mini|Wappen von Koblenz
Die Geschichte der Stadt Koblenz umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Koblenz von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Sie war gekennzeichnet von kriegerischen Auseinandersetzungen bei zahlreichen Grenzkonflikten sowie einem großen baulichen Wandel. Bereits seit der Steinzeit ist das Gebiet von Koblenz besiedelt. Die Römer bauten hier erstmals eine befestigte städtische Siedlung, die nach dem Rückzug der römischen Truppen im 5. Jahrhundert von den Franken weiter genutzt wurde. Die Stadt gehört somit zu den ältesten Städten Deutschlands. In der folgenden Herrschaft der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier blühte Koblenz weiter auf und es entstand eine Vielzahl kultureller Schätze in Form von Kirchen, Schlössern und Festungsanlagen. Nach einer kurzen, aber prägenden französischen Zeit drückten im 19. Jahrhundert die Preußen Koblenz ihren Stempel auf. Die Stadt, nun Hauptstadt der preußischen Rheinprovinz, wurde als eines der mächtigsten Festungssysteme in Europa ausgebaut. Das 20. Jahrhundert war von erneuten baulichen Veränderungen und der erheblichen Erweiterung des Siedlungsgebiets geprägt. Einschneidend war die totale Zerstörung von Koblenz im Zweiten Weltkrieg. Nur langsam erholte sich die Stadt davon, das historische Stadtbild blieb aber für immer verloren. Im Jahr 1992 feierte die Stadt Koblenz ihre 2000-jährige Stadtgründung.
Zugehörigkeit von Koblenz:
mini|300px|Blick von der Festung Ehrenbreitstein auf Koblenz und das Deutsche Eck
Frühgeschichte mini|Infotafel zur Vor- und Frühgeschichte hinter der Basilika St. Kastor
Der Ausbruch des Laacher-See-Vulkans um das Jahr 10.930 v. Chr. veränderte die Landschaft so einschneidend, dass nur noch deutlich jüngere Funde gemacht werden können.
Das fruchtbare und verkehrsgünstig gelegene Gebiet am Zusammenfluss von Mosel und Rhein wurde seit der mittleren Steinzeit (ca. 9000 v. Chr.) kontinuierlich besiedelt. Die heutige Innenstadt lag im Deltabereich der Mosel und glich mehr einer Insellandschaft, die in den Sommermonaten bei Niedrigwasser leicht zu Fuß überquert werden konnte. Im gesamten Stadtgebiet gibt es Funde von Siedlungsresten und Grabstätten aus der Zeit der Rössener Kultur bis zu den Kelten. Zu den ältesten Funden im Moseldelta gehören eine rund 10.000 Jahre alte Geweihhacke und eine Steinaxt aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Die Menschen der Mittel- und Jungsteinzeit errichteten in der Inselwelt Jagdstationen, später kamen der Ackerbau und die Viehzucht hinzu. Damit wurden auch erste Gruben- und Fachwerkhäuser errichtet.
Im Stadtwald auf dem Dommelberg wurde um 1900 eine befestigte prähistorische Höhensiedlung der Urnenfelderkultur entdeckt. Die Fliehburg aus dem 11. bis 10. vorchristlichen Jahrhundert, deren Struktur noch deutlich zu erkennen ist, diente den umwohnenden Menschen als Zufluchtsort. Im Jahr 2005 stieß das Koblenzer Amt für archäologische Denkmalpflege bei Grabungen auf dem Gelände der Festung Ehrenbreitstein auf eine frühzeitliche Palisade, die nach hinten mit einem Erdaushub verstärkt wurde und etwa auf 1000 v. Chr. datiert werden kann. In: Rhein-Zeitung, 23. Mai 2005 Somit befand sich 250 Jahre vor der Gründung Roms nachweislich eine Befestigungsanlage auf dem Plateau des Ehrenbreitstein.
Die Kelten der jüngeren Hallstattzeit bis zur La-Tène-Zeit waren es schließlich, die im Bereich der heutigen Innenstadt eine ausgedehnte Handels- und Handwerkersiedlung errichteten. Als die Römer an den Rhein vorstießen, fanden sie in Koblenz die hoch entwickelte Zivilisation der Treverer, ein Volksstamm der Kelten, vor. In der Nähe von Koblenz befindet sich der Goloring, ein keltisches Erdwerk, das ca. 1000 v. Chr. entstand und wohl ähnlich wie Stonehenge als eine Art Sonnenkalender genutzt wurde. Auch das Wagengrab von Bell ist ein weiteres Zeugnis der keltischen Hochkultur, die alle auf einen ausgeprägten Fernhandel hinweisen und nahelegen, dass das Moseldelta eine wichtige Rolle an den Handelsrouten spielte.
Römische Zeit mini|200px|Fundort des römischen Kastells aus der Zeit des Kaisers Augustus an der Kastorkirche 2008 mini|200px|Teilausgrabung und Teilrekonstruktion eines römischen Bauernhofes am Remstecken im Stadtwald
Im Gallischen Krieg gegen die Germanen erreichten römische Truppen unter Julius Caesar 55 v. Chr. den Rhein und errichteten zwischen Koblenz und Andernach einen ersten Rheinübergang. In Koblenz selbst reichen Siedlungsreste in der Nähe des heutigen Münzplatzes, an der Kastorkirche und am Kurfürstlichen Schloss bis ins ausgehende erste vorchristliche Jahrhundert zurück. Ein erstes Kastell wurde 9 v. Chr. am Zusammenfluss von Mosel und Rhein zur Sicherung der Rheintalstraße Mainz-Köln-Xanten erbaut. Der erstmalige Nachweis dieses frührömischen Kastells gelang im November 2008, als man bei Bauarbeiten zur Bundesgartenschau 2011 an der Kastorkirche einen sensationellen Fund machte und einen antiken Graben entdeckte. Der vier Meter breite und immer noch 2,5 Meter tiefe Graben des 100 mal 100 Meter großen Kastells ist der fehlende Beweis für die frührömische Besiedlung von Koblenz, nach dem zuvor 150 Jahre lange vergebens im Bereich der Altstadt gesucht wurde. In: Rhein-Zeitung, 19. November 2008Koblenz am Rhein gegründet: BUGA macht Geschichte. In: spd-koblenz.de, 20. November 2008 Koblenz zählt somit zu den ältesten Städten Deutschlands. Die Römer nannten ihre Ansiedlungen „Castellum apud Confluentes“, was so viel wie „Kastell bei den Zusammenfließenden“ bedeutet. Zu dieser Zeit siedelten hier die Treverer, die die gesamte Moselregion beherrschten. Die Siedlung gehörte seit etwa 85 n. Chr. zu der neu gegründeten römischen Provinz „Germania superior“.
Römische Brücken wurden über Rhein und Mosel errichtet. Eine ca. 350 Meter lange Pfahlbrücke über den Rhein wurde um 49 n. Chr. zwischen dem heutigen Ehrenbreitstein und der Koblenzer Rheinseite erbaut. Sie bestand aus ca. 650–750 Eichenstämmen mit eisernen Spitzen, so genannten Pfahlschuhen, von denen 51 bis heute erhalten geblieben sind.Hansjörg Groenert: Die Moselbrücke, 50 m neben der heutigen Balduinbrücke gelegen, wurde als Teil der römischen Rheintalstraße erbaut.
Vermutlich unter Kaiser Domitian (81–96 n. Chr.) wurde das Kastell Niederberg für Auxiliartruppen in Niederberg zum Schutz des römischen Obergermanischen Limes errichtet. Die römischen Truppen wurden damit von Koblenz auf die rechte Rheinseite verlegt. Um 259/260 wurde der rechtsrheinische Bereich nach einer verheerenden fränkischen Offensive wieder geräumt. Nach dem Fall des Limes ließ Kaiser Konstantin (306–337) den Bereich der heutigen Altstadt mit einem mächtigen Mauerring mit 19 Rundtürmen und einem festen Tor versehen. Die Fundamente der Alten Burg bestehen aus den Resten eines der Rundtürme.
Oberhalb von Koblenz wurde im heutigen Stadtwald unweit der Römerstraße eine Tempelanlage für den römischen Mercurius und die gallische/keltische Rosmerta erbaut. Dort gefundene römische Münzen belegen eine Nutzung der Anlage bis in das 5. Jahrhundert. Am Remstecken finden sich Überreste eines römischen Bauernhofes (Villa rustica), der teilweise ausgegraben und teilrekonstruiert ist.
Vermutlich wurden beim Abzug der römischen Truppen im 5. Jahrhundert Rhein- und Moselbrücken zerstört. Die römische Stadtmauer blieb noch bis ins Frühmittelalter erhalten. Bis heute zeugen Mauerreste und Straßenzüge in der Koblenzer Altstadt von der spätrömischen Befestigung.
Fränkische Zeit mini|200px|Basilika St. Kastor und Kastorbrunnen
Mit dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches Mitte des 5. Jahrhunderts wurde Koblenz von den Franken erobert und ein fränkischer Königshof begründet. Dieser lag an der Stelle, wo sich heute der Pfarrhof der Liebfrauenkirche befindet. Es gibt Belege dafür, dass sich mehrfach austrasische Könige in Koblenz aufgehalten haben. König Childebert II. empfing 585 im Koblenzer Königshof eine Gesandtschaft des Burgunderkönigs Guntram I., zu der auch der Bischof und Geschichtsschreiber Gregor von Tours gehörte. Unter der Liebfrauenkirche wurde ein Oratorium ausgegraben, welches wahrscheinlich zur Pfalzkapelle des Königshofs gehört hat.
Infolge des Reichsteilungsgesetzes Karls des Großen vom 6. Februar 806 fiel Koblenz an dessen Sohn Karl den Jüngeren. Dieser starb aber früh, so dass Koblenz nach dem Tode von Karl dem Großen 814 an seinen Sohn Ludwig der Fromme kam. Dieser unterstützte sehr wahrscheinlich 817 den Trierer Erzbischof Hetti bei der Gründung des Stiftes St. Kastor außerhalb der Stadtbefestigung.
Das Ergebnis der Aufstände von 830 bis 833 zwischen den Söhnen Ludwig des Frommen (Lothar I., Karl der Kahle, Ludwig der Deutsche) und gegen ihn selbst war eine zweite Reichsteilung. Karl der Kahle erhielt nun 837 u. a. Koblenz. Die folgenden Unruhen im Reich konnten erst mit dem Vertrag von Verdun 843 und der Teilung des Fränkischen Reichs beendet werden. Vorverhandlungen zu diesem Teilungsvertrag fanden vom 19. bis 24. Oktober 842 zwischen den Abgesandten der drei Enkel Karls des Großen in der 836 geweihten Kastorkirche statt. Koblenz fiel damit an das nach Lothar I. benannte Mittelreich Lotharingien.
Im Jahr 855 wurde das Reich Lothars I. in der Teilung von Prüm unter seinen drei Söhnen aufgeteilt, Koblenz kam dabei an Lothar II. Nach dessen Tod wurde das Mittelreich 870 mit dem Vertrag von Meersen unter den Brüdern Lothars I. (Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle) erneut aufgeteilt. Der Ostteil des Reiches mit Koblenz wurde nun von Ludwig dem Deutschen regiert. Das Stift St. Kastor war mehrfach Treffpunkt der Kaiser und Könige sowie von deren Nachfahren. Im Juni 860 trafen sich hier die Karolinger zur Beilegung ihrer Streitigkeiten und handelten den Frieden von Koblenz aus.
Raubzüge der Normannen verschonten auch Koblenz nicht, die Stadt wurde im April 882 dabei verwüstet. Nach einer kurzzeitigen Unterbrechung gehörte Koblenz schließlich ab 925 ganz zum Ostfränkischen Reich, dem späteren Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Kurfürstliche Zeit mini|200px|Karte der römischen und mittelalterlichen Stadtmauer von Koblenz
Kaiser Heinrich II. schenkte 1018 dem Trierer Erzbischof Poppo von Babenberg den Fiskus Koblenz mit allem Zubehör (u. a. Markt, Münze und Zoll).Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 498–506 Die Erzbischöfe von Trier, die ab 1198 zum Kurfürstenkollegium gehörten, traten neben der kirchlichen nun auch die weltliche Herrschaft über die Stadt an. Kurtrier war einer der ursprünglich sieben Kurstaaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das weltliche Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Trier gehörte seit 1512 zum kurrheinischen Reichskreis und umfasste im Wesentlichen die Gebiete links und rechts der Unterläufe von Mosel und Lahn. Seine Hauptstadt war Trier, Residenzstadt wurde im 17. Jahrhundert Koblenz.
Der Ehrenbreitstein kam 1020 mit der neu erbauten Burg an die Trierer Erzbischöfe. Es war ihr Brückenkopf für den rechtsrheinischen Besitz des Kurfürstentums und galt als ihre sicherste Burg. So wurden hier in Krisenzeiten die größten Heiltümer des Landes aufbewahrt, z. B. der Kopf des heiligen Matthias (Bistumspatron) von 1380 bis 1422 und der Heilige Rock von 1657 bis 1794. Die Stadt Koblenz schützte die immer noch bestehende römische Stadtmauer.