Philosophie des Abendlandes. Ihr Zusammenhang mit der politischen und der sozialen Entwicklung (Originaltitel: A History of Western Philosophy And its connection with Political and Social Circumstances from the Earliest Times to the Present Day, erschienen im Jahr 1945) von Bertrand Russell ist eine Einführung in die westliche Philosophie von den Vorsokratikern bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert.

mini|Porträt des Buchautors Bertrand Russell (1872–1970)

Die Philosophie des Abendlandes enthält neben den Ideen bedeutender Philosophen vor dem Hintergrund der Geschichte ihrer Zeit auch Russells eigene Gedanken und Interpretationen dieser Ideen.

Hintergrund Das Buch wurde während des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Die Ursprünge dazu stammten aus einer Vorlesungsreihe über die Geschichte der Philosophie, die Russell zwischen 1941 und 1942 an der Barnes Foundation in Philadelphia hielt. Ein Großteil der historischen Recherche wurde von Russells dritter Ehefrau, Patricia, durchgeführt.Bertrand Russell: „Philosophie des Abendlandes“, S. 10, Limitierte Sonderausgabe des Europa Verlag AG Zürich für Parkland Verlag Köln, 1. Auflage 2007.Wie bei den meisten meiner Arbeiten seit 1932 hat mich meine Frau, Patricia Russell, im Quellenstudium und in mancher anderer Hinsicht weitgehend unterstützt. 1943 erhielt Russell von den Herausgebern einen Vorschuss von 3000 $ und zwischen 1943 und 1944, als er am Bryn Mawr College lebte, schrieb er das Buch. Es wurde 1945 in den USA publiziert und ein Jahr später in Großbritannien. Die deutsche Ausgabe, übersetzt von Elisabeth Fischer-Wernecke und Ruth Gillischewski, erschien erstmals 1950 in Zürich.

Inhalt Das Werk ist in drei Bücher unterteilt, von denen jedes zwei bis drei Abschnitte enthält, die wiederum in Kapitel unterteilt sind. Diese Kapitel befassen sich jeweils mit einem einzelnen Philosophen, einer Schule der Philosophie oder einer zeitgeschichtlichen Periode.

Die Philosophie der Antike Die Vorsokratiker (enthält Pythagoras, Heraklit, Parmenides, Empedokles, Anaxagoras und Protagoras) Sokrates, Platon und Aristoteles Antike Philosophie nach Aristoteles (enthält die Kyniker, Skeptiker, Epikureer, Stoiker und Plotin)

Die katholische Philosophie Die Kirchenväter (enthält die frühe Entwicklungsgeschichte der jüdischen Philosophie und der islamischen Philosophie (die er entsprechend der zu seiner Zeit üblichen Konvention „mohammedanisch“ nennt), sowie Ambrosius von Mailand, Hieronymus, Augustinus von Hippo, Benedikt von Nursia und Papst Gregor der Große) Die Scholastiker (enthält Johannes Scotus Eriugena und Thomas von Aquin)

Die Philosophie der Neuzeit Von der Renaissance bis Hume (enthält Niccolò Machiavelli, Erasmus von Rotterdam, Thomas More, Francis Bacon, Thomas Hobbes, René Descartes, Baruch Spinoza, Gottfried Wilhelm Leibniz, John Locke, George Berkeley und David Hume) Von Rousseau bis zur Gegenwart (enthält Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, George Gordon Byron, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, den Utilitarismus, Karl Marx, Henri Bergson, William James und John Dewey). Das letzte Kapitel in diesem Abschnitt, Die Philosophie der logischen Analyse, thematisiert Russells eigene Philosophie zur Zeit der Niederschrift.

Reaktionen und Folgewirkung Russell selbst beschrieb sein Buch als Werk der Sozialgeschichte und forderte, dass es als solches behandelt werden solle.B. Russell: „The Autobiography of Bertrand Russell“, Routledge, 2000. Während das Werk oft für Russells humorvollen und zugänglichen Schreibstil gelobt wurde, wurde es allerdings auch wegen seiner Konzentration auf die vor-cartesianistische PhilosophieR. Scruton: "Short History of Modern Philosophy ", Routledge, 2001. sowie seine „übermäßigen Verallgemeinerungen“ und Auslassungen kritisiert.

Die „Philosophie des Abendlandes“ war ein direkter kommerzieller Erfolg und wird seit ihrer ersten Auflage immer wieder verlegt. Als Russell 1950 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, wurde die „Philosophie des Abendlandes“ als eines der Werke zitiert, die ihm diesen Preis eingebracht hatten. Der Erfolg des Buchs bescherte Russell die benötigte finanzielle Absicherung für das letzte Vierteljahrhundert seines Lebens.

Kritiken

Stanisław Lem auf die Frage, welches Buch er auf eine einsame Insel mitnähme:

Russell selbst sagte über sein Werk:

Siehe auch Der Untergang des Abendlandes

Quellen

Literatur Frederick C. Copleston: A History of Philosophy Ernst R. Sandvoss: Russell, «rowohlts monographien», Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, Februar 1980, ISBN 3-499-50282-8, Kapitel „Geschichte der westlichen Philosophie“ S. 105ff.

Kategorie:Philosophisches Werk Kategorie:Geschichte der Philosophie