mini|Logo der RUHR.2010 mini|Das Ruhrgebiet ist mit etwa 5,3 Millionen Einwohnern der viertgrößte Ballungsraum Europas. mini|Alfred-Herrhausen-Haus, Sitz von Ruhr.2010 mini|Das Dortmunder U: Leuchtturmprojekt der Ruhr.2010 mini|Deutsches Bergbau-Museum in Bochum, eines der offiziellen Besucherzentren der Ruhr.2010 mini|Ruhrschnellweg (A40) bei Essen-Zentrum RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas war der Name des Projekts, das Ruhrgebiet im Jahr 2010 als Europäische Kulturhauptstadt zu präsentieren. Essen hatte diesen Titel stellvertretend für die 53 Städte des Regionalverbandes Ruhr (RVR) erhalten; damit wurde erstmals eine Region berücksichtigt. Weitere Kulturhauptstädte waren im selben Jahr das ungarische Pécs (Pécs2010) und Istanbul in der Türkei, wo ähnliche Programme abgehalten wurden.
„Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ Der Ausgangspunkt wurde beschrieben: „Das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt Europas 2010. Es ist auf dem Weg, als unkonventionelle Metropole im Werden ein neues Zentrum Europas zu bilden.“ Das Motto lautete: „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“. Das Mission Statement lautete: „Die Kulturhauptstadt Europas 2010 ‚Essen für das Ruhrgebiet‘ präsentiert sich als Gastgeber für alle, die den vielschichtigen Wandel von Europas legendärer Kohle- und Stahlregion zu einer polyzentrischen Kulturmetropole neuen Typs erleben wollen. Die RUHR.2010 GmbH war die verantwortliche Gesellschaft zur Vorbereitung und Realisierung des Kulturhauptstadtprogramms einschließlich der damit verbundenen Marketing- und Tourismusaktivitäten. Gemeinsam mit ihren Partnern unterstützte sie die Entwicklung von nachhaltig wirkenden Strukturen für die Kulturmetropole Ruhr. RUHR.2010 führte die regionalen Akteure aus Kultur, Politik und Wirtschaft in kreativen Allianzen zusammen. Sie alle verfolgten das ambitionierte Ziel, dass die Metropole Ruhr eine bedeutende Rolle in der Zukunft Europas spielt und zu einer neuen, unverwechselbaren Städtemarke auf der Landkarte Europas wird.“ Ruhr.2010.
Bewerbungsphase Für den Titel Kulturhauptstadt Europas 2010 bewarben sich ursprünglich 16 deutsche Städte. Stellvertretend für das Ruhrgebiet bewarb sich Essen um den Titel. Die deutschen Bewerberstädte waren Augsburg, Bamberg, Braunschweig, Bremen, Essen und das Ruhrgebiet, Görlitz (Doppelkandidatur Görlitz/Zgorzelec), Halle (Saale), Karlsruhe, Kassel, Köln, Lübeck, Münster, Osnabrück, Potsdam, Regensburg und Wittenberg.
Unter den Städten Köln, Münster und Essen, welche für Nordrhein-Westfalen ins Rennen gegangen sind, wurde Essen als Vertreter für die weitere Selektierung ausgewählt. Als bayerischer Bewerber erhielt Regensburg den Vorzug vor Augsburg und Bamberg.
Im März 2005 wurden die beiden Städte Essen und Görlitz von einer deutschen Jury unter Federführung der Kultusministerkonferenz (KMK) ausgewählt. Diese Nominierung wurde vom Bundesrat bestätigt und im dritten Quartal 2005 vom Auswärtigen Amt an das Europäische Parlament und die Europäische Kommission weitergeleitet.
Essen trat stellvertretend für das Ruhrgebiet unter dem Motto „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“. Das Konzept der Modernisierung und des „Sich-neu-Erfindens“, welches Essen unter diesem Motto präsentierte, kann auch für andere alte Industrieregionen beispielhaft werden. Vor allem dieser Faktor überzeugte die Jury. Am 11. April 2006 gab die EU-Expertenjury die Entscheidung und Ernennung für Essen und das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt Europas 2010 bekannt.
Die Vorbereitungen im Ruhrgebiet wurde durch die Initiative RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas durchgeführt. Die Kulturhauptstadt-Eröffnungsfeier wurde am 9. und 10. Januar als großes Volksfest auf der Essener Zeche Zollverein u. a. mit einer Gala und einem von Sponsoren finanzierten Feuerwerk veranstaltet. Der Sänger Herbert Grönemeyer präsentierte zur Eröffnung ein eigens dafür komponiertes Lied mit dem Titel „Komm zur Ruhr“. Die Feierlichkeiten begannen bereits am 8. Januar mit einem ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom. Danach läuteten in allen 53 Ruhrgebietskommunen die Glocken.
Umsetzung Zur Verwirklichung des Projekts wurde im Dezember 2006 eine gleichnamige Gesellschaft RUHR.2010 GmbH gegründet, an der der Regionalverband Ruhr, das Land Nordrhein-Westfalen, der Initiativkreis Ruhrgebiet und die Stadt Essen beteiligt waren. Geschäftsführer waren Fritz Pleitgen und Oliver Scheytt. Im Aufsichtsrat saßen unter anderem Wulf H. Bernotat (Vorstandsvorsitzender der E.ON AG), und Essens ehemaliger Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger. Ruhr.2010. Damals waren im Projekt etwa 110 Mitarbeiter beschäftigt.
Die RUHR.2010 GmbH wurde Ende 2011 aufgelöst.
Von allen Kommunen des Ruhrgebiets wurden Ansprechpartner für RUHR.2010 bereitgestellt. Geplant wurde die Förderung von Projekten zur Darstellung der Kultur des Ruhrgebiets. (PDF; 47 kB) Ruhr.2010.
Vorbereitungen waren bereits Ende 2008 im Gange. So wurden an allen Autobahnen in Richtung Ruhrgebiet Tafeln „Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas 2010“ aufgestellt. Das erste Schild enthüllten NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke und Fritz Pleitgen am 22. September 2008 an der Autobahnraststätte Bottrop-Süd an der A2. Ruhr.2010, 18. September 2009.
Der Hauptbahnhof Essen wurde von der Deutschen Bahn von September 2008 bis Anfang 2010 umfassend umgebaut.
Städte An der RUHR.2010 nahmen alle Städte des RVR-Gebietes teil. Bis auf Essen, das sich das ganze Jahr über präsentierte, war jede Stadt eine Woche lang der „Local Hero“ („Lokalheld“):
Alpen, Bergkamen, Bochum, Bönen, Bottrop, Breckerfeld, Castrop-Rauxel, Datteln, Dinslaken, Dorsten, Dortmund, Duisburg, Ennepetal, Essen, Fröndenberg, Gelsenkirchen, Gevelsberg, Gladbeck, Hagen, Haltern am See, Hamm, Hamminkeln, Hattingen, Heiligenhaus Ruhr.2010., Herdecke, Herne, Herten, Holzwickede, Hünxe, Kamen, Kamp-Lintfort, Lünen, Marl, Moers, Mülheim an der Ruhr, Neukirchen-Vluyn, Oberhausen, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen, Rheinberg, Schermbeck, Schwelm, Schwerte, Selm, Sonsbeck, Sprockhövel, Unna, Voerde, Waltrop, Werne, Wesel, Wetter, Witten, Xanten
Team Für die Geschäftsführung und künstlerische Gestaltung waren in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten tätig. Ruhr.2010.
Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH: Fritz Pleitgen: Vorsitzender der Geschäftsführung Oliver Scheytt: Geschäftsführer Künstlerische Direktoren: Karl-Heinz Petzinka: Direktor für das Themenfeld „Stadt der Möglichkeiten“ Steven Sloane: Direktor für das Themenfeld „Stadt der Künste“ Aslı Sevindim: Direktorin für das Themenfeld „Stadt der Kulturen“ Dieter Gorny: Direktor für das Themenfeld „Stadt der Kreativität“
Für die Unterstützung bei den diversen Projekten wurden über 1200 Volunteers (Freiwillige) angeworben (PDF). mini|hochkant|Schachtzeichenballon über Zollverein auf der Eröffnungsveranstaltung der Ruhr2010
Projekte mini|Die Jahrhunderthalle in Bochum ist das Festspielhaus NRW und unter anderem Veranstaltungsort der Ruhrtriennale
Das offizielle RUHR.2010-Programm wurde im Oktober 2008 zum ersten Mal vorgestellt, eine neue Auflage des Programms mit dem Titel Buch zwei erschien im Herbst 2009. Es fasst die einzelnen Programmpunkte unter den drei Leitthemen Mythos, Metropole und Europa zusammen. Diese werden durchzogen durch sechs Programmfelder Bilder, Theater, Musik, Sprache, Kreativwirtschaft und Feste. Auch Sonderausstellungen wie AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen waren Teil des Konzepts.
„Mythos Ruhr begreifen“ Dargestellt werden sollte die kulturelle Identität und das kulturelle Erbe: Kohle und Stahl, Arbeit und Solidarität, Fußball, das Zusammenleben von unterschiedlichen Kulturen und Religionen. SchachtZeichen war ein Leitprojekt im Themenfeld „Mythos Ruhr begreifen“: Vom 22. Mai bis zum 30. Mai 2010 sollten an über 400 ehemaligen bedeutenden Bergbauschächten, verteilt über das gesamte Ruhrgebiet, in bis zu 80 m Höhe große, gelbe Heliumballone aufsteigen. Dahinter stand die Idee, die Geschichte des Bergbaus und den regionalen Strukturwandel im Ruhrgebiet durch eine Kunstinstallation aufzuzeigen. Wegen starken Windes musste das Projekt am 24. Mai unterbrochen werden; anschließend wurden die Ballone nur noch in eine Höhe von ca. 30 m gebracht.
„Metropole gestalten“ Ausgehend von der Vision, dass das polyzentrische Gebilde der 53 Städte des Ruhrgebietes mit ihren 5,3 Millionen Einwohnern zu einer neuen Einheit zusammenwachsen wird, werden – anknüpfend an die Vorarbeiten der Internationalen Bauausstellung Emscher Park – Bildende Kunst, Stadtplanung, Landschaftsgestaltung und Architektur neue Verbindungen zwischen den Städten und neue Kulturorte und Impulse für den Wandel schaffen.
Baukultur mini|Feldversuch am Mechtenberg im Rahmen der RUHR.2010 Das Nützliche und das Schöne, Kulturlandschaft und Landwirtschaft sollen nach der Idee des Kurators Udo Weilacher im Rahmen des Projektes „Zwei Berge, eine Kulturlandschaft“ am Mechtenberg bei Gelsenkirchen zu einer neuen, für andere Metropolregionen richtungsweisenden Symbiose finden. Erste Feldversuche der Zusammenarbeit zwischen ortsansässigem Landwirt Hubertus Budde und Schweizer Landschaftsarchitekt Paolo Bürgi laufen bereits.
Künstlerische Interventionen Die Emscherkunst.2010 ist nach eigenen Angaben das größte Kunstprojekt der RUHR.2010. Es fand ab dem 29. Mai 2010 für 113 Tage statt. 40 Künstler sowie Studenten der Kunstakademie Münster erschufen 20 Kunstwerke auf der Emscherinsel, die sich mit den Gegebenheiten der Region im nördlichen Ruhrgebiet auseinandersetzten. Ungewöhnlich waren sowohl die Ausstellungsorte als auch die Möglichkeiten für das Publikum mitzumachen.EMSCHERKUNST.2010 Der KulturKanal, ist weiteres Leitprojekt im Gesamtprogramm von RUHR.2010. Dabei handelt es sich um den auf einer Strecke von ca. 70.000 Metern durch künstlerische Installationen und Aktionen belebten Rhein-Herne-Kanal. Erstmals schlossen sich zu diesem Zweck alle zehn Anrainerstädte entlang der Wasserstraße zusammen, um den Rhein-Herne-Kanal zu einem vernetzenden und verbindenden Element zu machen. Im Projekt Parkautobahn A 42 wird die Bundesautobahn A 42 durch verschiedenste Maßnahmen in den nächsten 20 Jahren zu einem integrierten Element der urbanen Kulturlandschaft der Metropole Ruhr umgestaltet. Eine Maßnahme zur Erzeugung des angestrebten Parkcharakters ist dabei die Pflanzung des Urweltmammutbaums als Leitbaum entlang der Strecke. „2–3 Straßen. Eine Ausstellung in Städten des Ruhrgebiets von Jochen Gerz“ beschreibt eine Ausstellung anlässlich des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010, in der Bewohner aus Deutschland und ganz Europa für ein Jahr mietfrei Wohnungen in drei Städten des Ruhrgebiets bewohnen. Die Teilnehmer von „2–3 Straßen“ verpflichten sich im Gegenzug für die Dauer des Projekts zur Mitarbeit an einem gemeinsamen Text. mini|„Starker Ort“: Solarbunker, Gelsenkirchen. „Starke Orte – Kunst im Revier“ ist ein Kunstprojekt von 16 Künstlerbunden aus dem Ruhrgebiet, die sich bei diesem Projekt zusammenschlossen, um 2010 spartenübergreifend in alternativen Spielstätten gemeinsame Ausstellungen zu organisieren. Über 100 Künstler sind an diesem Projekt beteiligt. Die „Route der Wohnkultur“ präsentierte die Vielfalt alltäglicher Wohnwelten. Typische Zechensiedlungen, gelungene und gescheiterte Experimente, aus der Mode gekommene, wiederentdeckte und behutsam erneuerte Wohnformen wurden in einen erfahrbaren regionalen Zusammenhang gestellt. Zu RUHR.2010 wurden etwa 50 Wohnungen der Route als „Schauwohnungen“ der Öffentlichkeit in einer „Ausstellung“ zugänglich gemacht und in einem „Reiseführer“ verzeichnet. Das Projekt „GrenzGebietRuhr“ beschreibt den grenzüberschreitenden Zusammenschluss von zwölf Kunstvereinen und zwei Künstlerhäusern des Ruhrgebiets, die gemeinschaftlich ein Projekt entwickelten. Es reflektiert im Rahmen einer Ausstellungsreihe sowohl in geschlossenen Räumen als auch im öffentlichen Raum das Thema „Grenze“.