miniatur|Chawmahalla-Palast miniatur|Falaknuma-Palast Hyderabad (auch Haidarabad) war ein indischer Fürstenstaat, der zwischen 1724 und 1948/56 existierte. Hauptstadt war die gleichnamige Stadt Hyderabad. Der Staat lag auf der Hochebene des Dekkan etwa zwischen 15° 10' und 20°40' N, 74°40' und 81° 35' O. 1941 hatte Hyderabad (The Nizam’s Dominions) eine Fläche von 214.187 km² (etwa die Größe Rumäniens) und 16,6 Millionen Einwohner. An Bodenschätzen wurden Kohle, Kalk und etwas Gold gewonnen. Der östliche Teil lag im Einfluss beider Monsune, so dass die Trockenzeit nur von Dezember bis Mai dauerte. Der westliche Teil mit durchschnittlich weniger als 750 mm Regen machte die Landwirtschaft marginal und war, bei dem durch die ENSO-Oszillation verursachten Ausbleiben der Regenfälle, häufig von Hungerkatastrophen (1804, 1813, 1819, 1846, 1854, 1862, 1877, 1896/7, 1900/01, 1911) betroffen. Besonders arm war das zur Kolonialzeit stark bewaldete Gebiet von Telangana. Die Bevölkerungszahl betrug (ohne das Gebiet des einstigen Sultanates Berar) 13,375 Mio. (1911), davon 6,8 Millionen Bauern oder Landarbeiter. Die 11 % Muslime, Nachfahren der Eroberer, bildeten eine abgeschottete Oberklasse.

Geschichte, Staat und Verwaltung

Hyderabad entstand, als der Mogulgouverneur Asaf Jah I. († 1748), der den Titel Nizam al-Mulk (= Ordnung des Reiches) trug, Vizekönig von sechs Dekkan-Provinzen wurde und nach dem Misserfolg seiner Steuer- und Machtpolitik in Delhi abdanken musste. Nizam al-Mulk machte sich 1724 mit Hilfe der Marathen in Hyderabad selbständig, wurde vom bedrängten Mogulherrscher anerkannt und stellte so weiterhin einen wichtigen Faktor der indischen Politik dar.

Die ersten beiden Nizam herrschten in traditionell feudaler Weise. Sie verbündeten sich erstmals 1766 mit den Briten, 1788 wurden die Circars abgetreten. Bis zum Abschluss mehrerer Verträge 1800–1804Aitchison (Hrsg.): A collection of treaties, engagements, and sunnuds relating to India and neighbouring countries. Band 5. 1876, S. 188–201. war auch der französische Einfluss am Hof stark. Man zwang dem Herrscher jedoch 1808 den britenfreundlichen Raja Chandulal als Diwan auf, der Herrscher wurde mit einer Bestandsgarantie für seinen Staat belohnt. Aber noch Asaf Jah III. (r. 1803–1829) widersetzte sich den englischen Versuchen, ihn als zweitklassigen Verbündeten zu behandeln. Jedoch wurde das Land 1809 endgültig Protektorat. Wie in allen Fürstenstaaten hatte der britische Resident als „Berater“ ein Mitspracherecht, das immer mehr ausgebaut wurde. 1822 verzichteten die Briten auf die Zahlung von Tributen (chaneb), den Anspruch darauf hatten sie vom Peshwa 1818 erworben.

Mit der 1853 erfolgten AbtretungAitchison (Hrsg.): A collection of treaties, engagements, and sunnuds relating to India and neighbouring countries. Band 5. 1876, S. 212–221. der Gebiete von Osmanabad (Naldraj), Raichur Doab und Berar, das 1903 endgültig Teil der Central Provinces wurde, um angebliche Zahlungsrückstände für das Hyderabad Contingent auszugleichen, geriet man vollkommen in die Hand der ostindischen Kompanie. Die ebenfalls verpfändeten Juwelen des Nizam wurden nach England verbracht. Der Nizam gab die Ansprüche auf Berar nie auf und erhielt ab 1933 wieder einen Teil der Steuern und einige Mitspracherechte.Karen Leonard: Reassessing Indirect Rule in Hyderabad: Rule, Ruler, or Sons-in-Law of the State? In: Modern Asian Studies. Bd. 37, Nr. 2, 2003, , S. 363–379, . Eine Rückgabe des Gebiets, das 1903 in die Central Provinces eingegliedert wurde, verhinderte die mächtigen Manchester Chamber of Commerce, die die Region zur Baumwoll-Monokultur nutzen wollte. 1860 wurde der von den Briten konfiszierte Fürstenstaat Sholapur (bei Osmanabad) teilweise, sowie die Distrikte Raichur Doab und Dharaseo an den Nizam zurückgegeben. Hungersnöte suchten das Land 1862 und 1866 heim. Eine Staatspost wurde 1862 eingerichtet, sie erzielte 1911 Einnahmen von über 400.000 HR. Den Verkehr mit dem restlichen Indien besorgten 1901 38 GoI-Postämter, die entsprechende Marken verwendeten.Andreas Birken: Philatelic Atlas of British India. CD-ROM. Birken, Hamburg 2004.

Als Diwan Salar Jung I. 1866 darlegen konnte, dass Hyderabad unter den Bedingungen des VertragesAitchison (Hrsg.): A collection of treaties, engagements, and sunnuds relating to India and neighbouring countries. Band 5. 1876, S. 178–187. von 1799 Ansprüche auf einen wesentlichen Teil Mysores mit Steuereinnahmen von 4,15 Mio. hätte, sofern die Briten es annektierten, zog der Secretary of State Lord Cranborne es vor, den Adoptivsohn von Krishnaraja Wodeyar, Chama Rajendra Wodeyar als Maharaja wieder einzusetzen, wobei es half, dass der Knabe als Minderjähriger noch bis 1881 unter britischer Kontrolle stand und auch danach britische Marionette blieb.

Nachdem der Aufbau einer geordneten Verwaltung ab 1859 Fortschritte machte, wurden 1868 vier Fachminister (Sadr-id-Maham) – für Justiz, Finanzen, Polizei und Verschiedenes – dem Diwan zur Seite gestellt. Man versuchte nicht allzu sehr unter die Kontrolle der Briten zu kommen, durch kreative Buchführung rechnete man seine Verpflichtungen klein, verbotenerweise wurden Waffen hergestellt, beide Sachverhalte kamen bis 1876 auf. Kommunale Selbstverwaltung, durch ständische Councils und Local Boards gab es in den einigen Städten seit den 1880ern. Insofern wirtschaftliche Entwicklung stattfand, war sie auf die Hauptstadt und den umliegenden Bezirk (Atraf-i-Balda) beschränkt. Diese Gebiete waren als Sarf-i-kas-Land das Privateigentum des Nizam. Baumwollverarbeitung konzentrierte sich auf die Region Marathwara. Der einzige weitere größere Industriebetrieb, der vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde, war eine Zuckerfabrik.

Das Persische als Amtssprache wurde bei Hofe 1884 und in der Verwaltung 1886 durch Urdu, das zehn Prozent der Hyderabader sprechen, ersetzt. Ein Großteil der hinduistischen Bevölkerung sprach jedoch Marathi (25 %) oder Telugu (50 %). Ein Hyderabad Civil Service, nach Vorbild des ICS wurde 1888 geschaffen. Die muslimische Oberschicht (mulki) dominierte die Verwaltung, Schlüsselpositionen waren mit Briten besetzt.

Nach dem Tode von Salar Jung I. nahm der direkte britische Einfluss zu, zahlreiche höhere Beamte waren abgeordnete Engländer. Eine erste Abwendung von der absolutistischen Regierungsform kam am 20. Februar 1893 mit der Verkündung des Qanoon-cha-Mubarak, wodurch dem Diwan (Titel: Madar-ul-Moham) einige stellvertretende Minister (Moin-ul-Maham) beigegeben und ein Legislative Council geschaffen wurde. Die zunächst sechs Mitglieder des letzteren waren sämtlich Ernannte aus dem Kreise der höheren Beamten. Bereits 1894 wurde das Council – mit ausschließlich beratender Funktion – auf 15 Personen erweitert, davon 9 Beamte, je zwei jagir, vakil und Ernannte von außerhalb. 1900 kamen noch zwei Mitglieder, darunter ein Mitglied aus der Finanzwelt, hinzu. Die Mitgliedschaft wurde in den nächsten Jahren mehrfach erweitert, so dass 1913 23 Personen ernannt wurden.

Der Staat war von den verheerenden Hungersnöten 1898 und 1900–1902, bei denen offiziell 1½ Millionen Menschen verhungertenImperial Gazetteer of India. Provincial Series. Hyderābād State. Superintendent of Government Printing, Calcutta 1909., und den folgenden Epidemien stark betroffen.

Der letzte Nizam Osmani Ali Khan (reg. 1911–1948, † 1967), stand demokratischen Ideen ablehnend gegenüber. 1914 übernahm er selbst das Amt des Premiers. Er unterstützte die britische Politik rückhaltlos, auch in Fragen des KhilafatMargrit Pernau-Reifeld: Reaping the Whirlwind: Nizam and the Khilafat Movement. In: Economic and Political Weekly. Bd. 34, Nr. 38, 1999, S. 2745–2751, . und der Montagu-Chelmsford-Reform. Das Kabinett wurde durch ein Executive Council mit einem Präsidenten ersetzt, die Reformen wurden nach dem Rücktritt des Präsidenten Ali ImamBevor er Präsident wurde, war er Mitglied des Executive Council von Bihar und Orissa gewesen. Protokollarisch stand er über sämtlichen Adligen und Sadar-ul-Mahams. Yaikuntham (Hrsg.): People's Movements in the Princely States. 2004, S. 51. nicht fortgeführt. Sämtliche Verordnungen (gasti) unterlagen weiterhin der Zustimmung des Herrschers; durch die Verordnung Nr. 52 von 1921 wurde jegliche politische Aktivität untersagt. Die Political Reforms Association (1923–1931) musste deshalb außerhalb des Landes arbeiten. Rede- und Pressefreiheit gab es nicht. Der Nizam hielt es für unter seiner Würde, mit den weniger bedeutenden Fürsten auf derselben Ebene in der Chamber of Princes mitzuwirken.

Politische Parteien wurden erstmals 1927–1938 gegründet. Bedeutend waren die Nizam’s Subject League, die muslimische Ittehad-ul-Musalmeen (anti-britisch, gegen repräsentative Demokratie), sowie der Hyderabad State-Ableger des INC, der eine säkulare konstitutionelle Monarchie forderte. Eine erste Satyagraha für wirkliche Religionsfreiheit fand Ende 1938 statt. Eine kommunistische Partei, in späteren Zeiten unter der ländlichen Bevölkerung im besonders rückständigen Telangana erfolgreich, gründete sich 1940 als Nachfolgeorganisation der Andhra Mahasabha (gegr. 1930). In der verarmten Region begann dann Vinoba Bhave seine Bhoodan-Bewegung.

Bemühungen um die Ausweitung demokratischer Rechte durch ein modifiziertes Council blieben, auch unter dem ansonsten fortschrittlichen Premier Sir Akbar Hydari (1935–1941), erfolglos. Der BerichtReport of the Reforms Committee, 1938. 2 Bände. The Government Central Press, Hyderabad 1938. des Aiyanagar Committee 1938 schlug vor, künftig 37 Mitglieder zu ernennen und 33 für fünf Jahre wählen zu lassen. Die Sitzverteilung sollte ständisch organisiert sein, eine der zu wählenden sollte eine Frau sein. Ein erneuter Vorstoß 1946 sah ein Council mit 132 Mitgliedern vor, welches immer noch nur beratende Funktion haben sollte und dem 76 nach ständischen und kommunalistischen (je 50 % Hindus und Moslems) Prinzipien Gewählte angehören sollten. Geplant war ein Zensuswahlrecht mit einer Steuerzahlung von 100 HRs., wodurch etwa 150.000 der 16,3 Mio. Einwohner stimmberechtigt gewesen wären. mini|Hyderabad (1909) Als Großbritannien 1947 auf seine Rechte als Paramount Power verzichtete und Indien in die Unabhängigkeit entließ, wollte der Nizam Hyderabad als unabhängigen Staat erhalten, war aber zu einer Kooperation mit Indien bereit; er schloss am 29. November 1947 ein Stillhalteabkommen mit Indien für ein Jahr und erklärte sich zur Zusammenarbeit auf den Gebieten Äußeres, Verteidigung und Kommunikation bereit. Aber im September 1948 besetzte Indien in einer „Polizeiaktion“ das Land, das in Indien eingegliedert und mit Inkrafttreten der neuen indischen Verfassung am 26. Januar 1950 territorial unverändert zum Bundesstaat Hyderabad in der Indischen Union wurde.

Administrative Gliederung Das Staatsgebiet wurde nach britischem Muster 1856 in vier Divisions (Aurangabad, Medak, Gulbarga, Warangal; 1905 umorganisiert) sowie 17 Distrikte unter jeweils einem Kommissar (subahdar) eingeteilt. Die Distrikte waren weiter in Talukas und Thasils untergliedert. Einzelne Dörfer hatten einen Patel als Vorsteher.

Bevölkerung und Steuern (in Tausend), wobei letztere trotz der dezimierten Bevölkerung 1891–1901 stiegen:

Aurangabad Division (49.200 km²) 188118911901261018,1 HRs.290923,2 HRs.2363 (−18,8 %)38,7 HRs. (+66 %)

Bidar Division (58223 km²; 4 Distrikte); ab 1905 Medak (Gulshanabad) Division (45109 km², 4 Distrikte) 1881189119012455? HRs.2812? HRs.Bidar: 2363 (−3 %), 57 HR.Medak: 2440, 56 HRs. Warangal Division (54.374 km², 3 Distrikte, 1905 mit Bidar) 188118911901210914 HRs.257222,8 HRs.mit Bidar 2688, 47,8 HRs.

Gulbarga Division (42.789 km² 1905, mit Bidar-Distrikt) 1881189119011947 HRs.2431 HRs.2462 (+1 %)61,7 HRs.

Atraf-i-balda-Bezirk (8.769 km²), Hauptstadt (67 km²) und Umland, Privateigentum des Nizam. 1881189119013569,4 HRs.39011,3 HRs.420 (+8 %)11,3 HRs.

Staatsfinanzen mini|10 Hyderabad-Rupees (1940)