Die Panzerschlacht bei Dubno-Luzk-Brody (; auch Schlacht bei Dubno-Luzk-Riwne) war eine Schlacht im Zweiten Weltkrieg während des Deutsch-Sowjetischen Krieges. Sie fand vom 23. bis zum 29. Juni 1941 statt, nachdem am 22. Juni der deutsche Überfall auf die Sowjetunion begonnen hatte.

Die Panzergruppe 1 der Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt griff starke Panzerkräfte der Südwestfront der Sowjetunion unter Generaloberst Michail Kirponos an. 2803 sowjetische Panzer (sechs mechanisierte Korps) kämpften gegen 728 deutsche (fünf Panzer-Divisionen). Die Panzerschlacht bei Dubno-Luzk-Riwne ist nach der Panzerschlacht bei Kursk im Juli 1943 die zweitgrößte Panzerschlacht des Zweiten Weltkriegs. Die Verbände der Roten Armee wurden ausmanövriert und verloren sehr viele Panzer. Die schlechte sowjetische Logistik, die deutsche Luftüberlegenheit und der totale Zusammenbruch der Führung der Roten Armee sicherten der Wehrmacht trotz der hohen zahlenmäßigen Überlegenheit der Roten Armee den Sieg.

Ausgangslage Am Morgen des 22. Juni 1941 wurde das Unternehmen Barbarossa von der deutschen 6. Armee mit dem Angriff der zugeteilten Panzergruppe 1 von Ewald von Kleist über den Bug eingeleitet. Die Gegenwehr der sowjetischen 5. Armee unter General Potapow erwies sich am ersten Tag schwächer als erwartet. Den Flussübergang im Raum Sokal hatte bereits das LV. Armeekorps mit der 57. Infanterie-Division erkämpft. Das XXXXVIII. Armeekorps (mot.) des Generals Werner Kempf mit der 11. Panzer-Division, der 16. Infanterie-Division (mot.) und der später nachfolgenden 16. Panzer-Division bildeten die Spitze des deutschen Angriffes. Nördlich davon stießen die Truppen des III. Armeekorps (mot.) unter Eberhard von Mackensen und des XXIX. Armeekorps des Generals der Infanterie Hans von Obstfelder in Richtung auf Luzk vor. Das XIV. Armeekorps (mot.) verblieb als Armeereserve noch im Hinterland.

Der überlegene deutsche Panzervorstoß erfolgte zwischen Sokal und Wladimir-Wolynsk und drang zwischen dem sowjetischen 15. (General I. Fedjuninski) und 27. Schützenkorps (Generalmajor P. D. Artemenko) rasch nach Wolhynien ein, dahinter folgte zügig die Infanterie der 6. Armee nach. Am Abend des ersten Tages rückten deutsche Truppen zwischen 15 und 25 Kilometer tief in das sowjetische Territorium vor.

Rechts von der 6. Armee rückte gleichzeitig die Masse der deutschen 17. Armee (XXXXIX. Gebirgskorps und IV. Armee-Korps) gegenüber der sowjetischen 6. Armee (Generalleutnant Musytschenko) zwischen dem San-Abschnitt und Rawa-Ruska auf die Hauptstadt Galiziens, Lemberg, vor.

Beteiligte Verbände beider Seiten

30px|klasse=noviewer Südwestfront (Generaloberst Michail P. Kirponos) 25px|klasse=noviewer 5. Armee (Generalleutnant Michail I. Potapow) 20px|klasse=noviewer 15. Schützenkorps – Generalmajor Iwan I. Fedjuninski 45. Schützendivision – Generalmajor G. I. Scherstjuk 62. Schützendivision – Oberst M. P. Timoschenko 20px|klasse=noviewer 27. Schützenkorps – Generalmajor Pawel D. Artemenko 87. Schützendivision – Generalmajor F. F. Aljabuschew 124. Schützendivision – Generalmajor F. G. Suschij 135. Schützendivision – Generalmajor F. N. Smechotworow 20px|klasse=noviewer 22. Mechanisiertes Korps – Generalmajor S. M. Kondrussew, ab 24. Juni Generalmajor Wladimir S. Tamrutschi 19. Panzerdivision – Generalmajor K. A. Sementschenko 41. Panzerdivision – Oberst Pjotr Petrowitsch Pawlow 215. Motorisierte Schützendivision – Oberst P. A. Barabanow 20px|klasse=noviewer 9. Mechanisiertes Korps – Generalmajor Konstantin K. Rokossowski 20. Panzerdivision – Oberst M. J. Katukow 35. Panzerdivision – Generalmajor. N. A. Nowikow 131. Motorisierte Schützendivision – Oberst N. W. Kalinin Fronttruppen (ab 25. Juni zur 5. Armee) 20px|klasse=noviewer 31. Schützenkorps – Generalmajor Anton I. Lopatin 193. Schützendivision – Oberst A. K. Berestow 195. Schützendivision – Generalmajor W. N. Nesmelow 200. Schützendivision – Oberst Iwan I. Ljudnikow 20px|klasse=noviewer 19. Mechanisiertes Korps – Generalmajor Nikolai W. Feklenko 43. Panzerdivision – Oberst I. G. Tschibin 40. Panzerdivision – Oberst M. W. Schirobokow 213. Motorisierte Schützendivision – Oberst W. M. Osminskij 20px|klasse=noviewer 36. Schützenkorps – Generalmajor P. W. Sysojew 140. Schützendivision – Oberst L. G. Basanez 146. Schützendivision – Generalmajor I. M. Gerasimow 228. Schützendivision – Oberst A. M. Iljin 20px|klasse=noviewer 49. Schützenkorps – Generalmajor Iwan A. Kornilow 199. Schützendivision – Oberst A. N. Alexsejew 190. Schützendivision – Oberst G. A. Zwerew 197. Schützendivision – Oberst S. D. Gubin 25px|klasse=noviewer 6. Armee (Generalleutnant Iwan N. Musytschenko) 20px|klasse=noviewer 37. Schützenkorps – Generalmajor S. P. Sybin 80. Schützendivision – Generalmajor W. I. Prochorow 139. Schützendivision – Oberst N. L. Loginow 141. Schützendivision – Generalmajor Ja. I. Tonkonogow 20px|klasse=noviewer 4. Mechanisiertes Korps – Generalmajor Andrei A. Wlassow 8. Panzerdivision – Oberst P. S. Fotschenkow 32. Panzerdivision – Oberst J. G. Puschkin 81. Motorisierte Schützendivision – Oberst P. M. Waripajew 20px|klasse=noviewer 15. Mechanisiertes Korps – Generalmajor Ignati Iwanowitsch Karpeso 10. Panzerdivision – Generalmajor S. Ja. Ogurtsow 37. Panzerdivision – Oberst F. G. Anikuschkin 212. Motorisierte Schützendivision – Generalmajor S. W. Baranow 20px|klasse=noviewer 8. Mechanisiertes Korps – Generalleutnant Dmitri I. Rjabyschew 12. Panzerdivision – Generalmajor Timofaj A. Mischanin 34. Panzerdivision – Oberst I. W. Wasiljew 7. Motorisierte Schützendivision – Oberst A. G. Gerasimow 20px|klasse=noviewer 6. Schützenkorps – Generalmajor I. I. Alexejew 41. Schützendivision – Generalmajor G. N. Mikuschew 97. Schützendivision – Oberst N. M. Sacharow 159. Schützendivision – Oberst I. A. Maschtschenko 20px|klasse=noviewer 5. Kavalleriekorps – Generalmajor F. W. Kamkow 3. Kavalleriedivision – Generalmajor M. F. Malejew 14. Kavalleriedivision – Generalmajor Wassili D. Krjutschenkin

30px|klasse=noviewer Heeresgruppe Süd (Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt) 25px|klasse=noviewer 6. Armee (Generalfeldmarschall Walter von Reichenau) 20px|klasse=noviewer|rand XVII. Armeekorps (General der Infanterie Werner Kienitz) 213. Sicherungs-Division (Generalleutnant Rene de L’Homme de Courbiere) 56. Infanterie-Division (Generalleutnant Karl von Oven) 62. Infanterie-Division (Generalleutnant Walter Keiner) 298. Infanterie-Division (Generalleutnant Walther Graeßner) 20px|klasse=noviewer|rand XXIX. Armeekorps (General der Infanterie Hans von Obstfelder) 44. Infanterie-Division (Generalleutnant Friedrich Siebert) 99. leichte Infanterie-Division (Generalleutnant Kurt von der Chevallerie) 299. Infanterie-Division (Generalleutnant Willi Moser) 111. Infanterie-Division (Generalleutnant Otto Stapf) 20px|klasse=noviewer|rand LV. Armeekorps (General der Infanterie Erwin Vierow) 168. Infanterie-Division (Generalleutnant Hans Mundt) 57. Infanterie-Division (Generalleutnant Oskar Blümm) 75. Infanterie-Division (Generalleutnant Ernst Hammer) 20px|klasse=noviewer|rand XXXXIV. Armeekorps (General der Infanterie Friedrich Koch) 297. Infanterie-Division (Generalleutnant Max Pfeffer) 9. Infanterie-Division (Generalleutnant Siegmund Freiherr von Schleinitz) 262. Infanterie-Division (Generalleutnant Edgar Theisen) Armeereserve 20px|klasse=noviewer|rand LI. Armeekorps (General der Infanterie Hans Wolfgang Reinhard) 113. Infanterie-Division (Generalleutnant Friedrich Zickwolff) 95. Infanterie-Division (Generalleutnant Hans-Heinrich Sixt von Arnim) 79. Infanterie-Division (General der Infanterie Karl Strecker) 25px|klasse=noviewer Panzergruppe 1 (Generaloberst Ewald von Kleist) 20px|klasse=noviewer|rand III. Armeekorps (mot.) (General der Panzertruppe Eberhard von Mackensen) 13. Panzer-Division (Generalleutnant Friedrich-Wilhelm von Rothkirch und Panthen) 14. Panzer-Division (Generalleutnant Friedrich Kühn) 25. motorisierte Infanterie-Division (Generalleutnant Erich Clößner) 20px|klasse=noviewer|rand XXXXVIII. Armeekorps (mot.) (General der Panzertruppe Werner Kempf) 11. Panzer-Division (Generalleutnant Ludwig Crüwell) 16. Panzer-Division (Generalleutnant Hans Valentin Hube) 16. motorisierte Infanterie-Division (Generalleutnant Sigfrid Henrici) Armeereserve 20px|klasse=noviewer|rand XIV. Armeekorps (mot.) (General der Panzertruppe Gustav Anton von Wietersheim) 9. Panzer-Division (Generalleutnant Alfred Ritter von Hubicki) SS-Division Wiking (SS-Brigadeführer Felix Steiner) SS-Division Leibstandarte (SS-Brigadeführer SS-Obergruppenführer Sepp Dietrich)

25px|klasse=noviewer Luftflotte 4 (Generaloberst Alexander Löhr) 20px|klasse=noviewer|rand V. Fliegerkorps (Generalmajor Robert von Greim) Stab I., II. und III./Kampfgeschwader 55 Stab, I. und II./Kampfgeschwader 54 Stab I., II. und III. Kampfgeschwader 51 I., II. und III./Jagdgeschwader 3 4./Fernaufklärungsgruppe 121 20px|klasse=noviewer|rand II. Flak-Korps (General der Flakartillerie Otto Deßloch) Stab/Flakregiment 6 mit leichte Flakabteilung 93, I./Flakabteilung 7, I./Flakabteilung 24 und II./Flakabteilung 26 Stab/Regiment General Göring mit I. und IV./Regiment General Göring, leichte Flakabteilung 74, leichte Flakabteilung 83 und II./Flakabteilung 43

Verlauf 23. Juni mini|hochkant|Generaloberst Michail Petrowitsch Kirponos mini|Skizze zur Schlacht, Lage 23. Juni

An der Grenze westlich Wladimir-Wolynsk stand gegenüber der deutschen 13. und 14. Panzerdivision des III. Armeekorps (mot.) zunächst nur die sowjetische 87. und 135. Schützendivision sowie die 41. Panzerdivision. Die Masse des 22. Mechanisierten Korps (Generalmajor Kondrussew) stand mit der 19. Panzer- und 215. motorisierten Division noch im Raum Rowno, 140 km von der Grenze entfernt. An der Spitze des XXXXVIII. Armeekorps (mot.) geriet die 11. Panzerdivision (Generalmajor Crüwell) bei Radechiw am 23. Juni in ein erstes Panzergefecht. Teile von Generalmajor Ogurzows 10. Panzerdivision wurden bei Radechiw überrascht, 20 BT-7- und 6 T-34-Panzer wurden zurückgeworfen. Weiter über Stojanow nach Osten auf Berestetschko vorgehend, wurde ein erster Styr-Übergang bei Szczurowje gebildet. Die deutschen Panzer standen am Abend dieses Tages bereits 20 Kilometer tief auf sowjetischem Gebiet. Dadurch war zwischen der sowjetischen 6. Armee und 5. Armee eine 50 km breite Frontlücke entstanden, in der die Panzergruppe 1 zügig vorrückte. Die vier an der Spitze stehenden deutschen Panzerdivisionen (11., 13., 14. und 16.) verfügten über 80 Panzer vom Typ Panzer IV, 195 Panzer III (5-cm-Kanone), 89 Panzer III (3,7-cm-Kanone), 179 Panzer II und 42 Befehlspanzer. Erst am 28. Juni wurde auch die 9. Panzerdivision mit 20 Panzer IV, 60 Panzer III (5-cm-Kanone), 11 Panzer III (3,7-cm-Kanone), 32 Panzer II, 8 Panzer I und 12 Befehlspanzern in die Schlacht eingeführt.

Das Kommando der sowjetischen Südwestfront unter Generaloberst Michail Kirponos hatte sein Hauptquartier von Kiew nach Tarnopol verlegt und organisierte auf Befehl von Georgi Schukow umgehend einen Gegenschlag starker Panzerkräfte gegen den deutschen Einbruchskeil. General Purkajew, der Generalstabschef der Südwestfront, warnte davor, dass die volle Konzentration der mechanisierten Korps mindestens drei bis vier Tage dauern würde. Trotzdem beschloss Kirponos, den Gegenangriff zu führen; zwei Stoßgruppen sollten gleichzeitig gegen die Flanken der Panzergruppe 1 angreifen. Die nördliche Angriffsgruppe sollte das 22., 9. und 19. mechanische Korps umfassen, die südliche Gruppe sollte durch das 4., 8. und 15. mechanische Korps sowie das 37. Schützenkorps gebildet werden. Diese Korps wurden auch aus den benachbarten Abschnitten der 26. und 6. Armee herangezogen und konnten erst nach einem bis zu 200 Kilometer langen Anmarsch immer nur teilweise in die Kämpfe eingeführt werden.