Die römisch-katholische Basilika St. Cyriakus (auch Propsteikirche) ist eine Pfarrkirche in der Stadt Duderstadt im Landkreis Göttingen von Niedersachsen. Sie gilt als Hauptkirche der Stadt und des Untereichsfelds. In der Stadt wird sie auch „Oberkirche“ und in der Region „Eichsfelder Dom“ genannt. Seit dem 3. Oktober 2015 ist sie päpstliche Basilica minor. Architektonisch ist die dreischiffige gotische Kirche eine Staffelhalle mit basilikalem Chor. Ihre Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Untereichsfeld des Bistums Hildesheim.
Baugeschichte mini|Luftbild mini|Südostansicht mini|Südansicht der Basilika im Hintergrund, davor die Propstei (mittig), die alte Stadtbibliothek (links) und die Stadtmauer (2011) Die Kirche steht an der Stelle einer Handwerker- und Kaufmannssiedlung, die zusammen mit dem Königshof bei St. Servatius zum Kern der späteren Stadt wurde. Der älteste bekannte Bau an dieser Stelle war eine kleinere romanische Kirche. Über weitere Vorgängerbauten der heutigen Kirche ist nichts bekannt; das Cyriakus-Patrozinium reicht jedoch sicher in die Entstehungszeit der Ansiedlung um 950 zurück.
Die weitere Baugeschichte spiegelt den wachsenden Wohlstand und das Selbstbewusstsein der Duderstädter Bürger. Trotz der langen Entstehungszeit wirkt das Gesamtbild der Kirche als geschlossenes Ganzes.
Die Errichtung des heutigen Gotteshauses begann gegen 1240 mit dem Bau des monumentalen frühgotischen Westbaus, der dem romanischen Kirchenschiff vorgesetzt wurde. Jedoch wurde nur der nördliche der beiden geplanten achteckigen Türme errichtet. In diesem lebte und arbeitete lange Zeit ein Türmer, der sog. Tornemann, der die Stadt vor Feind und Feuer zu warnen hatte. Das repräsentative Portal hat wohl im Hauptportal der Elisabethkirche in Marburg sein Vorbild. Das Tympanon zeigt eine Mondsichelmadonna (im Barock ersetzt), die von zwei Weihrauchfässer schwingenden Engeln verehrt wird. Im Innenraum des Westbaus finden sich mehrere mit Motiven aus Pflanzen- und Tierwelt verzierte Pfeilerkapitelle.
1394 ersetzte man den romanischen durch den hochgotischen, dreijochigen Chor mit einer fünfseitigen Apsis. Der in die Außenwand eingemauerte Grundstein nennt einen Wilhelm Knoke als leitenden Baumeister.
Schließlich wurde das romanische durch ein gotisches Langhaus in Form einer dreischiffigen Staffelhalle mit sechs Jochen ersetzt. Beim Bau errichtete man zunächst die neuen Außenmauern um das alte Kirchenschiff herum, um darin weiter ungestört Gottesdienst feiern zu können. Im Jahr 1490 wurde die Einwölbung der Kirche fertiggestellt, gestiftet vom aus Duderstadt stammenden Göttinger Bürgermeister Heinrich Helmold, wie ein Schlussstein mit seinem Wappen im nördlichen Seitenschiff beurkundet.1457 hatte er einen kaiserlichen Wappenbrief erhalten. Vgl. Historisches Taschenbuch des Adels im Königreich Hannover, S. 152; DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 23 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0002304. (Abgerufen am 25. August 2021.) Damit war der Bau vorerst fertiggestellt.
1852 fielen große Teile der Stadt einem verheerenden Brand zum Opfer, dabei auch die Dächer von Nordturm und Kirchenschiff. Im Zuge von Conrad Wilhelm Hase geleiteten Wiederaufbaumaßnahmen, bei denen auch das um 1700 barockisierte Kircheninnere regotisiert wurde, errichtete man nun, nach dem Vorbild des Nordturms, auch den Südturm. Beide Türme erreichen jeweils eine Höhe von ca. 65 Metern.
Nach Pfingsten 2016 wurde mit einer Innenrenovierung begonnen, die durch neue Ausmalung und Beleuchtungskonzepte das Gotteshaus heller und freundlicher erscheinen lassen sollte. Sie fand im November desselben Jahres ihren Abschluss.
Ausstattung mini|Innenraum mit Blick zum Hochchor (nach der Innensanierung 2016) mini|Chorraum (nach der Innensanierung 2016) Der Innenraum von St. Cyriakus ist reich mit Kunstwerken ausgestattet, die vor allem in der Zeit der Gotik und des Barock entstanden.
Der Hochaltar, ein spätgotischer Flügelaltar, wurde um 1510 geschaffen. 1685 musste er seinem barocken Nachfolger weichen. Nach einer Restaurierung durch Richard Moest aus Köln, bei der der Altar unter anderem einen neuen Rahmen erhielt, kehrte er 1877 an seinen alten Platz zurück. Ist der Altar geöffnet, sind Reliefs sichtbar, die mit gotischem Maßwerk gerahmt sind und Szenen aus dem Leben Christi darstellen: Der linke Flügel ist mit den Szenen der Verkündigung, der Geburt, der Beschneidung und der Anbetung der Könige der Kindheit Jesu gewidmet. Der rechte Flügel zeigt Jesu Gebet im Ölgarten, seine Festnahme, Geißelung und Verspottung. Der Schrein ist von einer großen Kalvarienbergdarstellung dominiert, die links durch die Szenen von der Verurteilung Jesu und der Kreuztragung, rechts durch die Szenen der Grablegung und Auferstehung Christi gerahmt wird. In der Advents- und in der Fastenzeit ist der Altar geschlossen, sodass ein vom Duderstädter Kaplan Otto von dem Hagen 1879 nach italienischen Vorbildern gemaltes Bild der Verkündigung an Maria sichtbar wird, das an den Flügelaußenseiten angebracht ist.
In den Wänden des Chorpolygons haben sich ein Sakramentshaus (Nordostwand), eine Piscina (Südostwand) und eine Sediliennische (Südwand) aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Die Fenster über dem Hochaltar entstanden im Jahr 1876. Sie sind einem Flügelaltar ähnlich gegliedert und dem Stil des Nazarener zuzuordnen. Im Chor ist auch das barocke Chorgestühl von St. Cyriakus aufgestellt, in dem einst Mitglieder des Stadtrates zu Gottesdiensten Platz nahmen.
Die spätgotische Kanzel, mit ihrem im 19. Jahrhundert zugefügten Schalldeckel, befindet sich an einem der nördlichen Pfeiler in der Mitte des Hauptschiffs. Von diesem Standort aus ist der Prediger im gesamten Kirchenraum ohne Verstärkeranlagen gut zu hören.
An den kantonierten Pfeilern des Hauptschiffes und an den Diensten im Chorraum sind lebensgroße Skulpturen der zwölf Apostel angebracht, die der Barockkünstler Andreas Kersten von 1678 bis 1687 schuf. Vom selben Künstler stammen auch die Figuren des Guten Hirten und der Gottesmutter Maria als apokalyptisches Weib, die sich jeweils an einer Seite vom Eingang des Chores befinden. Sie standen wohl früher im Zentrum der barocken Seitenaltäre. Im nördlichen Seitenschiff sind Figuren der Heiligen Nikolaus von Myra und Johannes Nepomuk aufgestellt, die, wie auch eine Skulpturengruppe der Flucht nach Ägypten im Eingangsbereich der Kirche, ebenfalls von Kersten stammen.
Im nördlichen Seitenchor, dem sogenannten Johannischor, findet sich ein gotisches Relief der Beweinung Christi von 1490, das wohl einmal ein Teil eines Altarretabels gewesen ist. Hier steht auch der um 1470 entstandene Gottvater- oder Gnadenstuhlaltar. Er stammt eigentlich aus dem Spital St. Martini und wurde erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts an seinem heutigen Standort aufgestellt. Bei dem Altar handelte es sich ursprünglich um einen kleinen Flügelaltar, der in der Zeit des Historismus seine heutige, nicht mehr wandelbare, Gestalt erhielt. Trotzdem ist das mittelalterliche Bildprogramm vollständig erhalten geblieben: Der linke Flügel zeigt die hl. Maria Magdalena, wie sie Jesus die Füße wäscht. Auf dem rechten Flügel ist der hl. Martin von Tours dargestellt, wie er, auf einem Pferd sitzend, einem leprakranken Bettler die Hälfte seines Mantels überreicht. Im Schrein umgeben (von links nach rechts) die Heiligen Barbara, Andreas, Jakobus der Ältere und Katharina von Alexandrien die zentrale Darstellung des Gnadenstuhls. Die ehemaligen Flügelaußenseiten zieren die beschädigten Bilder einer Dreifaltigkeitsdarstellung, der sogenannten „Not Gottes“, und eine weitere Darstellung der Heiligen Maria Magdalena.
Im südlichen Seitenschiff befindet sich der mit barocken Formen reich verzierte Marmortaufstein aus dem Jahr 1694. An seinem Deckel ist die Taufe Jesu im Jordan dargestellt. Daran ist ein Seil befestigt, das mit den Figuren der Heiliggeisttaube und Gottvater verziert ist und das Anheben des Deckels erleichtert. In der Nähe zum Taufstein findet sich ein figurenreiches Relief der heiligen Sippe, das Anfang des 16. Jahrhunderts entstand und wohl zu einem Altarretabel gehörte.
Die an den Seitenschiffwänden angebrachten Kreuzwegstationen sind Werke Otto von dem Hagens aus dem Jahr 1882.
Bemerkenswert sind auch die barocken Prozessions- und Zunftstangen (auch Gildeleuchter genannt), die an den mittleren Wangen des Kirchengestühls stehen. Sie zeigen u. a. die Schutzpatrone verschiedener Zünfte und werden bei Prozessionen mitgeführt. Eine Besonderheit sind auch die 80 figürlich ausgearbeiteten und gefassten Schlusssteine in den Gewölben, die Christus und zahlreiche Heilige zeigen. Im westlichen Teil des Hauptschiffgewölbes finden sich zudem Teile einer mittelalterlichen Ausmalung, die jedoch nicht fertiggestellt wurde.
St. Cyriakus beherbergt darüber hinaus eine Vielzahl von weiteren Figuren, Gemälden und Epitaphien, darunter eine barocke Madonna und eine Pietà von 1870.
Im 15. und frühen 16. Jahrhundert gab es in der Kirche einen Jakobusaltar und eine Statue des Apostels Jakobus des Älteren. Die Jakobusverehrung und praktische Hilfe für Jakobspilger (wallende Brüder) waren besondere Anliegen der Duderstädter Jakobsbruderschaft, die vor der Stadtmauer am Steintor ein eigenes Hospital unterhielt.P. Aufgebauer: „Zum Wohle der Jakobspilger“. Eine Duderstädter Bruderschaft und ihr Hospital, in: Eichsfeld-Jahrbuch 17, 2009, S. 49–62.
Das kostbarste Stück des Kirchenschatzes von St. Cyriakus ist das Nordhäuser Kreuz, ein frühgotisches Vortragekreuz, das Partikel des heiligen Kreuzes und weitere Reliquien enthalten soll und mit Halbedel- und Edelsteinen besetzt ist. Es wurde 1672 dem Kanonikerstift in Nordhausen abgekauft.
Im Jahre 2016 erfolgte eine umfassende Innensanierung. Der Raum ist dabei in hellen Weiß- und Cremetönen ausgemalt worden und bekam eine neue LED-Lichttechnik. Die Ausmalung folgt keinem historischen Vorbild, sondern ist eine moderne Neugestaltung. Im Zuge dieser Sanierung wurden einige neue Ausstattungsstücke, wie ein Osterleuchter und ein ewiges Licht angeschafft.
Creutzburg-Orgel mini|Creutzburg-Orgel von 1735 und die mittelalterlichen Gewölbefresken (nach der Innensanierung 2016) Am 23. April 1733 begann der Orgelbauer Johannes Creutzburg mit den Arbeiten an der große[n] Orgel in Duderstadt, wie er es in seinem heute noch existierenden Werkstatt- und Tagebuch vermerkt hat. An anderer Stelle notiert er: Ao 1735 ist die Orgel in Duderstadt ferdig worden. Creutzburg hat in Duderstadt, von seinen insgesamt 14 nachweisbaren Orgelbauten, sein größtes und bedeutendstes Werk geschaffen. Als Anerkennung für diese Leistung fand er Aufnahme in der Bürgerschaft Duderstadts.
Die Orgel gehörte wegen ihrer großzügigen Ausstattung mit 41 Registern auf drei Manualen und Pedal zu den herausragenden Werken zwischen Thüringen und dem Harz. Sie stand ebenbürtig neben den Instrumenten von Heinrich Gottfried Trost, Johann Friedrich Wender, Johann Christian Dauphin und Christoph Treutmann.R. Menger, in: Die Orgel des Johannes Creutzburg zu Duderstadt. Festschrift zur Wiedereinweihung. Verein zur Förderung der Restaurierung der Creutzburg-Orgel e. V. (Hrsg.), 2006, S. 13 Im Laufe der Zeit erfuhr sie fünf wesentliche Eingriffe, die dem jeweiligen Zeitgeschmack unterlagen. Nicht alle davon erfolgten in der gewünschten Qualität. Etwa 700 Pfeifen Creutzburgs sind noch erhalten. Johann Wilhelm Schmerbach (Frieda bei Eschwege) stellte 1823 einen ersten, größeren Umbau fertig. Auf Initiative von Johann Joseph Adam Homeyer, von 1867 bis 1894 Organist an St. Cyriakus und bekannter Konzertvirtuose, erweiterte Andreas Engelhardt (Herzberg im Harz) die Orgel bis 1859 um 13 Register.https://www.gdo.de/fileadmin/gdo/pdfs/AO-0803-AltNeu.pdf Um Raum für diese Erweiterung zu schaffen, versetzte Engelhardt die Pedaltürme um knapp zwei Meter nach vorn.