Blepharophimose, auch Blepharophimose-Syndrom genannt, ist in der Augenheilkunde die Bezeichnung für eine sehr seltene, meist genetisch bedingte Verengung der Lidspalte (Rima palpebrarum) des Auges in horizontaler Richtung.

Ursachen Das Blepharophimose-Syndrom kann beispielsweise nach einer chronischen Blepharitis (Entzündung der Augenlider) oder einem Trachom (bakterielle Entzündung des Auges) erworben werden. Häufigste Ursache ist jedoch ein Gen-Defekt. In diesen Fällen wird die Blepharophimose entweder über einen autosomal-dominanten Erbgang vererbtR. Kuckelkorn, M. Reim: Über eine Familie mit Blepharophimose, Ptosis, Epikanthus inversus und Telekanthus – Auftreten des hereditären Merkmals über fünf Generationen. In: Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde, 1992, Band 201, Nr. 11, S. 325–329; , doi:10.1055/s-2008-1045911. oder durch eine Neumutation erworben. Das betroffene FOXL2-Gen liegt beim Menschen auf Chromosom 3 Genlocus q23.Tamison Jewett, P. Nagesh Rao, R. Grey Weaver, William Stewart, Ioan T. Thomas, Mark J. Pettenati: Blepharophimosis, ptosis, and epicanthus inversus syndrome (BPES) associated with interstitial deletion of band 3q22: Review and gene assignment to the interface of band 3q22.3 and 3q23. In: American Journal of Medical Genetics, 2005, Band 47, Nr. 8, S. 1147–1150; , doi:10.1002/ajmg.1320470802. Eine Blepharophimose kann auch bei Syndromen mit anderen Mutationen auftreten, so beim Van-den-Ende-Gupta-Syndrom.

Symptome und Differenzierung

Das Blepharophimose-Syndrom ist durch eine Verkürzung der horizontalen Lidspalte und eine vertikale Verkürzung des Oberlidgewebes gekennzeichnet. Strukturell sind die Lider jedoch völlig normal.

Das Krankheitsbild der Blepharophimose tritt häufig zusammen mit einer „Mongolenfalte“ (Epikanthus medialis), mit dem Herabhängen eines oder beider Augenlider (Ptosis) und mit einem großen Augenabstand (Hypertelorismus beziehungsweise Telekanthus) auf. In solchen Fällen spricht man von einem Blepharophimose-Epikanthus-inversus-Ptose-Syndrom oder von einem Blepharophimose-Ptosis-Epicanthus-inversus-Syndrom (BPES).

Beim BPES werden zwei Subtypen unterschieden:J. Zlotogora, M. Sagi, T. Cohen: The blepharophimosis, ptosis, and epicanthus inversus syndrome: delineation of two types. In: American Journal of Human Genetics, 1983, Band 35, Nr. 5, S. 1020–1027; PMID 6613996. Beim Typ 1 kommt zu den Lidanomalien bei Mädchen noch eine Ovarialinsuffizienz (Funktionsstörung in den Eierstöcken), die neben einer Unfruchtbarkeit (Infertilität) auch eine vorzeitige Menopause bewirkt, hinzu. Typ 2 weist dagegen nur die Lidanomalien auf.

Bei jedem fünften vom Blepharophimose-Syndrom betroffenen Patienten sind des Weiteren Amblyopie (Schwachsichtigkeit) und Strabismus (Schielen) zu beobachten. Auch Anomalitäten der Tränenkanäle und refraktive Probleme treten gehäuft auf.

Therapie Chirurgische Eingriffe können zu Verbesserungen führen.A. Callahan: Surgical correction of blepharophimosis syndrome. In: Transactions of the American Academy of Ophthalmology and Otolaryngology, 1973, Band 77, S. 687–695; , PMID 4594183.

Erstbeschreibung Die Symptome des Blepharophimose-Syndroms wurden vermutlich erstmals 1889 von P. Vignes beschrieben.P. Vignes: Epicanthus héréditaire. In: Revue Générale d’Ophtalmologie, 1889, Band 8, S. 438–439; .Adam H. Balen u. a. (Hrsg.): Paediatric and Adolescent Gynaecology. A Multidisciplinary Approach. Cambridge University Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-80961-4, S. 381.

Siehe auch OHDO-Syndrom, Ohdo-Blepharophimose-Syndrom Marden-Walker-Syndrom

Literatur Albert J. Augustin: Augenheilkunde. 2., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-540-65947-1. Ravelo V. Argamaso: An adjustable fascia lata sling for the correction of blepharoptosis. In: British Journal of Plastic Surgery, 1974, Band 27, Nr. 3, S. 274–275; , doi:10.1016/S0007-1226(74)90087-3, PMID 4418929. Verayuth Praphanphoj, Barbara K. Goodman, George H. Thomas, Kerry M. Niel, Carmel Toomes, Michael J. Dixon, Michael T. Geraghtya: Molecular cytogenetic evaluation in a patient with a translocation (3;21) associated with blepharophimosis, ptosis, epicanthus inversus syndrome (BPES). In: Genomics, 2000, Band 65, Nr. 1, S. 67–69; , doi:10.1006/geno.2000.6157, PMID 10777667.

Weblinks

Blepharophimose-Syndrom. praenatal.de

Einzelnachweise

Kategorie:Krankheitsbild in der Augenheilkunde Kategorie:Fehlbildung Kategorie:Erbkrankheit