mini|Frank Rexroth, Foto von Werner Maleczek, 2018 Frank Rexroth (* 4. Oktober 1960 in Kork (Baden)) ist ein deutscher Historiker.
Rexroth lehrt seit 2000 als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Er trat in der Fachwelt vor allem mit Arbeiten zur europäischen Universitätsgeschichte und zu Obrigkeiten und Randgruppen im spätmittelalterlichen London hervor. In seinen Forschungen behandelte er mehrfach spätmittelalterliche sozialgeschichtliche Themen.
Leben Frank Rexroth studierte ab 1980 die Fächer Geschichte und Deutsch auf Lehramt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Im Jahr 1986 erfolgte das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. Rexroth wurde 1988 in Freiburg i. Br. promoviert mit einer von Michael Borgolte betreuten Arbeit zu einem Thema der spätmittelalterlichen Universitätsgeschichte.Frank Rexroth: Deutsche Universitätsstiftungen von Prag bis Köln. Die Intentionen des Stifters und die Wege und Chancen ihrer Verwirklichung im spätmittelalterlichen deutschen Territorialstaat. Köln u. a. 1992. Von 1989 bis 1991 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut London. Von 1992 bis 1998 war Rexroth Hochschulassistent von Michael Borgolte am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort erfolgte 1998 seine Habilitation mit der Arbeit Das Milieu der Nacht. Obrigkeit und Randgruppen im spätmittelalterlichen London. Im Jahr 1999 lehrte er als Professor für Geschichte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit an der Universität Bielefeld.
Seit 2000 lehrt Rexroth als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte als Nachfolger von Hartmut Boockmann an der Georg-August-Universität Göttingen. Seit 2004 ist er ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Berufungen zum Direktor am Max-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen, (2004) und zum Professor für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung des hohen und späten Mittelalters an der Universität Bielefeld (2008) lehnte er ab. Von September 2016 bis Juli 2017 hatte er als Fellow einen Forschungsaufenthalt am Institute for Advanced Study, in Princeton. Von April 2020 bis März 2022 war er Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Göttingen. Im September und Oktober 2022 war er Visiting Fellow am Trinity College Dublin. Seit 1. April 2025 ist er Vizepräsident der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.
Forschungsschwerpunkte mini|Frank Rexroth, 2020 Seine Forschungsschwerpunkte sind die Kulturgeschichte von Gelehrten im Mittelalter, die Geschichte mittelalterlicher Expertenkulturen, die Sozialgeschichte europäischer Gesellschaften in komparatistischer Perspektive, die Rituale und Ritualismus, die Mittelalterliche Stadtgeschichte als Gruppengeschichte, die Freundschaft und Verwandtschaft als historische Beziehungssysteme, die deutsche Geschichte und die Geschichte Englands. Rexroth ist seit 2020 Mitherausgeber der Historischen Zeitschrift.
In seiner komparatistisch angelegten Dissertation analysierte er anhand von vier Fallstudien (Prag, Wien, Heidelberg und Köln) sowie der missglückten Gründung des Deutschordensstaats Preußen in Kulm universitäre Stiftungssituationen.Vgl. dazu die Besprechungen von Ivana Čornejová in: Bohemia 35, 1994, S. 168–169; Jacques Verger in: Francia 23/1, 1996, S. 326 (online); Alan B. Cobban in: The Journal of Ecclesiastical History 45, 1994, S. 366–367; Notker Hammerstein in: Historische Zeitschrift 260, 1995, S. 557–559. Er möchte den „komplexen interaktiven Prozeß“ der Universitätsgründung verständlich machen, an dem verschiedene soziale Gruppen (Hochadel, städtische Bürgerschaft und lokaler Klerus) teilhatten, die jeweils eigene Interessen bei der Inauguration der Universitäten verfolgten.Frank Rexroth: Deutsche Universitätsstiftungen von Prag bis Köln. Die Intentionen des Stifters und die Wege und Chancen ihrer Verwirklichung im spätmittelalterlichen deutschen Territorialstaat. Köln u. a. 1992, S. 269. Er vertritt darin den Standpunkt, „daß die rechtshistorische Definition der Stiftung, die einseitig auf die materielle Versorgung der Anstalten ausgelegt ist, zur Charakterisierung der Fälle nicht ausreicht“.Frank Rexroth: Deutsche Universitätsstiftungen von Prag bis Köln. Die Intentionen des Stifters und die Wege und Chancen ihrer Verwirklichung im spätmittelalterlichen deutschen Territorialstaat. Köln u. a. 1992, S. 280. Damit greift er Überlegungen seines akademischen Lehrers Michael Borgolte auf.Michael Borgolte: Die Stiftungen des Mittelalters in rechts- und sozialhistorischer Sicht. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 74, 1988, S. 71–94. Seine Habilitationsschrift befasst sich mit dem Spannungsverhältnis von städtischer Obrigkeit und sozialen Randgruppen in London zwischen 1338 und 1445.Vgl. dazu die Besprechungen von Eva Schumann in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 118, 2001, S. 530–532; Jens Röhrkasten in: GHI London Bulletin 22, 2000, Nr. 2, S. 44–47; Margrit Schulte Beerbühl in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 88, 2001, S. 84–85; Natalie Fryde in: Zeitschrift für Historische Forschung 31, 2004, 607–608; Bärbel Brodt in: Social History 26, 2001, S. 217–218; Miri Rubin in: The English Historical Review 116, 2001, S. 709–709; Jörg Rogge in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 48, 2000, S. 451–452; Martina Giese in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 58, 2002, S. 844–845 (online); Barbara Hanawalt in: American Historical Review 108, 2003, S. 564–565. Die Arbeit besteht aus zwei großen Teilen. Im ersten Teil Der Wandel der Denkformen im 14. Jahrhundert führt Rexroth aus, dass der Anlass für ausgrenzende Maßnahmen der Ausbruch des Hundertjährigen Krieges 1338, die Große Pest 1348/49 sowie die Verfassungskrise von 1376 bis 1384 waren. Diese drei Ereignisse haben zu einem historischen Wandel geführt. Im zweiten Teil Institutionen an der Grenze zum Milieu im 15. Jahrhundert befasst sich der Verfasser mit den Bezirksversammlungen, der Armenfürsorge sowie der städtischen Gerichtsbarkeit. Diese drei Einrichtungen haben seiner Sichtweise nach die Ausgrenzung und Statusdegradierung der Randgruppen verfestigt. Er veröffentlichte 2005 auf 114 Seiten eine Darstellung über 700 Jahre deutscher Geschichte im Mittelalter.Vgl. dazu die Besprechungen von Harald Müller in: H-Soz-Kult, 12. Juli 2006 (online); Steffen Patzold in: Zeitschrift für Historische Forschung 34, 2007, S. 651–652; Michael Jucker in: Traverse. Zeitschrift für Geschichte = Revue d'histoire 13, 2006, S. 134–135 (online). Darin geht er der Frage nach einem „deutschen“ Mittelalter und einer „deutschen“ Geschichte im Mittelalter nach. Außerdem fragt er nach den „Wechselwirkungen zwischen dem Politischen und den anderen Räumen menschlicher Kommunikation: dem Wirtschaften und der Religion, der Rechtspraxis und der institutionalisierten Wissenschaft“.Frank Rexroth: Deutsche Geschichte im Mittelalter. München 2005, S. 14.
Rexroth befasste sich in verschiedenen Beiträgen mit historischen Meistererzählungen.Frank Rexroth: Die scholastische Wissenschaft in den Meistererzählungen von der europäischen Geschichte. In: Klaus Ridder, Steffen Patzold (Hrsg.): Die Aktualität der Vormoderne. Berlin 2013, S. 111–134; Frank Rexroth: Das Mittelalter und die Moderne in den Meistererzählungen der historischen Wissenschaften. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 38, 2008, S. 12–31. Rexroth stellte mit Patrick J. Geary, Walter Pohl, Klaus Grubmüller und Thomas Haye die Meistererzählungen vom Mittelalter im September 2004 auf dem Kieler Historikertag vor. Die Beiträge der Sektionen mit weiteren Studien von Oliver Huck und Michail A. Bojcov gab Rexroth 2007 in einem Sammelband heraus.Frank Rexroth: (Hrsg.): Meistererzählungen vom Mittelalter. Epochenimaginationen und Verlaufsmuster in der Praxis mediävistischer Disziplinen. München 2007. Vgl. dazu die Besprechungen von Bea Lundt in: Das Historisch-Politische Buch 57, 2009, S. 33–34; Annette Kehnel in: Historische Zeitschrift 288, 2009, S. 723–725. Rexroth möchte den Begriff der Meisterzählung als „Werkzeug für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Praxis der Geschichtsschreibung“ präzisieren und damit der überwiegenden polemischen Benutzung des Begriffes als rhetorisches „Kampfinstrument“ öffentlicher und fachwissenschaftlicher Debatten etwas entgegenhalten.Frank Rexroth: Meistererzählungen und die Praxis der Geschichtsschreibung. Eine Skizze zur Einführung. In: Frank Rexroth: (Hrsg.): Meistererzählungen vom Mittelalter. Epochenimaginationen und Verlaufsmuster in der Praxis mediävistischer Disziplinen. München 2007, S. 1–22, hier: S. 1. Er will dabei eine „transdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Praxis des wissenschaftlichen Erzählens“ anstoßen.Frank Rexroth: Meistererzählungen und die Praxis der Geschichtsschreibung. Eine Skizze zur Einführung. In: Frank Rexroth (Hrsg.): Meistererzählungen vom Mittelalter. Epochenimaginationen und Verlaufsmuster in der Praxis mediävistischer Disziplinen. München 2007, S. 1–22, hier: S. 8.
Rexroth initiierte 2006 eine Herbsttagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte auf der Insel Reichenau über die Kulturgeschichte der Gelehrten im späten Mittelalter. Die Beiträge gab Rexroth 2010 heraus.Vgl. dazu die Besprechungen von Hannah Skoda in: German Historical Institute London Bulletin 34, 2012, S. 88–93 (online); Jörg Schwarz in: H-Soz-Kult, 11. Februar 2012 (online). Mit Jörg Rogge und Martin Kintzinger organisierte er im Herbst 2009 eine Reichenau-Tagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte zu Bedeutung von Gewalt und Widerstand für die politische Kultur des späten Mittelalters.Vgl. dazu die Besprechungen von David Nicholas in: Mediaevistik 29, 2016, S. 511–512; Robert J. Bast in: Renaissance Quarterly 70, 2017, S. 1091–1092; Hiram Kümper in: sehepunkte 16, 2016, Nr. 11 [15. November 2016] (online); Benjamin Hitz in: Zeitschrift für Historische Forschung 44, 2017, S. 319–320 (online); J. Friedrich Battenberg in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde 74, 2016, S. 313–315 (online); Erwin Frauenknecht in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 80, 2021, S. 467–468 (online). Die Ergebnisse der Tagung erschienen 2015.