Die Geschichte Syriens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Syrischen Arabischen Republik von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie setzt mit den ältesten Spuren von Homininen ein, die vor fast 1,8 Millionen Jahren in der Syrischen Wüste lebten.

Überblick Die Geschichte Syriens beginnt im Altpaläolithikum, Ackerbau und Viehzucht setzen im 11. Jahrtausend ein. Seit der frühen Bronzezeit sind städtische Siedlungen mit hierarchischer Organisation bekannt und Schriftzeugnisse in Keilschrift überliefert. In der mittleren Bronzezeit entstanden Stadtstaaten wie Mari. Teile Syriens wurden von Mitanni und dem hethitischen Großreich beherrscht. In der Eisenzeit wurde Syrien Teil des Neu-assyrischen und Neubabylonischen Reiches. Auf das Achämenidenreich folgten nach der Eroberung durch Alexander den Großen die Seleukiden, schließlich die Römer. Zugleich schlossen sich die arabischen Stämme, die mit Persien bzw. Ostrom noch im Bündnis gestanden hatten – vor allem während des Überlebenskampfes zwischen den beiden Großreichen zwischen 592 und 628 –, zu Verfechtern der Lehre Mohammeds, dessen Anhänger im Laufe der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts auch Syrien eroberten. Bald wurde Damaskus zum Sitz der Kalifen und zur Hauptstadt eines schnell expandierenden Reiches, doch stürzte diese Dynastie eine konservative Revolution unter Führung der Abbasiden. Infolgedessen büßte die Stadt ab 744 ihre zentrale Rolle im Riesenreich zwischen Atlantik und Indus zugunsten von Bagdad ein. Schon nach wenigen Jahrzehnten setzte sich die arabische Sprache durch, weite Teile der Bevölkerung wurden islamisiert, partiell durch erhebliche Zuwanderung.

Dieses Reich zerfiel im Laufe des 9. Jahrhunderts, zudem gelang es schiitischen Gruppen auch in Nordafrika, und von da in Ägypten und in der Levante Fuß zu fassen. Mit den Hamdaniden, die immer wieder versuchten, auch Bagdad zu dominieren, beherrschte nach langer Zeit wieder eine lokal gebundene Dynastie den Norden von Syrien und des Iraks. Doch bald geriet die Region in den Konflikt zwischen schiitischen Fatimiden und sunnitischen Seldschuken sowie dem orthodoxen Byzanz. Mit den Kreuzfahrern erreichte eine weitere religiöse Gruppe 1098 Syrien, die ihre anfänglichen militärischen Erfolge zu erheblichen Teilen der starken Machtzersplitterung zu verdanken hatte, die in der gesamten Levante bestand. So entstanden zeitweise vier Kreuzfahrerstaaten, allen voran das Königreich Jerusalem, sowie der schiitische Staat der Assassinen.

Es waren vor allem Abkömmlinge türkischer und kurdischer Gruppen, die als Militärsklaven in die arabischen Länder gelangten. Sie übernahmen später die Macht, und ihnen gelang es schließlich unter Saladin die Kreuzfahrerstaaten endgültig zu schwächen, auch wenn erst mehr als ein Jahrhundert später die letzte Festung geräumt werden musste. Die türkischen Mamluken Ägyptens schlugen 1260 nicht nur die Mongolen zurück, sondern sie eroberten auch ganz Syrien. Damit setzte aber zum Schutz vor einer erneuten Invasion durch christliche Mächte eine städtefeindliche Politik ein, die unter den Hafenstädten fast nur noch Beirut begünstigte. Mit dem Vordringen der Portugiesen in den Indischen Ozean verloren die Mamluken um 1507/09 ihr weitgehendes Handelsmonopol mit Indien, 1516 unterlagen sie den Osmanen, die das gesamte Reich 1516/17 eroberten. 1520/21 kam es zum Aufstand des Damaszener Statthalters Janbirdi al-Ghazālī, doch scheiterte er an Aleppo und wurde schließlich bei Damaskus besiegt, das schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Während wenige Familien in den vier bedeutenden Provinzhauptstädten Syriens, also in Damaskus, Aleppo, Tripolis und Sidon zu enormen Vermögen gelangten, geriet das flache Land immer mehr ins Hintertreffen. Doch waren Eingriffe in die Sozialstruktur, in regionale Sitten und Gebräuche weder gewollt noch durchsetzbar. Zudem folgten die lokalen Gruppen einer anderen Rechtsschule, als der von Konstantinopel entsandte oberste Richter. Das osmanische Steuerpachtsystem sorgte für eine weitere Entfremdung zwischen Zentrale und Peripherie. Zudem suchten religiöse Minderheiten nach 1600 zunehmend Schutz im Ausland, wie etwa die Drusen beim Herzogtum Toskana.

Endgültig erschüttert wurde die osmanische Herrschaft durch die Rückgewinnung der Macht in Ägypten durch die Mamluken, eine Entwicklung, die durch den Versuch Napoleons im Jahr 1799 militärisch zu intervenieren, zunächst gebremst, dann aber durch die Herrschaft des Mamluken Muhammad Ali verstärkt wurde. Ohne Intervention der westeuropäischen Mächte in den Jahren 1839 bis 1841 wäre das Osmanenreich bereits zu diesem Zeitpunkt von dem albanischen Herrscher erobert worden.

Nun versuchte Konstantinopel im Wettlauf mit den entstehenden Industriemächten mitzuhalten, und so wurde Syrien vor allem zum Lieferanten von Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Der soziale Druck gerade im ländlichen Bereich, nunmehr aber auch in den wachsenden Städten des noch dünn besiedelten Gebietes führte zu Aufständen gegen die Grundbesitzer, die sich, wie etwa im Bürgerkrieg im Libanongebirge mit ethnisch-religiösen Auseinandersetzungen verbanden, was 1860 in Damaskus zu einem Massaker an den dortigen Christen führte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu Verwaltungsreformen, zur Militarisierung der Gesellschaft, zu großangelegten Investitionen in den Grundbesitz und zur Entwicklung eines Bankensystems, aber auch zu einer Verschärfung des türkischen Nationalismus', der sich im Ersten Weltkrieg in Form von Völkermorden gegen Armenier, aber auch Assyrer und Aramäer richtete. Zugleich machten die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich den Arabern Zusagen für einen unabhängigen Staat, sagten aber zugleich einen solchen den jüdischen Siedlern zu. Am Ende des Krieges wurde Frankreich ein Mandat über Syrien durch Völkerbund zugesprochen.

Während dieser Zeit verstärkte sich die Zuordnung der Individuen zu ethnisch-religiösen Gruppen, die Paris zudem als Grundmuster wahrnahm und dementsprechend alle Konflikte vor allem vor diesem Hintergrund deutete. So erhielten die Alawiten ein eigenes Gebiet, ebenso wie die Drusen, dann die Maroniten, wodurch die Abtrennung des Libanon als eigener Staat eine Begründung fand, und auch die Kurden verlangten ein eigenes Territorium.

Während des Zweiten Weltkriegs gelang es den Achsenmächten erst nach der Besetzung Frankreichs im Jahr 1940 verstärkt Einfluss zu nehmen. Das von Deutschland abhängige Vichy-Regime setzte sich zunächst in Syrien durch, doch Briten und Franzosen besetzten Syrien im Syrisch-Libanesischen Feldzug ab dem 8. Juni 1941. Damaskus fiel am 21. Juni fast kampflos, zumal dem Faschismus im Land beinahe jeder Rückhalt fehlte. Trotz Unabhängigkeitserklärung durch General Georges Catroux versuchte Paris das Mandat beizubehalten. Der Konflikt eskalierte gegen Kriegsende, so dass Damaskus bombardiert wurde. Erst die gemeinsame Intervention Großbritanniens und der USA zwang Paris, Syrien 1946 aufzugeben.

Die Staatsgründung Israels, gegen das Syrien an vier Kriegen teilnahm, und der Panarabismus unter Führung von Ägyptens Gamal Abdel Nasser, dazu eine laizistische Regierung, waren die dominierenden Themen der Nachkriegszeit vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Seit 1963 beherrscht die bis 2003 auch im Irak herrschende Baath-Partei das Land, die sich vielfach im Libanon einmischte, den sie als Teil Syriens betrachtet. Ab 1970 dominierte Hafiz al-Assad, der 1982 einen Islamistenaufstand niederschlug, und der sich an die Sowjetunion anlehnte, später Russland, seit 2000 sein Sohn Baschar al-Assad. Seit 2011 herrscht ein von zahlreichen Gruppen befeuerter Bürgerkrieg, in den sich schließlich auch Russland massiv einmischte, ebenso wie die USA und jüngst die Türkei.

Urgeschichte

Altpaläolithikum Erste paläolithische Funde stammen aus der Zeit vor 1,5 Millionen Jahren. Die frühesten menschlichen Spuren stammen ausschließlich vom Euphrat. Sie reichen zwischen 1,5 Millionen und 800.000 Jahre zurück. Die fünf Fundstätten zwischen Raqqa und Deir ez-Zor sind Maadan 1 und 5, Aïn Abu Jemaa, Aïn Tabous und Hamadine.Andrew Douglas Shaw: The Earlier Palaeolithic of Syria. Reinvestigating the Evidence from the Orontes and Euphrates Valleys. Oxford 2012, S. 23. Das frühe Acheuléen, wie die zugehörige archäologische Kultur bezeichnet wird, ist ausschließlich durch Silex-Artefakte überliefert. Am Orontes (Rastan sowie Abu Obeida, Maharde 2, Khattab 2, Ard Habibe, El-Farche 1, Khor-El Aassi) fanden sich Artefakte, die jünger als etwa 800.000 Jahre sind, wahrscheinlich sogar jünger als 700.000 Jahre (MIS 18 oder MIS 16). In der Wüste im Osten des Landes entdeckte man in Umm el Tlel Artefakte, die vor etwa einer halben Million Jahren hergestellt wurden. Diese Fundstätte gehört zum Fundkomplex El Kowm, dessen Artefakte bis zu eine Million Jahre zurückreichen könnten. Über das Mittlere Acheuleen im Raum Syriens ist wenig bekannt. Eine der bedeutenderen Fundstätten im Küstenbereich ist Berzine im Westen des Landes, eine weitere ist Gharmachi 1 am Orontes.

Eine kontinuierliche Besiedlung fand wahrscheinlich erst sehr viel später statt, spätestens jedoch vor mehr als 600.000 Jahren, als der afrikanische Homo erectus sich über die Alte Welt auszubreiten begann. Sein ältestes Fossil in Syrien ist etwa 450.000 Jahre alt. Menschliche Überreste sind, im Gegensatz zu den zahlreichen Steingeräten, äußerst selten. 1996 wurde ein auf 450.000 Jahre datiertes Schädelfragment von Homo erectus in Nadaouiyeh Aïn Askar entdeckt, einer Fundstätte, die gleichfalls zum Fundkomplex von El Kowm gehört.Peter Schmid, Philippe Rentzel, Josette Renault-Miskovsky, Sultan Muhesen, Philippe Morel, Jean-Marie Le Tensorer, Reto Jagher: Découvertes de restes humains dans les niveaux acheuléens de Nadaouiyeh Aïn Askar (El Kowm, Syrie Centrale), in: Paléorient 23,1 (1997) 87–93. Der Homo erectus entwickelte sich in Europa und Westasien zum Neandertaler, in Afrika vor mindestens 300.000 Jahren zum anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens).

Mittelpaläolithikum Das Mittelpaläolithikum (350.000 bis 50.000 Jahre) ist die Zeit der Besiedlung durch Neandertaler. Im Mittelpaläolithikum lebten gleichzeitig Neandertaler und anatomisch moderne Menschen im Nahen Osten. Überreste, die dem Neandertaler zugeordnet werden konnten, fanden sich 1993 in der Höhle von Dederiyeh. Es handelte sich um den ersten Fund eines vollständigen Neandertalerskelettes in Syrien und zugleich um ein Kinderbegräbnis.J. Haidal u. a.: Neanderthal infant burial from the Dederiyeh cave in Syria. In: Paléorient. 21, 1995, S. 77–86; Lynne Schepartz: zu Takeru Akazawa, Sultan Muhesen (Hrsg.): Neanderthal burials. Excavations of the Dederiyeh Cave, Afrin, Syria. Auckland 2003. In: Antiquity. Sep 2004.