstlandschaft des Südharzes. Durchflossen wird Niedersachswerfen von der Zorge und der Bere.

Geschichte Nach lokaler Überlieferung markiert der Ortsname Sachswerfen im Mittelalter lange zwei Orte, Ober- und Niedersachswerfen. Der alte Name Saxwerpen oder Sahswirpen (diverse Schreibweisen) soll in der Gegend um das 5. Jahrhundert aufgekommen sein. Bisher ging man davon aus, dass diese Orte an der südlichen Grenze des Gebietes, welches nach dem Sieg über das Königreich der Thüringer im Jahre 531 von den Sachsen eingenommen wurde, gelegen waren. Die um Niedersachswerfen gelegenen Anhöhen – der Kohnstein und Mühlberg – waren durch ihre natürlichen Gegebenheiten bereits in frühgeschichtlicher Zeit als Siedlungsplatz willkommen und wurden durch den Aufbau von Befestigungsanlagen gesichert.

Ein Bezug besteht zum im Mittelalter lange gleich bezeichneten Obersachswerfen. Die Bedeutung des Namens wurde früher auf die germanischen Sachsen bezogen. Nach heutiger Meinung jedoch ist der Bezug auf die Wortbedeutung mit „Stein“ gegeben, denn der Ort ist bis heute vom Gipskarst gekennzeichnet.Tim Schäfer: Eine Deutung der Ortsnamen von Il(e)feld, Osterode oder Niedersachswerfen, in Amtsblatt der Gemeinde Harztor vom 22. Februar 2023 (PDF), auf harztor.de, S. 3

Mehrere alte Passagen durch Kappelbach, Bere oder Zorge wie bspw. die Dietfurt waren schon in alter Zeit bekannt. Der alte Heidenstieg (Kaiserweg) verläuft durch die heutige Ortschaft. In einer Kopie aus dem 12. Jahrhundert ist „in villa Sahswirphen“ bereits 780 verzeichnet.Wie alt ist Niedersachswerfen, Thüringer Allgemeine vom 30. Juli 2022 Auch in Fulda findet sich der Name: „Hadabrant (822-842) überträgt dem heiligen Bonifatius (Kloster Fulda) seine Güter in den Dörfern Sachswerfen und Gudersleben mit Hörningen.“Codex Eberhardi, Nr. 243 des karolingischen Thüringen-Cartulars, vgl. Dronke, Thüringen -Cartular Fulda, 1844 „So ist es … jener Hadabrant …, der im 9. Jahrhundert seine Güter in Sahswirpen ...übereignete. Südlich von diesem Sachwerfen lag benachbart Criemhilterot = Crimderode...“.„Der Harz“, Hans Hoffmann, Leipzig, S. 79 Für das Kloster Walkenried ist überliefert, dass Sachswerfen neben Woffleben zu den ursprünglichen Gütern gehörte; das Kloster selbst sei nach Stiftung (1125) im Jahre 1137 zum zweiten Male eingeweiht. Theoderich von Sachswerfen bezeugt 1127 zur Stiftung des Klosters Walkenried.Vollständige Geschichte der Grafschaft Hohenstein, der Herrschaften Lohra und Klettenberg, Heeringen, Kelbra, Scharzfeld, Lutterberg, der beiden Stifter Ilfeld und Walkenried : nebst einer statistischen Beschreibung des Preußischen Antheils an dieser Grafschaft. Ein Anhang zur Brandenburgischen, Braunschweigischen, Stollbergischen, Schwarzburgischen und Witgensteinischen Geschichte, Johann Gottfried Hoche, Francke und Bispink, 1790 Digitalisat Für anno 1140 wird der Besitz der Freien Reichs-Abtei Walkenried in Niedersachswerfen noch bestätigt: „Das Gut in Sachs-Werff Diß Dorff lieget zwischen Northausen und Closter Ilfeld…“.Historische Beschreibung der damals berühmten Kayserlichen Freyen Reichs-Abtei Walkenried, 1705, Neuenhahn (1905), §37, S. 419 Im 12. Jahrhundert ist Niedersachswerfen offenbar Krongut als Reichsgutdorf und liegt im Landgerichtsbezirk der Grafschaft Klettenberg, bis diese 1254 auf die Grafen von Ho(h)nstein überging. Offenbar bestand eine Burgmannenschaft bzw. ein Rittergeschlecht bspw. mit einem Walug von Sachswerfen, der in alten Urkunden Ende des 12. Jahrhunderts begegnet.„Reichsgut und Komitat am Südharz im Hochmittelalter“ Volume 9 of Mitteldeutsche Forschungen; Autor, Karlheinz Mascher, Böhlau Verlag.,1957. Als die Kirche von Windehausen 1208 in einer Ilfelder Klosterurkunde eine Hufe Land in Sachswerfen an Ilfeld abtrat, gilt dies als das offizielle Gründungsjahr von Niedersachswerfen.Festschrift 800 Jahre Niedersachswerfen, 2008, Jochen Napiralla, Hilmar Römer, Rat der Gemeinde Im 13. Jahrhundert führt ein „Wernerus de Sachswerfen“ mit dem Christusmonogramm ein Siegel, welches in der Mitte einen Dreiecksschild mit einem achtspeichigen Wagenrad ausweist.Otto Posse: Die Siegel des Adels der Wettiner Lande, 5. Band, S. 91, Dresden 1917, ULB Düsseldorf 1247 bestätigt Papst Innozenz IV. in Layon dem Kloster Ilfeld Besitzungen auch in Niedersachswerfen, welches zu einem Ilfelder Klosterdorf avancierte.Niedersachswerfen Ein historisches Lesebuch, Hrsg. Gabriele Witzel / Gemeinde von Hannelore und Günter Trautmann Offenbar wohnten auf dem Rittergut in Niedersachswerfen um 1290 auch andere Adlige wie Bertold von Lupfershausen (1290).Ilfelder Regesten, Hilmar Römer, Günter Trautmann: Niedersachswerfen-Chroniken Auf dem Rittergut in Niedersachswerfen sind zur Zeit des Amts Hohnstein auch die Herren von Kragen verzeichnet.Karte Amt Hohnstein, (gefunden von Ludwig Heinemann), ca. Mitte 17. Jahrhundert 1417 kam das Amt Hohnstein mit Niedersachswerfen zur Herrschaft des Grafen zu Stolberg.vgl. Nordhäuser Chronik, Meusebach, "Wo einst die Grafen von Hohnstein wohnten" Aus dem ehemaligen Walkenrieder Klostergut wurde ein gräfliches Tafelgut (Vorderstrasse).Vgl. Leopold Kirchen-, Pfarr- und Schulchronik …, Nordhausen, 1817

Als 1525 Thomas Müntzers Abgesandte predigten, riefen sie die Bauern gegen ihre Unterdrücker auf. So kam es, dass ab 1. Mai 1525 unter Führung des Ortsschulzen von Saxwerfe die Bauern mit Sensen, Gabeln und Dreschflegeln bewaffnet u. a. das Kloster in Ilfeld stürmten. Nach Niederschlagung des Bauernkriegs wurden allein von Sachswerfen der Schultheiß und neun Bauern nach „peinlicher Befragung“ in Stolberg gehenkt. Jedes Haus musste fünf Gulden Strafe zahlen.Broschüre 750 Jahre Niedersachswerfen (1958) Im 16. Jahrhundert wurde der Ort von einem als „Mortbrenner“ erwähnten Brandstifter, den man im Juli 1537 auf dem Scheiterhaufen in Wernigerode verbrannte, in Schutt und Asche gelegt. Als erster evangelischer Pfarrer predigte hier Andreas Wacker ab 1556.vgl. Vahlbruch oder Trautmann Während des Siebenjährigen Krieges musste Niedersachswerfen 1757 eine etwa 2500 Mann starke französische Besatzung versorgen. Diese war nach der verlorenen Schlacht bei Roßbach in das Gebiet Südharz – Eichsfeld zurückverlegt worden.Bericht Schultheiß Teichmann in Broschüre 750 Jahre Niedersachswerfen (1958) Nach dem Tod des Grafen Ernst VII. im Jahr 1593 beanspruchten die Herzöge von Braunschweig die Grafschaft Hohnstein als heimgefallenes Lehen für sich, wobei im Westfälischen Frieden von 1648 der westliche Teil der Grafschaft dem Kurfürstentum Brandenburg zugesprochen wurde; Niedersachswerfen blieb jedoch bis in die napoleonische Zeit welfisch.

Am 13. November 1788 gab es eine Feuersbrunst größten Ausmaßes, der binnen einer Stunde 40 Häuser, 37 Scheunen und etwa 100 Pferde- und Kuhställe nebst Holzschuppen zum Opfer fielen. Im August 1864 brach im Gehöft des Ackermanns August Hotze gegenüber der Schule ein Feuer aus, das 30 Gebäude bis an das Tafelgut in Asche legte. Beim Aufbau dieser Gehöfte wurde die alte Dorfstraße — die heutige Vorderstraße — begradigt.

Nach der Niederlage der Preußen bei Jena und Auerstädt 1806 flüchtete die preußische Armee über Nordhausen. Dabei wurde Sachswerfen Sammelpunkt eines Teiles der preußischen Armee. Als am 16. Oktober 1806 die französischen Kanonenkugeln in Sachswerfen einschlugen, floh die Bevölkerung auf den Mühlberg und von dort in die Harzberge. Am nächsten Tag rückten die Franzosen ein und plünderten den Ort. Sachswerfen kam nach dem Tilsiter Frieden als Teil des Kantons Neustadt zum Königreich Westphalen. Das Ende der französischen Fremdherrschaft kündigte im April 1813 der Major Hellwig an, der im Handstreich mit seinen Husaren Nordhausen besetzte. Wenige Tage später folgten russische Truppen.

Im Jahre 1848 nahmen auch Sachswerfer am revolutionären Geschehen teil. In den schwarz-rot-gold ausgeschmückten Gaststätten wurden fortschrittliche Reden gehalten. In Ilfeld, Neustadt und in Niedersachswerfen wurden Bürgerwehren gebildet. Ihre Empörung gegen die Willkürakte der Regierung brachten die Sachswerfer Einwohner darin zum Ausdruck, dass sie im Harz Holz ohne Erlaubnisschein der Obrigkeit schlugen. Erst als Militär aus Hannover in der Grafschaft einquartiert wurde, unterband man die Aktionen. 1866 kam Niedersachswerfen nach der Schlacht bei Langensalza zu Preußen.Kirchenchronik 1883 starben 50 Kinder an Masern.Kirchenbuch NSW Der Ort gehörte dem 1852 gegründeten Amt Hohnstein an, dessen Sitz erst in Neustadt unterm Hohnstein und ab 1859 in Ilfeld war. Nach dem Übergang an Preußen wurde das Amt mit den Ämtern Elbingerode und Zellerfeld dem Kreis Zellerfeld zugeordnet und 1885 schließlich dem Kreis Ilfeld, einer Exklave der Provinz Hannover, umgeben von der Provinz Sachsen. 1932 wurde diese Exklave aufgelöst, indem das Gebiet dem Landkreis Grafschaft Hohenstein im Regierungsbezirk Erfurt zugeschlagen wurde, weswegen Niedersachswerfen nach dem Zweiten Weltkrieg thüringisch wurde.

Die Nutzung von Gips und Dolomit hat eine lange Tradition.harzregion.de Berühmt wurde der „Hohnsteiner Alabaster“, der auch am Kirchberg gewonnen wurde. Im 13. Jahrhundert sind Kalkhütten erwähnt, im 16. Jahrhundert dann auch drei Gipsöfen.Harz Zeitschrift 2017, J. Brückner, Lukas Verlag Noch im 19. Jahrhundert gab es neben Öl- und Schneidmühlen Kalkhütten, Schwerspat-, Lenzinmühlen sowie mehrere, Gips verarbeitende Betriebe (Probst, Otte, Bernsdorf, Süßmilch, Schmidt, Mohr, Kaselitz, Liesegang), zu denen teilweise auch Mühlen direkt gehörten. Zu den bekanntesten Mühlen gehörten die Johannis-, Kohnstein-, Unter- und Obermühle sowie der Kupferhammer, der auch zeitweise im Gipswerk Niedersachswerfen geführt wurde. Ab 1917 investierte die BASF für das Ammoniakwerk Merseburg, die späteren Leuna-Werke (DDR, ab 1951: VEB Leuna-Werke „Walter Ulbricht“), in das Gipswerk am Kohnstein. Hier werden bis heute Anhydrit und Gips im Tagebau abgebaut und verarbeitet. Der Betriebsteil Gipswerk Niedersachswerfen der Leuna-Werke hatte als Rohstoffbasis seine Bedeutung für die Düngerproduktion (Ammonsulfat), Baustoffe (Fließestriche, Porenanhydritsteine) sowie für die Zement- und Schwefelsäureherstellung.Gips aus der Deutschen Demokratischen Republik-Broschüre, um 1970 Ab 1990 wurde daraus das Harzer Anhydritwerk, welches durch die Treuhandanstalt an die Fa. Wildgruber veräußert wurde. Dies wiederum wurde 2003 stillgelegt, Teile der Gewinnungsrechte und Anlagen wurden an die Firma Knauf sowie den heutigen Bergwerksbetreiber verkauft. Als Renaturierungsmaßnahme hat man Abraum aus dem Bauvorhaben Stuttgart 21 im südlichen Teil des Kohnstein deponiert. Der Mühlberg dagegen steht heute weitgehend unter Naturschutz. Hier gibt es ein Wandergebiet, und mit dem Feuersalamanderpfad besteht ein Rundweg.