Die Starrag Tornos Group (Eigenschreibweise StarragTornos) mit Sitz in Rorschacherberg ist ein auf spanende Präzisions-Werkzeugmaschinen spezialisiertes, international tätiges Schweizer Industrieunternehmen. Die Unternehmensgruppe wurde am 7. Dezember 2023 nach der Fusion der Unternehmen Starrag Group und Tornos in das Handelsregister eingetragen. Die StarragTornos Group beschäftigte 2025 in der Division Starrag (ehemals Starrag Group) 1254 Mitarbeiter an neun Produktionsstandorten in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Indien und vertreibt ihre Produkte unter zehn Marken. Die Division Tornos beschäftigte 605 Mitarbeiter an mehreren Produktionsstandorten. Die StarragTornos Group AG ist an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert.

Geschichte StarragTornos Group Nach dem Beschluss beider Generalversammlungen im November 2023 fusionierten die Starrag Group AG und die Tornos AG Anfang Dezember zur StarragTornos Group AG.

Vorgänger Starrag Group mini|Logo der Starrag Group mini|Ehemaliges Logo (bis Januar 2011) mini|Ehemaliges Logo (bis Februar 2012) nach Integration der Dörries Scharmann Technologie GmbH (DST)

Der Vorgänger der Starrag wurde 1897 in Rorschach als Einzelfirma zur Fabrikation von Fädelmaschinen für die Textilindustrie gegründet.Fritz Bichsel: Der dipl. Ing. und die Starrag. In: Ostschweiz am Sonntag. 24. September 2019. Ab 1901 wurde diese Mechanische Werkstatt nach ihrem Gründer Henri Levy benannt. Nachdem wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs 1914 in der Ostschweiz eine Textilkrise ausgebrochen war, begann die Werkstatt 1917 mit der Herstellung von Revolver- und Paralleldrehbänken. Ab 1920 baute das Unternehmen Fräsmaschinen und nannte sich ab 1921 Starrfräsmaschinen AG Henri Levy und ab 1925 Starrfräsmaschinen AG. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen über 300 Mitarbeiter und bezog ein neues Firmengebäude in der Seebleichestrasse.Kaspar Enz: 125 Jahre Starrag: Es begann mit der Fädelmaschine. In: St. Galler Tagblatt. 31. Dezember 2022. Ab 1936 begann das Unternehmen mit der Produktion von Kopierfräsmaschinen, welche beim Turbinen-, Flugzeug- und Formenbau eingesetzt wurden. Zwischen 1936 und 1945 arbeitete das Unternehmen vorwiegend für die Wehrtechnik.

In den Nachkriegsjahren etablierte sich die Starrfräsmaschinen AG auf ihrem Gebiet mit der ersten 5-achsigen Fräsmaschine der Welt und beschäftigte Anfang der 1960er Jahre rund 1200 Mitarbeiter.

1998 ging das Unternehmen an die Börse.Bernhard Fischer: Generationenwechsel. In: Handelszeitung. 8. Juni 2017. Im selben Jahr übernahm die Starrfräsmaschinen AG die Heckert Werkzeugmaschinen GmbH in Chemnitz und änderte ihren Firmennamen in Starrag.Ulrich Milde: Werkzeugmaschinenbauer Heckert geht an Schweizer Konzern. In: Leipziger Volkszeitung. 18. Juni 1998. Im Jahr 2000 gab sich das Unternehmen unter dem Dach der StarragHeckert Holding AG eine Holdingstruktur.H. Richenberger: Die Starrag stabilisiert sich / Markante Verbesserung des Gewinns. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. März 2000. In dem Jahr 2006 folgte die Übernahme der Kontrollmehrheit an der englischen Toolroom Technology Limited sowie sämtlicher Aktivitäten des Unternehmens Société d'Instruments de Précision SA (SIP).Alice Chalupny: «Wir haben kritische Grösse erreicht». In: Handelszeitung. 20. September 2006.

Im Januar 2011 übernahm die StarragHeckert Holding AG den Werkzeugmaschinenhersteller Dörries Scharmann Technologie, bestehend aus Dörries, Scharmann, Droop + Rein, Ecospeed und Berthiez von der insolventen A-Tec Industries.G. V. Müller: Starrag Heckert kauft Dörries. In: Neue Zürcher Zeitung. 18. Januar 2011. 2012 erfolgte die Umbenennung in Starrag Group. Im gleichen Jahr erwarb die Starrag Group den Schweizer Maschinenhersteller Bumotec SA, welcher vor allem Maschinen für die Uhrenindustrie herstellte.Marie-Laure Chapatte: Starrag investit 25 millions à Fribourg pour faire de Bumotecsa vitrine romande. In: Le Temps. 29. August 2014. Im Jahr 2021 wurde die Produktion des Dörries-Scharmann-Werkes in Mönchengladbach geschlossen.Starrag schliesst Produktion in Mönchengladbach. In: St. Galler Tagblatt. 20. November 2021.

Tornos

Tornos wurde 1880 in Moutier von dem Mechaniker Nicolas Junker gegründet und stellte die ersten Maschinen zur Produktion von Kleinteilen für die Uhrenindustrie her.Pirmin Schilliger: Protokoll einer ewigen Restrukturierung. In: Handelszeitung, 25. Oktober 2012. 1886 brachte das Unternehmen mit dem Namen Junker et Cie. in Serie gefertigte Drehmaschinen auf den Markt. Zudem entwickelte Junker die sog. Schweizer Drehbank weiter. Junkers Sohn Emile übernahm das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Geschäft 1904. Im Jahr darauf meldete Emile Junker den Konkurs der Firma an.

1914 entstand das Unternehmen Tornos aus den Überbleibseln der Firma Junker et Cie. und spezialisierte sich auf die Herstellung automatischer Drehbänke. Tornos stand in Konkurrenz zu den Unternehmen von Joseph Pétermann und dem ehemaligen Junker-Lehrling André Bechler. Im Jahr 1971 erwarb Tornos das Pétermann-Werk, und in den folgenden Jahren auch das Unternehmen von Bechler, womit 1981 die Firma Tornos-Bechler SA entstand. Die Umfirmierung der Tornos-Bechler SA zur Tornos SA im Jahr 2001 führte dazu, dass die drei ehemaligen Konkurrenten Tornos, Pétermann und Bechler unter einem gemeinsamen Firmennamen vereint wurden. Die Firma wurde im selben Jahr an der Börse gelistet.

Im schweizerischen La Chaux-de-Fonds übernahm Tornos im Jahr 2008 den Maschinenhersteller Almac.Tornos setzt auf Flexibilität. In: Der Bund. 17. März 2009. Ferner eröffnete das Unternehmen im Jahr 2014 weitere Produktionsstätten in Xi’an in China und in Taichung in Taiwan.Tornos weiter unter Druck. In: Neue Zürcher Zeitung. 18. März 2014. Ein Betrieb mit 40 Angestellten in Polen folgte im Jahr 2022.

Heckert 1885 wurde als Fahrradmanufaktur das Chemnitzer Velociped-Depôt Winklhofer & Jaenicke gegründet, aus dem später die Wanderer-Werke AG mit Sitz in Schönau entstand.Jens Kraus: Die Nummer 1 hat überlebt. In: Freie Presse. 4. April 2018. Das Unternehmen wurde 1896 in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Wanderer Fahrradwerke umgewandelt.Karl-Heinz Ruesberg: Schon vor dem Krieg gab es hier hochentwickelte Technologietraeger. In: Handelsblatt, Beilage. 17. November 1992. Diese begann 1899 mit der Serienproduktion von Fräsmaschinen. Ab 1902 stellte sie ausserdem Motorräder, ab 1903 Schreibmaschinen (Continental), ab 1912 Kleinkraftwagen und ab 1916 Rechenmaschinen her.Ausgestellt: Die alte Schreibmaschine. In: Allgemeine Zeitung Mainz. 16. Dezember 2017. 1914 musste Wanderer Fahrradwerke mit seinen über 3000 Mitarbeitern auf Kriegswirtschaft umstellen.Mit dem Vertrieb von Fahrrädern hatte 1885 alles angefangen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 31. Oktober 1996.

Das moderne, erst 1927 in Betrieb genommene, Wanderer-Werk im Chemnitzer Vorort Siegmar wurde 1932 von der Auto Union AG übernommen.Valerie Blass: Der Trabant mit VW-Polo-Motor wurde nicht zum Verkaufsschlager. In: Heilbronner Stimme. 2. Oktober 2023. 1932 war Wanderer-Werke mit einer Belegschaft von ca. 5000 Mitarbeitern die grösste Fräsmaschinen- und zugleich grösste Büromaschinenfabrik Europas.Vom Flaggschiff zum Sorgenkind. In: Tagesspiegel. 1. November 1996. Nach 1940 wandelte sich die Auto Union AG in einen Rüstungskonzern um und die Wanderer-Werke produzierten Heeres-LKW, Torpedos, Maschinengewehre, Geschütze und Panzerfahrzeuge. 1944 wurde das bis dahin 9000 Mitarbeiter zählende Werk in Siegmar-Schönau (heute Chemnitz-Schönau) durch Luftangriffe nahezu vollständig zerstört. Nachdem die Wanderer-Werke von der sowjetischen Besatzungsmacht aufgrund eines Volksentscheides grösstenteils enteignet wurden, konnte 1946 die Produktion von Fräsmaschinen wieder unter improvisierten Bedingungen aufgenommen werden. Anlässlich des 15. Todestages von Fritz Heckert, am 7. April 1951, wurde der VEB Wanderer-Fräsmaschinenbau Siegmar-Schönau in VEB Fritz-Heckert-Werk umbenannt.

1968 wurde das VEB Werkzeugmaschinenkombinat „Fritz Heckert“ mit Sitz im Stadtteil Siegmar gegründet. Unter den 21 darin zusammengefassten Werkzeugmaschinenfabriken bildeten die ehemaligen Wanderer-Werke den Stammbetrieb. Dieser wuchs bis 1989 auf 4300 Mitarbeiter und war somit die grösste Werkzeugmaschinenfabrik im ehemaligen Ostblock.Jörg Walitzek: Bei Heckert tiefschwarze Zahlen. In: Leipziger Volkszeitung. 5. Dezember 2000. Die Heckert-Maschinen wurden unter der Marke WMW in die ganze Welt verkauft. 1971 wurde in Karl-Marx-Stadt das erste Flexible Fertigungssystem der Welt in Betrieb genommen.

Ende 1992 wurde unter der Federführung der Treuhandanstalt Berlin die Gründung der Heckert Chemnitzer Werkzeugmaschinen GmbH vollzogen, welche 1993 von der Traub AG übernommen wurde. Nach dem Konkurs dieser Muttergesellschaft ging das Unternehmen im Oktober 1996 in Gesamtvollstreckung und wurde 1997 als Heckert Werkzeugmaschinen GmbH neugegründet. Ein Jahr später übernahm die Starrfräsmaschinen AG das Unternehmen.

Société genevoise d’instruments de physique (SIP)

mini|Auguste Arthur de la Rive

Das Unternehmen wurde von den beiden Genfer Gelehrten Auguste de la Rive und Marc Thury im Jahre 1862 als Société pour la construction d'instruments de physique zur Herstellung wissenschaftlicher Instrumente gegründet. Unter Leitung von Théodore Turrettini fand eine Umbenennung in Société genevoise d'instruments de physique statt.Une mécanique de précision. In: Tribune de Genève. 30. August 2023. Ab 1870 befasste sich die Firma unter anderem mit neuen Formen der Energienutzung und fertigte Präzisionslineale. 1889 erhielt sie eine von 12 Platin-Iridium-Kopien des Urmeters in Paris.

1921 wurde mit dem Lehrenbohrwerk Machine à pointer die erste Werkzeugmaschine hergestellt, welche in Serienproduktion ging. Diese Maschine erlaubte erstmals Genauigkeiten im μm-Bereich und machte das Unternehmen zu einem der angesehensten Maschinenbauer der Welt. Das Unternehmen eröffnete 1951 Tochtergesellschaften in den USA und in Grossbritannien. 1969 wurden ca. 1600 Mitarbeiter beschäftigt.

Ab 1970 gelang es SIP zusehends schlechter, sich an die wirtschaftlichen Veränderungen der Branche anzupassen. Nach einem Standortwechsel 1990 von Plainpalais nach Satigny zählte das Unternehmen 2006 nur noch rund vierzig Mitarbeiter. Im gleichen Jahr erfolgte der Aufkauf durch StarragHeckert.

Dörries Scharmann