Die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig ist eine Bahnstrecke in Sachsen, die ursprünglich durch die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie erbaut und betrieben wurde. Sie verläuft großteils entlang der Freiberger Mulde von Borsdorf über Döbeln und Meißen nach Coswig bei Dresden. Sie wurde als Hauptbahn errichtet und war Teil einer Fernverbindung von Leipzig nach Dresden, wird aber heute nur noch für den Güterverkehr und abschnittsweise für den Schienenpersonennahverkehr genutzt.
Geschichte 1860–1945 Meißen besaß seit dem 1. Dezember 1860 eine Anbindung an die Leipzig-Dresdner Eisenbahn durch eine Zweigbahn von Coswig aus. Am 7. Juli 1864 stellte die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie den Antrag für den Bau einer zweiten Eisenbahnverbindung zwischen Leipzig und Dresden. Vorgesehen war eine Trassierung entlang der Freiberger Mulde über Döbeln nach Meißen, um dort in die bestehende Zweigbahn von Coswig einzumünden. Am 16. Januar 1866 wurde die Konzession zum Streckenbau erteilt, die Arbeiten begannen am 4. August 1865 nahe Borsdorf. Eröffnungsdaten: 14. Mai 1866: Borsdorf–Grimma 27. Oktober 1867: Grimma–Leisnig 2. Juni 1868: Leisnig–Döbeln 25. Oktober 1868: Döbeln–Nossen 22. Dezember 1868: Nossen–Meißen
Am 1. Juli 1876 wurde die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie verstaatlicht und die Strecke gehörte fortan zum Netz der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Zwischen 1898 und 1909 wurden die Streckenabschnitte Borsdorf–Großbothen und Döbeln–Coswig zweigleisig ausgebaut. Auch zwischen Großbothen und Döbeln war später noch der Bau des zweiten Gleises begonnen worden. Wegen des Zweiten Weltkrieges wurde allerdings 1939 nur der Abschnitt Großbothen–Tanndorf fertiggestellt.
Eines der größten Neubauvorhaben der Zwischenkriegszeit war die Erneuerung der Elbbrücke in Meißen. Zwischen 1925 und 1926 errichtete dort die Lauchhammer-Rheinmetall AG zwei neuen Stahlfachwerk-Überbauten. Die Brücke wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gesprengt, aber bald wieder in alter Form aufgebaut. Von 1946 bis 2013 war auf der Brücke nur noch ein Gleis vorhanden.
1945–1990 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Gleis der Strecke im Rahmen der Reparationsleistungen für die Sowjetunion abgebaut. Weil auf der Bahnstrecke Leipzig–Dresden zwischen Borsdorf und Coswig das zweite Gleis ebenfalls abgebaut war, wurde ein Ringverkehr genanntes System unter Nutzung beider Strecken eingerichtet. Insbesondere Durchgangsgüterzüge nutzten in Richtung Dresden die Hauptstrecke über Riesa und in Richtung Leipzig die Strecke über Döbeln und Meißen. Wegen der geringeren Streckengeschwindigkeit durch die engen Bögen in den Tälern bezog man schnellfahrende Reisezüge nur in Ausnahmefällen in den Ringverkehr ein. Er endete 1971, nachdem die Strecke Leipzig–Dresden wieder durchgehend zweigleisig ausgebaut und zusätzlich elektrifiziert worden war.
1970 wurde der für den Dresdner Vorortverkehr genutzte Abschnitt Meißen Triebischtal–Coswig elektrifiziert. Am 18. Dezember 1970 begann dort der elektrische Zugbetrieb. Wenig später – im September 1973 – wurde der Streckenabschnitt in das Netz der neu geschaffenen S-Bahn Dresden einbezogen. Fortan wurden sämtliche Reisezugläufe in Meißen gebrochen, wo nun zwischen den Zügen der Relationen Leipzig–Meißen und Meißen Triebischtal–Dresden umgestiegen werden musste. Selbst die zwei auf der Strecke verkehrenden Eilzugpaare fuhren nun nur noch zwischen Leipzig und Meißen. In einigen Fahrplanperioden verkehrten die Eilzüge überhaupt nicht.
Im Dezember 1981 wurde das zweite Gleis zwischen Meißen und Coswig wieder in Betrieb genommen. 1989 erhielt auch der kurze Abschnitt Borsdorf–Beucha eine elektrische Fahrleitung. Am 30. September 1989 wurde dort der elektrische Betrieb aufgenommen. Durch Einbau einer zusätzlichen Kettenwerkslänge zwischen der elektrischen Bahnhofsgrenze auf dem Südkopf des Bahnhofs Beucha und der Autobahnbrücke der heutigen A 14 wurde auch der geplante Weiterbau der Fahrleitung Richtung Großbothen vorbereitet. Er wäre ohne Abschaltungen im Bahnhof Beucha möglich gewesen. Wegen fehlender Nutzung und weil der Bahnhof Beucha mit Veränderung der Gleislagen grundlegend umgebaut werden sollte, wurde das Kettenwerk Mitte 2011 abgebaut. Die Fahrleitungsmasten blieben erhalten, sodass ein Neubau des Kettenwerkes möglich bleibt.
Nach 1990 Eine völlig neue Situation entstand nach der politischen Wende in der DDR 1989/90. Erstmals seit Jahrzehnten verkehrten wieder durchgehende Eilzüge zwischen Leipzig und Dresden über Döbeln. Zusammen mit den zweistündlich verkehrenden Nahverkehrszügen Leipzig–Meißen existierte ein stündliches Reiseverkehrsangebot. Auch die S-Bahn Dresden – jetzt als Linie S1 (Meißen Triebischtal–Dresden–Schöna) bezeichnet – verkehrt seitdem in einem durchgehenden Halbstundentakt. Im Jahr 2000, nach Gründung des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) und des Zweckverbands für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), wurde dieses Angebotskonzept aufgegeben. Die zuletzt zwischen Leipzig und Zittau durchgebundenen Eilzüge entfielen am 9. Juni 2001.
Beim Hochwasser im August 2002 wurde die Strecke zwischen Großbothen und Coswig an mehreren Stellen unterbrochen. Am schwerwiegendsten waren die Schäden zwischen Tanndorf und Leisnig. Neben mehreren kleineren Schadstellen wurden bei Tanndorf etwa 500 Meter Strecke mitsamt Bahndamm völlig zerstört. Ab dem 21. August 2004 konnte die Strecke wieder durchgehend genutzt werden. Nach Angaben eines Stadtrats habe der Bund nach dem Hochwasser 2002 45 Millionen Euro in die Strecke investiert.
mini|ohne|Zugkreuzung in Nossen (2008) Bis Dezember 2015 bestand das Angebot aus einem Zweistundentakt mit Regionalbahnen zwischen Leipzig und Meißen, der bis Döbeln Hbf früh und nachmittags zur Hauptverkehrszeit zu einem Stundentakt verdichtet wurde. Außerhalb der Hauptverkehrszeit und am Wochenende endete der Stundentakt bereits in Grimma. Bis Juni 2016 kamen Triebwagen vom Typ Siemens Desiro Classic zum Einsatz, in den Hauptverkehrszeiten auch in Doppeltraktion. Weitere Züge verkehrten an Wochentagen morgens und spätnachmittags in einem alternierenden Takt zwischen Leipzig und Grimma. Die Symmetriezeit des Fahrplans lagen zwischen Leipzig und Nossen etwa drei Minuten früher als üblich, wodurch die Umsteigezeiten in Richtung und Gegenrichtung z. B. in Leipzig bis zu acht Minuten abwichen. Im Güterverkehr hatte die Bedeutung der Strecke stark abgenommen. Dieser beschränkt sich im Wesentlichen auf die Bedienung des Tanklagers Rhäsa an der Bahnstrecke Riesa–Nossen.
mini|hochkant|Der neugebaute zweigleisige Abschnitt zwischen Meißen Altstadt und Meißen (November 2013) Am 2. Mai 2010 wurde der erste Bauabschnitt des elektronischen Stellwerks (ESTW) Muldental mit den ESTW-A Großbothen und ESTW-A Leisnig in Betrieb genommen. Die Steuerung erfolgt aus der zum ESTW-Z umgebauten Unterzentrale in Geithain. Ende Juli 2012 wurde der Anschluss der Bahnhöfe Großsteinberg und Grimma oberer Bahnhof an das ESTW Muldental abgeschlossen. Der Bahnhof Naunhof wurde nach Neubau eines zweiten Außenbahnsteiges im Herbst 2013 Ende November desselben Jahres in das ESTW Muldental einbezogen. Am 9. August 2015 wurde der Bahnhof Beucha als letzter in das ESTW einbezogen.
Ab Herbst 2010 wurden Überlegungen des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) zur dauernden Einstellung des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Nossen und Meißen Triebischtal bekannt.Ohne Quelle 2010 sammelte eine Bürgerinitiative 14 000 Unterschriften für den Erhalt der Strecke. Laut Angaben einer Bürgerinitiative seien im Jahr 2001 mehr als 1000 Fahrgäste pro Tag gezählt worden; Anfang 2014 seien es noch 400 gewesen. Dazwischen seien die Direktverbindungen bis Dresden und der Stundentakt zu einem Zweistundentakt ausgedünnt worden.
Am 3. Juni 2013 musste der Zugbetrieb zwischen Großbothen und Meißen aufgrund eines Hochwassers eingestellt werden. Nach Behebung der Schäden konnte der Zugverkehr zwischen Döbeln und Meißen Triebischtal am 8. Juni 2013 wieder aufgenommen werden.
Im Jahr 2013 wurde der Ausbau des durch die S-Bahn Dresden genutzten Abschnittes realisiert, wofür der kurze Streckenabschnitt zwischen Meißen Triebischtal und Meißen voll gesperrt wurde. In der Nähe der Meißener Innenstadt entstand der neue Haltepunkt Meißen Altstadt, darüber hinaus wurde im Abschnitt zwischen Meißen Altstadt und Meißen das zweite Gleis wieder eingebaut. (PDF), S. 6. Nach Abschluss der Arbeiten verkehren die Züge der Linie S1 seit dem 30. November 2013 wieder durchgängig von und nach Meißen Triebischtal.Sächsische Zeitung, Ausgabe Dresden vom 23. November 2013.
Von November 2013 bis Mitte 2014 war die Strecke zwischen Großbothen und Leisnig für die Sanierung des Viadukts über die Mulde bei Kössern unterbrochen. Auf dem betroffenen Abschnitt bestand Schienenersatzverkehr.
Am 28. November 2013 entschieden die Mitglieder des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) aus wirtschaftlichen Gründen, den Zugverkehr auf der RB-Linie 110 zwischen Meißen und Nossen ab Dezember 2015 einzustellen und durch Omnibusse zu ersetzen. Mit durchschnittlich 13 Fahrgästen pro Zug habe der Abschnitt zwischen Nossen und Meißen zu den besonders schwach nachgefragten im Gebiet des VVO gezählt; seit 2012 seien die Fahrgastzahlen weiter rückläufig gewesen. Mit dem Ersatz der Züge durch ein „optimiertes Busnetz“ erhoffte man sich eine deutliche Verringerung des Zuschussbedarfes. Der VVO bezifferte die Kosten für die Aufrechterhaltung des Verkehrs mit 1,6 Millionen Euro pro Jahr. Ein untersuchter Ausbau des Bahnangebots hätte die Fahrgastzahlen verdoppelt und dabei den Zuschussbedarf verdreifacht.
Am 7. März 2014 beschloss der Verkehrsverbund Mittelsachsen, ab Dezember 2015 keine Züge mehr zwischen Döbeln und Nossen zu bestellen. Zuletzt hätten sie 200 bis 300 Fahrgäste pro Tag. Der Verbund beschloss dabei auch die Einrichtung eines neuen, zentrumsnahen Haltepunktes am Döbelner Körnerplatz. Eine Bürgerinitiative hatte bis März 2014 7000 Unterschriften gegen die Stilllegungspläne gesammelt.
Am 12. Dezember 2015 endete mit dem letzten fahrplanmäßigen Zug der RB-Linie 110 auf dem Abschnitt Meißen Triebischtal–Döbeln der Zugverkehr im Nahverkehr. Der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) will auch weiterhin Leistungen des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Leipzig und Döbeln bestellen. Am 17. September 2015 veröffentlichte der ZVNL zudem eine Änderung der Ausschreibung zum Dieselnetz Nordwestsachsen / Teil B, der die Verkehrsleistungen vom 12. Juni 2016 bis zum 13. Dezember 2025 wieder räumlich bis zum Haltepunkt Döbeln-Zentrum sicherstellen sollte. Politiker und Bürger warben 2015 in einem Positionspapier dafür, den Personenverkehr dabei statt bis Döbeln-Zentrum zeitgleich wieder bis Roßwein zu verlängern, da dies vom geplanten Fahrplan her umlaufneutral möglich sei. Die Bemühungen, den SPNV zwischen Döbeln Hauptbahnhof und Döbeln-Zentrum (oder gar darüber hinaus) wieder aufzunehmen, waren bislang erfolglos.
Am 12. Juni 2016 übernahm die Transdev Regio Ost unter dem Markennamen „Mitteldeutsche Regiobahn“ den Betrieb zwischen Leipzig und Döbeln.
Nach einem Jahr neues „Busnetz Nossen“ zog der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) im März 2017 eine positive Bilanz. Im Gegensatz zur eingestellten Bahnverbindung, die zuletzt rund 70 000 Fahrgäste pro Jahr beförderte, wurden auf den fünf neu eingerichteten bzw. verstärkten Buslinien im Jahr 2016 über 500 000 Fahrgäste gezählt, 115 500 mehr als im Vorjahr. Für den VVO sank der Zuschussbedarf für die Erbringung der Verkehrsleistungen um die Hälfte auf 740 000 Euro., Pressemitteilung des VVO vom 2. März 2017. Zu beachten ist bei den Zahlen, dass aufgrund des Umsteigens in Nossen die Fahrgäste für jede Linie einzeln und damit im Gegensatz zum früher durchlaufenden Bahnverkehr doppelt erfasst werden.Marcus Herrmann: Kritik am Ersatz für die Bahnlinie. Sächsische Zeitung, 6. Juli 2017, abgerufen am 29. November 2018.
Döbeln–Meißen: Neuer Infrastrukturbetreiber