Die Bahnstrecke Pirna–Coswig ist eine zweigleisige elektrifizierte Hauptbahn in Sachsen, die vorwiegend der S-Bahn Dresden dient. Sie verläuft auf gleichem Bahnkörper parallel zu den bestehenden Hauptbahnen Děčín–Dresden und Dresden–Leipzig. Der Abschnitt zwischen Pirna und Dresden-Neustadt ist seit 2004 in Betrieb, das Gesamtprojekt wurde im März 2016 mit der Fertigstellung der verbliebenen Strecke Dresden-Neustadt–Coswig abgeschlossen.
Geschichte Vorgeschichte
Pirna–Dresden
mini|links|S-Bahn bei Dresden-Dobritz im Jahr 1991. Das gleislose und überwachsene Planum rechts daneben trug bis 1946 die Fernbahngleise.
Bereits 1895 wurden im Zusammenhang mit dem geplanten Ausbau der Dresdner Bahnanlagen erste Pläne für einen viergleisigen Ausbau der Strecke Bodenbach–Dresden zwischen Pirna und Dresden ausgearbeitet. Realisiert wurde das Vorhaben – unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg – von 1901 bis 1934. Fortan bestand zwischen Pirna und Dresden-Neustadt eine betriebliche Trennung zwischen Fern- und Vorortverkehr.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1946 drei der vier Gleise als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut. Erst ab 16. Dezember 1952https://www.sachsenschiene.net/bahn/str/str_mehrgl.htm war wieder ein zweigleisiger Verkehr zwischen Pirna und Dresden möglich. Der Gesamtverkehr lief über die ehemaligen Vorortgleise.
Mit der Einrichtung eines S-Bahn-Netzes in Dresden ab 1973 wurden auch die Planungen für einen Wiederaufbau der Fernbahngleise forciert. Zwischen 1979 und 1982 wurde das Planum für den Wiederaufbau des dritten und vierten Gleises hergerichtet, was auch den Neubau zahlreicher Brücken einschloss. Wegen zunehmender Gleisschäden durch alkaligeschädigte Schwellen im Netz der Deutschen Reichsbahn wurde das Projekt in den 1980er Jahren angesichts fehlender Baukapazitäten zurückgestellt.
Dresden–Coswig
Der Rückbau des viergleisigen Abschnitts bis 1946 auf ein Gleis stellte ein Problem für den Bahnverkehr zwischen Leipzig und Dresden dar, den hinter Ost-Berlin größten beiden Städten der SBZ. Von Coswig (b Dresden) bis Borsdorf im Leipziger Land wurde unter Einbeziehung der über Meißen führenden zweiten Strecke zwischen diesen Städten Richtungsverkehr auf den beiden eingleisigen Hauptbahnen eingerichtet. Nach dem Wiederaufbau des zweiten Streckengleises der Leipzig-Dresdner-Bahn bis 1967 und der Elektrifizierung bis 1970 endete der Ringverkehr 1971. Der auf beiden Strecken gelegene Abschnitt Dresden–Meißen wurde 1973 in das Dresdner S-Bahn-Netz integriert, wobei das zweite Gleis zwischen Coswig und Meißen erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 1981 betriebsfertig war.
Wegen des in der Zwischenzeit erweiterten Lichtraumprofils war ein erneuter viergleisiger Ausbau zwischen Coswig und Dresden Neustadt ohne Planumsverbreiterung ausgeschlossen. Nach langer Vorbereitung konnte Ende der 1970er Jahre ein drittes Streckengleis zwischen Radebeul West und Radebeul Ost in Betrieb genommen werden. Es endete allerdings im Westkopf des Bahnhofs Radebeul Ost. Der schon fertig errichtete Bahnsteig 5 in diesem Bahnhof erhielt nie das dazugehörende Gleis. Das von Radebeul Ost bis etwa auf Höhe der Hansastraße vorgestreckte dritte Gleis konnte durch Lichtraumprofil- und Brückenprobleme nicht in den Bahnhof Dresden-Neustadt eingebunden werden. Nach zunehmenden Gleisschäden durch alkaligeschädigte Betonschwellen im Netz der Deutschen Reichsbahn, die auch die Strecke Leipzig–Dresden betrafen, wurde der dreigleisige Ausbau in den 1980er Jahren abgebrochen. Das bisherige Streckengleis 1 Leipzig–Dresden war auf diesem Abschnitt in besonders schlechtem Zustand. Weil eine Fertigstellung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten war, wurde das dritte Gleis in Radebeul Ost und vor dem Bahnhof Dresden Neustadt an das bisherige Gleis 1 angeschwenkt. In diesem Zusammenhang musste auch die schon fertiggestellte Einbindung der Strecke LDV (346) zum Güterbahnhof Dresden Neustadt an der Abzweigstelle Dresden-Pieschen umgebaut werden. Das bisherige Gleis 1 inklusive der Fahrleitung blieb jahrelang liegen, der Abbau geschah nur schleppend.
Neubau der S-Bahn-Strecke mini|links|Typische Ausstattung eines S-Bahn-Haltepunktes (Dresden Freiberger Str.)
Nach der politischen Wende in der DDR kam es zu einer Überarbeitung des Projektes. Von einem bloßen Wiederaufbau der fehlenden Gleise wurde nun abgesehen. Vorgesehen war eine betrieblich eigenständige S-Bahn-Strecke, die nur noch an wenigen Stellen Verbindungen zum Fernbahnnetz haben sollte.
Am 5. Dezember 1995 beschloss die sächsische Staatsregierung, dass der Freistaat Sachsen den Ausbau der Dresdner S-Bahn-Infrastruktur maßgeblich finanziell unterstützen wird. Am 1. Oktober 1996 begann mit dem Ersten Spatenstich der Neubau der S-Bahn-Strecke zwischen Pirna und Dresden-Neustadt. Seit dem 15. Juli 2001 ist der Abschnitt zwischen Pirna und Dresden-Dobritz fertiggestellt, im Dezember 2004 der Abschnitt bis Dresden-Neustadt.
Alle Haltepunkte bekamen eine einheitliche Nutzlänge von 140 Metern, was die möglichen Zuglängen auf fünf Doppelstockwagen begrenzt. Die Bahnsteighöhe wurde mit 550 Millimetern über Schienenoberkante so bemessen, dass beim Einsatz von Doppelstockwagen mit Tiefeinstieg bzw. Desiro-Triebwagen der DB-Baureihe 642 ein niveaugleicher Einstieg gegeben ist. Alle Haltepunkte sind mit Aufzügen barrierefrei ausgestattet.
mini|Fertiggestellte Anlagen im Bahnhof Radebeul Ost, links die S-Bahn-Gleise mit Mittelbahnsteig, rechts die Fernbahngleise (Dezember 2013) mini|links|Haltepunkt Dresden-Pieschen während der Bauarbeiten: Das alte Personenzuggleis Dresden-Neustadt–Coswig ist noch in Betrieb, die Fernbahngleise befinden sich im Aufbau (Juni 2013).
Im Jahr 2010 begann der Neu- und Ausbau der S-Bahn-Gleise im Abschnitt Dresden-Neustadt–Coswig. Ursprünglich lagen dort die Fernbahngleise zwischen den außenliegenden Vorortzuggleisen. Nach dem Umbau verlaufen die S-Bahn-Gleise nunmehr auch hier parallel zur Fernbahnstrecke auf deren östlicher Seite.
Zunächst entstanden von Radebeul West ausgehend die Fernbahngleise auf der Westseite des Bahnkörpers neu, was Ende 2013 abgeschlossen wurde. Der Neubau der parallelen S-Bahn-Trasse auf der Ostseite begann ebenfalls von Coswig ausgehend. Bis Ende 2013 wurde der Abschnitt Radebeul Ost–Coswig fertiggestellt und in Betrieb genommen. Dabei bekam der bisherige, nun zum Haltepunkt abgestufte Bahnhof Radebeul West den früheren Namen Radebeul-Kötzschenbroda zurück.
Die Inbetriebnahme des restlichen Abschnittes Dresden-Neustadt–Radebeul Ost der S-Bahn-Strecke war zunächst bis zum Jahr 2014 vorgesehen. Die endgültige Fertigstellung des Projektes und die damit verbundene Freigabe des Abschnitts von Dresden-Neustadt bis Radebeul Ost geschah am 20. März 2016.
Nach 100 Tagen Betrieb zog der Verkehrsverbund Oberelbe im Juni 2016 eine positive Bilanz. Am neu gebauten Haltepunkt Dresden-Bischofsplatz wurden täglich 1500 Reisende gezählt.
Zugverkehr Heute wird die Strecke fast ausschließlich von den Dresdner S-Bahn-Linien S1 und S2 genutzt. In den Hauptverkehrszeiten besteht durch die Taktverschiebung beider Linien ein ungefährer 15-Minuten-Takt zwischen Pirna und Dresden-Neustadt. Bestellt und finanziert werden diese Leistungen vom Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe.
Folgende Tabelle zeigt die Verkehrslinien des Nahverkehrs, die ganz oder teilweise die fertiggestellte S-Bahn-Strecke zwischen Pirna und Coswig nutzen (Stand: Fahrplanjahr 2017):
Linie Strecke EVU Takt (min) Bemerkung S1 Schöna – Meißen-Triebischtal DB Regio Südost 3010/20 (HVZ) S2 Pirna – Dresden Flughafen 30 RE19 Kurort Altenberg (Erzgeb) – Dresden Hbf — Wintersportverkehr; nur saisonal RE20 Litoměřice město – Dresden Hbf — Ausflugsverkehr; nur saisonal RE50 Dresden Hbf – Leipzig Hbf 60 Mitnutzung der S-Bahn-Gleise von Radebeul Ost bis Coswig (b Dresden), hält nur in Radebeul Ost
Bei Bauarbeiten oder Störungen werden gelegentlich vor allem nachts Güterzüge zwischen dem Dresdner Hauptbahnhof und Pirna auf der Strecke geführt.
In der Hauptverkehrszeit wird seit dem 3. April 2017 ein dichterer Takt der S-Bahn zwischen Dresden Hbf und Meißen-Triebischtal realisiert. Statt des 30-Minuten-Taktes fahren die Züge zwischen 5:00 und 8:30 Uhr sowie von 14:00 bis 19:00 Uhr alle 15 Minuten. Die DB Regio AG und der Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe unterzeichneten am 19. Dezember 2016 den neuen Verkehrsvertrag. Bedingt durch die dichte Streckenbelegung zwischen Dresden Hbf und Dresden-Neustadt sowie im Bahnhof Coswig (b Dresden) kann allerdings kein sauberer 15-Minuten-Takt realisiert werden. Der Halt der RE-Linie 50 in Radebeul Ost bleibt im Gegensatz zu den ursprünglichen Planungen zunächst erhalten. Im Fahrplanjahr 2025 hält der RE 50 bis 9. August 2025 nur um 04:23 (Mo – Sa) in Richtung Leipzig in Radebeul Ost.
Streckenbeschreibung Verlauf Die vorwiegend von der S-Bahn genutzte Strecke Pirna–Coswig bindet im südlichen Bahnhofskopf von Pirna elbseitig aus der Bahnstrecke Děčín–Dresden-Neustadt aus und verläuft fortan parallel zu ihr auf demselben insgesamt viergleisigen Bahnkörper. Der Dresdner Hauptbahnhof wird in seiner Nordhalle durchquert. Zwischen den Verkehrsstationen Dresden-Mitte und Dresden-Neustadt wird die Elbe auf der insgesamt fünfgleisigen Marienbrücke überquert. Im nördlichen Bahnhofskopf von Dresden-Neustadt wird die Bahnstrecke Görlitz–Dresden unterquert. Die Weichenverbindungen sind dabei so angeordnet, dass ein stadteinwärts fahrender Zug der Linie S2 und ein stadtauswärts fahrender der Linie S1 niveaufrei kreuzen können. Ab Dresden-Neustadt verläuft die Strecke Pirna–Coswig parallel zur ebenfalls zweigleisigen Bahnstrecke Leipzig–Dresden auf deren elbabgewandter Seite. An der Abzweigstelle Radebeul Nord wird die Bahnstrecke Leipzig–Dresden auf ein Gleis reduziert, zwischen dieser und der S-Bahn-Strecke wird eine zweigleisige Verbindungskurve zur Bahnstrecke Berlin–Dresden ausgebunden, welche nach dem Haltepunkt Radebeul-Zitzschewig unterquert wird. Die hier eingleisige Bahnstrecke Leipzig–Dresden wird danach wieder an die Bahnstrecke Pirna–Coswig herangeführt, sodass auf einem insgesamt dreigleisigen Bahndamm der Bahnhof Coswig erreicht wird. Die Gleise der Strecke Pirna–Coswig passieren im Bahnhof Coswig den Bahnsteig 1/2 und münden im nördlichen Bahnhofskopf in die Bahnstrecke Leipzig–Dresden ein.
Alle Zugangsstellen der Strecke sind als Inselbahnsteige ausgeführt und barrierefrei erreichbar. Im Haltepunkt Radebeul-Zitzschewig wird dies mit einer langen Rampe von der Coswiger Straße her realisiert, in allen anderen Stationen mit Aufzügen.
Betriebsstellen mini|Bahnhof Pirna. Die S-Bahn-Gleise zweigen nach rechts aus der Hauptbahn Děčín–Dresden-Neustadt ab. (2009)
Pirna
Ein erster Bahnhof in Pirna bestand seit 1848, als das erste Teilstück der Dresden-Bodenbacher Eisenbahn von Dresden aus fertiggestellt war. Die heutige Bahnhofsanlage wurde 1875 im Zusammenhang mit dem Bau der Bahnstrecke Kamenz–Pirna errichtet. In Pirna besteht Anschluss an Züge nach Neustadt (Sachsen) und Sebnitz.
Heidenau-Großsedlitz
Der Haltepunkt Heidenau-Großsedlitz hat nur eine geringe Bedeutung für den Reiseverkehr. Touristisch bedeutsam ist der nahe gelegene Barockgarten Großsedlitz.
Heidenau Süd
Der Haltepunkt Heidenau Süd ist ein zentraler Haltepunkt in der Stadt Heidenau, der recht stark frequentiert wird. Das Empfangsgebäude steht heute leer und verfällt.
Heidenau
Der Bahnhof Heidenau ist Anschlussbahnhof für die in Richtung Altenberg verkehrenden Züge der Müglitztalbahn. Für in Heidenau endende S-Bahn-Züge der Linie S2 bestehen zwei separate Stumpfgleise.
Dresden-Zschachwitz
Der Haltepunkt Dresden-Zschachwitz wurde 1946 provisorisch für den Berufsverkehr eingerichtet. Beim Ausbau der Trasse erhielt er den heutigen Mittelbahnsteig mit behindertengerechtem Zugang.
Dresden-Niedersedlitz