Jelenia Góra (; deutsch Hirschberg, 1927–1945 Hirschberg im Riesengebirge; gebirgsschlesisch Herschbrig oder Herschbrich; , auch Hiršperk) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten Polens.

Geographie Die Stadt liegt in Niederschlesien im Hirschberger Tal an der Mündung des Zacken in den Bober am Fuß des Riesengebirges, das die Grenze zu Tschechien bildet, auf , rund 90 km südwestlich von Breslau und 70 km östlich von Görlitz. Sie gehört zur Euroregion Neiße und ist Sitz des Karkonoski Park Narodowy (Nationalpark Riesengebirge).

Stadtgliederung Die Stadtgemeinde Jelenia Góra umfasst eine Fläche von 109 km², rund 80.000 Einwohner und gliedert sich in folgende Stadtteile (dzielnice): Śródmieście – Innenstadt Cieplice Śląskie-Zdrój, auch Cieplice Zdrój (Bad Warmbrunn) Czarne (Schwarzbach) Goduszyn (Gotschdorf) Grabary (Hartau) Jagniątków (Agnetendorf) – Stadtteil Maciejowa (Maiwaldau) Sobieszów (Hermsdorf unterm Kynast, 1935–1945: Hermsdorf [Kynast]) Strupice (Straupitz) Zabobrze (Sabors) Zatorze

sowie die Siedlungen (): Osiedle Orle, Osiedle Pomorskie, Osiedle Skowronków, Osiedle Widok, Osiedle XX-Lecia, Osiedle Zabobrze I, Osiedle Zabobrze II, Osiedle Zabobrze III und Osiedle Żeromskiego.

Geschichte mini|Erwähnung des Ortes als Hirsbg. in einem Dokument von Wenzel von Luxemburg von 1384 mini|Hirschberger Rathaus am Ring, errichtet 1744–1747 mini|Ansicht von Hirschberg von Friedrich Bernhard Werner, 1747

Hirschberg wurde wahrscheinlich kurz vor 1281 auf herzoglichem Boden gegründet. Es gehörte damals zum Herzogtum Schweidnitz und war Mittelpunkt eines deutschen Rodungsbezirks. Erstmals erwähnt wurde es 1281 als „Hyrzberc“ in einer Urkunde, mit der Herzog Bernhard I. von Löwenberg († 1286) den Johannitern von Striegau einen Grund am Oberlauf des Flusses Zacken verlieh. Eine weitere Erwähnung erfolgte 1288 in einer Urkunde des Herzogs Bolko I., in der dieser „unseren Bürgern von Hyrzberc“ () die Errichtung einer Schenke in Warmbrunn erlaubte. Für das Jahr 1299 ist Hirschberg als Stadt (civitas) belegt.

Unter Herzog Bolko II. erhielt Hirschberg 1338 das Meilenrecht, 1355 das Salz- und Bergwerksrecht sowie die Freiheit von Abgaben im Handel mit Böhmen, 1361 das Waag- und Münzrecht und 1366 die gegenseitige Zollfreiheit mit Breslau. Nach dem Tod Herzog Bolkos II. 1368 erhielt seine Witwe Agnes von Habsburg zwar ein lebenslanges Nießrecht über das Herzogtum, das jedoch gleichzeitig als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen fiel. 1377 erwarb die Stadt die Vogtei von Herzogin Agnes.

mini|hochkant|Burgtorturm als Aussichtsturm mini|Die Hirschberger Gnadenkirche in einer Darstellung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts

Zwischen 1395 und 1406 gehörte Hirschberg dem böhmischen Oberstburggrafen Johann Kruschina von Lichtenburg. Während der Hussitenkriege wurde die seit 1291 belegte Burg am Hausberg auf Geheiß des Landeshauptmanns zerstört. 1502 gewährte der böhmische König Vladislav II. der Stadt das Recht der freien Ratswahl, sein Nachfolger Ludwig II. 1519 die Abhaltung eines Jahrmarkts und Kaiser Ferdinand II. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen 1532 einen zweiten Markt. Mit der Einführung der Reformation 1524 entwickelte sich Hirschberg zu einem wichtigen evangelischen Zentrum. In der Stadtkirche wurde evangelisch gepredigt und 1566 ein evangelisches Schulhaus errichtet.

Seit dem 17. Jahrhundert waren das Hirschberger Tal und Jauer Zentren der Leinenproduktion, insbesondere feiner Schleier, deren Herstellungsweise 1570 aus Holland importiert worden war und für die die Stadt von Ferdinand II. 1630 ein Privileg erhielt. Das Leinen wurde als Nebenerwerb von Kleinbauern, Frauen und Kindern in Heimarbeit hergestellt. In den Handelskontoren nahe den Gewässern wurden sie dann in Lagergewölben gebleicht und aufbewahrt. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Hirschberg mehrmals belagert und zur Zahlung von Kontributionen verpflichtet. 1658 erfolgte die Gründung einer Kaufmannssozietät, die das Monopol auf den Leinenhandel hatte und die Qualität der Ware kontrollierte, was wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung beitrug. Anfangs arbeiteten die Aufkäufer vorwiegend im Auftrag ausländischer Großhändler, doch konnten einige der Schleierherren bald eigene Niederlassungen im Ausland gründen. Zu den Hauptabnehmern der Ware zählten England, Italien, Spanien, Holland, Frankreich, Russland und das Habsburgerreich. Die Handelsherren ließen aufwendige Handelshäuser errichten und erwarben auch Landgüter in der Umgegend.

Trotz der verordneten Rekatholisierung konnte aufgrund der Altranstädter Konvention vor den Toren der Stadt 1708–1718 eine evangelische Gnadenkirche errichtet werden, die im Wesentlichen von den Hirschberger Kaufmannsfamilien finanziert wurde.

Die Errichtung des Hirschberger GymnasiumsOtto Miller: Zur Geschichte des Hirschberger Gymnasiums. In: Königl. Evangelisches Gymnasium zu Hirschberg in Schlesien. Festschrift zur Feier des zweihundertjährigen Bestehens. Hirschberg 1912, S. 3–44. war ebenfalls gleich nach der Altranstädter Konvention 1707 in Angriff genommen worden. Das Lyzeum wurde 1709 gegründet und 1712 in eine Gelehrtenschule umgewandelt. Eine Umgestaltung zu einem Humanistischen Gymnasium begann dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts.Walter Schmidt: Oswald Friedrich Feyerabend (1809–1872). Evangelischer Pfarrer im schlesischen Oderstädtchen Auras / Kreis Wohlau von 1840 bis 1857. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung 34, 2015, S. 265–294, hier: S. 266 f.

mini|Flagge der Stadt Hirschberg mini|Hirschberg um 1895

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Hirschberg wie fast ganz Schlesien an Preußen. Die damit verbundene Abtrennung der böhmischen und österreichischen Handelsmärkte führte zu einem beträchtlichen Einbruch der Leinen- und Schleierweberei, die seit dem 16. Jahrhundert florierte und der Stadt zu einer wirtschaftlichen Blüte und Reichtum verholfen hatte. Auch der Import von Baumwolle trug zum Niedergang der Heimproduktion bei, ferner die napoleonische Kontinentalsperre und die Gründung der Erdmannsdorfer Fabrik durch die Preußische Seehandlung 1840.

Nach der Neugliederung Preußens gehörte Hirschberg seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 Sitz des Landkreises Hirschberg im Regierungsbezirk Liegnitz.

Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden neben der Leinenindustrie Maschinen-, Papier- und Zementfabriken sowie Mehl- und Schneidemühlen. Mit dem Eisenbahnanschluss 1866 nach Görlitz und Berlin und ein Jahr später nach Waldenburg und Breslau entwickelte sich Hirschberg zu einem beliebten Ausflugs- und Touristenort. Im Hirschberger Tal entstanden im 19. Jahrhundert etwa 30 teils große Schlösser, etwa das von Prinz Wilhelm von Preußen oder das Schloss Fischbach in Fischbach, das Schaffgotsch-Palais Bad Warmbrunn, das Schloss Schildau in Schildau (einst im Besitz von Prinzessin Luise von Preußen).Schlesien – Schlösser im Hirschberger Tal. PDF, 62 S., 2007. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Hirschberg eine evangelische und vier katholische Kirchen, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Waisenhaus, eine Handelskammer und war Sitz des Landgerichts Hirschberg.

Seit dem 1. April 1922 bildete die Stadt Hirschberg einen eigenen Stadtkreis im Regierungsbezirk Liegnitz der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs. 1924 wurde der Gutsbezirk Hartau, 1928 der Gutsbezirk Schwarzbach aus dem Landkreis in die Stadt eingegliedert. Am 9. Juli 1927 erhielt die Stadt Hirschberg, die bisher auch den Zusatz i. Schles. trug, die neue Bezeichnung Hirschberg im Riesengebirge, wobei sich bald die amtliche Schreibweise Hirschberg i. Rsgb. durchsetzte. 1934 wurde eine Hochschule für Lehrerbildung aus Halle hierher verlagert, die bis 1941 bestand und zunächst im seit 1931 bestehenden Neubau des Gymnasiums im Kramstaweg (heute: Hochschule in der ul. Nowowiejska 3) unterkam. 1934 wurden vier jüdische Bürger in der Nähe der Halben Meile ermordet. 1936 ging eine Zellwollefabrik in Betrieb. Im Zweiten Weltkrieg wurde in Hirschberg ein Außenlager des KZ Groß-Rosen errichtet und von Februar bis Mai 1945 wurden Gefangene des Nacht-und-Nebel-Erlasses im Landgerichtsgefängnis Hirschberg inhaftiert.Hirschberg State Court Prison / Frank Falla Archive

mini|Der Hirschberger Ring (2017) mini|Sozialistischer Wohnungsbau aus den 1960er Jahren in Zabobrze

Gegen Kriegsende wurde Hirschberg im April 1945 von der Roten Armee eingenommen und fiel in der Folge an an Polen. Der Stadtname wurde als Jelenia Góra ins Polnische übersetzt. Die bisherige Bevölkerung wurde bis auf wenige Ausnahmen vertrieben und durch Polen aus Ostpolen ersetzt.

Die Stadt hatte keine Kriegszerstörungen erlitten, gleichwohl wurden zahlreiche Häuser der Altstadt nach 1945 dem Verfall preisgegeben. Nach 1965 erfolgte eine vereinfachte Rekonstruktion der Ringbebauung. 1975 bis 1998 war die Stadt Hauptstadt der Woiwodschaft Jelenia Góra. Die Wirtschaftsuniversität Breslau (Uniwersytet Ekonomiczny we Wrocławiu) betreibt hier eine Außenstelle mit einem Schwerpunkt auf Regionalwirtschaft und Tourismus.

Einwohnerentwicklung mini|150px|Ehemaliges Wappen von Hirschberg (bis 1945 in Gebrauch) + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1787 6.295 1816 6.513 mit NeugrunauAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 187. 1825 6.184 davon 5.320 Evangelische, 780 Katholiken, 84 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 939–940. 1840 7.144 davon 6.004 Evangelische und 130 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage, Breslau 1845, S. 837–839. 1867 10.464 am 3. DezemberKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 248–249, Ziffer 1. 1871 11.776 am 1. Dezember, davon 9.007 Evangelische, 2.400 Katholiken, 29 sonstige Christen, 336 Juden, vier Sonstige 1890 16.314 davon 12.206 Evangelische, 3.526 Katholiken und 388 Juden 1900 17.865 mit der Garnison (ein Jägerbataillon Nr. 5), davon 4.118 Katholiken, 335 Juden 1905 19.317 am 1. Dezember, einschließlich aktiver Militärpersonen (666 Mann); davon 14.408 Evangelische (14.389 mit deutscher Muttersprache, drei mit tschechischer Muttersprache, 16 sprechen eine andere Sprache) und 4.455 Katholiken (4.149 mit deutscher Muttersprache, 115 mit tschechischer Muttersprache, 171 sprechen eine andere Sprache, 20 sprechen Deutsch und eine andere Sprache) sowie 124 andere Christen, 328 Juden und zwei SonstigeKöniglich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Heft VI: Provinz Schlesien. Berlin 1908, S. 118–119, Ziffer 1 (Google Books). 1925 28.673 davon 21.993 Evangelische, 5.776 Katholiken, 122 sonstige Christen, 266 Juden 1933 30.692 davon 23.168 Evangelische, 5.860 Katholiken, 66 sonstige Christen, 240 Juden 1939 32.764 davon 23.982 Evangelische, 6.422 Katholiken, 224 sonstige Christen, 70 Juden

+ Anzahl Einwohner seit dem Zweiten Weltkrieg Jahr Einwohner Anmerkungen 1970 55.814 1997 93.400 Website der Stadt, Miasto w statystyce – Ludność i powierzchnia, abgerufen am 8. Februar 2015 2014 81.640 Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. Februar 2015

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