Der Landkreis Münsingen war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.
Geographie
Lage Der Landkreis Münsingen lag im Südosten Baden-Württembergs.
Geographisch hatte er Anteil an der Schwäbischen Alb und dessen Vorland. Die Kreisstadt Münsingen lag etwa in der Mitte des Kreises.
Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren 1972 im Uhrzeigersinn beginnend im Norden Nürtingen, Göppingen, Ulm, Ehingen, Saulgau, Sigmaringen und Reutlingen.
Geschichte Das Gebiet des Landkreises Münsingen gehörte schon vor 1800 überwiegend zum Herzogtum Württemberg sowie zum Kloster Zwiefalten. Daher gab es auch vor 1800 bereits das württembergische Oberamt Münsingen, das im Laufe seiner Geschichte mehrmals verändert wurde. Daneben gab es ab 1802 ein Oberamt Zwiefalten, das jedoch 1810 aufgelöst wurde. Der überwiegende Teil kam zum Oberamt Münsingen, das dann zur Landvogtei auf der Alb und ab 1818 zum Donaukreis gehörte. 1924 wurde der Donaukreis aufgelöst und 1934 wurde das Oberamt Münsingen in Kreis Münsingen umbenannt. 1938 wurde der benachbarte Kreis Urach aufgelöst. Dadurch vergrößerte sich der nunmehrige Landkreis Münsingen um einige Gemeinden des früheren Oberamts Urach. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Landkreis Münsingen in die Französische Besatzungszone und kam in der Folge zunächst zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. Seit der Länderneugliederung am 25. April 1952 gehörte der Landkreis zum Land Baden-Württemberg und damit bis zur Auflösung mit Ablauf des 31. Dezember 1972 zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern.
Durch die Gemeindereform der 1970er Jahre veränderte sich das Kreisgebiet in mehreren Fällen. Am 1. September 1971 wurden die Gemeinden Sirchingen und Wittlingen in die Stadt Urach (heute Bad Urach) eingegliedert und kamen dadurch zum Landkreis Reutlingen. Am 1. März 1972 wurde die Gemeinde Justingen und am 1. April 1972 die Gemeinden Hütten und Ingstetten in die Stadt Schelklingen eingegliedert und kamen dadurch zum Landkreis Ehingen.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Münsingen aufgelöst. Der überwiegende Teil kam zum vergrößerten Landkreis Reutlingen, der damit Rechtsnachfolger wurde. Die Stadt Laichingen sowie die Gemeinden Ennabeuren, Feldstetten, Gundershofen, Sondernach, Sontheim und Westerheim wurden Teil des neu gebildeten Alb-Donau-Kreises.
Einwohnerentwicklung Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse. Jahr Einwohner 17. Mai 1939 33.452 13. September 1950 37.091 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 38.809 27. Mai 1970 42.498
Politik Landrat Die Oberamtmänner des ehemaligen Oberamts von 1807 bis 1938 sind unter Oberamt Münsingen dargestellt.
Die Landräte des Landkreises Münsingen von 1938 bis 1972:
1938–1944: Richard Alber 1944–1945: Georg Eisenlohr (Amtsverweser) 1945–1946: Richard Alber (kommissarisch) 1946: Willy Ritter (kommissarisch) 1946–1952: Hans Ritter 1952–1968: Erwin Schwenk 1968–1972: Manfred Oechsle
Wappen Der Landkreis Münsingen bzw. das Oberamt Münsingen hatte kein eigenes Wappen. In den Dienstsiegeln wurden lediglich die württembergischen Hirschstangen geführt. Doch wurde dies 1930 vom württembergischen Innenministerium nicht mehr gestattet. Daraufhin beantragte der Bezirksrat Münsingen bei der Stadt, das Stadtwappen Münsingens auch in den Siegeln der Amtskörperschaft führen zu können. Der Gemeinderat stimmte dem zu und so kam es auch in der Folgezeit zu keinem eigenen Wappen für den Landkreis Münsingen.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch das Kreisgebiet führte keine Bundesautobahn. Daher wurde er nur durch die Bundesstraßen 312 und 465 sowie durch mehrere Landes- und Kreisstraßen erschlossen.
Gemeinden Zum Landkreis Münsingen gehörten ab 1938 zunächst 58 Gemeinden, davon 3 Städte. 1942 wurde der Gutsbezirk Münsingen als gemeindefreies Gebiet gegründet. Das Gebiet war damals bewohnt. In ihm ging unter anderem die 1938 aufgelöste Gemeinde Gruorn auf.
Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Münsingen machten am 1. Juli 1971 die Gemeinden Auingen, Böttingen und Dottingen, die in die Stadt Münsingen (Württemberg) eingegliedert wurden. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Münsingen schließlich am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.
Größte Gemeinde des Landkreises war die Stadt Laichingen, kleinste Gemeinde war Bichishausen.
In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Münsingen vor der Gemeindereform. Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. frühere Gemeinde heutige Gemeinde heutiger Landkreis Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Aichelau Pfronstetten Reutlingen 272 255 Aichstetten Pfronstetten Reutlingen 161 148 Anhausen Hayingen Reutlingen 186 177 Apfelstetten Münsingen Reutlingen 327 385 Auingen Münsingen Reutlingen 1447 1939 Bernloch Hohenstein Reutlingen 575 628 Bichishausen Münsingen Reutlingen 124 140 Böhringen Römerstein Reutlingen 1201 1269 Böttingen Münsingen Reutlingen 607 639 Bremelau Münsingen Reutlingen 391 373 Buttenhausen Münsingen Reutlingen 805 829 Dapfen Gomadingen Reutlingen 760 717 Donnstetten Römerstein Reutlingen 850 886 Dottingen Münsingen Reutlingen 647 780 Eglingen Hohenstein Reutlingen 365 378 Ehestetten Hayingen Reutlingen 418 446 Ennabeuren Heroldstatt Alb-Donau-Kreis 833 895 Feldstetten Laichingen Alb-Donau-Kreis 784 844 Gächingen St. Johann Reutlingen 581 668 Gauingen Zwiefalten Reutlingen 256 253 Geisingen Pfronstetten Reutlingen 170 177 Gomadingen Gomadingen Reutlingen 924 1075 Gundelfingen Münsingen Reutlingen 245 252 Gundershofen Schelklingen Alb-Donau-Kreis 252 233 Hayingen, Stadt Hayingen Reutlingen 860 1140 Hengen Bad Urach Reutlingen 512 554 Huldstetten Pfronstetten Reutlingen 169 172 Hundersingen Münsingen Reutlingen 410 398 Hütten Schelklingen Alb-Donau-Kreis 353 363 Indelhausen Hayingen Reutlingen 155 172 Ingstetten Schelklingen Alb-Donau-Kreis 344 375 Justingen Schelklingen Alb-Donau-Kreis 474 472 Kohlstetten Engstingen Reutlingen 520 624 Laichingen, Stadt Laichingen Alb-Donau-Kreis 4680 5406 Lonsingen St. Johann Reutlingen 452 489 Magolsheim Münsingen Reutlingen 396 410 Mehrstetten Mehrstetten Reutlingen 963 1053 Meidelstetten Hohenstein Reutlingen 351 378 Münsingen, Stadt Münsingen Reutlingen 3516 3807 Münzdorf Hayingen Reutlingen 194 179 Oberstetten Hohenstein Reutlingen 562 717 Ödenwaldstetten Hohenstein Reutlingen 470 510 Pfronstetten Pfronstetten Reutlingen 360 392 Rietheim Münsingen Reutlingen 450 473 Seeburg Bad Urach Reutlingen 329 339 Sirchingen Bad Urach Reutlingen 315 446 Sonderbuch Zwiefalten Reutlingen 244 190 Sondernach Schelklingen Alb-Donau-Kreis 176 175 Sontheim Heroldstatt Alb-Donau-Kreis 797 949 Steingebronn Gomadingen Reutlingen 157 162 Tigerfeld Pfronstetten Reutlingen 244 220 Trailfingen Münsingen Reutlingen 462 471 Upfingen St. Johann Reutlingen 630 648 Westerheim Westerheim Alb-Donau-Kreis 1492 1810 Wilsingen Trochtelfingen Reutlingen 321 308 Wittlingen Bad Urach Reutlingen 717 722 Zainingen Römerstein Reutlingen 1023 1043 Zwiefalten Zwiefalten Reutlingen 2234 2283 Gutsbezirk Münsingen(ab 1942, u. a. mit der aufgegebenen Gemeinde Gruorn) Gutsbezirk MünsingenHeroldstattMünsingen ReutlingenAlb-Donau-KreisReutlingen 296 262
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MÜN zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1972 ausgegeben.
Literatur Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl, Heft 29: Landkreis Münsingen. Stuttgart 1967, Digitalisat auf der Website der gemeinsamen statistischen Bibliothek der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, PDF-Datei, 5,48 MB.
Einzelnachweise
Munsingen Kategorie:Münsingen (Württemberg) Munsingen Kategorie:Aufgelöst 1973