Die olympische Geschichte Finnlands begann 1906 mit der privaten Teilnahme vier finnischer Athleten bei den inoffiziellen Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen. 1907 wurde der Finne Baron Reinhold Felix von Willebrand in das Internationale Olympische Komitee (IOC) gewählt, kurz darauf gründete Finnland mit „Finlands olympisches Komitee“ (finnisch Suomen Olympiakomitea, schwedisch Finlands Olympiska Kommitté) sein Nationales Olympisches Komitee und nahm an den Olympischen Sommerspielen 1908 in London erstmals offiziell teil. Bis zu den Spielen im Jahr Sommerspielen 1912 gehörte Finnland als Autonomes Großfürstentum noch zum Russischen Reich; die Ergebnisse wurden jedoch von denen Russlands getrennt. Erst 1920 nahm Finnland als eigenständiges Land teil und war seither bei allen Olympischen Sommerspielen und den ab 1924 stattfindenden Winterspielen immer präsent. Jugendliche Athleten traten bei allen bislang ausgetragenen Olympischen Jugendspielen an.

mini|Logo der Olympischen Sommerspiele 1952 Helsinki

Allgemeines Finnland gehört zu den Nationen, die bei allen Teilnahmen mindestens eine Medaille gewinnen konnten. Finnland gehört im Skilanglauf zur Weltspitze. Mit 76 gewonnenen Medaillen liegt das Land hinter Norwegen auf Platz 2 in der olympischen Rangliste dieser Sportart. Der Skilanglauf ist die erfolgreichste Wintersportart Finnlands und die dritterfolgreichste Sportart überhaupt. Noch besser schneidet Finnland in der Leichtathletik mit 114 Medaillen und im Ringen mit 83 Medaille ab. Im Ringen liegt Finnland hinter den USA, der Sowjetunion und Schweden auf Platz 4. Den gleichen Rang belegt Finnland in der Leichtathletik hinter den USA, dem Vereinigten Königreich und der Sowjetunion.

Die erste finnische Olympiamannschaft trat 1908 an und bestand aus 68 Teilnehmern. Die Mitglieder der Schützenmannschaft mit dem freien Gewehr im Dreistellungskampf, Emil Nässling, Frans Nässling, Gustaf Nyman, Heikki Huttunen, Voitto Kolho und Huvi Tuiskanen, waren am 9. Juli 1908 die ersten finnischen Olympioniken. Am 8. Juli 1912 nahmen mit den Schwimmerinnen Tyyne Järvi und Regina Kari die ersten finnischen Frauen an Olympischen Spielen teil. Die ersten Wintersportler waren Eiskunstläufer, die an den Olympischen Sommerspielen 1920 teilnahmen. Sakari Ilmanen trat am 25. April 1920 an. Die erste Wintersportlerin war am nächsten Tag Ludowika Jakobsson, die mit ihrem Ehemann Walter Jakobsson den Paarlauf gewann und somit die erste Finnin war, die eine Medaille gewinnen konnte bzw. Olympiasiegerin wurde. Ihr Mann Walter war der erste männliche Wintersportler, der eine Medaille gewinnen konnte und gleichzeitig Olympiasieger wurde.

Die erste Medaille bei den Männern gewann die Mehrkampfmannschaft der Geräteturner am 16. Juli 1908. Am 22. Juli wurde der Ringer Verner Weckman mit seinem Sieg im Halbschwergewicht des griechisch-römischen Stils der erste finnische Olympiasieger. Die erste Frau, die bei Sommerspielen eine Medaille gewinnen konnte, war am 31. Juli 1948 die Speerwerferin Kaisa Parviainen, die Silber gewann. Die erste Olympiasiegerin bei Sommerspielen war am 28. Juli 1952 die Kanutin Sylvie Saimo, die im Kajak-Einer gewann.

Der erfolgreichste Olympionike ist der Langstreckenläufer Paavo Nurmi, der insgesamt zwischen 1920 und 1928 neun Gold- und drei Silbermedaillen gewinnen konnte. Er ist damit bis heute der erfolgreichste Leichtathlet bei Olympischen Spielen und liegt auf Platz 8 der erfolgreichsten Athleten überhaupt. Der erfolgreichste Wintersportler ist mit fünf Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille zwischen 1924 und 1928 der Eisschnellläufer Clas Thunberg. Die erfolgreichste Frau ist die Skilangläuferin Marja-Liisa Kirvesniemi. Zwischen 1976 und 1994 gewann sie drei Gold- und vier Bronzemedaillen.

Die meisten Teilnahmen an Olympischen Spielen bestritt der Skispringer Janne Ahonen. Zwischen 1994 und 2018 ging er sieben Mal an den Start. Ein weiterer Skispringer aus Finnland hält den Rekord als jüngster Olympiasieger bei Winterspielen. Toni Nieminen stellte diesen Rekord 1992 auf, als er im Alter von 16 Jahren und 259 Tagen Gold von der Großschanze gewann.

Die meisten finnischen Sportler gingen bei den heimischen Sommerspielen 1952 an den Start. In Helsinki nahmen 258 Finnen teil. Die meisten Wintersportler waren 2018 dabei, die Mannschaft umfasste 100 Sportler.

Mit 37 Medaillen gewannen finnische Athleten 1924 in Paris die meisten Medaillen. Vier Jahre zuvor in Antwerpen holten sie zwar drei Medaillen weniger, schafften aber einen Olympiasieg (15) mehr als in Paris (14). 13 Medaillen gewannen finnische Wintersportler 1984 in Sarajewo. Mit vier Goldmedaillen gelangen ihnen genauso viele Olympiasiege wie 1924, 1988 und 2002.

Finnland hat mit der ehemaligen Leichtathletin Sari Essayah ein stimmberechtigtes IOC-Mitglied. Essayah nahm 1992 und 1996 im Gehen teil. Über 10 Kilometer belegte sie 1992 Platz 4.

Bewerbungen und Ausrichtungen der Olympischen Spiele Bewerbungen Sommerspiele Bislang hat sich Finnland zwei Mal für die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele beworben. Bereits 1928 wurden erste Pläne gefasst, Olympische Spiele nach Finnland zu holen, weshalb eine Stiftung zum Bau des Olympiastadions Helsinki gegründet wurde. Die erste Bewerbung fand bei der IOC-Session 1932 in Los Angeles für die Olympischen Sommerspiele 1940 statt. Während der Wartezeit auf die Entscheidung des IOCs begannen am 12. Februar 1934 die Bauarbeiten zu dem Stadium, das von Yrjö Lindegren und Toivo Jäntti entworfen worden war. Bei der IOC-Session 1936 in Berlin entschieden 26 der anwesenden Mitglieder für Finnland, 21 für Japan. Abwesende Mitglieder hatten zuvor bereits per Briefwahl abgestimmt, was ein Wahlergebnis von 36 zu 27 für Japan ergab, worauf das IOC die Spiele an Tokio vergab.la84foundation.org: 1952 Helsinki (PDF; 29,7 MB) Dennoch wurden die Bauarbeiten an dem Stadion fortgesetzt und bis zum Sommer 1938 beinahe abgeschlossen.Geschichte des Olympiastadion Als Japan dann wegen des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges als Ausrichter ausfiella84foundation.org: 1940 Tokyo Report of the Organizing Committee (PDF; 11,5 MB), akzeptierte Finnland im Juni 1938 als Zweitplatzierter das Angebot, doch noch die Spiele auszutragen. Am 12. Juni 1938 fand die offizielle Einweihung des Olympiastadions statt; die östliche Mauer und fehlende Sitzreihen wurden im Laufe des Jahres fertiggestellt. Im Herbst 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und in dessen Folge auch der Winterkrieg. Die Bauarbeiten am Schwimmstadion wurden dadurch unterbrochen, das olympische Dorf in Koskelantie mit Unterkünften für 3.200 Sportler jedoch bis 1940 noch fertig errichtet. Am 23. April 1940 entschied auch Finnland, aufgrund des Krieges auf die Austragung zu verzichten. Die Sommerspiele 1940 wurden komplett abgesagt.

mini|Paavo Nurmi bei der Entzündung des olympischen Feuers Nach Beendigung des Kriegs entschied sich Finnland am 23. April 1947 unter Leitung von Erik von Frenckell, dem Präsidenten des Organisationskomitees, zu einer erneuten Bewerbung. Bei der Abstimmung am 17. Juni 1947 in Stockholm erhielt Helsinki die Mehrheit der Stimmen und somit vom IOC den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1952. Aufbauend auf den Vorarbeiten der vorherigen Bewerbung entwickelte das Organisationskomitee seine Pläne für die Sommerspiele 1952. Ein Großteil der Veranstaltungen sollte rund um das Olympiastadion stattfinden, nur der Fünfkampf und einige Fußballspiele wurden in Städte außerhalb Helsinkis verlagert (Hämeenlinna, Turku, Tampere, Kotka und Lahti). Das Olympiastadion selbst wurde leicht ausgebaut und erhielt 20.000 weitere Sitzplätze auf Holztribünen, was seine Kapazität auf 70.000 erhöhte. Zusätzlich mussten Umkleideräume, Duschen usw. für die Athletinnen, für die mittlerweile auch Wettbewerbe angeboten wurden, eingerichtet und einige der Austragungsplätze modernisiert werden. Die unterbrochenen Bauarbeiten am Schwimmstadion wurden 1947 fortgesetzt. Für die Ruderwettbewerbe war 1940 in Taivallahti ein Stadion gebaut worden, das aber 1952 nicht mehr dem Reglement entsprach. Deshalb wurde in Meilahti ein temporäres Stadion errichtet. Das 1940 erbaute olympische Dorf war mittlerweile zur privaten Nutzung freigegeben worden und wurde von 500 Familien bewohnt, weshalb man in Käpylä ein neues errichtete. Ursprünglich auf 3.400 Bewohner ausgelegt, wurden die Pläne aufgrund der hohen Teilnehmerzahl bei den Olympischen Sommerspielen 1948 in London noch einmal überarbeitet. Der Komplex bot schlussendlich Platz für 4.800 Personen.

Winterspiele Finnland stellte fünf Anträge auf die Ausrichtung für Winterspiele zusammen. Lahti bewarb sich für die Austragungen 1964, scheiterte aber ohne eine Stimme. Bei der Bewerbung für die Ausrichtung der Winterspiele 1968 schied man im zweiten Wahlgang aus, bei der Bewerbung um die Ausrichtung der Winterspiele 1972 mit sieben Stimmen im ersten Wahlgang. Tampere bewarb sich für die Ausrichtung der Winterspiele 1976. Mit acht Stimmen im zweiten Wahlgang schied Tampere aus. Die Bewerbung Helsinkis für die Ausrichtung der Winterspiele 2006 wurde vom IOC nicht akzeptiert.

Ausrichtung Die 15. Olympischen Spiele fanden vom 19. Juli bis 3. August 1952 in Helsinki statt. Insgesamt 4955 Athleten (4436 Männer, 519 Frauen) aus 69 Ländern, darunter zum ersten Mal die Sowjetunion, nahmen an 149 Wettkämpfen in 17 Sportarten teil.olympic.org: HELSINKI 1952: Games of the XV Olympiad Das olympische Feuer wurde von Paavo Nurmi entzündet, den olympischen Eid sprach der Turner Heikki Savolainen.

Übersicht der Teilnahmen Sommerspiele

JahrAthletenSportartenMedaillenRang∑20x20px20x20px20x20px40x40px|Medaillen – Gesamt1896–1904nicht teilgenommen1908Aarne Salovaara und Johan Kemp nahmen in der Leichtathletik und im Turnen teil.62620154933121135131912Lauri Tanner nahm im Fußball und Turnen teil. Tauno Ilmoniemi nahm im Turnen und Wasserspringen teil.164162213235376196272469892641920Kalle Kainuvaara nahm im Wasserspringen und Modernen Fünfkampf teil.63621312621189131510934419241201200523412415214861413103721928Lauri Kettunen nahm im Modernen Fünfkampf und Fechten teil.6967232353111311828892531932404002221015581225719361071025611337321138212817661951948121116566453635515512112818752061952258228301110111171110693115162611131416363132281956inklusive der sieben Athleten, die an den Reiterspielen in Stockholm teilgenommen hatten. Wäinö Korhonen nahm im Fechten und Modernen Fünfkampf teil.71701321619317105413613111151319603 Athleten nahmen sowohl im Fechten als auch im Modernen Fünfkampf teil.11710710782926341412859121113517196489845125431731078658132512196866606555103492933621214241972968973419143236103101712314814197683776254517313177418426111980Heikki Hulkkonen nahm sowohl im Fechten als auch im Modernen Fünfkampf teil.1059964551673426352819173148121984867313555352235111310251426121519887859196314231844125915111242519928860282314722621173812811225291996764729231211265115261281214402000704030231111232314771022211431200453361731122326741122262200857312621124191128591111244420125629272132172224711111213602016542628121241161113288111117820204522231114211235512285202456233311142252523271Gesamt10185119305 Winterspiele