Sign o’ the Times (stilisiert als Sign “☮” the Times; für „Zeichen der Zeit“) ist das neunte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Das Doppelalbum erschien am 30. März 1987 bei Paisley Park Records in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Records. Musikalisch vereint es Contemporary R&B, Funk, Jazz, Pop, Rock und Soul; die Liedtexte behandeln überwiegend zwischenmenschliche Beziehungen, Liebe und Sexualität. Gastbeiträge stammen von Clare Fischer, Jill Jones, Lisa Coleman, Sheena Easton, Sheila E., Susannah Melvoin und Wendy Melvoin. Die Titelliste bildete zudem die Grundlage für den Konzertfilm Prince – Sign O’ the Times, der im November 1987 in den US-Kinos startete.
Ursprünglich plante Prince das Dreifachalbum Crystal Ball mit 22 Songs, musste es jedoch auf Wunsch von Warner Bros. Records auf ein Doppelalbum mit 16 Titeln reduzieren und benannte es in Sign o’ the Times um, das kommerziell erfolgreich war und international mehrfach Gold- und Platinstatus erreichte.
Nach Ansicht von Musikkritikern stellt Sign o’ the Times einen Höhepunkt in Prince’ musikalischem Schaffen dar und zählt neben 1999 (1982) und Purple Rain (1984) zu seinen drei bedeutendsten Werken.Uptown (2004), S. 369. 2017 wurde das Album in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.
Am 25. September 2020, viereinhalb Jahre nach Prince’ Tod, veröffentlichten NPG Records und Warner Bros. Records die überarbeitete Fassung des Albums unter dem Titel Sign o’ the Times Super Deluxe.
Entstehung Anfang März 1986 ließ sich Prince in seinem Privathaus in Chanhassen das Tonstudio Galpin Blvd Home Studio einbauen. Das neue Heimstudio bot ausreichend Platz für Bandaufnahmen. Toningenieurin Susan Rogers (* 1956) bezeichnete es als „Weltklasse-Studio“, mit dem man „mit jedem beliebigen konkurrieren“ konnte; zudem habe es im Gegensatz zum vorherigen Haus ein zusätzliches kleines Studio für Schlagzeug und Klavier gegeben.Nilsen (1999), S. 208. Zuvor hatte Prince aus Platzgründen für Bandaufnahmen andere Studios nutzen müssen. mini|links|hochkant|Prince, 1986 Am 13. März 1986 nahm Prince mit The Ballad of Dorothy Parker den ersten Song in seinem neuen Heimstudio in Chanhassen auf.Tudahl (2021), S. 327. Zwei Tage später überarbeitete er dort Strange Relationship, das er bereits am 14. März 1983 komponiert hatte.Tudahl (2018), S. 40.Tudahl (2021), S. 332. In den folgenden Jahren arbeitete er gemeinsam mit Lisa Coleman und Wendy Melvoin weiter an dem Stück und veröffentlichte es schließlich auf Sign o’ the Times. Den Song Starfish and Coffee spielte er am 20. April 1986 ebenfalls im Galpin Blvd Home Studio ein.Nilsen (1999), S. 280.
Vom 3. bis 11. Mai 1986 arbeitete Prince im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles und nahm dort am letzten Tag It auf.Nilsen (1999), S. 266–267. Slow Love überarbeitete er am 3. Juni im Washington Avenue Warehouse in Edina (Minnesota); den Song hatte er bereits am 1. Juli 1984 geschrieben.Tudahl (2021), 398. Vom 12. bis 18. Juli 1986 kehrte er ins Sunset Sound zurück und nahm am 13. Juli The Cross sowie am 15. Juli das Titelstück Sign o’ the Times auf. Einen Tag später überarbeitete er I Could Never Take the Place of Your Man, das ursprünglich vom 23. Mai 1979 stammt.Tudahl (2021), S. 438–439. Am 6. August spielte Prince im Galpin Blvd Home Studio Hot Thing ein, einen Tag darauf Forever in My Life.
Vom 12. August bis 9. September 1986 absolvierte Prince mit The Revolution die weltweite Parade Tour. Am 25. August spielte er im Zénith Paris in Paris It’s Gonna Be a Beautiful Night, das in einem mobilen Tonstudio mitgeschnitten wurde.
Nach seiner Rückkehr nach Minneapolis erhielt er einen Anruf von Produzent Quincy Jones, der ihn fragte, ob er mit Michael Jackson den Titelsong von dessen Album Bad (1987) im Duett singen wolle. Laut Toningenieurin Susan Rogers war Prince zwar geschmeichelt, lehnte jedoch ab, da dies nicht seinem Stil entspreche.Nilsen (1999), S. 215. Jones erinnerte sich folgendermaßen: „Prince kam ins Studio, hörte den Song und ging. Michael musste alleine singen.“Seibold (1991), S. 76. Zudem plante Jacksons Manager Frank DiLeo eine mediale Rivalitätskampagne sowie einen gemeinsamen Auftritt im Musikvideo zu Bad, was Prince ebenfalls ablehnte. Stattdessen bot er den Song Wouldn’t You Love to Love Me? für das Album an, doch Jackson verzichtete darauf. Prince gab das Stück daraufhin an Taja Sevelle (* 1962) weiter, die es 1987 veröffentlichte. Seine eigene Version erschien posthum 2019 auf Originals.
Camille
Am 16. September 1986 nahm Prince im Galpin Blvd Home Studio Shockadelica auf und setzte seine Stimme per Pitch-Shifting höher und schneller ein. Den Effekt nannte er „Camille“, sein Alter Ego und Pseudonym, das seine dunkle Seite verkörperte.Hahn (2006), S. 161.Nilsen (1999), S. 267. Am 18. Oktober 1986 nahm er im Sunset Sound Housequake auf; Toningenieur war Coke Johnson, da Susan Rogers im Urlaub war.Nilsen (1999), S. 216. Ende Oktober 1986 nahm er Good Love, Rebirth of the Flesh und Rockhard in a Funky Place mit dem neuen „Camille“-Gesang auf und überarbeitete die früheren Versionen von Feel U Up (1981 komponiert) und Strange Relationship. Am 2. November 1986 spielte Prince If I Was Your Girlfriend ein.Nilsen (1999), S. 217.
Am 5. November 1986 stellte Prince das neue Album Camille fertig, dessen Songs alle im beschleunigten Gesang vorgetragen sind. Warner Bros. Records vergab bereits eine Katalognummer, die Veröffentlichung war für Januar 1987 geplant. Als erste Single sollte Shockadelica mit Housequake als B-Seite erscheinen. Die Tracklist des geplanten Albums Camille lautete: #TitelDauerVeröffentlichungA-1Rebirth of the Flesh4:542020: Sign o’ the Times Super DeluxeA-2Housequake4:411987: Sign o’ the TimesA-3Strange Relationship4:041987: Sign o’ the TimesA-4Feel U Up6:301989: B-Seite von PartymanB-1Shockadelica6:121987: B-Seite von If I Was Your GirlfriendB-2Goodlove5:111988: Soundtrack von Bright Lights, Big CityB-3If I Was Your Girlfriend (ohne Intro)4:471987: Sign o’ the TimesB-4Rockhard in a Funky Place4:311994: Black AlbumSpieldauer: 40:50 min.
Crystal Ball Doch Prince verfolgte das Projekt Camille nicht weiter, und das Album wurde nicht veröffentlicht. Stattdessen nahm er im Sunset Sound am 19. November 1986 Adore sowie am 26. November Play in the Sunshine auf.Nilsen (1999), S. 280–281. Außerdem überarbeitete er die Liveversion von It’s Gonna Be a Beautiful Night: Prince ergänzte neue Textzeilen, Sheila E. sang den „Transmississippirap“ ein und spielte nachträglich Perkussion; Jill Jones und Susannah Melvoin ergänzten die Backing Vocals. Atlanta Bliss und Eric Leeds wurden aus Minneapolis eingeflogen, um ihre Instrumentalparts in Adore und It’s Gonna Be a Beautiful Night einzuspielen.Nilsen (1999), S. 218. Am 30. November 1986 stellte Prince ein neues Dreifachalbum mit 22 Songs fertig, das er Crystal Ball nannte; die Tracklist lautete:Tudahl (2021), S. 576–577. #TitelVeröffentlichungA-1Rebirth of the Flesh2020: Sign o’ the Times Super DeluxeA-2Play in the Sunshine1987: Sign o’ the TimesA-3Housequake1987: Sign o’ the TimesA-4The Ballad of Dorothy Parker1987: Sign o’ the TimesB-1It1987: Sign o’ the TimesB-2Starfish and Coffee (ohne Wecker)1987: Sign o’ the TimesB-3Slow Love1987: Sign o’ the TimesB-4Hot Thing1987: Sign o’ the TimesC-1Crystal Ball1998: Crystal BallC-2If I Was Your Girlfriend (ohne Intro)1987: Sign o’ the TimesC-3Rockhard in a Funky Place1994: Black AlbumD-1The Ball2020: Sign o’ the Times Super DeluxeD-2Joy in Repetition1990: Graffiti BridgeD-3Strange Relationship1987: Sign o’ the TimesD-4I Could Never Take the Place of Your Man1987: Sign o’ the TimesE-1Shockadelica1987: B-Seite von If I Was Your GirlfriendE-2Good Love1988: Soundtrack von Bright Lights, Big City1998: Crystal BallE-3Forever in My Life1987: Sign o’ the TimesE-4Sign o’ the Times1987: Sign o’ the TimesF-1The Cross1987: Sign o’ the TimesF-2It’s Gonna Be a Beautiful Night1987: Sign o’ the TimesF-3Adore1987: Sign o’ the TimesGesamt: 22 Mo Ostin, damaliger Vorstandsvorsitzender von Warner Bros. Records, besuchte Prince im Sunset Sound in Los Angeles und hörte sich das Album Crystal Ball an. Anschließend beriet er sich mit Prince und Steve Fargnoli, einem von Prince’ damaligen Managern. Ostin zeigte sich skeptisch und äußerte Zweifel an der Veröffentlichung eines Dreifachalbums. Laut Toningenieurin Susan Rogers hatten Prince und Ostin gegenseitigen Respekt: „Mo sagte zu Prince ‚Ich respektiere Ihre Vision, aber sie wird schlichtweg nicht funktionieren. Sie wird schwer zu verkaufen sein.‘ […] Natürlich war Prince sehr enttäuscht.“Nilsen (1999), S. 219. Prince’ damaliger Tourmanager Alan Leeds (* 1947), der ältere Bruder von Saxophonist Eric Leeds, war zwar von einigen Songs beeindruckt, zeigte sich aber ebenfalls wenig begeistert von einer Dreifachalbum-Veröffentlichung: „Man musste zumindest damit rechnen, dass Fans und Kritiker negativ reagieren würden. Zwar hätten sich die Hardcorefans sicher über so einen Berg neuen Materials gefreut, aber davon abgesehen hatte diese Sache kaum Vorteile.“Hahn (2006), S. 165.
Warner Bros. Records bestand darauf, dass Prince das Dreifachalbum auf ein Doppelalbum reduzieren müsse. „Es gab zahllose Meetings, es wurde viel gebrüllt und viel genervt. Es war sehr, sehr unangenehm“, erinnerte sich später Alan Leeds über die Diskrepanzen zwischen Prince und Warner Bros. Records. Prince kürzte daraufhin Crystal Ball, strich sieben Songs, änderte die Reihenfolge und benannte das Album in Sign o’ the Times um.
Vom 21. bis 23. Dezember 1986 nahm Prince im Sunset Sound U Got the Look als letzten Song für das neue Album auf. Als Sheena Easton überraschend im Studio erschien, nutzte er die Gelegenheit für ein Duett. Am 15. Januar 1987 stellte Prince das Doppelalbum Sign o’ the Times fertig und integrierte im Titel ein Friedenszeichen anstelle des Wortes „of“.Nilsen (1999), S. 268.Hill (1989), S. 263.
Gestaltung des Covers Für das Schallplattencover war Artdirectorin Laura LiPuma verantwortlich, die zuvor bereits Purple Rain (1984), Around the World in a Day (1985), His Majesty’s Pop Life/The Purple Mix Club (1985), Parade (1986) und Lovesexy (1988) gestaltet hatte. Sie ist die Nichte des Musikproduzenten Tommy LiPuma und heißt seit ihrer Hochzeit Laura LiPuma Nash.
Am 18. Januar 1987 fotografierte Jeff Katz (* 1960) das Schallplattencover im Proberaum Washington Avenue Warehouse in Eden Prairie (Minnesota). Der Hintergrund besteht aus Elementen des Musicals Guys and Dolls, die von der Erlebnisgastronomie Chanhassen Dinner Theatres ausgeliehen wurden, die das Stück damals in Chanhassen aufführten.Uptown (2004), S. 78.
Das Cover zeigt eine aus Schrott bestehende Kulisse mit ramponierten Musikinstrumenten und Verstärkern, verblühte Blumen, kaputtem Spielzeug sowie Neonwerbeschilder mit Aufschriften wie „Arcade“, „Bar Grill“ oder „Girls, Girls, Girls“. Das Drumset steht auf der Motorhaube eines Pontiac Grand Prix (Baujahr 1972); die Bedeutung des Nummernschilds „CKJ 505“ ist unbekannt. Die Kulisse entspricht dem Bühnenbild der Sign o’ the Times Tour; Bühnendesigner LeRoy Bennett betonte, dass der „Coverhintergrund nicht am Computer entstand“, sondern im Chanhassen Dinner Theatres aufgebaut wurde. Rechts außen ist im Vordergrund das halbe Gesicht von Prince verschwommen zu sehen, und die Farbgestaltung dominiert Pfirsichtöne.Hahn (2006), S. 168.
Im Gegensatz zum Booklet enthält die Innenhülle des Doppelalbums zwei weitere Fotos von Prince,Begleitheft der Doppel-CD Sign o’ the Times von Prince, Warner Bros. Records / Paisley Park Records, 1987 eines davon mit der Tänzerin Cat. Das Schallplattencover der Doppel-LP ist kein Klappcover; die beiden LPs werden wie bei einer Single-LP in eine Öffnung hineingeschoben.Albumcover der Doppel-LP Sign o’ the Times von Prince, Warner Bros. Records / Paisley Park Records, 1987 Die Liedtexte sind sowohl im Booklet als auch in der LP-Ausgabe abgedruckt.