Der Subjuntivo oder auch modo de subjuntivo („Subjunktiv“) ist ein Modus oder eine Aussageweise in der Grammatik der spanischen Sprache. Allgemein betrachtet geben die Modi über das Verhältnis des vom Sprecher bezeichneten Ereignisses zur Wirklichkeit Auskunft.
Der französische subjonctifÉrik Orsenna: Les Chevaliers du subjonctif. Hachette, Paris 2006, ISBN 978-2-25311-434-5 ist ein Modus der französischen Sprache, er weist viele Gemeinsamkeiten mit dem spanischen subjuntivo auf. Ebenso sind weitere, diesem Modus entsprechende Formen in anderen romanischen Sprachen anzutreffen, etwa in dem Italienischen congiuntivo, portugiesischen subjuntivo o conjuntivo, rumänischen conjunctivul oder dem Rätoromanischen conjunctiv.Der Konjunktivgebrauch im Französischen und Spanischen. hispanoteca.eu
Der Modus als morphologische Kategorie des Verbs gilt als Ausdrucksmittel der Modalität. Im Speziellen bringt die Modalität zum Ausdruck, ob in der Versprachlichung des Bewusstseinsinhaltes als Ausdruck der sprecher-individuellen Realität diese letztlich als in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit gesehen werden kann oder nicht (Deutungsrahmen). Bei der Modalität geht es aus pragmatischer Sicht um eine Sprechereinstellung gegenüber seiner beabsichtigten Äußerung, die nicht nur mittels der erwähnten Modi (Indikativ vs. Subjunktiv) erfolgen kann, sondern auch durch ModalverbenDabei ist zu berücksichtigen, dass der „Grad der Grammatikalisierung der romanischen Modalverben“ einen anderen Weg gegangen ist, als bei den germanischen Sprachen, wobei für einzelne Sprachen ein Rückgang bei der Verwendung des Modus, so im gesprochenen Französisch, festzustellen ist. und -adverbien und ebenso vermittels einiger Tempora wie dem Imperfekt und Condicional versprachlicht werden können, die dann mehr oder weniger implizit auf die modale Bedeutung hinweisen.
Hieraus leiten sich die beiden „Grundmodalitäten“ Wirklichkeit (Indikativ) und Nichtwirklichkeit (Subjunktiv) ab. Mit seiner subjektiven Äußerung innerhalb dieser beiden „Grundmodalitäten“ äußert sich der Sprecher gemäß den Regeln über den Grad der Gewissheit bzw. Ungewissheit, der Vermutung, Forderung, der Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit, Bedingtheit eines Vorstellungsinhaltes.Karl-Ernst Sommerfeldt, Günter Starke, Dieter Nerius (Hrsg.): Einführung in die Grammatik und Orthographie der deutschen Gegenwartssprache. Bibliographisches Institut, Leipzig 1981, S. 74 f.
Der spanische Begriff „subjuntivo“ (wie auch die französische Bezeichnung „subjonctif“) geht auf das lateinische Wort subiungere zurück, was „anfügen“, „hinzufügen“, „verbinden“, aber auch „unterwerfen“ oder „unterjochen“ bedeutet.Antoni Maria Badia i Margarit: El subjuntivo de subordinación en las lenguas románicas y especialmente en ibero-románico. In: Revista de Filología Española. Nr. 37, Institut “Miguel de Cervantes”, Madrid 1953, S. 95–129, hier S. 95.Der „Subiunctivus“ „ordnet unter“ oder „wird untergeodnet“. Diese Bezeichnung hebt die Tatsache hervor, dass es sich typischerweise um eine abhängige Verbform handelt, die in bestimmten Arten von untergeordneten Nebensätzen, oraciones subordinadas, erscheint. Verwendungen des Subjuntivo in Hauptsätzen, die es daneben auch gibt, werden somit als weniger typisch angesehen.
Unterschied zwischen Indicativo und Subjuntivo Für Hummel (2001)Martin Hummel: Der Grundwert des spanischen Subjunktivs. Narr Francke Attempto, Tübingen 2001, ISBN 3-8233-5125-7, S. 76. stellt sich der Indikativ als der Modus der Präsentation, Darstellung von Ereignissen im „Existenzmodus“zu lateinisch existentia „Bestehen, Dasein“ dar; so wie die Tatsachen nach erfolgtem Eintreten sind – nach dem realen Eingetreten-sein – so beschreibt er den Verlauf der Ereignisse auf der (temporalen) Realitätsachse.Solche Betrachtungen zum Subjunktiv wurden in ähnlicher Weise durch den französischen Linguisten Gustave Guillaume formuliert. Er begriff den Subjonctif als eine sprachliche Bildung für ein zwischen einem „temps in posse“ und einem „temps in esse“ sich ereignendes Ereignis, welches aber noch nicht die Realität erreicht habe. Deshalb sind im Indikativ auch das Tempussystem und der Aspekt stärker differenziert und entwickelt. Denn seiende Dinge existieren nur wegen ihres Eintretens, und da Verben letztlich Ereignisse benennen, können die Modi auch als Präsentationsformen von Ereignissen verstanden werden. Damit umgreift der Indikativ die Ereignisse aus der Perspektive ihres Eingetreten-seins, also in kognitiver und erkenntnistheoretischer Sicht mit der Fragestellung ihrer faktischen Existenz.
Der Subjunktiv hingegen erfasst die Ereignisse aus dem Blickwinkel ihres (möglichen) Eintretens oder ihrer Inzidenz, wobei aber von der Tatsache ihres Eingetreten-seins als solches abstrahiert oder abgesehen wird, wenn der Subjunktiv auf ein faktisch eingetretenes Ereignis bezogen wird. Der Subjunktiv präsentierte die Ereignisse im „Inzidenzmodus“zu lat. incidere „fallen“ ein Ereignis, ein Tatbestand wird durch die Perspektive seines möglichen Eintretens fokussiert.Martin G. Becker: Zur Entwicklung der Kategorie «Modus» in romanischen Sprachen Bd. 386 Beihefte zur Zeitschrift für romanische Philologie, de Gruyter, Berlin 2014, ISBN 3-11-034283-9, S. 19 Der „Inzidenzmodus“ des Subjunktivs setzt mit seiner Versprachlichung das Ereignis in Bewegung, fokussiert die Dynamik seines Eintretens, ohne aber dass der tatsächliche Verlauf des Ereignisses schon beschrieben wird.Joachim Born, Robert Folger, Christopher F. Laferl, Bernhard Pöll (Hrsg.): Handbuch Spanisch, Sprache, Literatur, Kultur, Geschichte in Spanien und Hispanoamerika. Für Studium, Lehr, Praxis. Erich Schmidt, Berlin 2013, ISBN 978-3-503-13793-0, S. 327 Der Subjunktiv zeigt sich aus dieser Betrachtung als eine mögliche Darstellungs- oder Präsentationsform von (vorgestellten) Ereignissen, bei der auf das Eintreten als solches – einem Eintreten oder als Abstraktum einem Eingetreten-sein losgelöst von seiner eigentlichen Aktualisierung – fokussiert wird. Dadurch impliziere der Subjunktiv als Modus die Existenz von „Eintrittsalternativen“.Martin Hummel: Der Grundwert des spanischen Subjunktivs. Narr Francke Attempto, Tübingen 2001, ISBN 3-8233-5125-7, S. 76. Er sage nichts über das tatsächliche Eintreten eines Ereignisses in der „aktualen Welt“ aus aber er fasste die Ereignisse wie sie hätten eintreten oder auch nicht hätten eintreten können, in den übrigen (kontrafaktischen) „möglichen Welten“ (siehe auch kontrafaktische Annahmen). Damit zeigt sich die sprachliche Nähe oder der Zusammenhang zu alternativen Ereignissen, so formuliert man im Alltäglichen die Hoffnungen, Sorgen, Erwartungen, Wünsche, Befürchtungen u. ä. m.; man „wünscht“ etwa oder „beehrt“, „sehnt sich“ und „hofft auf“ auf bestimmten Ereignisse und deren Eintreten; die aktualisierten Verbformen sind Darstellungen der Formen von Ereignissen.
Als finite Verbform werden Wortformen eines Verbs bezeichnet. Sie weisen bestimmte grammatische Merkmale auf bzw. drücken solche aus. Die finiten Merkmale eines konjugierten Verbs, verbo conjugado (Konjugationsmorphem) sind der Modus, modo, Numerus, número, Person, persona und das Tempus, tiempo. Während sich die Zeitreferenz im Modus des Indikativs scharf abbilden lässt, bleibt sie bei den Formen des Subjunktivs eher unscharf und bedarf einer kontextuellen Präzisierung. Hieraus lässt sich ableiten, dass der Subjunktiv, im Vergleich zum Indikativ, einen geringeren „Finitätsgrad“ aufweist.
Durch ein Flexionsmorphem, genauer Konjugationsmorphem, ergeben sich synthetischeSynthetische Form, das heißt die Bedeutung und grammatische Kategorien sind in einem Wort vereint. – Beispiel: hablara ich spräche Pretérito imperfecto de subjuntivo und analytischeAnalytische Form, das heißt die Bedeutung und grammatische Kategorien auf mehrere Wörter verteilt. – Beispiel: haya hablado ich habe gesprochen Pretérito perfecto de subjuntivo (verbale) Wortbildungen. Die Anzahl der unterschiedlichen Formen ist für den Subjunktiv geringer als für den Indikativ, schon deshalb kann die Versprachlichung von temporalen Relationen nicht die Hauptfunktion des Subjunktivs sein.
Dies führt zu einem weiteren Unterschied zwischen den beiden Verbalkategorien, categorías verbales Indikativ und Subjunktiv der darin besteht, dass der Modus des Indikativs als ein personaler und temporaler Modus betrachtet werden kann. Er aktualisiert einen Vorgang und situiert ihn mittels der verschiedenen Tempora in eine bestimmte Zeitlichkeit (temporale Deixis), er ist der „temporale Modus“ schlechthin. Er objektiviert Tatsachen und unterscheidet sie in der Zeit.
Der Subjunktiv ist gewissermaßen ein „nicht temporaler Modus“, vermag er doch nicht einen Vorgang oder Tatbestand in einer der drei Kategorien der Zeitlichkeit wie Vergangenheit, Gegenwärtigkeit, Zukünftigkeit fest zu situieren, sondern vielmehr zeitliche Verhältnisse zu beschreiben. Während also die Formen des Indikativs die absolute Zeitstufe klar und eindeutig auszudrücken vermögen, verschmelzen gewissermaßen in den „Zeiten“ des Subjunktivs Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander. Damit wird ein und dieselbe temporale Form des Subjunktivs, je nach Kontext oder Relation, zeitlich ambivalent oder sogar plurivalent. – Beispiel: Quería que llegaras. Ich wünschte, dass du noch kämest. Pretérito imperfecto de indicativo + Pretérito imperfecto de subjuntivo „rückdeutsch“zum besseren Verständnis der spanischen Syntax wurde der Satz mehr oder weniger Wort für Wort ins Deutsche rückübersetzt. Der Nebensatz, oración subordinada „que llegaras“ kann sich sowohl auf eine (noch unbestimmte) Vergangenheit, wie auch auf eine Gegenwärtigkeit oder auch Zukünftigkeit beziehen.
Ein anderes Beispiel: Ay mi amor ya quiero que llegues. Oh meine Liebe schon ich wünsche, dass du kommest. Presente de indicativo + Presente de subjuntivo
Dennoch unterscheidet man formal bzw. kann der Subjunktiv in sechs Zeitformen gesetzt werden, drei einfache und drei zusammengesetzte Zeiten. – Beispiele, mit hablar sprechen: Presente de subjuntivo: hable Pretérito imperfecto de subjuntivo: hablara oder hablase Pretérito perfecto de subjuntivo: haya hablado Pretérito pluscuamperfecto de subjuntivo: hubiera oder hubiese hablado Futuro perfecto de subjuntivo: hablare Futuro perfecto de subjuntivo: hubiere hablado
Da es im Subjuntivo keine grammatische Form für einen perfektiven Aspekt, wie ein Pretérito indefinido gibt, entfällt diese Aspektopposition. Dadurch ist ein (grammatikalische) Unterscheidung zwischen einem (abgeschlossenen) Zustand und einen Vorgang nicht möglich.
Wenn der Subjunktiv, wie es zu meist der Fall ist, im Nebensatz verwendet wirdDaher auch sein ursprünglicher Name, zu als den „Modus der Unterordnung“., folgt sein Einsatz dem Zeitgefüge eines komplexen, spanischen Satzes und dessen festen Vorgaben.Vergleiche hierzu auch Consecutio temporum Charakteristisch für einen Nebensatz ist, dass er mit einem typischen Wort, der Subjunktion eingeleitet wird, solche Wörter ordnen Sätze anderen Sätzen unter.
Da die Zeitform im Nebensatz (Protasis) immer von der des Hauptsatzes (Apodosis) abhängt, ist der Rezipient (Zuhörer, Leser) verpflichtet, auf die Zeitform des Verbs im Hauptsatz im Besonderen zu achten.Claudia Moriena, Karen Genschow: Große Lerngrammatik Spanisch: Regeln, Anwendungsbeispiele, Tests; [Niveau A1 – C1]. Hueber Verlag, München 2010, ISBN 978-3-19-104145-8, S. 368–409 Wenn das Verb im Hauptsatz (Apodosis) im Presente de indicativo, Futuro simple de indicativo oder Pretérito perfecto de indicativo steht, muss das Verb des Nebensatzes (Protasis) im Presente de subjuntivo oder Pretérito perfecto de subjuntivo eingesetzt werden.