mini|hochkant=1.2|Männer, Frauen und Kinder arbeiten unter der Kontrolle eines berittenen Aufsehers auf einer Baumwollplantage im Süden der USA, um 1850 Die Sklaverei in den Vereinigten Staaten bildet die Fortsetzung und Fortentwicklung der Sklaverei, die bereits in den 13 Kolonien bestand, aus denen 1776 die Vereinigten Staaten hervorgegangen sind. Die Kolonisierung Amerikas vom 16. bis 19. Jahrhundert ging mit einer Massenversklavung von Afrikanern einher, die in allen Teilen des dünn besiedelten Doppelkontinents als billige Arbeitskräfte eingesetzt wurden. Dies betrifft nicht nur die britischen, niederländischen, schwedischen, französischen und spanischen Kolonien, aus denen später die USA entstanden sind, sondern in noch größerem Umfang Brasilien und die europäischen Kolonien in der Karibik. Auf dem nordamerikanischen Festland erlangte die Sklaverei jedoch Ausprägungsformen, die auf dem Doppelkontinent einzigartig waren.

Bereits der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg war im Wesentlichen mit Tabaklieferungen aus Plantagen Virginias nach Frankreich finanziert worden. Edmund S. Morgan nannte als zentrales Paradox der amerikanischen Geschichte, dass Freiheit und Gleichheit, eine Betonung der Klassenlosigkeit, als zentrale amerikanische Werte ganz wesentlich auf der Sklaverei und dem zugehörigen Rassismus beruhten.Edmund S. Morgan: Slavery and Freedom: The American Paradox. In: The Journal of American History. Vol. 59, No. 1, Juni 1972, S. 5–29, Organization of American Historians In England sei hingegen die individuelle Freiheit stärker betont und die Sklaverei viel früher abgeschafft und bekämpft worden. Hingegen blieb dort die ständische/klassenspezifische Trennung deutlich stärker.

Übersicht Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeitserklärung 1776 gab es in den Vereinigten Staaten mehr als 460.000 Sklaven. Die nördlichen Bundesstaaten, in deren Wirtschaftsleben die Sklaven nie eine große Rolle gespielt hatten, begannen bald, die Sklaverei abzuschaffen – ein Prozess, der sich allerdings als langwierig erwies und in einigen Fällen erst 1865 abgeschlossen wurde. In den Südstaaten, wo die Sklaverei mit der expandierenden Wirtschaft unauflösbar verbunden war, wuchs die Zahl der Sklaven bis 1865 auf mehr als vier Millionen an.

Sklavenhaltung entstand auf dem nordamerikanischen Festland nicht erst mit der Ankunft der europäischen Kolonialherren; sie war bereits in manchen indianischen Kulturen üblich. Mit der Gründung der Kolonien im 17. Jahrhundert erlangte sie allerdings erstmals allgemeine Verbreitung. Einen steilen Aufstieg nahm die Sklaverei dann mit der Entstehung der Plantagenökonomie, die im 17. Jahrhundert in Virginia entstand und sich in den folgenden zwei Jahrhunderten immer weiter nach Süden und Westen ausbreitete. Da die dünn besiedelten Kolonien den wachsenden Bedarf an billigen Arbeitskräften nicht aus eigenen Ressourcen decken konnten, wurden afrikanischstämmige Sklaven zunächst aus der Karibik, dann aber in immer größerer Zahl über die so genannte „Mittelpassage“ direkt aus Westafrika verschleppt.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zerfiel die Plantagenökonomie in Virginia und North Carolina, dehnte sich dafür aber immer weiter in den amerikanischen Westen aus. Infolge dieser Verlagerung wurden Hunderttausende afroamerikanischer Sklaven aus dem Oberen Süden in den Tiefen Süden, besonders nach Alabama, Mississippi und Louisiana, verschleppt. Diese erzwungene Massenwanderung war für die Betroffenen kaum weniger traumatisch, als es für ihre Vorfahren die Verschleppung über den Atlantik gewesen war.

Ihr offizielles Ende fand die Sklaverei, die von Befürwortern in den Südstaaten euphemistisch oft als The Peculiar Institution (deutsch: „die besondere Institution“) bezeichnet wurde, mit der militärischen Niederlage der Konföderation im Sezessionskrieg (1865) und dem im selben Jahr verabschiedeten 13. Zusatzartikel zur Verfassung. Der Bedarf an billigen Arbeitskräften wurde sodann durch das Convict Lease-System aufgefangen, wodurch eine Vielzahl von Afroamerikanern bis ins 20. Jahrhundert hinein (in Alabama bis 1928) in einem System der Zwangsarbeit gehalten wurde.Douglas A. Blackmon: Slavery by Another Name: The Re-Enslavement of Black Americans from the Civil War to World War II.

Vorgeschichte Kolonien ohne Plantagenwirtschaft Nieuw Nederland mini|Karte von Nieuw Nederland aus dem Jahre 1635 (Norden liegt rechts)

Die Ansiedlung afrikanischstämmiger Sklaven auf dem späteren Staatsgebiet der Vereinigten Staaten begann, als europäische Handelsgesellschaften Atlantische Kreolen, die auf ihren Schiffen als Seeleute, Dolmetscher und andere Fachkräfte mitgereist waren, aufs nordamerikanische Festland mitnahmen. Zunächst waren es vor allem Niederländer, die Kreolen in ihre überseeischen Kolonien mitbrachten. Viele davon waren freie Männer und Frauen, andere jedoch brachten die niederländischen Pioniere und Kaufleute als Sklaven mit. Da die Westindien-Kompanie große Not hatte, Nieuw Nederland mit Arbeitskräften zu bevölkern, beruhte die Wirtschaft dieser Kolonie mehr als in irgendeiner anderen nordamerikanischen Kolonie der Zeit auf der Arbeitsleistung von Sklaven. Im Jahr 1640 lebten allein in Nieuw Amsterdam, das zu diesem Zeitpunkt gut 300 Einwohner hatte, etwa 100 Menschen afrikanischer Abstammung. Als die Briten Nieuw Amsterdam 1665 übernahmen, lebten dort gut 300 Sklaven, die ein Fünftel der Bevölkerung der Stadt ausmachten. Die meisten Schwarzen in Nieuw Nederland arbeiteten beim Festungsbau, beim Warentransport, bei der Jagd und in der Landwirtschaft, wo sie oft Seite an Seite mit bezahlten Arbeitern eingesetzt wurden. Die schwarzen Sklaven dieser Zeit waren häufig hoch qualifiziert und hofften, sich in der noch undefinierten gesellschaftlichen Ordnung der Kolonie eine bessere Position als die eines Sklaven sichern zu können. Der größte Sklavenhalter der Kolonie war die Westindien-Kompanie, die stets nur an kurzfristigen Gewinnen interessiert war, nicht auf eine langfristige Ausbeutung von Sklaven setzte und diesen für ihr Leben darum große Unabhängigkeit ließ. Wenn sie ihr festgelegtes Arbeitspensum erfüllt hatten, konnten die Sklaven auf eigene Rechnung arbeiten, Handel treiben, Eigentum erwerben, Familien gründen, Gerichte anrufen, dem Militär beitreten und einen Platz im sozialen, kulturellen und religiösen Leben der Kolonie finden. Ein Großteil der kreolischen Sklaven in Nieuw Nederland sprach Niederländisch und bekannte sich zum reformierten Christentum. Der Historiker Ira Berlin hat für diesen Typ von Sklaven, die kreolischer Herkunft waren und in ihr weißes Umfeld relativ stark integriert waren, den Begriff „Charter-Generationen“ geprägt. Eine Freilassung von Sklaven war in Nieuw Nederland möglich, führte jedoch nicht zu einer vollen Emanzipation der Freigelassenen, sondern beinhaltete Klauseln, die es dem früheren Eigentümer erlaubten, über den ehemaligen Sklaven in beschränktem Umfang weiterhin zu verfügen. Als die Niederländer Nieuw Amsterdam 1664 den Briten überlassen mussten, hatte etwa ein Fünftel der Schwarzen die Freiheit erlangt.Ira Berlin, S. 23–36.

Neuengland und die Mittelkolonien mini|Die 13 britischen Kolonien. Zahl der Sklaven und Anteil der Sklaven an der Gesamtbevölkerung (Situation im Jahre 1770).

In Neuengland und noch mehr in den seit 1664 vollständig britischen Mittelkolonien New York, New Jersey, Pennsylvania, Delaware und Maryland war Sklaverei zwar ebenfalls verbreitet, eine Plantagenwirtschaft entstand hier jedoch nicht. Sklaven wurden hier in großer Zahl in den Seehandelshäfen, im städtischen Handwerk und Geschäftsleben, als Hausdiener, aber auch in der Landwirtschaft eingesetzt. Diese Sklaven gelangten zunächst vor allem über die Westindischen Inseln in den Norden, bald aber auch direkt aus Westafrika. Der Import von Sklaven aus Afrika war mit besonderen Problemen verbunden, vor allem mit einer hohen Sterblichkeit dieser Sklaven, die u. a. an Masern und Keuchhusten starben. Die Lebensbedingungen der meisten Kolonisten waren so bescheiden, dass sie auch ihre Sklaven nur notdürftig versorgten.

Die meisten dieser Kolonisten hielten nur jeweils wenige Sklaven und beschäftigten daneben auch Schuldknechte und schwarze und weiße Lohnarbeiter. Anders als die Sklavenhalter in der Plantagenwirtschaft der südlichen Kolonien hatten sie kaum Interesse daran, es den Sklaven zu ermöglichen, sich als Population aus eigenen Mitteln zu erhalten, d. h. Familien zu gründen und Kinder zur Welt zu bringen. Weibliche Sklaven wurden beim ersten Anzeichen einer Schwangerschaft verkauft. Diese Praxis hatte weitreichende Konsequenzen für das Sozialleben der Sklaven, die bis zur Abschaffung der Sklaverei nur vereinzelt Gelegenheit hatten, die Rollen von Ehepartnern und insbesondere von Vätern anzunehmen.I. Berlin: Generations of Captivity. A History of African-American Slaves. 2003, S. 81–84, 88.

Darüber hinaus hielten diese Sklaven an ihren afrikanischen Traditionen fest und widerstanden über viele Jahrzehnte hinweg z. B. auch der christlichen Mission. Noch Mitte des 18. Jahrhunderts bekannte sich weniger als ein Zehntel der schwarzen Einwohner von New York City zum Christentum. Weil der Direktimport von Sklaven aus Afrika niemals abriss, konnte die Sklavenbevölkerung in den nördlichen Kolonien, die sich ihrer kulturellen Ursprünge äußerst bewusst war, ihre Kenntnis der afrikanischen Traditionen immer neu beleben. Weithin sichtbar wurden diese Traditionen z. B., wenn freie und unfreie Afroamerikaner in den Mittelkolonien alljährlich im Spätfrühjahr das Pinkster begingen.I. Berlin: Generations of Captivity. A History of African-American Slaves. 2003, S. 86f;

Wie überall in den britischen Kolonien wurden im Verlaufe des 18. Jahrhunderts auch im Norden die bestehenden Sklavengesetze weiter ausgearbeitet und zum Vorteil der Sklavenhalter verschärft, was mehrfach zu Aufständen führte, z. B. in New York City 1712 und 1741. Die Freilassung von Sklaven wurde erschwert. In einigen Kolonien wurden auch den freien Schwarzen viele Bürgerrechte wieder genommen.I. Berlin: Generations of Captivity. A History of African-American Slaves. 2003, S. 85f; New York: The Revolt of 1712; Edwin Hoey:

Von den 1760er Jahren an beschäftigten die Bauern und Handwerker in den nördlichen Kolonien in zunehmendem Umfang wieder europäische Arbeitskräfte, d. h. Schuldknechte und Lohnarbeiter.I. Berlin: Generations of Captivity. A History of African-American Slaves. 2003, S. 88.

Louisiana Louisiana, das seit 1699 eine französische Kolonie war, wurde 1729 durch den Natchez-Aufstand so schwer traumatisiert, dass eine Plantagenwirtschaft dort zunächst nicht entstand. Auch ließ sich mit keinem der landwirtschaftlichen Produkte, mit denen die Pflanzer hier experimentierten, auf dem Weltmarkt starke Nachfrage erzeugen. Infolgedessen stagnierte auch der Import von Sklaven über Jahrzehnte hinweg. Eher als in der Landwirtschaft wurde die Arbeitskraft von Sklaven im Hafen von New Orleans eingesetzt. Louisiana war damit die einzige nordamerikanische Kolonie, in der Sklaverei eher eine städtische als eine ländliche Institution war. Die Sklaven, die in Französisch-Louisiana meist kreolischer Herkunft waren, übten eine Vielzahl von – auch qualifizierten – Tätigkeiten aus, hatten Zugang zu Pferden, waren mobil und durften als Holzfäller Äxte tragen: eine Situation, die anderswo undenkbar gewesen wäre. Bis ins 19. Jahrhundert bestanden in Louisiana die Charter-Generationen fort: diejenigen Sklavengenerationen, denen viele Vorteile wie z. B. das Recht auf persönliches Eigentum, eine eigene Produktions- und Austauschwirtschaft und damit ein vergleichsweise hohes Maß an Selbstbestimmung geblieben war.I. Berlin: Generations of Captivity. A History of African-American Slaves. 2003, S. 39–42, 89–92.