Kirchberg an der Jagst ist eine Landstadt im Landkreis Schwäbisch Hall im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs. mini|300x300px|Silhouette von Kirchberg.

Geographie Geographische Lage Das Stadtgebiet von Kirchberg liegt mit etwas Übergewicht der linken Seite beidseits der mittleren Jagst, deren steil eingegrabenes Muschelkalk-Mäandertal es in westnordwestlicher Richtung durchzieht. Die weiten, etwas welligen Hochflächen über dem Flusstal, überwiegend in der freien Flur liegend und landwirtschaftlich stark genutzt, sind Teil der Hohenloher Ebene, auf der linken Talseite speziell der Haller Ebene. Bis auf einen kleinen Teil ganz im Süden, dessen Niederschläge über die Schmerach und die Bühler zum Kocher abfließen, werden sie über die kleineren Nebenbäche der Jagst vom Lobenhausener Grundbach bis zum unterhalb von Diembot mündenden Scherrbach entwässert, welche im Unterlauf durch steil eingeschnittene Seitenklingen zum Flussniveau abfallen. (Siehe Liste der Zuflüsse der Jagst) Der höchste Punkt auf der Stadtgemarkung liegt an deren östlicher Grenze zur Gemeinde Satteldorf in einem Waldgebiet auf etwas über , überwiegend liegen die Hochflächen jedoch zwischen 400 und . Die Jagst in ihrem Trogtal fließt auf in die Gemarkung ein und auf unter wieder aus.

Der ummauerte Siedlungskern des namengebenden Städtchen Kirchberg liegt auf einem von der angrenzenden Hochebene durch einen flachen Sattel abgetrennten Nordnordostsporn über dem Jagsttal, zwischen einer aufgelassenen südlichen Talschlinge der Jagst talaufwärts im Osten und einer südlichen Flussschlinge im Westen. Zu Füßen des Schlosses auf der Spornspitze steht an einem alten Flussübergang die Brücke über die Jagst, beidseits in der Aue gibt es ebenfalls etwas an älterer Bebauung. Eine neuzeitliche Stadterweiterung nimmt vor Mauer und Tor den genannten Sattel ein, das jüngste Stadtviertel aus der Nachkriegszeit erstreckt sich auf den Anstieg zur im Süden anschließenden Hochebene und übertrifft nach Fläche die älteren.

Nachbargemeinden Im Südwesten und Westen grenzt an die Kirchberger Gemarkung die Ilshofener, im Nordwesten kurz die Gerabronner, im ganzen Norden die von Rot am See. Wallhausen ist kurz im Osten Nachbar, Satteldorf und danach Crailsheim sind es länger im Südosten.

Stadtgliederung Kirchberg an der Jagst ist in die Stadtteile Gaggstatt, Hornberg, Kirchberg an der Jagst und Lendsiedel gegliedert, nach den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. Zur Stadt gehören neben Kirchberg an der Jagst selbst 14 weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser. Die offizielle Bezeichnung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und, durch Bindestrich getrennt nachgestellt, dem Namen der Stadtteile. 60px|Wappen unbekannt Zum Stadtteil Gaggstatt gehören das Dorf Gaggstatt, die Weiler Lobenhausen und Mistlau und das Haus Schöneck und gehörten die abgegangenen Ortschaften Burgstall, HetzelhofAuf der Topographischen Karte 1:25.000 (TK25) als ehem. Hetzelhof zwischen dem Streitwald und der nordwestlichen Stadtgrenze rückwärts kursiviert eingetragen, heute im Stadtteil Lendsiedel. und Odi(li)sweiler.Die TK25 zeigt südwestlich der Straße Gaggstatt–Weckelweiler den (vorwärts kursivierten) Gewannnamen Ödisweiler an.134x134px|Gaggstatt, hinter der Kirche (2011)|alternativtext=Die evangelische Kirche Gaggstatt60px|Wappen unbekannt Zum Stadtteil Hornberg gehören das Dorf Hornberg mit Schloss Hornberg und das Gehöft Hammerschmiede.100px|Hornberg (rechts) mit Schloss Hornberg (2015)60px|Wappen Kirchberg an der Jagst Zum Stadtteil Kirchberg an der Jagst gehört die Stadt Kirchberg an der Jagst sowie die abgegangenen Ortschaften Altenberg (Altenburg, Sophienburg),Altenberg - Wüstung im Historischen Ortslexikon bei LEO BW Burg Hohenaltenberg,Hohenaltenberg - Wüstung im Historischen Ortslexikon bei LEO BW und Burg Sulz.Das Liegenschaftskataster auf zeigt über der Kirchberger Talsiedlung rechts der Jagst auf dem Mündungssporn des Steinbachtals an der Gemarkungsgrenze zu Hornberg eine Ruine Alte Sulz.100px|Kirchberg, Altstadtimpression beim Stadtturm (2015)60px|Wappen Lendsiedel Zum Stadtteil Lendsiedel gehören das Dorf Lendsiedel, die Weiler Diembot, Dörrmenz, Eichenau, Herboldshausen, Kleinallmerspann, Weckelweiler und das Gehöft Sommerhof und gehörten die abgegangenen Ortschaften Aspach,Das Liegenschaftskataster auf hat auf Lendsiedler Gemarkung nördlich von Herboldshausen längs des oberen Herboldhäuser Bachs einen Gewannnamen Äspich. Ein Quellast des bei Kornberg mündenden Steinbachs heißt Esbach, liegt jedoch auf der (heutigen?) Gemarkung von Gaggstatt. Gaishof,Das Liegenschaftskataster auf benennt etwa 500 m nordöstlich der Kirchberger Anschlussstelle an der A 6 einen Flurbereich nördlich einer Feldeiche mit Geißhof, Gewanne des Namens Geißäcker und Geißholz grenzen an. Gemichshausen und Teppershof.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 513–520 Gleich westlich von Herboldshausen liegt am Zusammenfluss zweier Quelläste des Herboldshauser Baches die Wüstung eines ehemaligen Wasserschlosses.Auf der TK25 ehem. Wasserschl. in rückwärtiger Kursivierung.100px|Lendsiedel von Kirchberg aus gesehen (2020) Die Stadtteile sind gleichzeitig Wohnbezirke und, ausgenommen den Stadtteil Kirchberg an der Jagst, Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher. Für die Wahl der Ortschaftsräte werden die Ortschaften ebenfalls in einen oder mehrere Wohnbezirke unterteilt, auf die die Unechte Teilortswahl entsprechend angewendet wird.

Die Ortschaft Gaggstatt besteht aus den Wohnbezirken Gaggstatt, Lobenhausen und Mistlau. Die Ortschaft Hornberg besteht aus dem Wohnbezirk Hornberg. Die Ortschaft Lendsiedel besteht aus den Wohnbezirken Lendsiedel, Dörrmenz, Weckelweiler, Diembot, Eichenau, Kleinallmerspann und Herboldshausen. (PDF; 103 kB)

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Kirchberg an der Jagst. mini|Das Stadttor von Kirchberg.

Schutzgebiete In Kirchberg befindet sich ein Teil des Naturschutzgebiets Jagsttal mit Seitentälern zwischen Crailsheim und Kirchberg sowie der Schonwald Streitwald.

Das Jagsttal ist auf dem Stadtgebiet Teil der beiden Landschaftsschutzgebiete Mittleres Jagsttal mit Nebentälern und angrenzenden Gebieten und Jagsttal mit Seitentälern zwischen Crailsheim und Kirchberg sowie des FFH-Gebiets Jagst bei Kirchberg und Brettach, die Jagst selbst gehört zum Vogelschutzgebiet Jagst mit Seitentälern.Daten- und Kartendienst der LUBW. LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, abgerufen am 5. Februar 2024 (Karte).

Geschichte Frühe Geschichte

Kirchberg liegt auf einem Bergsporn über einem alten Jagstübergang auf halbem Wege zwischen den Reichsstädten Schwäbisch Hall und Rothenburg. Ursprünglich gab es hier nur eine Furt, seit 1779 überspannt eine Steinbogenbrücke mit Erkern in fünf Jochen den Fluss.Mattern, Das Jagsttal …, S. 45. Zur Sicherung der bedeutsamen Trasse wurde die Höhenburg Kirchberg errichtet und jenseits der Jagst die Burg Sulz, die im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde. Im Jahr 1373 gab Kaiser Karl IV. in einer Urkunde dem Grafen Kraft IV. zu Hohenlohe die Erlaubnis, vor seiner Burg Kirchberg an der Jagst eine Stadt zu bauen und sie zu befestigen. Von 1398 bis 1562 war Kirchberg nach Verpfändung und Verkauf im Besitz der drei Reichsstädte Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl und Schwäbisch Hall. 1562 kaufte das Haus Hohenlohe Kirchberg zurück. In den Jahren 1590 bis 1597 wurde die mittelalterliche Burg zum Schloss Kirchberg umgebaut. Von 1650 bis 1675 und wieder von 1701 bis 1861 war Kirchberg Residenz einer nach dem Namen der Stadt benannten Linie des Hauses Hohenlohe, welche 1764 mit Graf Karl August zu Hohenlohe-Kirchberg von Kaiser Franz I. Stephan in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Kirchberg als Teil der Hohenloher Herrschaft und ihres Landes lag zwischen 1495 und 1806 im Fränkischen Reichskreis. Das Fürstentum Hohenlohe-Kirchberg wurde 1806 während der Herrschaft von Fürst Christian Friedrich Karl mediatisiert und die Residenzstadt in der Rheinbundakte zunächst dem Königreich Bayern zugeschlagen.

Württembergische Zeit von 1810 bis 1945 Auf Grund des Grenzvertrags von 1810 wurde Kirchberg schließlich dem Königreich Württemberg angegliedert. Die Stadt blieb weiterhin die Residenz des nun standesherrlichen Fürstenhauses. 1861 starb die Linie Hohenlohe-Kirchberg mit dem letzten Fürsten Karl Friedrich Ludwig aus.

Verwaltungstechnisch gehörte Kirchberg seit 1811 zum württembergischen Oberamt Gerabronn.

Beim Ausbau des Eisenbahnnetzes durch die Württembergischen Staatsbahnen bekam Kirchberg keinen Anschluss, was zu einer Stagnation führte. Zwischen 1871 und 1925 fiel die Einwohnerzahl sogar von 1167 auf 1000.

Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Kirchberg 1938 zum Landkreis Crailsheim.

In Mistlau befand sich in den späten 1930er Jahren die Lagerschule 6 des Reichsarbeitsdienstes.

Nachkriegszeit Von 1945 bis 1952 gehörte Kirchberg zum Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone.

Am 1. März 1972 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Gaggstatt und Hornberg nach Kirchberg an der Jagst eingemeindet. 1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Kirchberg zum Landkreis Schwäbisch Hall kam. Die heutige Stadt entstand am 1. Januar 1975 durch die Vereinigung der Stadt Kirchberg an der Jagst mit der Gemeinde Lendsiedel.

Am 10. Mai 1983 stürzte im Ortsteil Hornberg ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-16A der Hahn Air Base im Tiefflug ab und zerstörte dabei ein Feuerwehrhaus und den Keller eines zweistöckigen Wohnhauses. Der Pilot kam dabei ums Leben.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Kirchberg an der Jagst hat 14 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen EndergebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart. Die Wahlbeteiligung betrug 63,64 %.

Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019Aktive Bürger 60,42 % 8 6 Sitze Unabhängige Wählervereinigung 39,58 % 6 5 Sitze Unabhängige Grüne Liste (UGL) nicht angetreten 3 Sitze

Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. September 2024 Axel Rudolph. Er wurde am 30. Juni 2024 mit 66,5 Prozent der Stimmen gewählt. Zuvor war von 2008 bis 2024 Stefan Ohr Bürgermeister. Von 1992 bis 2008 war Friedrich König Bürgermeister.

Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Silber ein aufgerichteter schwarzer Löwe, in den Pranken eine doppeltürmige rote Kirche mit Dachreiter haltend.“ Es ist ein Redendes Wappen, da es mit der Kirche Bezug auf den Namen nimmt, und mit den Farben Schwarz-Silber sowie dem Wappentier Bezug auf das Stammwappen der früheren Residenzherren nimmt, des Hauses Hohenlohe.

Städtepartnerschaften Seit 2006 besteht eine Patenschaft mit Weißensee.

Fotos

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Schloss Hornberg Im historischen Stadtkern von Kirchberg, der als Gesamtanlage Kirchberg/Jagst unter Denkmalschutz steht,. Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 26. Januar 2009 (abgerufen am 1. Februar 2009) (auf archive.is) sind zahlreiche Baudenkmäler erhalten.

Schloss Kirchberg, ehemaliges Residenzschloss der Fürsten von Hohenlohe-Kirchberg Evangelische Stadtkirche von 1731 mit Innenausstattung im Stil des Art déco Stadtturm von 1400 Stadttor von 1774 Kornhaus von 1490 Sandelsches Museum (Stadtmuseum) im Gebäude der Lateinschule von 1748 Fünfjochige Steinbogenbrücke über die Jagst.