mini|hochkant=1.2|Ganz links (im Längsschnitt) liegt der Balkenkopf auf einer Mauerlatte auf. mini|hochkant=1.4|Aufwändige mittelalterliche Balkendecke mit engem Balkenabstand, trapezförmigen Keilen und schräg eingeschlagenen Holznägeln zur Lagesicherung der Balkenköpfe, sowie am Unterzug (Trambaum) gestoßen (Viollet-le-Duc, Dictionnaire 1854–1868). Werden parallelliegende Bohlen anstelle der Balken verwendet, spricht man auch von Riemendecke. mini|hochkant=1.2|Einfache Holzbalkendecke

Eine Holzbalkendecke (regional auch Tramdecke oder Trambalkendecke), Kapitel Einteilung der Decken (Deckenkonstruktionen)Margit Bammer: Historische Geschossdecken, ZRB 2015/4. In: ra-w.at ist in der Bautechnik eine Geschossdecke mit tragenden Elementen aus Holz in Form von gesägten oder behauenen (Decken-)Balken, die Balkenlage. Die Balken liegen auf den Außenwänden und den tragenden Innenwänden, seltener auch auf Kragsteinen, die aus der Wand innen hervorragen.

Holzbalkendecken waren bis etwa 1940 bei Mehrfamilienhäusern üblich, bei Einfamilienhäusern bis etwa 1960. Danach baute man Decken in Häusern in Massivbauweise meistens aus Stahlbeton. Zwischenzeitlich waren auch Varianten mit Betondielen oder flachen Tonnengewölben auf Stahlträgern (Kappendecken) üblich.

Stützen sich Holzbauteile auf Stahlträgern ab, so spricht man auch von Traversendecke oder Tram-Traversendecke.

Aufbau und Funktion Der Abstand der Balken ist sehr unterschiedlich und hängt ab von der zu erwartenden Last, der Dimensionierung der Balken und den konstruktiven Erfordernissen, wie beispielsweise notwendige Durchlässe für Schornsteine und Treppen. In Wohngebäuden reichen sie typischerweise von 1,2 m bis 50 cm, in jüngeren Gebäuden haben sie meist geringere Abstände.

Den oberen Abschluss (also die begehbare Fläche der Holzdecke) bildet in der Regel der Dielenboden; das sind quer zu den Balken befestigte Bretter.

Als Nachteile der Holzbalkendecken werden ihre geringe Schalldämmung, ein relativ hoher Arbeitsaufwand bei der Herstellung und deren Brennbarkeit gesehen. Probleme können auch bei Befall durch Pilze (Hausschwamm) und Insekten (Hausbock) auftreten, die allerdings dem Werkstoff Holz generell zu eigen sind.

Da die Konstruktion beim Begehen zu Schwingungen neigt und Wärme und Schall nur wenig Widerstand entgegensetzt, ist in Wohngebäuden ein aufwändigerer Aufbau üblich. Zur Dämpfung der Schwingungen des Trittschalls muss die Decke beschwert werden, was üblicherweise durch Befüllung der Hohlräume zwischen den Balken erreicht wird. Wenn die Füllung als feinkörnige Schüttung ausgeführt wird, so kann diese zugleich die Luftdichtigkeit und die Luftschalldämmung verbessern. Sorptionsfähige Materialien gleichen zusätzlich Schwankungen der Luftfeuchtigkeit aus. Als Füllmaterial werden örtlich vorkommende Schüttgüter verwendet. Infrage kommen typischerweise:

Hochofenschlacke, Sand, speziell sogenannter Brennsand, der erhitzt wurde und damit praktisch keimfrei ist, seltener auch Splitt oder Schotter, Lehm in gebrochener Form als Einstreu, als feucht eingebrachter und anschließend erhärteter Verstrich oder angemischt mit Hackschnitzeln oder mineralischem Leichtmaterial wie Perlite, Vermiculite, Blähton, Blähschiefer, Zelluloseflocken, Holzfasern etc.

Einige Materialien werden überwiegend nur zur Beschwerung verwendet. Diese können in einem Bett aus Lehmmörtel verlegt werden oder einen Lehmverstrich erhalten, um Feuerwiderstand, Feuchtigkeitsausgleich, Luftdichtigkeit, Luftschalldämmung, Holzschutz und das Trocknungsverhalten nach unplanmäßiger Durchfeuchtung der Deckenkonstruktion zu verbessern:

Gipsdielen oder Formelemente aus Gips gebrannte Tonhohlplatte (Hourdis) in Hourdisdecke Gehwegplatten aus Beton, Abschnitte bzw. Reste von Gipskarton (die zugleich den Feuerwiderstand der Deckenkonstruktion verbessern können) oder anderen Bauplatten.

Die Einlage von speziellen Mineralwollematten kann die Luftschalldämmung erhöhen.

Die Füllmaterialien liegen auf einem so genannten Blindboden oder Fehlboden auf. Sofern der Fehlboden zwischen den Brettern eingebracht wird, so heißt er auch Einschub. Traditionell bestand der Einschub aus mit Strohlehm umwickelten Holzknüppeln. Heute werden meist kurze Holz- bzw. Schwartenbretter verwendet, die auch als Einschieblinge bezeichnet werden.

Die Formelemente und Gips- und Ziegelplatten können sich selber tragen und dienen somit zugleich als Einschub, wie auch als Beschwerung. Durch einen Verstrich mit Mörtel oder eine aufliegende feinkörnige Schüttung verbessern sich Schalldämmung, Luftdichtigkeit und Feuerwiderstand.

mini|Füllungsdecke ca. 1650 mit beidseitigen Hohlkehlen und eingeschobenen Brettern mini|Bei dieser Holzbalkendecke von 1587 lagen die Dielen unmittelbar auf Einschubbrettern und Lehmfüllung auf. Dies ist heute nicht mehr üblich. Die Füllung muss sehr gleichmäßig abgezogen werden und beim seitlichen Einschlagen von Dielen mit Nut-und-Feder-Verbindung kann Material zwischen die Fugen geraten. mini|hochkant|Geöffnete Decke aus Lehmwickeln von 1880. Die Staken liegen beidseitig auf Dreiecksleisten auf.

Füllungsdecke

Den Zwischenraum zwischen den Balken bezeichnet man als Füllung oder Einschub. Bei der Füllungs- bzw. Einschubdecke bleiben die Balkenunterseiten oft sichtbar und sind teilweise mit Profilen wie z. B. Hohlkehlen oder Schnitzwerk verziert. Bei der Kölner Decke wurden die Unterseiten der Balken mit Stuckornamenten verziert.

Vor der Industrialisierung und besonders in Fachwerkhäusern bestand die Füllung meist aus Lehmwickeln (Wellerhölzer), das sind mit Strohlehm umwickelte Holzstöcke (Staken), die in Nuten der Deckenbalken geschoben werden. Diese Konstruktion nennt man Windelboden. Bei „ganzen Windelböden“ wurde die Lehmschicht unterseits durch Antrag von „fettem und bindigem“ Lehm geglättet und nach dem Austrocknen getüncht. Der Raum oberhalb der Lehmwickel wurde meist durch eine Lage Sand, Schlacke, Bauschutt oder trockenen, gebrochenen Lehm teilweise aufgefüllt. Bei „halben Windelböden“ wurden die Staken höher angesetzt und unterseitig nur dünn verstrichen. Falls unter der Balkenlage eine geschlossene Putzschicht vorgesehen war, wurden sie oft auch nur oberseits mit Lehm verstrichen.F. Triest (Königl. Preußischer Regierungsrath und Bau-Director zu Berlin): Handbuch zur Berechnung der Baukosten für sämmtliche Gegenstände der Stadt- und Landbaukunst. Zum Gebrauch der einzelnen Gewerke und der technischen Beamten, geordnet, in 18 Abtheilungen – Neunte Abtheilung, enthaltend die Arbeiten des Lehmers und Stakers, des Stroh- und Rohrdeckers, des Schindel-, Spließ- und Spohndeckers. Duncker und Humblot, Berlin 1827, S. 2 ff. (abgerufen im Januar 2017).

Vorwiegend im Alpenraum und auch in Süddeutschland wurden zwischen die Balken gehobelte Bretter eingelassen, die des Öfteren auch farblich gefasst oder geschnitzt waren. Eine aufwendigere Anwendung dieser Technik ist die Kassettendecke. mini|hochkant|Offene Lehmwickeldecke auf freiliegenden Balken in einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1856.

Freiliegende Deckenbalken Moderne Holzbalkendecken werden oft mit Blindboden oder Bretterlage, Trittschalldämmung und schwimmendem Estrich oberhalb der Balkenlage ausgeführt, so dass Unterseite und Seitenflächen der Balken bzw. der Leimbinder sichtbar sind und sich eine stark strukturierte Deckenuntersicht ergibt. Historisch wurden „gestreckte Windelböden“ ausgeführt, wenn in ausreichendem Maße dünnes Stangenholz zur Verfügung stand. Hierbei wurden gespaltene oder grob behauene Stangen über die Deckenbalken gelegt und mit Strohlehm und gegebenenfalls einer Schicht Lehmestrich bedeckt.

Geschlossene Decke mini|Historische Konstruktion zum Belag mit Backsteinen oder Fußbodenplatten im Dickbett. Die Verwendung von ca. 5 cm starken und untereinander diagonal verstrebten Bohlen ist heute noch im Holzrahmenbau in Nordamerika üblich.

An der Unterseite der Balken wird eine Holzverkleidung (Holztäfelung) befestigt. Verputzte Decke: An die Unterseite der Balken werden grob behauene Latten mit möglichst rauer Oberfläche oder trapezförmige Leisten genagelt, die als Putzträger fungieren (ältere Ausführung). Auf die mit Abstand angebrachten Latten (Spalierlatten) werden Matten aus Schilfrohr genagelt, die als Putzträger dienen (modernere Ausführung). Schwingend abgehängte Unterdecke: Über federnd befestigte Halter wird eine zusätzliche Unterkonstruktion aus Metallprofilen oder Kanthölzern hergestellt, die wiederum eine Verkleidung aus Holz oder Gipskarton-Platten trägt (nachträgliche akustische Verbesserung der Decke).

Düppeldecke

In einer massiveren Bauweise der Holzbalkendecke besteht die Decke aus aneinanderliegenden Balken, die untereinander verdübelt werden (in ca. 1–2 Meter Abstand), daher auch Dippelbaumdecke, Dübelbaumdecke oder oberdeutsch Düppeltramdecke. Die Balken sind im Allgemeinen um ½–1 Spanne (10–20 cm) stark, und so breit wie der Stamm es erlaubt, oft zwecks Materialersparnis abholzig wechselseitig verlegt, und bis in den Waldsaum ausgenutzt. Diese Konstruktion ist wesentlich belastbarer und hat auch bezüglich Wärmedämmung exzellente Werte.

Der Oberbau erfolgt etwa mit Polsterhölzern und Dielen, dazwischen ist oft eine schwere Schüttung zwecks Trittschalldämmung. Auch Estrichkonstruktionen sind möglich, aber für das Holz riskant, wenn es durch Sperrschichten zu stockender Feuchte kommen kann. Die Unterverkleidung ist mit Holztäfelung oder verputzt möglich, direkt an die Balkenlage appliziert. Bei einwandfreiem Holz (und gleich starken Bäumen) fand sich in bäuerlichem Umfeld auch Materialsichtigkeit, die Fugen beispielsweise gelattelt (mit Zierleisten überdeckt) – unverputzte Decken sind aber durch verschärfte Brandschutzbestimmungen im 19. Jahrhundert in Europa seltener geworden. mini|Dekorativ bemalte Holzbalkendecke in einem der Wohnräume von Schloss Rochlitz mini|hochkant|Ansicht einer alten Holzbalkendecke mini|Unterziehung eines besonders belasteten Deckenbalkens durch kurze Unterzüge, Haus des Konsuls, Mirepoix (Ariège)

Einbau der Balkenköpfe

Lagesicherung

Wenn die Holzbalkendecke als Scheibe ausgebildet wird, um die Wände des Gebäudes aussteifen zu können, ist eine Verbindung mit dem Mauerwerk erforderlich, etwa durch Maueranker, durch festen Verbund mit der Mauerlatte, die selber im Mauerwerk verankert ist.

Andernfalls genügt oft ein loses Auflegen. Auch eine Lagesicherung durch „trockenes“ Einmauern kann vorgesehen werden. Dies bedeutet, dass ein kapillarer Übergang der Mauerwerksfeuchtigkeit zum Holz dadurch reduziert wird, dass das Mauerwerk nur an möglichst wenigen Punkten seitlich an den Balken herangeführt wird und dass an der Kontaktstelle kein Mörtel verwendet wird. Häufig wird ein gelochter Mauerstein halbiert und so an den Seiten des Balkens angelegt, dass durch die Lochung ein gewisser Feuchtigkeitsausgleich zwischen Balkenkopf und Deckenzwischenraum stattfinden kann.André Peylo: Der Balkenkopf – wie macht man ihn nun richtig? In: Schützen & Erhalten, September 2007, S. 18–21. (Digitalisat)

Auch eine sperrende Zwischenlage könnte verwendet werden. Diese behindert jedoch die Abtrocknung des Balkens, wenn dieser eine höhere Feuchte aufweist, als das Mauerwerk.

Feuchteschutz

In der Vergangenheit wurde die Dachhaut oft nicht so dicht hergestellt, wie dies heute geschieht, so dass unter Umständen gewisse Mengen Regenwasser in die Außenwand laufen konnten. Bei Dächern mit Schneefang sowie aufgrund verminderter Dachneigung bei Sparrendächern im Bereich der Aufschieblinge war besonders der Bereich nahe der Traufe gefährdet. Die sich hier sammelnde Schneepackung konnte das im Frühjahr ablaufende Tauwasser aufstauen und durch die Dachdeckung abfließen lassen.

Geringe Mengen eindringenden Wassers können sich oft im Mauerwerk verteilen, ohne bemerkt zu werden.