mini|hochkant=1.5|Auferstehungskirche aus Richtung Altplauen (6. Kirchbau von 1900/1902 nach der Sanierung 1996–1999) mini|hochkant=1.2|Auferstehungskirche (6. Kirchbau im Originalzustand (Aufnahme von 1903)) Die Auferstehungskirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche in Dresden, im südwestlich gelegenen Stadtteil Plauen. Ein Kirchenbau an gleicher Stelle ist seit dem 15. Jahrhundert belegt und wird seit dem 13. Jahrhundert vermutet. Im Laufe der Zeit wurde die Kirche mehrmals erweitert und grundlegend renoviert. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie beim Umbau 1900–1902, der praktisch einem Neubau gleichkam, und bei der Sanierung 1996–1999. Äußerlich ist sie im Stil der Neorenaissance gestaltet, im Innern dominiert Holz- und Steinplastik im Jugendstil. Wesentliche Teile der Jugendstil-Innenausstattung wurden allerdings bei einer Renovierung 1953 entfernt. Auf dem Kirchengelände befindet sich der aufgelassene Kirchhof und seit 1912 ein Gemeindehaus mit Räumen für die Gemeindearbeit und die -verwaltung sowie mit (Dienst-)Wohnungen.
Lage Die Auferstehungskirche liegt im Dresdner Stadtteil Plauen auf dem Ausläufer eines Bergzuges, des Hahneberges, der durch die städtische Bebauung als solcher kaum mehr erkennbar ist. Die erhöhte Lage bot über die Jahrhunderte immer ausreichend Schutz vor den Hochwassern des Flüsschens Weißeritz, das durch den niederen Teil des früheren Dorfes Plauen fließt. Die Kirche war, wie ältere Bilder belegen, bis zur Wende zum 20. Jahrhundert weithin sichtbar. Die Wandlung des Dorfes Plauen zur Vorstadt Dresdens führte dazu, dass nur noch der Kirchturm die umgebenden Bauten überragt.
Geschichte mini|hochkant|links|Baugeschichte der Auferstehungskirche nach Reinhold Gast (aus Adolf Jädicke (1903))
Vorbemerkung Die folgende Darstellung der Phasen des Kirchbaus in Plauen bei Dresden ist – strenger kunsthistorischer Interpretation folgend – ausschließlich am Stand der Forschungsergebnisse orientiert.
Die Erwähnung eines ritterlichen Schutzherrn Johannes de Plawen am 31. März 1206 auf dem Herrensitz Plawen in der ersten urkundlichen Erwähnung Plauens zeugt von keiner Frühgeschichte der Kirchbauten, d. h. von keinem (ständigen) Platz zur Durchführung sakraler Handlungen. Dieser kann nicht belegt oder lokalisiert werden.
Das trifft auch auf die spätgotische Pforte an der Westseite des Turms zu: Sie stammt nicht aus dem 12. Jahrhundert, wie das in mehreren Quellen behauptet wird (z. B. DittrichPaul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, S. 21. und ihm folgend DubbersAnnette Dubbers (gleichzeitig Hrsg.): Plauen – Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils. Eigenverlag, Dresden 2006, ISBN 3-937199-34-9.); die Gotik trat nämlich im Heiligen Römischen Reich erst ab dem 13. Jahrhundert auf. Gurlitt ordnete die Pforte schon 1904 der Spätgotik und damit dem zweiten Kirchbau 1466/67 zu.Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen 24, Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt (Land). Dresden 1904, S. 99.
Erster Kirchbau mini|hochkant|Gotische Pforte
Der erste Kirch- (bzw. Kapellen-)bau in Plauen bei Dresden kann um 1300 datiert werden, da in Urkunden von 1296 und 1299 ein Dominus Petrus plebanus (d. i. ein niederer Geistlicher, also ein „Leutepriester“) erwähnt wird.Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, S. 22. 1329 ging das Patronat über die Kirche vom Kloster Seußlitz an den Rat von Dresden über und dabei wurde namentlich „Dominus Ulmann de Plawin“ genannt.Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, S. 25.
Die heutige Plauener Kirche steht noch auf demselben Grund wie die erste Kirche. Das konnte beim Umbau 1900/02 festgestellt werden, als der damalige Bauleiter, Architekt Reinhold Gast, mehrere ursprüngliche Grundrisse in der beräumten Kirche ermittelte und aufzeichnete.Adolf Jädicke: Beiträge zur Geschichte des Dorfes Plauen bei Dresden. Sammlung von Texten, Zeitungsausschnitten, Broschüren etc. 1894–1903. S. 227. Da keine weiteren Hinweise über die Ermittlung dieser Grundrisse vorliegen und die Südwand und der Turm nicht bzw. nicht vollständig abgetragen wurden, sind z. B. Angaben zu den Grundflächen der Kirchbauten vor 1700 als unsicher anzusehen.
Während der Hussitenkriege 1429 wurde die Kirche von Plauen wahrscheinlich fast vollständig zerstört.Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, S. 24.
Zweiter Kirchbau 1466/67 stellte der Rat von Dresden als Patron die Kirche wieder her. Die Weihe „auf den heiligen Erzengel Michael und alle anderen heiligen Engel“ vollzog am 17. März 1467 der Bischof von Meißen, Dietrich III. von Schönberg.Christian August Freyberg: Plauische Kirchengeschichte. Dreßden, 1737, S. 6–7 Die Kirche hatte zwei Altäre und das Recht zur Gewährung von Ablass. Vermutlich zogen sich Prozessionsstationen bis zum Hohen Stein als Wallfahrtsort hin.Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, S. 25–26.
Die von Christian August Freyberg überlieferte Weiheurkunde ist nicht mehr im Original erhalten, wird aber durch mehrere aus dem 15. Jahrhundert stammende Objekte bestätigt. Das sind die Pforte an der Westseite des Turms (bis 1878 Kircheneingang), ein Sakramentshäuschen, zwei Gewölbeschlusssteine in der Kirche und zwei Glocken, heute im Stadtmuseum Dresden.Christoph Pollmer: Die Geschichte der Kirche von Plauen bei Dresden. Herausgegeben 2017 zum 550. Jubiläum der Kirchweihe von 1467. Evangelisch-Lutherische Auferstehungskirchgemeinde (Hrsg.), Dresden 2017, S. 10, 12. Die Gewölbeschlusssteine legen die Vermutung nahe, dass der zweite Kirchbau in der Breite des Turms nach Osten verlängert und von zwei Kreuzgewölben überspannt wurde. Der damals gebaute (oder reparierte) Turm behielt seine Gestalt und Höhe bis 1893.
1539 wurde die Reformation in Sachsen eingeführt, wobei die Kirche zunächst ihre Selbstständigkeit verlor und mit sechs anderen Dörfern zum Spital St. Bartholomäi (1839 abgetragen, es befand sich in der Nähe des heutigen Freiberger Platzes in der Wilsdruffer Vorstadt) bis 1563 eingepfarrt wurde.Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, S. 27. Dem Plauener Pfarrer wurde das Pfarramt an der Kirche des Spitals übertragen.
Dritter und vierter Kirchbau mini|links|Ludwig Richter: Kartoffelfeuer (Federzeichnung, 1847); der 4. Kirchbau von Süden mini|hochkant|Kirche von Plauen (Zustand 1701–1892, 4. und 5. Kirchbau), aufgenommen von Norden
1610 nahm die (wieder selbstständige) Gemeinde Plauen ein Darlehen „zu ihrem Kirchenbau“ auf.Dokumente Stadtarchiv Dresden, Bestand 2.4.3, Nr. 468, s. auch Christoph Pollmer: Die Geschichte der Kirche von Plauen bei Dresden. Herausgegeben 2017 zum 550. Jubiläum der Kirchweihe von 1467. Evangelisch-Lutherische Auferstehungskirchgemeinde (Hrsg.), Dresden 2017, S. 14. Einzelheiten zu Baubeginn, Baudauer und Art der Arbeiten sind nicht überliefert. Es soll nach der Grundrisszeichnung zu den Bauetappen eine Erweiterung auf fast das Doppelte der Grundfläche gewesen sein. Das erste Bild der Kirche von 1627 zeigt einen Dachreiter, der vielleicht bei diesem Umbau aufgesetzt wurde.Christoph Pollmer: Die Geschichte der Kirche von Plauen bei Dresden. Herausgegeben 2017 zum 550. Jubiläum der Kirchweihe von 1467. Evangelisch-Lutherische Auferstehungskirchgemeinde (Hrsg.), Dresden 2017, S. 16.
Von März 1700 bis Dezember 1701 erfolgte erneut ein Erweiterungsbau (nunmehrige Grundfläche 321,60 m² bei 303 Sitzplätzen und 150 Emporenplätzen, 4. Kirchbau, siehe Foto rechts), wobei der Turm unverändert blieb, der Dachreiter jedoch entfernt wurde.Christoph Pollmer: Die Geschichte der Kirche von Plauen bei Dresden. Herausgegeben 2017 zum 550. Jubiläum der Kirchweihe von 1467. Evangelisch-Lutherische Auferstehungskirchgemeinde (Hrsg.), Dresden 2017, S. 17.
Fünfter Kirchbau Der schlechte Zustand der Kirche und die wachsende Einwohnerzahl Plauens veranlassten den Kirchenvorstand 1878 zu einer umfassenden Renovierung des vierten Kirchbaus. Das Innere erfuhr eine Umgestaltung, bei der Sitzplätze gewonnen wurden. Eine neue Sakristei mit 48,50 m² Grundfläche entstand an der Südseite. Die Wiederweihe der Kirche fand am 4. Advent 1878 statt. 1881 ließ der Besitzer der Hofmühle Plauen, Gottlieb Traugott Bienert, auf eigene Kosten eine Gasleitung zur Kirche legen, so dass diese eine ansprechende Beleuchtung erhielt und Abendgottesdienste möglich wurden. 1892 fertigte die Leipziger Turmuhrenfabrik Bernhard Zachariä eine neue Uhr für die Kirche und baute sie ein. Dabei wurden erhebliche Schäden am hölzernen Turmaufsatz sichtbar, die 1893 eine Sanierung nötig machten, bei der der Turm erhöht und ein neues Geläut aufgehängt wurde.Christoph Pollmer: Die Geschichte der Kirche von Plauen bei Dresden. Herausgegeben 2017 zum 550. Jubiläum der Kirchweihe von 1467. Evangelisch-Lutherische Auferstehungskirchgemeinde (Hrsg.), Dresden 2017, S. 22–28.
Sechster Kirchbau mini|Kirche von Süden. Links das Gottlieb-Traugott-Bienert-Grabmal
Erneuter Raummangel und die in den jahrhundertealten Mauern aufsteigende Feuchtigkeit nötigten schon wenige Jahre später wieder zu Entscheidungen: Nachdem mehrere Plätze für einen Kirchenneubau diskutiert und letztlich verworfen wurden,Christoph Pollmer: Die Geschichte der Kirche von Plauen bei Dresden. Herausgegeben 2017 zum 550. Jubiläum der Kirchweihe von 1467. Evangelisch-Lutherische Auferstehungskirchgemeinde (Hrsg.), Dresden 2017, S. 29–30. kam es erneut zu einem Umbau: Von 1900 bis 1902 wurde die Kirche unter Leitung der Architekten William Lossow und Hermann Viehweger rekonstruiert und erweitert, wobei der untere Teil des Turmes und das bisherige Langschiff in seiner Ausdehnung erhalten blieben, jedoch an dieses im Osten ein Querschiff und davor der Chor angebaut wurden. Der Umbau war so tiefgreifend, dass praktisch ein neues Kirchengebäude entstand (Grundfläche 934,50 m², mit Emporen nunmehr 1030 Sitzplätze).Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden 1941, S. 32, mit weiteren Nachweisen. Am 9. März 1902 nahm die Gemeinde ihre neue Kirche in Besitz.
Als äußeren Baustil wählten Lossow und Viehweger die sogenannte deutsche Renaissance, der Turm wurde auf die Höhe von 49 Metern erhöht. Beim Einbau der Heizungsanlagen wurden auch die Grüfte unter der Kirche, in denen die Särge zum Teil dreifach übereinander standen, freigelegt. Als Beleuchtung waren ursprünglich Gaslampen vorgesehen, die in der Schlussphase des Baus aber durch eine elektrische Beleuchtung ersetzt wurden. Die reinen Baukosten betrugen 1902 300.000 Mark, wobei etwa ein Zehntel durch Schenkungen von Gemeindegliedern gedeckt wurde.