mini|Gefärbter Swakara-Karakulmantel mit Goldzobel-Besatz (2004) Das Karakulfell oder Persianerfell ist das Fell des Lamms des Karakulschafs. Es unterscheidet sich von anderen Lammfellen durch seine besonders gelockte oder moirierte Behaarung. Das Fell wird für Pelzzwecke genutzt.
→ Ergänzender Artikel: Persianer
Geschichte mini|links|Stilisierte runde Löckchen an der Kopfbedeckung von Gudea, des Prinzen von Lagaš (etwa 2120 v. Chr.)
Uralte Statuen aus der Hethiterzeit zeigen Könige mit Kopfbedeckungen, die nach der Art der Darstellung auf Persianer deuten. Rauchwarenhändler Francis Weiss schrieb, dass Gebiete nördlich des Oxus (Amu Darja) schon immer für die Edellämmer von großer Bedeutung waren. Er deutete den Begriff „budge“, den die englischen Kürschner im 15. Jahrhundert für feine Lammfelle benutzten, als ein von Boghery abgeleitetes Wort, was wahrscheinlich Bukhara ist.Francis Weiss: Die Schaf-Aristokratie. In: Rund um den Pelz. Heft 9, Rhenania-Fachverlag, Koblenz, September 1978, S. 75. Elspeth M. Veale belegt jedoch, dass die Bezeichnung nach dem Ortsnamen Bougie, heute Bejaia, in Nordafrika benannt ist, ein ehemals florierender Handelsplatz in Nordafrika. Sie beschreibt in ihrem Werk über den englischen Pelzhandel „budge“ als eine schwarze, im 15. Jahrhundert äußerst populäre Lammfellart, erstmals unter dem Namen erwähnt im 13. Jahrhundert, als Herkunft gibt sie jedoch Südwesteuropa und nicht das usbekische Buchara an.Elspeth M. Veale: The English Fur Trade in the Later Middle Ages. Clarendon Press, Oxford 1966, S. 134, 216–217 (englisch).
Im Jahr 1971 wurde von dem ukrainischen Archäologen Borys Mozolevskyi in einem Grabkurgan an einem Ort namens Towsta Mohyla im heutigen Oblast Dnipropetrowsk, Ukraine im Grabhügel ein goldenes skythisches Pectorale, ein Brustumhang, entdeckt. Es stammt wahrscheinlich aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und wurde von griechischen Goldschmieden hergestellt, wahrscheinlich einer Werkstatt mit Sitz in skythischen Ländern. Es zeigt im zentralen Bereich zwei Männer, die ein zotteliges Schaffell zeigen. An anderer Stelle befinden sich Schafe, an denen sehr akzentuiert die runden Locken des jungen Karakulschafes ausgeformt wurden.
Im Jahre 1742 wurde berichtet, dass die Perser kleinere Mützen trugen, die vorn mit grauem Lammfell aus Buchara besetzt waren. Von Samara, einem großen Sammelplatz für Lämmer, ist bekannt, dass dort zur selben Zeit bereits die Beine der Lämmer verarbeitet wurden, dass also bereits der im deutschen Sprachraum als Persianerklaue gehandelte Pelz in Mode war. Die erste Nachricht über die Herstellung von Persianermänteln stammt aus dem Jahr 1869, als der Emir von Buchara dem russischen Zaren unter anderem drei Pelze aus grauem Karakulfell als Geschenk überreichte. Aus dem Jahr 1898 ist erstmals die Abbildung eines Persianermantels bekannt, hier als lange Jacke bezeichnet; eine französische Zeitschrift zeigte ein Breitschwanzmodell mit Zobelkragen.Wolf-Eberhard Trauer: Karakulschafzucht. Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, Berlin Zentralverband, Fachrichtung: Edelpelztierzüchter (Hrsg.), 1967, S. 9.
Kleidung aus Hermelinfell in sogenannter getupfter Verarbeitung hieß „Miniver“ (von dem altfranzösischen Menu-vair, die Bezeichnung für die verschiedenen Formen der Fehwammen im Mittelalter). War ein Teil vollständig aus Miniver gearbeitet, nahm man zum Tupfen gewöhnlich Stücken von Sealfellen. War das Hermelin jedoch Bestandteil eines Pelzes aus anderem Fellmaterial, zum Beispiel als Kragen, Manschetten oder Verbrämung, so fertigte man die Tupfen meist aus demselben Fellmaterial.Paul Larisch und Josef Schmid: Hermelin in Das Kürschner-Handwerk, Eigenverlag, Paris, III. Teil, III. Kapitel, Mai 1903, S. 38–39. Einige Hermelinroben des 15. Jahrhunderts wurden vor 1900 sorgfältig untersucht, und es hätte kein Zweifel bestanden, dass die schwarzen Tupfen aus Persianerfell („Karakul“) gewesen seien. Weiter hieß es, damit wäre Persianer älter als bis dahin angenommen.Richard Davey: Furs and Fur Garments. The International Fur Store and The Roxburghe Press, London 1895?, S. 29 (englisch).
Heute kommen die auch als Karakul bezeichneten Felle nicht nur aus der wahrscheinlichen Urheimat Buchara beziehungsweise aus Arabien, sondern vor allem aus dem Staat Namibia, aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR und aus Afghanistan. Namibia liefert hauptsächlich die flachen moirierten, breitschwanzähnlichen Felle, Russland die klassische, gelocktere Ware und Afghanistan die meist etwas geringer bewerteten, im Haarbild etwas offeneren Karakul.
Der Siegeszug des Karakulfells begann, nachdem 1870 das Blauholzfärbeverfahren für Persianer eingeführt worden war. Bis dahin zählte diese Lammfellart noch nicht zu den Edelpelzen des Rauchwarenhandels.Thorer & Co. (Hrsg.): 75 Jahre Thorerfarbe. Offenbach am Main, 1958. Nachdem es damit gelungen war, das Fell glänzend tiefschwarz und auch das bisher durchscheinende weiße Leder schwarz zu färben, gehörte der Persianer zu den begehrtesten Fellarten seiner Zeit. Dies traf später vor allem auf die Bundesrepublik zu, so dass er dann als klassischer „deutscher“ Pelz galt. Eine regelrechte „Persianerverkaufswelle“, wie sie in einer Fachzeitschrift genannt wurde, begann um das Jahr 1960.Klothar J. Müller: Die Bundesrepublik wichtiges Zentrum des europäischen Pelzhandels. In: Rund um den Pelz Nr. 6, Juni 1965, S. 42. In den 1970er Jahren wurde der Persianer vom Nerz abgelöst.Redaktion: Nerz-Konfektion - der Renner seit über zehn Jahren. In: Pelz International. Heft 4, Rhenania-Fachverlag, Koblenz, April 1984, S. 34. Seit etwa 2000 wurde er, vor allem in den neuen östlichen Märkten, zunehmend nachgefragt, was sich in einem erheblich gestiegenen Fellpreis ausdrückte.
Teil der Mode lockiger und moirierter Fellarten war auch der Pelzbesatz, insbesondere aus Persianer, bis er Mitte der 1960er Jahre durch langhaarige Felle abgelöst wurde. Hierfür wurden die Felle auch in Modefarben eingefärbt, was ein vorheriges Bleichen der naturbraunschwarzen Felle bedingt. Dies war zufriedenstellend möglich, nachdem im Jahr 1925 in Amerika die katalytisch geführte Pelzbleiche gelungen war. Die zuvor bereits mit Ferrosalzen behandelten Felle entfärbten sich in oxidativen Bleichbädern, je nach angewandter Konzentration in mehr oder weniger deutlicher Weise. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg waren so die ersten kleineren Partien braungefärbter Persianer auf den Markt gekommen. Mit dem Ende der lockigen Kragenmode verwendeten die Kürschner die hellgefärbten Felle zunehmend auch für Jacken und Mäntel. Spielte die geringere Haltbarkeit der aufgehellten Felle solange man sie hauptsächlich zu Kragen verarbeitete keine wesentliche Rolle, gelang es den Pelzveredlern etwa in den 1960er Jahren, die Abriebfestigkeit der Haare auf ein vertretbares Maß zu erhöhen. Es wurde möglich, die Farbe bis hin zu beige zu decolorieren, darauf aufbauend entstanden zusätzlich zahlreiche, natürlich wirkende Bicolor-Farben – eine davon imitierte täuschend echt den goldbraunen Surpersianer – sowie zahlreiche Weiterentwicklungen, wie die auch bei Indisch Lamm angewandte „Ombré“-Ausführung.Anton Ginzel: Die Entwicklung der Persianer-Färberei. In: Rund um den Pelz. Heft 11, Rhenania Verlag, Koblenz November 1981, S. 14–15. Im Jahre 1964 meldete die Firma Märkle & Co. (Marco) aus Fürth eine Farbveredlung naturschwarzer Pelzfelle zum Patent an, die sie Royal Dark nannte. Mit diesem, als „neues Schwarz“ angepriesenen, blauschwarzen Farbton hatte sie bis zum Auslaufen der großen Persianermode einigen Erfolg.Patent 1.281.394, „das Patent hat angefangen am 12. April 1964. Deutsches Patentamt.“
In den 1930er Jahren war russischer Persianer ein wichtiger Teil der Pelzmode. Die Felle kamen über die extra dafür gegründete Gesellschaft Impex nach Deutschland und in den Welthandel. Als 1933 bei ohnehin schlechtem Geschäftsgang deren Geschäftsführer Grigori Butzmann, er besaß einen südamerikanischen Pass, seine Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr verlängert bekam, wurde das Unternehmen aufgelöst. Deutsche Einkäufer mussten nun wie früher wieder zum Einkauf nach Moskau reisen. Dann gab es unter den Nationalsozialisten eine Überwachungsstelle für Rauchwaren, die besondere Genehmigungen für den Import aus Moskau erteilte. Die Kontingente für den Inlandsverbrauch wurden immer kleiner und hörten 1937 ganz auf, es durfte nur noch Ware für die Wiederausfuhr eingeführt werden, nur ganz selten noch wurden einige Persianersortimente für die Einzelhandelskürschner bewilligt. Bereits 1938 stoppte auch dies, russische Waren verschwanden ganz vom deutschen Markt. Kleinere Restlieferungen aus alten Kontrakten mussten ebenfalls exportiert werden.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 4. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 314, 318–319 (→ Inhaltsverzeichnis).
Die Verarbeitung erfolgt zu Konfektion aller Art, in den letzten Jahren verstärkt auch zu Wendeteilen mit veloutierter oder nappierter Lederseite. Wie beim Nerz werden alle bei der Fellverarbeitung abfallenden Teile verwendet; auch in der Bundesrepublik wurden in den Nachkriegsjahrzehnten Persianerklauenmäntel und Persianerstückenmäntel als preiswerte Pelze in großer Zahl gehandelt. Die Idee, vom Persianer auch die Klauen zu verwenden, soll Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris entstanden sein.Friedrich Jäkel: Der Brühl von 1900 bis zum 2. Weltkrieg. In: „Rund um den Pelz“ Nr. 3, März 1966, Rhenania-Verlag, Koblenz, S. 200.
Felltypen
Es gibt eine Vielfalt von Lockenformen. Die einmal so beliebten größeren Lockenvarianten sind derzeit deutlich weniger gefragt, die Mode bevorzugt jetzt die flachen moirierten Swakara aus Namibia. Die Felle stammen von wenige Stunden bis zu einige Tage alten Tieren, ehe die Locken sich auflösen und Strähnen bilden. Die ähnlichen Felle von Früh- oder Totgeburten des Karakulschafs werden als Breitschwanz oder genauer als Persianer-Breitschwanz oder Karakul-Breitschwanz bezeichnet. Ein Breitschwanzfell mit noch sehr wenig ausgebildeter Zeichnung und dünnem Leder nennt man Galjak. Die flachen Felle normal geborener namibischer Karakuls werden manchmal auch noch mit der alten Bezeichnung Breitschwanz-Persianer angeboten. Ein Zentrum der Breitschwanzverarbeitung war bis etwa um 2000 Israel. Insbesondere kamen von dort mit der Hand genähte Bodys, Pelzhalbfabrikate für einen Mantel oder eine Jacke.Walter Langenberger: Ist der Frieden eine Illusion? Israel während und nach dem Jom-Kippur-Krieg. In: Rund um den Pelz. Heft 3, Rhenania Verlag, Koblenz 1974, S. 86–88.
Persianer, Breitschwanz sowie die besseren Qualitäten der Halbpersianer, zum Beispiel Schiras und Bagdads, werden wegen des höheren Wertes auch als Edellammfelle bezeichnet. Der Sammelbegriff für alle feineren schwarzen Lammsorten, die aus Persien, der Bucharey, Cirkassien, Russland oder der Ukraine zum Handel kamen, war einmal Baranken, Baranki, auch Baranjen und Parangen (von russisch Baran = Hammel), russisch: Merluschki (im Russischen ein Allgemeinbegriff für Lammfell, für die persianerartigen Felle gleichen Namens). Darunter fielen Persianer, Astrachan, Krimmer und die feineren Ukrainersorten.Alexander Tuma: Pelzlexikon XVII. Band. Verlag Alexander Tuma, Wien 1949, Stichwort „Baranken“.